Besondere Erinnerungen an die nächsten beiden Gegner
Jeffrey van Iersel sprach bei der Pressekonferenz im VIP-Raum des Neuwieder Icehouses von einem großen Sonntag für den EHC Neuwied, eine Etage tiefer in der und rund um die Mannschaftskabine strahlten die Spieler um die Wette. Der 4:3-Heimsieg der Bären gegen den Meisterschafts-Mitfavoriten Hannover Scorpions reihte sich in die besonders denkwürdigen Eishockey-Abende am Mittelrhein ein. „Aber jetzt schauen wir nach vorn“, machte Trainer van Iersel direkt deutlich, dass sich sein Team auf dieser Momentaufnahme nicht ausruhen darf. Ohne Zeit zu verschwenden, bereitet sich der Aufsteiger auf die nächsten beiden Aufgaben vor: den Herforder EV (auswärts am Freitag ab 20.30 Uhr) und die Hannover Indians (zu Hause am Sonntag ab 19 Uhr).
Am Sonntag der Überraschung erwiesen sich nicht nur die Bären als Stolperstein, sondern auch die Herforder, indem sie Tabellenführer Tilburg mit 3:2 nach Verlängerung bezwangen. „Wir sind glücklich, die erste Mannschaft sein zu dürfen, die Tilburg Punkte abgenommen hat“, sagte Henry Thom, der Trainer der Ice Dragons, die punktgleich sind mit den Bären. Nicht zuletzt der EHC-Coup gegen die Scorpions war für Thom dafür ausschlaggebend, in der Vorbereitung ein ausgiebiges Videostudium vorzunehmen. Unmittelbar nach dem Tilburg-Spiel wusste er noch relativ wenig über den Neuling: „Neuwied hat in den ersten Wochen gute Ergebnisse erzielt, nicht nur gegen Hannover. Sie scheinen stabil zu stehen und einen ganz guten Torhüter zu haben.“ Die vergangenen Tage dürfte er genutzt haben, um sich mit der Detailarbeit beschäftigt zu haben.
Neuwied gegen Herford – dieses Duell war in der Regionalliga West zwischen den Spielzeiten 2016/17 und 2019/20 ein Play-off-Klassiker. Dreimal musste sich der EHC im Viertel- beziehungsweise Halbfinale geschlagen geben, 2020 brachen die Bären den Bann, ehe das Finale gegen die EG Diez-Limburg der Pandemie zum Opfer fiel. Danach entschieden sich die Ostwestfalen für eine Meldung für die Oberliga. Jetzt kreuzen sich die Wege nach sechseinhalb Jahren wieder. Aber mit komplett verändertem Personal. Bei den Drachen zählt unter anderem der US-Amerikaner Jackson Pierson dazu, der aktuell zweitbeste Scorer der Oberliga Nord (17 Punkte in 8 Spielen). „Jackson war gegen Tilburg der beste Spieler auf dem Eis“, sagte Thom über seinen Import. Und das will etwas heißen bei der Qualität, die die Niederländer aufbieten.
An einem Sonntag in Neuwied gegen Hannover zu spielen – das ließ sich vor einer Woche bereits gut an gegen die Scorpions. Mit den Indians kommt nun der traditionsreichere Part aus der niedersächsischen Landeshauptstadt. Bislang kann der Vorjahresdritte die eigenen Erwartungen noch nicht erfüllen. „Wir sind nicht geradlinig genug auf dem Eis und müssen schleunigst anfangen, mehr zu machen. Das ist momentan zu wenig“, sagte Trainer Michael Baindl nach der 3:5-Niederlage gegen Duisburg vor einer Woche. Der letzte Dreier gelang am 3. Spieltag gegen Halle. Da zeigte die Mannschaft genauso wie beim 3:2 nach Verlängerung gegen Leipzig, was in ihr steckt. Die Qualität im Kader ist zweifelsfrei vorhanden: Tyler McNeely zum Beispiel hat 576 DEL2-Scorerpunkte in seiner Vita stehen, Brandon Alderson punktete vor vier Jahren während seines Aufenthalts bei den Scorpions am laufenden Band (95 Punkte in 59 Spielen) und Mathieu Pompei ist aktuell der torgefährlichste Mann seines Teams (12 Punkte in 8 Spielen). Gegen die Indians endete vor einer Dekade das letzte Neuwieder Oberliga-Kapitel. Jetzt sind die Bären zurück in der 3. Liga – und wie.
