Knappe 4:5-Niederlage nach couragierter Leistung

68 Sekunden haben dem EHC Neuwied zu einer ganz großen Überraschung gefehlt. Zu einem „Bonus“ wie Trainer Jeffrey van Iersel es nach der Partie bei der Pressekonferenz formulierte. Mit dem „Bonus“ meinte er mindestens einen Punkt. Der war möglich für die Bären im Oberliga-Auswärtsspiel bei den Saale Bulls Halle. „Heute tut die Niederlage weh, aber wir können viel Positives aus dem Spiel mitnehmen. Wir haben immerhin gegen eine Mannschaft gespielt, die zu den besten der Oberliga Nord zählt“, ergänzte der Niederländer nach der knappen 4:5 (1:1; 1:2; 2:2)-Niederlage in Sachsen-Anhalt.
Bei den Bären stand von Kooperationspartner Mannheim diesmal Verteidiger Aleksandrs Kohans zur Verfügung, während die Freitag so starken Mika Hennig, Jason Struck, Adrian Kuhn und Mikka Dietzschold mit den Jungadlern in der DNL im Einsatz waren und in Köln mit 5:3 gewannen. Marcus Götz hatte sich gegen Hamm einen Schnittwunde an der Ferse zugezogen und musste genauso pausieren wie Lennart Habeck.
Der EHC zeigte an der Saale eine kontinuierliche Leistungssteigerung. „Im ersten Drittel mussten wir viel Verteidigungsarbeit leisten und sind trotzdem mit einem Unentschieden in die Pause gegangen. Im zweiten Abschnitt haben wir dann besser ins Spiel gefunden und der dritte war unser bester heute“, rekapitulierte van Iersel die 60 abwechslungsreichen Minuten, in denen Kevin Handschuh die Bullen in der vierten Minuten schockte. Verteidiger Petr Heider lenkte die Scheibe nach Handschuhs versuchter Querlage ins eigene Tor. Es sollte nur der Auftakt doch einiger Kullertore sein. Halle münzte seinen Vorteil bei den Abschlüssen durch Fabian Belendir in den Ausgleich um (6.). In dieser Aktion profitierte der Angreifer von einem Moment des Freiraums. Im Mittelabschnitt geriet van Iersels Team schon mit dem ersten Wechsel ins Hintertreffen. Calder Anderson war Nutznießer eines EHC-Scheibenverlusts hinter dem eigenen Tor (21.).
Die Moral der Bären ist intakt. „Wir wollten unserem Spielstil gerecht werden und nach vorn spielen, anstatt uns defensiv einzunisten“, schilderte van Iersel seine taktische Herangehensweise. Dieser Mut zahlte sich aus. Marvin Neher fälschte Jeff Smiths Schuss zum 2:2 ins eigene Tor ab (23.). Auf Thomas Merls Treffer, der dank Unterstützung des Innenpfosten zustande kam (28.), fand Juuso Rajala die Antwort (52.). Davor hatte Felix Köllejan mit einem parierten Penalty von Nicklas Huard einen wichtige Parade ausgepackt (40.).
Als ein Neuwieder Schlittschuh unglücklich Marvin Neher beim Tor zum 4:3 unterstützte (56.), war eine spektakuläre Endphase eingeleitet. Im Fußball würde man Kevin Handschuhs 4:4 als Volleyabnahme nach einem Aufsetzer bezeichnen. Aus der Luft donnerte er die Scheibe in die Hallenser Maschen (58.). Dieses spektakuläre Tor reichte aber nicht zur Verlängerung. Petr Heider wurde zunächst von einem Neuwieder Verteidiger geblockt, die Scheibe sprang dem Verteidiger für den zweiten Schlagschuss vor die Kelle und der saß. „Wir sind heute der glückliche Sieger. Insgesamt haben wir zu viel abgegeben“, sagte Halles Trainer Christian Hommel zum Spiel.

Halle: Wölfl – Rogl, Neher, Heider, Belendir, Tabert, Wäser – Merl, Huard, Schäfer, Domogalla, Lessard-Aydin, Knaus, Anderson, Jentsch, Palka, Bollers, Hechtl, Drothen.
Neuwied: Köllejan – Becker, Martens, Kohans, Polok, Burghard, Esche, Plauschin, Derraugh – Stumpe, Sprez, Rajala, Smith, Handschuh, Dötsch, Erkinjuntti, Alexandrov, Kecojevic, Asbach.
Schiedsrichter: Michael Fendt/Nicolas Turnwald.
Zuschauer: 2003.
Tore: 0:1 Kevin Handschuh (Derraugh) 4‘, 1:1 Fabian Belendir (Jentsch, Merl) 6‘, 2:1 Calder Anderson (Bollers, Rogl) 21‘, 2:2 Jeff Smith (Rajala, Polok) 23‘, 3:2 Thomas Merl (Bollers, Anderson) 28‘, 3:3 Juuso Rajala (Kecojevic, Plauschin) 52‘, 4:3 Marvin Neher (Bollers, Anderson) 56‘, 4:4 Kevin Handschuh (Smith, Rajala) 58‘, 5:4 Petr Heider (Neher, Anderson) 59‘.


Jeroen Plauschin wurde zum besten EHC-Spieler in Halle gewählt.