Bären schlagen Rostock mit 4:3

Bärenherz, was willst du mehr als diesen Saisonstart in der Oberliga Nord? Oder als dieses Sechs-Punkte-Wochenende? Zwei Tage nach dem 5:4-Sieg in Erfurt am Freitag legten die Bären nach und fuhren den nächsten Sieg ein. Die Mannschaft von Jeffrey van Iersel setzte sich gegen die Überraschungs-Mannschaft aus Rostock mit 4:3 (1:3; 1:0; 2:0) durch und kletterte auf Tabellenplatz sechs. Wer hätte das dem Aufsteiger zugetraut?
Ja, da gab es gegen die Raubfische von der Ostsee ein paar Ansatzpunkte, die einen aus EHC-Sicht hoffen ließen. Die Gäste hatten nur 14 Feldspieler auf dem Spielberichtsbogen stehen und eine weite 700-Kilometer-Busanreise quer durch die Nordhälfte Deutschlands in den Knochen, aber eine Mannschaft, für die weite Auswärtsfahren seit Jahren zum Alltag gehören, kommt auch damit zurecht. Ein Rostocker Doppelpack binnen zwölf Sekunden stellte die Bären vor eine echte Herausforderung. So hatte sich der EHC den Sonntagabend zumindest vom Zwischenergebnis mit Sicherheit nicht vorgestellt. Spielerisch konnte Trainer van Iersel seinem Team bis dahin keinen Vorwurf machen: „Wir sind gar nicht schlecht reingekommen“, fand der Niederländer nach der ruhigen Anfangsphase mit wenigen Abschlüssen. Aus bis dahin wenig machte der Gast innerhalb kurzer Zeit verdammt viel. Der Schwede Jonas Öhrvall krallte sich den Puck, setzte zum Solo an und nachdem er die Neuwieder Hintermannschaft ausgetanzt hatte, schob er die Scheibe lässig an Schlussmann Felix Köllejan vorbei (11.). Bully, Angriff, wieder Tor – die Piranhas legten mit etwas Scheibenglück nach. Der DEL-erfahrene Fedor Kolupaylo passte die Scheibe von hinter dem Tor in den gefährlichen Bereich, sie sprang von Jeroen Plauschins Schlittschuh Kevin Kunz auf die Kelle. Der Abschluss war Formsache für Rostocks Nummer 83.
Van Iersel signalisierte den Schiedsrichtern ohne Zögern „Auszeit“. „Wir haben den Fokus darauf gelegt, das nächste Tor zu erzielen“, berichtete der Bären-Coach. Tom Stumpe beherzigte diese Worte. Er fälschte Christian Sprez‘ Schuss aus zentraler Position unhaltbar für Rodion Schumacher ab. Der erste gefährliche Abschluss saß direkt. „Ein guter Zeitpunkt“, wie van Iersel kommentierte. Aber auch der Gast aus Mecklenburg-Vorpommern fand einen solchen aus seiner Sicht. 40 Sekunden vor der ersten Pause traf Dante Hahn im Überzahl. Öhrvall löste sich von der blauen Linie und servierte das Spielgerät perfekt auf das Schlägerblatt von Dante Hahn.
Auch dieser Herausforderung wusste sich der EHC anzunehmen. Mit noch mehr Energie und Angriffs-Eishockey riss die Heimmannschaft das Spiel im zweiten Drittel an sich. Das Powerplay begann zu stechen. Marlon Braun saß sechs Minuten auf der Sünderbank, da konnte er schon wieder zurück aufs Eis, weil Jeff Smith es Hahn zuvor gleichmachte und die Überzahl ausnutzte. Der Bären-Kapitän schoss die Vorlage von Juuso Rajala an Schumacher vorbei in die Maschen (23.). „Wir haben uns für das letzte Drittel in eine gute Position gebracht“, sagte van Iersel zum Mittelabschnitt. Indes wurde die Partie hitziger und emotionaler. Mit dem „Höhepunkt“ der ersten EHC-Schlägerei in dieser Saison: Robin Erkinjuntti bekam sich unmittelbar vor der eigenen Bank mit Jannick Stein in die Haare (44.). Der hatte sich zuvor bereits mit Jeff Smith angelegt. Gästetrainer Marius Pöpel thematisierte diesen Aspekt bei der Pressekonferenz. „Unsere Undiszipliniertheiten sind momentan ein großes Problem. Das kostet Kraft.“ Und auf der Strafbank verloren die Piranhas schließlich auch das Spiel. Die Foulspiele von Leon Häring sowie Ilija Fleischmann bestrafte das an diesem Abend starke Neuwieder Powerplay. Die jetzt den Ton angebenden Bären glichen durch Philip Kecojevics Nachschuss zum 3:3 aus (52.) und erhöhten ihre Überzahlquote in diesem Spiel keine zwei Minuten später auf 75 Prozent. Dass doch ziemlich passive Rostocker Unterzahl-Viereck hatte erneut das Nachsehen, als Smith die Scheibe im Nachsetzten über die Linie drückte (54.). Gegen die erste Bären-Führung des Abends versuchten es die Gäste mit Auszeit und sechstem Feldspieler. Die Bären wehrten sich und machten das Sechs-Punkte-Wochenende perfekt. Sechs Punkte bis zum Freitag vorerst einmal Platz sechs. „Wir haben auch nach dem Rückstand an uns geglaubt und mussten nach dem Anschluss im zweiten Drittel, alles möglich ist, weil das dritte zu Hause unser bestes ist. Nach dem 3:3 gaben uns unsere Fans die Extra-Power“,  sagte van Iersel.

Neuwied: Köllejan – Dötsch, Marten, Polok, Plauschin, Riegel, Kohans, Esche, Derraugh – Rajala, Erkinjuntti, Naumann, Smith, Handschuh, Habeck, Chetik, Alexandrov, Kecojevic, Segeth, Sprez.
Rostock: Schumacher – Marlon Braun, Häring, Hoffmann, Hupach, Geuss – Maximilian Braun, Postel, Kunz, Stein, Kolupaylo, J. Öhrvall, Stelzmann, Fleischmann, Hahn.
Schiedsrichter: Tony Engelmann/Patrick Stewen.
Zuschauer: 939 (plus 250 SpradeTV-Buchungen).
Strafminuten: 11:15.
Tore: 0:1 Jonas Öhrvall 11‘, 0:2 Kevin Kunz (Häring, Kolupaylo) 12‘, 1:2 Tom Stumpe (Sprez, Esche) 16‘, 1:3 Dante Hahn (Öhrvall, Hoffmann) 20‘, 2:3 Jeff Smith (Rajala, Handschuh) 23‘, 3:3 Philip Kecojevic (Rajala, Smith) 52‘, 4:3 Jeff Smith (Kecojevic, Rajala) 54‘.


Philip Kecojevic erzielte im Powerplay das 3:3.