EHC Neuwied verliert gegen Spitzenteam Leipzig mit 1:4

Der EHC Neuwied ist in der Eishockey-Oberliga Nord momentan ein Paradebeispiel dafür, wie sich ein Underdog Spiel für Spiel nicht nur gegen die Favoriten stemmt, sondern auch mit der personell schwierigen Situation umgeht. Nach wie vor ohne die verletzten Leistungsträger Marcus Götz, Kevin Handschuh, Michael Jamieson und Tom Stumpe boten die Bären auch den KSW Icefighters Leipzig so gut es ging Paroli, rückten dabei auch von ihrer mutigen Spielweise nicht ab, verloren gegen eine Spitzenmannschaft aber mit 1:4 (1:1; 0:2; 0:1). „Wir hatten heute Energie für 60 Minuten. Ich bin mit unserer Leistung wirklich zufrieden“, sagte Neuwieds Trainer Jeffrey van Iersel.
Die Gastgeber kamen vor heimischem Publikum sogar zu den ersten Großchancen. Juuso Rajala scheiterte mit einem Alleingang an Leipzigs starkem Torhüter Konstantin Kessler (3.) und kurze Zeit später kam Lennard Habeck nach einem Leipziger Scheibenverlust hinter dem eigenen Tor überraschend in aussichtsreicher Position zum Abschluss, brachte die Scheibe aber ebenfalls nicht im Kasten unter (6.).
Im Powerplay haben die Sachsen in dieser Saison noch keine Bäume ausgerissen, das erste Überzahlspiel in Neuwied nutzten sie aber prompt. Vincent Hesslers Distanzschuss schlug hinter Felix Köllejan ein (9.). Die zuvor gegen Jeff Smith ausgesprochene Strafzeit nahmen die Zuschauer noch einigermaßen unberührt zur Kenntnis. Das änderte sich danach immer mehr und endete in einem gellenden Pfeifkonzert, als die Unparteiischen innerhalb kurzer Zeit Björn Asbach, zwei weitere Male Kapitän Jeff Smith und Lennart Esche auf die Bank schickten. Mit einer Jetzt-erst-recht-Einstellung überstand der EHC die Sequenz mit vielen Hinausstellungen. Als es auf der Gegenseite dann Robin Thalmeier erwischte, stellten die Bären ihre Überzahl-Qualitäten unter Beweis. Mateas Derraughs Schuss kam bei Christian Sprez an, der anschließenden seinen eigenen Abpraller nutzte (19.).
Dass die Icefighters das statistisch beste Penalty-Killing der Liga stellen stellten sie im Mittelabschnitt unter Beweis. In zwei Vier-gegen-Fünf-Situationen gelang es den Gastgebern nicht wirklich, Druck aufzubauen. Es gehört aber auch zum Schicksal eines Aufsteigers, dass die erfahreneren Gegner in den wichtigen Momenten zuschlagen und hier und da auch etwas Scheibenglück auf ihrer Seite haben. Das galt für die Leipziger Tore zum 2:1 und 3:1 im zweiten Durchgang. Jacob Ficenec traf die Scheibe beim Schlagschuss nicht richtig, trotzdem – und vielleicht sogar gerade deshalb – kam sie schließlich beim lauernden Kameron Kielly an (24.). EHC-Gegentor Nummer drei resultierte aus einem zunächst geblockten Schuss Vincent Jiraneks, was Kapitän Jesse Roach ins Spiel brachte (40.). Besonders bitter der Zeitpunkt aus Neuwieder Sicht. Zum Zeitpunkt Roachs Einschuss standen noch 4,2 Spielzeit vor der zweiten Pause auf der Anzeigetafel. „Das waren im zweiten Drittel zwei Gegentore durch unglückliche Abpraller. Nach den vielen Über- und Unterzahlsituationen im ersten Drittel, gab es jetzt mehr fünf gegen fünf und das Spiel ging gut hoch und runter“, sagte van Iersel.
Dazwischen hatte auch van Iersels Team richtig gute offensive Aktionen. Juuso Rajala, Christian Sprez und der unter der Woche aus Leipzig nach Neuwied gewechselte Leon Kreps hatten Tore für Neuwied auf dem Schläger. Konstantin Kessler, 2025/26 nicht von ungefähr zum besten Torhüter der Liga gewählt, behielt aber reaktionsschnell die Übersicht. Diese Situation nach 40 Minuten kannten die Deichstädter von den vergangenen. Sie lagen zwar zurück, befanden sich aber noch immer in Reichweite. Für mehr hätte es einen Erfolg im Vier-Minuten-Powerplay nach einer doppelten Zwei-Minuten-Strafe gegen Fredrik Alasaari gebraucht. Die letzte Chance, noch einmal ins Spiel zurückzukommen verstrich. Wie eine Spitzenmannschaft es macht, zeigte Kameron Kielly. Er erhöhte im Konter auf 4:1 (50.). Danach spielten die Sachsen ihren Sieg souverän nach Hause. „Wir spielen seit acht, neun Spielen wirklich gut. Ich bin zufrieden mit unseren bisherigen Leistungen“, so Gästetrainer Hakan Ahlund.

Neuwied: Köllejan – Marten, Polok, Plauschin, Becker, Burghard, Esche, Derraugh – Sprez, Rajala, Erkinjuntti, Smith, Asbach, Habeck, Chetik, Dötsch, Kecojevic, Kreps.
Leipzig: Kessler – Thalmeier, Schwaiger, Alasaari, Mantsch, Ficenec, Hessler – Herzog, Zajic, Stefanson, Jiranek, Roach, Gärtner, Bindels, Schwamberger, Samigullin, Hinz, Kielly.
Schiedsrichter: Robert Ruhnau/Vanessa Anselm.
Zuschauer: 805 (zusätzlich 291 im SpradeTV-Livestream).
Strafminuten: 14:14.
Tore: 0:1 Vincent Hessler (Schwaiger, Visner) 9‘, 1:1 Christian Sprez (Derraugh, Rajala) 19‘, 1:2 Kameron Kielly (Roach, Ficenec) 24‘, 1:3 Jesse Roach (Jiranek, Reiner) 40‘, 1:4 Kameron Kielly (Stefanson, Schwaiger) 50‘.


Bären-Neuzugang Leon Kreps stand vor einer Woche noch für, am Sonntag als Neuwieder gegen Leipzig auf dem Eis.