Wilsons Kracher bringt EHC in die Spur

BÄREN NEWS | 2018

7:5-Sieg: EHC entführt erstmals drei Punkte aus Ratingen

Der EHC „Die Bären“ 2016 hat am Freitagabend in der Eishockey-Regionalliga West für ein Novum gesorgt. Erstmals seit der Neugründung des Vereins im Sommer 2016 entführten die Neuwieder nach einem Auswärtsspiel bei den Ratinger Ice Aliens die komplette Punktzahl. Der Tabellenzweite setzte sich nach einem offenen Schlagabtausch mit 7:5 durch.
Mitteldrittel am Ratinger Sandbach: Die Neuwieder stehen, nachdem Tobias Brazda seinen Neuwieder Namensvetter Tobias Etzel unglücklich am Kopf getroffen hatte und von Hauptschiedsrichter Nikolas Neutzer bereits nach 20:52 Minuten zum Duschen geschickt worden war, fünf Minuten lang in Überzahl auf dem Eis und können in diesem langen Powerplay zunächst überhaupt nicht Richtung ihre Aufstellung finden. Immer wieder rutscht die Scheibe über die blaue Linie, immer wieder muss der EHC einen neuen Anlauf unternehmen, um sich in der Angriffszone einzunisten. Auch als Kevin Wilson, von rechten Seite nach vorne stürmt. Nur diesmal will Neuwieds Angreifer mit der Rückennummer 20 überhaupt nicht die Powerplay-Position einleiten, sondern der ehemalige Dinslakener zieht humorlos ab. Ebenso trocken wie fest, ebenso unhaltbar für Felix Zerbe wie präzise in den Winkel des Ratinger Tores. Die Bären gehen in dieser 25. Minute mit 4:3 in Führung. Es ist der Schuss, der danach so vieles einfacher macht. Denn nur 48 Sekunden später legt Michael Jamieson nach großartiger Kombination über Martin Brabec und Wilson das 3:5 nach und noch einmal nur 20 Sekunden später macht Deion Müller das halbe Dutzend voll. „Diese Unterzahlsituation hat uns das Spiel aus der Hand genommen“, beschrieb Ratingens Trainer Krystian Sikorski die entscheidende Phase der Partie. Ob Schiedsrichter Neutzer nun zum angemessenen Strafmaß griff, wollte der zweifache Olympiateilnehmer mit der polnischen Nationalmannschaft nicht beurteilen: „Ich habe die Situation nicht gesehen.“ Brazda selbst konnte die Entscheidung nicht nachvollziehen, hielt sie für überzogen und berichtete später: „Es war ein unglücklicher Zusammenprall. Der Schiedsrichter hat mir gesagt, er müsse nach der Berührung am Kopf von Tobias Etzel eine große Strafe geben, weil der Beobachter auf der Tribüne sitze.“ Sven Gotzsch mit einem Schuss über den Scheitel von Jendrik Allendorf (32.) und Tobias Brazdas Zwillingsbruder Tim (45.) brachten die Außerirdischen nach dem EHC-Dreifachschlag zwar noch einmal heran, aber der erst im Sommer aus Ratingen nach Neuwied gekommene Dennis Appelhans holte den Gästen gerade einmal eine Minute später den alten Vorsprung zurück. Danach verteidigten die Bären das 7:5 ohne noch viel anbrennen zu lassen, allerdings verpassten sie es unter anderem durch Topscorer Jamieson bei zwei Alleingängen den achten und sogar neunten Treffer nachzulegen.
Die Souveränität, die der EHC in den letzten zehn Minuten an den Tag legte, hätte sich Trainer Daniel Benske auch im ersten Abschnitt gewünscht. Da fand seine Mannschaft durch das 0:1 von Martin Brabec (8.) – der Tscheche war an fünf Toren beteiligt – richtig gut rein in die Begegnung, aber nach den beiden einseitigen Partien gegen Lauterbach und Frankfurt schienen sich die Blau-Weißen noch etwas zu sehr im Offensivmodus zu befinden. Das Zweikampfverhalten in der eigenen Zone passte nicht. „Wir hatten zu starke Schwankungen in unserem Spiel, sind mit dem Anlaufen von Ratingen nicht zurechtgekommen. Da haben wir uns gegen Diez-Limburg und Herford viel besser angestellt“, analysierte Benske, der aus diesem Grund mit dem Ergebnis, aber nicht unbedingt mit der Leistung vollends zufrieden war. Die von ihm beschriebenen Schwankungen sahen so aus, dass Tom Giesen in der neunten Minute ausglich, Tim Brazda in der zwölften Minute das 2:1 markierte und nach dem Doppelpack von Appelhans (16.) und Brabec (18.) erneut zur Stelle war (19.), sodass nach 20 Minuten auf dem Ratinger Stadionwürfel bereits ein 3:3 stand.
Danach verteidigten die Deichstädter besser, kassierten ab Mitte des zweiten Drittels jedoch ein paar unnötige Strafzeiten – der zweite Kritikpunkt Benskes im elften Saisonspiel. Dass es zum zehnten Sieg reichte, lag an der Qualität der Offensive, und hier vor allem an der Reihe mit Brabec sowie den beiden Ex-Ratingern Appelhans und Wilson. „Die individuelle Qualität hat den Unterschied ausgemacht“, waren sich die beiden Trainer einig.

Ratingen: Oster (Zerbe) – Gotzsch, Maass, Migas, Schumacher, Giesen, Scharfenort – Pitsikoulis, Cohut, Bleyer, Klemmer, Schneider, Tobias Brazda, Traut, Fischbuch, Brinkmann, Tim Brazda.
Neuwied: Allendorf (Köllejan) – Pering, Hellmann, Schütz, Richter, D. Schlicht, Lehnert, Neumann – Fröhlich, Asbach, Appelhans, Wilson, Jamieson, Müller, Brabec, S. Schlicht, Etzel.
Schiedsrichter: Nikolas Neutzer.
Zuschauer: 4 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Tobias Brazda : 12.
Strafminuten: 504.
Tore: 0:1 Martin Brabec (Pering) 8‘, 1:1 Tom Giesen (Tim Brazda, Migas) 9‘, 2:1 Tim Brazda 12‘, 2:2 Dennis Appelhans (Brabec, D. Schlicht) 16‘, 2:3 Martin Brabec (Wilson, Appelhans) 18‘, 3:3 Tim Brazda (Brinkmann, Tobias Brazda) 19‘, 3:4 Kevin Wilson (Fröhlich) 25‘, 3:5 Michael Jamieson (Wilson, Brabec) 25‘, 3:6 Deion Müller (Pering, S. Schlicht) 26‘, 4:6 Sven Gotzsch (Pitsikoulis) 32‘, 5:6 Tim Brazda (Maass) 45‘, 5:7 Dennis Appelhans (Brabec, Wilson) 46‘.

Nach anfänglichen Defensivproblemen hatten die Bären (hier Frederic Hellmann im zweiten Trikot gegen Ratingens Marvin Cohut) in Ratingen alles im Griff.

2018-11-03T00:50:33+00:00

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