Kampf um den Titel beginnt am Freitag

Sie hatten in dieser Saison bereits sechs Dates. Nie schüchtern, nie zurückhaltend. Aber vor den (mindestens) drei weiteren Rendez-vous ab Freitagabend verlieren beide Seiten endgültig alle Hemmungen. Es ist Final-Zeit in der Eishockey-Regionalliga West, und in einer Best-of-five-Serie stehen sich genau die Mannschaften gegenüber, die in dieser Saison mit ihren Aufeinandertreffen das größte Prickeln verbreiten. Der EHC „Die Bären“ 2016 und die EG Diez-Limburg kämpfen zum krönenden Abschluss der Spielzeit 2019/20 um den Titel in der West-Staffel der vierthöchsten deutschen Spielklasse. Spiel eins beginnt am Freitag um 20.30 Uhr in Diez, das zweite Aufeinandertreffen am Sonntag um 19 Uhr in Neuwied. Das Icehouse öffnet aufgrund der bereits gegen Herford praktizierten vorbeugenden Maßnahmen gegen das Corona-Virus (Anwesenheitsliste und Handdesinfektion) bereits um 17 Uhr seine Pforten.

Vor dem ersten Bully hatten die Funktionäre beider Vereine bereits einen organisatorischen Marathon zu absolvieren. Die Unsicherheit rund um das Virus wurde am Dienstagabend (ein Stück weit) beseitigt, als am Ende etlicher Telefonate und Gespräche mit politischen Gremien und den Verbandsspitzen beschlossen wurde, die Finals – sofern sich die Situation nicht kurzfristig deutlich zuspitzt – vor reduziertem Kontingent von 1000 Zuschauern zu absolvieren. 250 Karten sind pro Begegnung für die Gastmannschaft bestimmt.
Die Bären hatten nach dem 3:0-Sweep gegen Titelverteidiger Herford am Sonntag frei und verfolgten vor dem Liveticker ebenso gebannt wie gespannt die Entwicklung in Hamm, wo die Eisbären ihr Heimspiel gegen die EG Diez-Limburg hätten gewinnen müssen, um ihre Finalchance zu wahren. Die Partie wogte hin und her, die Führung wechselte mehrfach und durch zwei späte Treffer in der Schlussminute folgte der Favorit von der Lahn den Bären ins Endspiel – das Traumfinale war perfekt. „Die Eisbären waren richtig stark. Das war ein hartes Stück Arbeit, aber auch eine perfekte Vorbereitung auf ein sicherlich ebenso packendes wie schweres Finale gegen Neuwied“, sagte EGDL-Trainer Frank Petrozza. „Kompliment an die Mannschaft für diese Energieleistung und den Finaleinzug. Aber wir sind noch lange nicht fertig.“
Neuwied gegen Diez-Limburg im Endspiel, das ist die logische Konsequenz aus den Eindrücken dieser Saison und der Leistungsexplosion seit Beginn der Pre-Playoffs. Die Rockets vom Heckenweg schlossen Haupt- und Zwischenrunde als Erster ab, während Neuwied nach einer durchwachsenen Hauptrunde genau rechtzeitig zur entscheidenden Saisonphase enorm zulegte, unter anderem Diez-Limburg in eigener Halle bezwang und Herford im Halbfinale keine Chance ließ. „Gegen Herford haben wir zweimal sehr gut gespielt und müssen uns mit dieser Leistung auch vor Diez nicht verstecken. Auch wenn sie der Favorit sind“, sagt Neuwieds Trainer Leos Sulak.
Die Euphorie und Vorfreude ist auf beiden Seiten groß. Seit zu langer Zeit mussten die rheinland-pfälzischen Eishockey-Aushängeschilder auf ein großes Endspiel warten. In Neuwied werden Erinnerungen wach an die glorreichen Eishockey-Zeiten in der Deichstadt Ende der 1990er-Jahre mit zwei Meisterschaften in der 1. Liga. An der Landesgrenze von Rheinland-Pfalz zu Hessen fiel der größte Erfolg in der Geschichte des Eishockeys an der Lahn ebenfalls in diese Dekade, als die Limburger EG als Vor-Vor-Vorgänger-Verein der heutigen „Rockets“ die Meisterschaft in der 2. Liga gewann.
„Wir haben uns nicht ins Finale gearbeitet, um jetzt zu sagen: ,Bitteschön ihr Diezer, hier habt ihr den Titel.‘ Ich glaube, dass wir uns auch hier durchsetzen können, wenn wir unsere Leistung abrufen. Das haben wir in den Pre-Playoffs daheim bewiesen“, sagt Neuwieds Manager Carsten Billigmann. Er traute dem Team, das er im Sommer – damals noch in Personalunion auch als Trainer – zusammenstellte, immer zu, in den Playoffs einen Leistungssprung zu machen. Aber auch so extrem, wie die Bären es geschafft haben? Billigmann gesteht: „In diesem Ausmaß konnte das sicherlich niemand erwarten. Wenn ich das am Halbfinale festmache, war ich davon überzeugt, dass wir endlich gegen Herford gewinnen können. Aber das in drei Spielen und mit zwei so deutlichen Ergebnissen zu schaffen, war schon stark. Dazu tragen sicherlich auch Faktoren wie die Mentalität unserer Spieler bei, von denen viele schon lange Zeit unser Trikot tragen und sich mit dem EHC voll identifizieren. Und wir spielen intensives, körperbetontes Eishockey, worauf es in den Playoffs und gerade jetzt, wenn es um die Meisterschaft geht, besonders ankommt.“

Die Finaltermine:

13. März, 20.30 Uhr: Diez-Limburg – Neuwied
15. März, 19 Uhr: Neuwied – Diez-Limburg
20. März, 20.30 Uhr: Diez-Limburg – Neuwied
Falls notwendig:
22. März, 19 Uhr: Neuwied – Diez-Limburg
27. März, 20.30 Uhr: Diez-Limburg – Neuwied


Zweikampfscheu werden die Bären (rechts: Kevin Wilson) und die Rockets (links: Pierre Wex) in den mindestens drei Finalbegegnungen ganz bestimmt nicht sein.