EHC blickt voller Spannung auf den Auftakt – Erstes Punktspiel in ganz Deutschland
Die Eishockey-Oberliga Nord hat sich mit einem spektakulären Eröffnungsspiel in Neuwied zurückgemeldet. Aufsteiger EHC Neuwied zeigte vor 1202 Zuschauern nach zehneinhalb Jahren eine gute Rückkehr, die Punkte nahmen jedoch die favorisierten Füchse aus Duisburg mit, die sich verdient mit 6:3 (3:3; 1:0; 2:0) durchsetzen. Bevor die Bären und die Gäste aus der Wedau mit einer wilden Anfangsphase (2:3 nach acht Minuten) hochunterhaltsam losgelegt hatten, gab’s im würdigen Rahmenprogramm mit der Präsentation des Meisterpokals im Scheinwerferlicht auf dem Eis, Neuwieder Nachwuchsspielern, die die Flaggen der zwölf Nord-Oberligisten präsentierten, und nicht zuletzt der Nationalhymne einige feierliche Momente.
Zum Feiern von Toren hatten beide Fanlager auf der Tribüne im ersten Drittel direkt reichlich Gelegenheit. Zunächst die Bären: Juuso Rajala glänzt in der Regel als Vorlagengeber vom Dienst mit seiner Übersicht, den Alleingang auf Nico Wiens verwandelte er in Torjäger-Manier jedoch eiskalt. Da war die Begegnung gerade einmal 156 Sekunden alt. „Ich habe in der Anfangsphase gedacht, wir spielen Sommer-Hockey und das Spiel geht 10:10 aus“, sagte Gäste-Trainer Frank Petrozza zu den zügellosen ersten Minuten. „Das war nicht das, was Trainer gerne sehen“, ergänzte EHC-Coach Jeffrey van Iersel. Viel Offensive und ein regelrechtes Scheibenschießen auf beiden Seiten unterhielten die Zuschauer dafür prächtig.
Nach Rajalas Tor drehte Füchse-Kapitän Nicklas Mannes das Ergebnis bis zur sechsten Minute zum 1:2, nur 20 Sekunden später egalisierte jedoch Kevin Handschuh direkt wieder, der Artjom Alexandrovs Hereingabe verwertete. Und weiter ging’s im Vorwärtsgang. Der Vorjahres-Vierte der Hauptrunde nutzte sein erstes Powerplay zur erneuten Führung. Der Kanadier Philippe Sanche überwand Felix Köllejan per Direktabnahme. 2:3 vor dem ersten Powerbreak – da mussten beide Mannschaften zuerst einmal durchatmen. Sie kehrten mit etwas mehr taktischer Disziplin aus der kurzen Verschnaufpause zurück, und auch die beiden Schlussmänner, die einen Kaltstart erwischt hatten, fanden nun besser ins Spiel.
Genauso wie bei den Gästen, saß auch das erste Neuwieder Überzahlspiel auf Anhieb. Christian Sprez traf zum 3:3-Pausenstand (16.). „Wir haben sogar die Chance besessen, mit einer Führung in die Kabine zu gehen“, kommentierte van Iersel. Ihm dürfte zum Beispiel die Möglichkeit von Juuso Rajala durch den Kopf gegangen sein, der kurz vor der Sirene an Wiens scheiterte.
Im Mittelabschnitt schnürte mit Sanche zunächst der zweite Duisburger seinen Doppelpack (25.), bevor der CEHL-Meister von 2025/26 rund um zwei Überzahlsituationen Oberwasser gewann und spürte, dass er nach wie vor alle Chancen hat, die Füchse zu ärgern. Zweimal Alexandrov und einmal Kapitän Jeff Smith, der den Pfosten traf (38.), hatten den erneuten Gleichstand auf dem Schläger. „Wir hatten eine gute Position für das dritte Drittel“, sah auch Trainer van Iersel noch alles in Reichweite. „Dann haben wir aber den Unterschied zwischen CEHL und Oberliga gesehen“, spielte der Niederländer auf der Bären-Bank auf die Qualitäten des Gegners an, der jeden kleinen Fehler bestrafen kann. Nach einem Scheibenverlust in der neutralen Zone erhöhte Luis Üffing auf 3:5 (52.). Der 26-jährige Angreifer hat in seiner Laufbahn immerhin schon 188 DEL-Einsätze für die Kölner Haie bestritten. „Im dritten Drittel haben wir gut gespielt und Druck auf das Tor ausgeübt“, zeigte sich Frank Petrozza zufrieden damit, wie seine Mannschaft sich den Sieg sicherte, an dessen Verdientheit auch Jeffrey van Iersel keinen Zweifel ließ. „Aber es war kein 6:3“, sah er das Ergebnis zu hoch ausgefallen. Den letzten Treffer der Partie gaben die Unparteiischen Sebastian Lehmann und Nicolas Turnwald erst nach Betrachtung des Videobeweises, wenngleich die Bilder keinen klaren Aufschluss darüber geben konnten, ob das unter Torraum-Abseits-Verdacht stehende Tor von Michael Fomin (55.) regelkonform war. Die On-Eis-Entscheidung lautete Tor, und sie hatte am Ende auch Bestand.
„Trotz der Niederlage können wir viel Positives mitnehmen“, sagte der EHC-Trainer. Für seine Mannschaft geht’s am Sonntag weiter. Dann sind die seit Jahren zur Ligaspitze zählenden Tillburg Trappers der Auswärtsgegner der Bären.
Neuwied: Köllejan – Dietzschold, Götz, Derraugh, Plauschin, Polok, Esche, Asbach, Marten – Segeth, Erkinjuntti, Rajala, Chetik, Sprez, Kuhn, Kecojevic, Stumpe, Naumann, Handschuh, Smith, Alexandrov.
Duisburg: Wiens – Müller, Frick, Grosse, Kuschel, Mannes, Radionovs – Geiger, Schitz, Sanche, Haarala, Üffing, Brandt, Strauß, Fomin, Saccomani, Farkas.
Schiedsrichter: Sebastian Lehmann/Nicolas Turnwald.
Zuschauer: 1202.
Strafminuten: 6:8.
Tore: 1:0 Juuso Rajala (Götz, Smith) 3‘, 1:1 Nicklas Mannes (Schitz, Fomin) 4‘, 1:2 Nicklas Mannes (Schitz, Fomin) 6‘, 2:2 Kevin Handschuh (Polok, Alexandrov) 7‘, 2:3 Philippe Sanche (Haarala, Frick) 8‘, 3:3 Christian Sprez (Plauschin, Stumpe) 16‘, 3:4 Philippe Sanche (Haarala, Üffing) 25‘, 3:5 Luis Üffing (Sanche) 52‘, 3:6 Michael Fomin (Geiger, Saccomani) 55‘.
