Bären gewinnen mit 6:4 – Entscheidung am Dienstag

Wer hat dieses Comeback des EHC „Die Bären“ 2016 in der Halbfinalserie gegen den Herforder EV für möglich gehalten? „Wir“, antwortet Teammanager Carsten Billigmann ohne Luft zu holen und strahlt voller Stolz. „Unsere Mannschaft hat immer daran geglaubt, nach den ersten beiden Niederlagen noch einmal zurückkommen zu können und am Freitag sowie am Sonntag gezeigt, dass das keine Schönrederei war.“ Mit 6:4 setzten sich die Neuwieder Eishockeyspieler vor 921 hellauf begeisterten Zuschauern gegen den Vorjahresmeister durch, sodass es am Dienstagabend ab 19.30 Uhr in Herford zum fünften und entscheidenden Halbfinale kommt. Zur Erinnerung: Schon im Viertelfinale ging der EHC gegen die Dinslakener Kobras über die volle Distanz und behielt die Oberhand. Ein gutes Omen? „Das Momentum befindet sich vielleicht auf unserer Seite, aber Herford hat den Heimvorteil, und der spielt dort immer eine Rolle“, stellt Billigmann die möglichen Asse, die beide Teams im Ärmel haben, gegenüber. „Wir wollen natürlich ins Finale, aber schon jetzt haben wir Großes erreicht. Man muss sich nur einmal alles durch den Kopf gehen lassen, was in den vergangenen fünf, sechs Wochen alles passiert ist. Der Charakter unserer Mannschaft ist wahnsinnig. Nur so haben wir uns Spiel fünf erarbeitet.“
Gegen Herford hatte Neuwied in den zurückliegenden Jahren nur selten Land gesehen, aber das spielte an diesem Wochenende keine Rolle. „Wir spielen aus einer stabileren Abwehr heraus und versuchen jede Scheibe aufs gegnerische Tor zu bringen“, beschreibt der Bären-Manager zwei Punkte, die zum Ausgleich in der Serie verhalfen. Der erste Schuss auf Kieren Vogel im HEV-Tor saß direkt. Martin Brabec erzielte in der zweiten Minute das 1:0 und eröffnete eine spektakuläre Anfangsphase, in der die Ice Dragons durch Philipp Brinkmanns Schlagschuss (3.) und Gleb Berezovskijs Unterzahltor (4.) im Handumdrehen das Ergebnis wendeten. Die Bären hatten optische Vorteile, kamen aber zunächst aber nur zu wenigen klaren Gelegenheiten. Ein eher unerwarteter Schuss von Michael Jamieson – auf ähnliche Art und Weise hatte er bereits am Freitag getroffen – führte den verdienten Gleichstand nach sich (10.). Man hatte sich eben vorgenommen, den Puck so häufig wie möglich in Richtung Tor zu bringen.
Blitzstart Nummer zwei war das Werk von Dennis Appelhans. In Überzahl erhöhten die Deichstädter den Druck, Herford konnte sich nicht befreien, und der in dieser Saison zwischen Abwehr und Angriff pendelte Bär mit der Nummer 19 auf dem Trikot ließ Kieren Vogel keine Chance (21.). Das Powerplay fluppt beim EHC in dieser Serie. Überzahltor Nummer drei des Abends bekam Daniel Pering von einem Gegenspieler mustergültig serviert. Ein Herforder „Rückpass“ ermöglichte Perings Alleingang und das 4:2 (27.). Eine Zwei-Tore-Führung hatten die Drachen schon in Spiel drei aufgeholt, und auch diesmal kämpften sich die Rot-Weißen zurück. Killian Hutt (30.) und Benjamin Skinner (39.) stellten auf 4:4.
Auch im vierten Vergleich stand die Partie Spitz‘ auf Knopf, mit dem glücklicheren Ende für die Gastgeber. Der Schuss von Kapitän Stephan Fröhlich in die aus Schützensicht rechte, obere Torecke war zu schnell für Vogels Fanghand und löste einen Jubelorkan auf den Rängen aus. Eine Viertelstunde vor dem Ende lag Neuwied wieder vorne, musste aber in der Endphase einige brenzlige Situationen überstehen, weil Regionalligaspiele in Rheinland-Pfalz offenbar nicht ohne fragwürdige Interpretationen der Unparteiischen zu Ende gehen können. Martin Brabec erhielt zwei Minuten wegen Spielverzögerung beim Bully und Dennis Appelhans‘ Beinstellen sah Schiedsrichter Marcus Hahn ziemlich exklusiv. Dann erwischte es die Drachen: Mit Skinner und Berezovskij mussten zwei Drittel des Paradesturms die Schlussminuten nach „Checks gegen Kopf und Nacken“ (jeweils zwei plus zehn Minuten) von der Strafbank aus verfolgen, dem finalen Strafenwirrwarr setzten die Schiris bei einem Handgemenge vor dem Herforder Kasten die Krone auf, als Dennis Appelhans eine Spieldauerdisziplinarstrafe wegen „Checks gegen Kopf und Nacken“ angedichtet bekam. Aber die eigentlichen Akteure, wegen denen die Zuschauer ins Icehouse gekommen waren, hatten immer noch Schutzausrüstung und Schläger bei sich, und die machten es fast bis zur letzten Sekunde spannend. Neuwied verteidigte auch in doppelter Unterzahl aufopferungsvoll und zog durch Kevin Wilsons Schuss ins leere Netz (60.) in Spiel Nummer fünf ein. Dennis Appelhans wird am Dienstag gesperrt zuschauen müssen, der EHC-Kader um eine weitere Position kleiner. „Ich will es eigentlich schon gar nicht mehr sagen, aber auch heute wieder: Was in dieser Liga gepfiffen wird, ist wirklich sehr fragwürdig. Auf der einen Seite gibt es für einen Check gegen den Kopf einen Zehner, auf der anderen eine Spieldauer“, runzelte Carsten Billigmann die Stirn. In allen anderen Hinsichten regierte in Neuwied am Sonntag das stolze Strahlen.

Neuwied: Allendorf (Köllejan) – Pering, Hellmann, Richter, Appelhans, Morys, Lehnert, Neumann – Fröhlich, Asbach, Wilson, Jamieson, Müller, Brabec, Horvath, Litvinov, Wasser.
Herford: Vogel (Stenger) – Schinke, Gehring, Reckers, Brinkmann, Kiel, Rempel – Nasebandt, Johannhardt, Skinner, Linnenbrügger, Berezovskij, Chmelkov, Staudt, Kovacs, Hutt.
Schiedsrichter: Marc Stromberg/Marcus Hahn.
Zuschauer: 921.
Strafminuten: 21 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Appelhans : 20 + Disziplinarstrafen gegen Skinner und Berezovskij.
Tore: 1:0 Martin Brabec (Müller) 2‘, 1:1 Philipp Brinkmann (Linnenbrügger, Staudt) 3‘, 1:2 Gleb Berezovskij (Hutt) 4‘, 2:2 Michael Jamieson (Fröhlich) 10‘, 3:2 Dennis Appelhans (Jamieson, Wasser) 21‘, 4:2 Daniel Pering 27‘, 4:3 Killian Hutt 30‘, 4:4 Benjamin Skinner (Hutt) 39‘, 5:4 Stephan Fröhlich (Jamieson) 45‘, 6:4 Kevin Wilson (Richter) 60‘.

Ein Tänzchen auf Spiel fünf: Frederic Hellmann, Christian Neumann und Co. spielen nach dem 6:4-Sieg nun am Dienstag in Herford um den Finaleinzug.