Bären verlieren ein denkwürdiges erstes Finale

Wer sagt eigentlich, dass Finalspiele immer torarm und von zwei Abwehrreihen geprägt sind? Der EHC Neuwied und UltimAir Hijs Hokij aus Den Haag traten am Freitagabend im ersten Endspiel um die Meisterschaft in der CEHL-Meisterschaft das genaue Gegenteil an. Die Niederländer behielten in der Bärenhöhle mit 7:6 (2:2; 3:2; 1:2; 1:0) nach Verlängerung die Oberhand und gehen somit mit einer 1:0-Serienführung in die zweite Partie am Sonntag ab 19.45 Uhr im Uithof.
In einer denkwürdigen Partie legten die Gäste immer vor, kassierten fünfmal den Ausgleich durch nicht aufsteckende Bären, und hatten in der Overtime durch einen brachialen Schlagschuss von Matias Mustonen das letzte Wort. Man wusste genau, dass die Gäste nicht viele Chancen brauchen, um zu Toren zu kommen. Zu torgefährlich sind Cody Monds, Matias Mustonen, Jay Huisman und Raymond van der Schuit. Ihre Effizienz hatte schon den Snackpoint Eaters Limburg-Geleen im Halbfinale den Garaus bereitet, jetzt machte auch der EHC schmerzhafte Erfahrung mit ihren Qualitäten. Mustonen war an zwei, van der Schuit und Monds jeweils an drei und Huisman gar an vier Treffern der Niederländer beteiligt.
Zu viele individuelle Fehler und das fehlende Scheibenglück in so mancher Situation kosteten. Ähnliches darf Den Haag von sich behaupten, sodass es kein Spiel für hohe Fangquoten der Torhüter war. Grobe Fehler leistete sich weder Felix Köllejan noch sein Gegenüber Mario Culina, aber sie hielten eben auch nicht so manche vermeintlich unhaltbare Scheibe.
Die Mannschaft von Jeffrey van Iersel lief immer und immer wieder einem Rückstand hinterher. Zeigte aber auch immer und immer wieder Moral. Janeck Sperling brauchte nur 22 Sekunden, um das 0:1 von Wesley de Bruijn auszugleichen, in Überzahl staubte er zum 2:2 ab, nachdem van der Schuit im Slot Monds‘ Pass erwartet und verwandelt hatte. Das war’s im ersten Drittel, das mit insgesamt 20 Strafminuten nicht nur Tore, sondern auch Giftiges enthielt. Kurios: In den 40 Minuten danach gab es keine einzige weitere Hinausstellung mehr, die Tore fielen aber weiter wie reife Früchte. Van der Schuit bestrafte einen EHC-Puckverlust im eigenen Drittel, dann startete Ludvig Hedström ein Solo über fast die komplette Eisfläche und traf – 3:3. Nachdem Bartek Bison und Huisman auf 3:5 gestellt hatten, nahm van Iersel die Auszeit. In der Endphase des zweiten Durchgangs waren die Einheimischen wieder am Drücker. Christian Sprez stellte den Anschluss her und Jeff Smith vergab zwei Chancen zum abermaligen Gleichstand. Der gehörte Sprez. Ein Fehlpass von Jordy van Oorschot brachte ihn ins Spiel, und der anschließende Schlagschuss saß. Kein Zurückstecken, kein Ende des Torwahnsinns ins Sicht. Huismans spätes Kontertor zum 5:6 etwas mehr als zwei Minuten vor dem Ende. Setzte die Bären erneut unter Druck, und sie schaffen ein weiteres Comeback. Mit vereinten Kräften befreite man die Scheibe von der Bande, Jeff Smith passte in die Mitte und Hedström brachte das Spiel 57 Sekunden vor Schluss in die Verlängerung. Und es wäre sogar noch verrückter möglich gewesen: Smith bekam in unmittelbarer Nähe zum Kasten die Scheibe nicht unter Kontrolle, Maximilian Wasser traf den Nachschuss vor dem leeren Tor nicht – bitter.
Zur Overtime: Matthieu Desaultes traf für Den Haag den Pfosten, Hedström und Sprez vertändelten einen Zwei-gegen-null-Konter. Der goldene Abschluss von Mustonen (64.) entschied die Partie, die alles, aber nicht gewöhnlich war. Erst recht nicht für ein Meisterschafts-Finale.