Bären kommen beim 6:5-Sieg nach Verlängerung in Heerenveen mit einem blauen Auge davon
Wer in der Tabelle an der Spitze steht, gewinnt hin und wieder auch Spiele mit einer Portion Glück und blauem Auge. Es sah für den EHC Neuwied bereits danach aus, als sollten die Bären in ihrem Auswärtsspiel in der Central European Hockey League (CEHL) bei den Unis Flyers Heerenveen leer ausgehen, als Maximilian Wasser 14 Sekunden vor Schluss mit einem Nachschuss das 5:5 erzielte und die Bären in die Verlängerung führte. Hineingearbeitet, nicht gespielt – aber genau darauf muss man sich auch einmal verlassen können, wenn es nicht rundläuft. So musste bereits zum fünften Mal in drei Saisons zwischen den Bären und den Flyers die Verlängerung (oder das Penaltyschießen) den Sieger ermitteln. Zum dritten Mal hatte dabei der EHC das bessere Ende auf seiner Seite, weil Michael Jamieson in der 63. Minute den Siegtreffer zum 6:5 für die Gäste erzielte.
Neuwieds Tabellenführung bleibt mit sieben Punkten deutlich, aber das kann sich schnell ändern, wenn die Snackpoint Eaters Limburg-Geleen noch einmal gewinnen bei ihrem Gleichziehen nach absolvierten Spielen. Die Entscheidung über Platz eins nach der Hauptrunde der Meisterschaft ist noch lange nicht gefallen.
Die ersten 22 Minuten erinnerten an die jüngsten EHC-Spiele. Mit zwar wenig Spektakel, aber guter Kontrolle in der Abwehr, Disziplin und Effektivität vor dem niederländischen Tor schoss Artjom Alexandrov das 2:0 heraus. Zunächst fälschte er einen Schlagschuss von Finn Walkowiak mit heruntertickender Strafzeit gegen die Gastgeber ab (17.), dann rutschte ein Rückhandversuch auf das Tor von Thijs Kivits durch (23.). Von nun an war es ein anderes Spiel. Die Bären wurden nachlässig, leisteten sich individuelle Fehler und kassierten innerhalb von 6 Minuten und 19 Sekunden drei Gegentore. Matt Ustaski stocherte die Scheibe über die Linie (27.), Lennart Vosmer machte es im Getümmel ähnlich (32.) und Jasper Nordemann jagte die Scheibe mit einem satten Schuss unter die Latte (34.). Immerhin konnten die Gäste die ungewohnten Abwehr-Nachlässigkeiten im weiteren Verlauf noch dreimal kompensieren und egalisieren. Janeck Sperling verwandelte einen Zwei-gegen-eins-Angriff nach Querpass von Juuso Rajala (36.) zum 3:3, Rajala markierte nach Tom Speels 4:3 in Überzahl (39.) den neuerlichen Gleichstand per Nachschuss (47.) und schließlich erwies sich Maximilian Wasser einmal mehr als Spezialist für die späten Tore (60.). Die Bären wollten in der Endphase unbedingt Justus Mikkonens energischen Zug zwischen zwei EHC-Verteidigern durch (58.) wettmachen und schafften es. Nachdem zwei Flyers-Schüsse aufs leere Tor den Kasten knapp verpassten hatten, traf Wasser doch noch.
Die Verlängerung begann der Tabellenführer mit einem neuen Torhüter. Weil der zunächst auf der Bank sitzende Felix Köllejan als Spezialist fürs Penaltyschießen gilt, und er für den Fall des Shootouts schon etwas auf Temperatur kommen sollte, brachte Trainer Jeffrey van Iersel „Penalty-Joker“ Köllejan für Jonas Gähr. Anders als im Liga-Spiel im Icehouse blieb die Entscheidung mit den Alleingängen der Angreifer aus, weil Jamieson ein fast schon verloren geglaubtes Spiel noch zum Zusatzpunkt für Neuwied führte.

Michael Jamieson erzielte in Heerenveen in der Verlängerung den Siegtreffer für den EHC.