Bittere Niederlage gegen Herne – Wechsel-Hickhack stößt sauer auf
Die Entschlossenheit und die Gier nach drei Punkten war so groß, wie sie vor einem Neuwieder Spiel gegen den Herner EV nun eben einmal ist. Nach 60 Eishockey-Minuten vor 1405 Zuschauern im Neuwieder Icehouse war bei den Bären aber auch die Enttäuschung entsprechend. Mit 2:0 hatte der EHC nach 20 Minuten hochverdient in Führung gelegen, das Spiel im Mittelabschnitt dann aber aus den Händen gegeben, sodass am Ende eine unnötige 2:4-Niederlage stand. „Das fühlt sich gerade nicht gut an, und wir müssen auch noch einiges lernen. Aber hey, wer hätte gedacht, dass wir nach elf Spielen zwölf Punkte haben?“, sagte Trainer Jeffrey van Iersel bei der Pressekonferenz.
Nach 20 Minuten sah vieles nach den Saisonpunkten Nummer 13, 14 und 15 für die Bären aus. Die Gastgeber bestimmten die Partie, Herne kreierte mit Ausnahme eines Pfostentreffers von Christian Kretschmann nicht viel Gefährliches. Der EHC lag mit 2:0 in Front, hätte höher führen können. „Ein 3:0 oder 4:0 wäre möglich gewesen“, fasste van Iersel zusammen. Tom Chetik, dem die Scheibe nach einem Abpraller von HEV-Verteidiger Justus Meyl vor den Schläger fiel, sorgte für den ersten (11.), Christian Sprez nach einem gewonnenen Bully von Juuso Rajala für den zweiten Treffer (13.). Zuvor hatte auch Jeff Smith den Puck schon einmal über die Linie gedrückt, dieser war allerdings bereits unter dem Schoner von Schlussmann Dieter Geidl blockiert – kein Tor.
Während der Aufsteiger dann jedoch von seinem bis dahin erfolgreichen Weg abkam, strahlte der Gast mehr Ruhe aus. Ein „super zweites Drittel“ seiner Mannschaft sah Hernes Trainer Len Soccio. „Dann haben wir gespielt, was wir können und die Klasse gezeigt, die wir besitzen“, sagte der Ex-Nationalspieler. Das galt zumindest für die erste Reihe mit Christian Kretschmann, Nicholas Ford und Bauer Neudecker, die das Spiel im Alleingang drehte und sämtliche Vorschriften für die Icing-Regelung außer Kraft setzte. Minute 26: Die dritte Neuwieder Formation mit Philip Kecojevic, Robin Erkinjuntti und Tom Chetik spielt Herne im eigenen Drittel an die Wand. Das 3:0 für die Bären liegt bei diesem Wechsel in der Luft, Herne rettet sich mit einem unerlaubten Weitschuss. Was dann folgte, ist zwar nur eine auf den ersten Blick unscheinbare Entscheidung der Unparteiischen, die allerdings in der Oberliga so nicht vorkommen darf. Vor dem Herner Icing stehen für die Gäste Tobias Schmitz, David Jenka, Alex Samusev, Sofiene Bräuner und Marc Hofmann auf dem Eis. Nach über einminütigem gegenseitigen Anschauen gelingt es Soccio dann aber wie auch immer vier von fünf Spieler (!) zu wechseln, sodass beim anschließenden Bully Hernes Paradesturm mit Neudecker, Kretschmann und Ford auf dem Eis steht. Linienrichter Julian Rieneck hatte Ford und Co. noch deutlich aufgezeigt, dass er und seine Nebenleute zurück auf die Bank gehören, ließ sich aber komplett weichkochen. Es kam das, was kommen musste: Herne befreite sich mit frischem Personal, das nicht auf dem Eis hätte stehen dürfen, und verkürzte durch Raik Rennerts Bogenlampe von der blauen Linie (27.). Neuwied wirkte angezählt, und dass Kretschmann einen von der Hintertor-Bande zurückspringenden Puck direkt nahm und zum 2:2 einnetzte, passte in dieser Phase wie die Faust aufs Auge (30.). Van Iersels Team wirkte nach dem Doppelschlag gegen sich wieder gefestigter, hatte vor allem durch den Chetik-Sturm gute Offensivmomente, aber die durchaus mögliche Führung gelang nicht mehr.
„Das Momentum ist im zweiten Drittel leider gekippt. Für das dritte haben wir uns vorgenommen, offensiver zu spielen“, schilderte der EHC-Coach hinterher. Aber die anfängliche Durchschlagskraft konnten die Bären nicht mehr an den Tag legen. Die Gastgeber hatten in der Zwischenzeit mit Tom Stumpe einen wichtigen Angreifer verletzt verloren. Auch das spürte man. „Wir haben am Ende die wichtigen Tore in den richtigen Situationen erzielt. Das hat uns bislang in dieser Saison gefehlt“, kommentierte Len Soccio. Ford tippte die Scheibe vor Felix Köllejan zum 2:3 ein (49.) und Raik Rennerts Schlagschuss landete unter dem Dach des Neuwieder Kastens (58.). Zum vierten Mal an diesem Abend bemühten die Unparteiischen in dieser Szene den Videobeweis. Sie sahen, dass der Puck hinten unter der Latte eingeschlagen hatte – das war die Entscheidung.
Neuwied: Köllejan – Kohans, Derraugh, Plauschin, Polok, Esche, Marten, Becker – Naumann, Erkinjuntti, Rajala, Chetik, Habeck, Sprez, Kuhn, Kecojevic, Asbach, Dötsch, Stumpe, Stuck, Smith.
Herne: Geidl – Kölsch, Meyl, Rennert, Müllejans, Schmitz, Jenka – Stöhr, Hofmann, Ford, Palka, Bräuner, Semusev, Kretschmann, Neudecker, Burym, Reichert.
Schiedsrichter: Robert Ruhnau/Marvin Schrörs.
Zuschauer: 1405 (plus 279 im SpradeTV-Livestream.
Strafminuten: 12:12.
Tore: 1:0 Tom Chetik (Derraugh, Sprez) 11‘, 2:0 Christian Sprez (Rajala) 13‘, 2:1 Raik Rennert (Neudecker, Kretschmann) 27‘, 2:2 Christian Kretschmann (Ford, Meyl) 30‘, 2:3 Nicholas Ford (Kretschmann, Neudecker) 49‘, 2:4 Raik Rennert (Reichert, Jenka).
