Bären holen beim 3:0-Sieg gegen Hamm ihre ersten drei Punkte – Mannheimer Förderlizenzspieler bereiten den Fans viel Freude
Carsten Billigmann und Jeffrey van Iersel hatten vor der Rückkehr in die 3. Liga eine Neuwieder Mannschaft ohne die großen Namen, aber mit dafür umso größerem Einsatz angekündigt. Eine Mannschaft mit Kämpferherz, die in jedem Spiel ihre Chance nutzen will, den arrivierten Oberligisten die Stirn zu bieten. Am Freitagabend schlug das im Heimspiel gegen die Hammer Eisbären zum ersten Mal richtig durch. Beim 3:0 (1:0; 1:0; 1:0)-Heimsieg holten die Bären ihre ersten Punkte seit dem Oberliga-Comeback. Offiziell 909 Zuschauer im Icehouse und 249 im Livestream von SpradeTV sahen eine unangenehme Neuwieder Mannschaft und eine Überraschung gegen den Hauptrunden-Sechsten der Vorsaison.
Bei den Gästen fehlten unter anderem die gesperrten Mantas Stankius und Pontus Wernerson-Libäck, sodass Trainer Tobias Stolikowski seine Reihen umbauen musste. „Wenn wir unsere Kooperationspartner nicht gehaben hätten, hätten wir wohl mit nur zwei Reihen antreten können“, sagte der 43-Jährige, der vor gut 20 Jahren eine Saison beim SC Mittelrhein verbrachte und in Neuwied sein einziges Seniorenjahr mit zweistelliger Toranzahl absolvierte. „Hier habe ich meine meisten Treffer gemacht“, erinnerte sich Stolikowski auf der Pressekonferenz. Den Eisbären gelang diesmal kein einziger, weil der EHC großartige Defensivarbeit verrichtete und mit Mika Hennig einen starken Schlussmann im Tor hatte. „Mika hat ein Riesenspiel gemacht. Aber es war eine große Teamleistung von allen 22“, freute sich Trainer van Iersel über den ersten Saisonsieg. Der 18-jährige Förderlizenzspieler der Jungadler Mannheim feierte den ersten Oberliga-Shutout seiner noch jungen Karriere.
Nach einem anfänglichen Abtasten entwickelte sich im ersten Drittel ein insgesamt offenes Spiel, in dem beide Teams ihre Möglichkeiten besaßen, in Führung zu gehen. Mehr Spielanteile mögen die Gäste gehabt haben, aber in Sachen Torchancen konnten auch die Bären mehr als nur ein Wörtchen mitreden. Unter anderem scheiterten Lennart Dötsch (10.) und Lennard Esche (19.) an Kyle Hagen. „Alle haben sich im ersten Drittel fast optimal an den Matchplan gehalten“, lobte van Iersel. Dass die Gastgeber in der 17. Minute das 1:0 vorlegten, spielte ihnen in die Karten. Adrian Kuhn schaltete bei einem Abpraller blitzschnell, als ihm der Puck vor die Schlittschuhe fiel, und verwertete seinen eigenen Nachschuss (17.). „Darauf konnten wir aufbauen“, sagte van Iersel. Das tat der EHC im zweiten Drittel schnell. Neuwieds Goldhelm Christian Sprez sammelte mit seinem Tor zum 2:0 (22.) bereits seinen vierten Scorerpunkt im dritten Spiel und wird das besondere Ausrüstungs-Accessoire auch am Sonntag im Auswärtsspiel bei den Saale Bulls Halle tragen. Mikka Dietzschold leitete auf der linken Seite die Angriffsaktion ein, Kevin Handschuh passte in die Mitte in Sprez‘ Lauf, der die Führung verdoppelte.
Nun wurde immer mehr deutlich, dass es der Abend des Mika Hennig werden sollte. Mit stoischer Ruhe wehrte er alles ab, was auf sein Tor kam. Die Abschlüsse mit freier Sicht souverän, Christian Schilings Hochkaräter spektakulär (28.). Die Bären hatten durch zwei Konter von Jeff Smith mehr auf dem Schläger. Beim ersten sah Schiedsrichter Robert Ruhnau im Zweikampf zwischen dem EHC-Kapitän und Wladimir Bloch zum Unverständnis der Neuwiede Anhänger kein Foul des Hammer Verteidigers (29.), beim zweiten behielt Hagen die Oberhand (35.). Wenige Wechsel später ein Schockmoment für die Gastgeber: Marcus Götz bekam im Zweikampf an der Bande den gegnerischen Schlittschuh an der Ferse ab, blieb in der Ecke der Eisfläche liegen und musste das Spiel beenden. Eine tiefe Schnittwunde stoppte den Deutsch-Schweden. Nach einer ersten Diagnose sollen die Bänder und Sehnen nichts abbekommen haben. Auch seinen Ausfall steckte van Iersels Team weg.
Die Deichstädter verteidigten leidenschaftlich, und irgendwann spürte Hamm, dass es an diesem Abend mit dem Abschluss wie verhext zu sein schien. Bezeichnend die Situation in Minute 52, als Matteas Derraugh für den bereits geschlagenen Hennig im Torraum klärte. Der Torhüter hatte zuvor unter anderem gegen Schiling (47.) und Viktor Buchner (50.) sein ganzes Können gezeigt. Mit dem 3:0 machten die Bären alles klar. Und wieder war’s einer aus der Mannheimer Talentschmiede. Jason Struck spielte Doppelpass mit Tom Stumpe und verwandelte seinen präzisen Abschluss (55.). Die Einstellung, bis zur letzten Minute in jedem Zweikampf alles auf dem Eis zu lassen, stimmte und bescherte dem EHC verdientermaßen drei Punkte in der Bärenhöhle. „Dass wir am zweiten Saison-Wochenende die ersten Punkte haben, ist mit einem großen Kompliment an die ganz Mannschaft verbunden“, sagte Jeffrey van Iersel. Hamms Coach Tobias Stolikowski fand: „Wir haben heute keine gute Vorstellung gezeigt, viele Fehlentscheidungen getroffen, und eine schlechte Passqualität aufs Eis gebracht. Neuwieds Torhüter war der beste Mann auf dem Eis. Manchmal hatte er etwas Glück, aber das muss man sich erarbeiten. Neuwied hat verdient gewonnen.“
Neuwied: Hennig – Marten, Polok, Götz, Dietzschold, Becker, Esche, Plauschin, Derraugh – Stumpe, Sprez, Rajala, Erkinjuntti, Smith, Handschuh, Struck, Dötsch, Alexandrov, Kecojevic, Kuhn, Chetik.
Hamm: Hagen – Dotter, Konze, Chyzowski, Schollmeyer, Pietsch, Bicker, Bloch – Pohjamo, Ishmael, Lascheit, Reisz, Doronin, Lukojanov, Laylin, L. Wernerson Libäck, Renner, Buchner, Hartmann, Schiling.
Schiedsrichter: Robert Ruhnau/Vanessa Anselm.
Zuschauer: 909 (SpradeTV-Livestream: 249).
Strafminuten: 6:6.
Tore: 1:0 Adrian Kuhn (Struck, Stumpe) 17‘, 2:0 Christian Sprez (Handschuh, Alexandrov) 22’, 3:0 Jason Struck (Stumpe, Kuhn) 55‘.
