Bären verlieren in Herford nach Verlängerung

Eishockey verrückt in der Eissporthalle im Kleinen Felde: Da kommt der EHC „Die Bären“ 2016 zum Regionalliga-Auswärtsspiel in Herford nach vereinhalbstündiger Busfahrt erst 60 Minuten vor Spielbeginn in Ostwestfalen an, die Spieler haben 20 Minuten Zeit sich umzuziehen – und jeder denkt, dass es gerade in der Anfangsphase richtig heikel werden kann. Nichts da. Die Neuwieder dominieren die Partie eingangs, führen nach 25 Minuten mit 5:1 – und plötzlich denkt jeder, dass die Gäste diese Partie normalerweise doch für sich entscheiden müssten. Es war nicht der Abend für Theoretiker, weil die beiden Mannschaften alle Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten ad absurdum führten. Fünf Tore hätten dem EHC in dieser Saison in bislang jedem Spiel zu drei Punkten gereicht, am Freitagabend waren sie beim Herforder EV nur für einen Zähler gut. Nach einigen von einer starken Defensive geprägten Begegnungen leistete diese sich beim Meister nach rund 30 Minuten zu viele Aussetzer und musste bei einem offenen Schlagabtausch sechs Gegentreffer – den entscheidenden in der Overtime – schlucken. Dass die 5:6-Niederlage nach Verlängerung für die Gäste zwei verlorene Punkte bedeutete, macht der Blick auf die Torfolge deutlich. „Ich habe die Jungs immer wieder gewarnt: Sie sollten geradlinig und konsequent zu Ende spielten, weil wir alle genau wissen, dass Partien in Herford eine Eigendynamik entwickeln können, wenn die Dragons ins Rollen kommen“, sagte Carsten Billigmann später. Alle Warnungen halfen nichts. „Der Schlendrian ist eingekehrt. Es sind Fehler passiert, die uns vorher nicht unterlaufen waren. Wir haben uns die Scheibe in der eigenen Zone zugeflippert und uns völlig unnötige Gegentore eingehandelt“, haderte der Bären-Trainer.
25 Minuten lang schossen sich die Gäste den Frust über die jüngste Offensivflaute von der Seele. Kevin Wilson (6., 17.), Jeff Smith (16.), Stephan Fröhlich (21.) und Maximilian Wasser (25.) ließen den Knoten platzen, und die mitgereisten Fans schienen zu diesem Zeitpunkt bei nur einem Gegentor durch Justin Unger zum zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich (9.) bester Dinge zu sein, mit ihrem Team später einen Auswärtsdreier zu feiern. Aber erstens kam es anders und zweitens als man dachte. Vielleicht fühlten sich die Bären zu sicher, vielleicht fiel der Treffer durch Jan-Niklas Linnenbrügger nur gut eine Minute nach Wassers 5:1 etwas zu schnell – und trotzdem hätten die Deichstädter diesen Vorsprung nicht aus den Händen geben dürfen. „Ich wusste, dass wir hier eine Chance auf Zählbares haben. Umso enttäuschender ist die Art und Weise, wie dieses Ergebnis zustande gekommen ist. Irgendwo tun mir die Jungs aber auch leid. Endlich haben sie vorne das Tor getroffen, und ausgerechnet dann ist das alles umsonst, weil wir uns hinten so Dinger einfangen“, monierte der Trainer.
Noch vor der zweiten Pause schaffte der amtierende Meister den Anschluss durch Jörn Weikamp (34.) und Kanada-Import Guillaume Naud (37.). Der Verteidiger kam nun richtig in Fahrt und zeigte, warum er in Übersee schon auf dritthöchstem Level hinter NHL und AHL in der East Coast Hockey League auf dem Eis stand. Naud verwertete in der 52. Minute einen aus EHC-Sicht sehr umstrittenen Penalty zum 5:5 und krönte in der Overtime im Modus drei gegen drei Feldspieler die HEV-Aufholjagd (63.). Dabei hatte der EHC im Schlussabschnitt durchaus wieder in der Spur gefunden, gegenüber den Nachlässigkeiten im Mitteldrittel wieder eine deutliche Schippe draufgepackt und zwei, drei dicke Gelegenheiten zur erneuten Führung vergeben. „Verloren“, da gab es auch für Carsten Billigmann keine zwei Meinungen, „haben wir das Spiel in den Minuten nach unserem fünften Treffer.“

Herford: Vogel (Pohlmann) – Martin, Gehring, Naud, Brinkmann, Droick, Hilgenberg – Weikamp, Unger, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Staudt, Chmelkov, Häufler, Böhm.
Neuwied: Schrörs (Köllejan) – Pering, Hellmann, Apel, D. Schlicht, Klingsporn, Neumann – Fröhlich, Bruns, Asbach, Wilson, Litvinov, Aminikia, Herz, Wasser, Smith, S. Schlicht, Etzel, Aulie.
Schiedsrichter: Jan-Philipp Priebsch.
Zuschauer: 579.
Strafminuten: 10 + Disziplinarstrafe gegen Droick : 6 + Disziplinarstrafe gegen Wasser.
Tore: 0:1 Kevin Wilson (Herz, Aulie) 6‘, 1:1 Justin Unger (Bohle) 9‘, 1:2 Jeff Smith (Wasser, Fröhlich) 16‘, 1:3 Kevin Wilson (Aulie, D. Schlicht) 17‘, 1:4 Stephan Fröhlich (Klingsporn, Smith) 21‘, 1:5 Maximilian Wasser (D. Schlicht, Smith) 25‘, 2:5 Jan-Niklas Linnenbrügger (Staudt, Chmelkov) 26‘, 3:5 Jörn Weikamp (Linnenbrügger, Böhm) 34‘, 4:5 Guillaume Naud (Böhm, Weikamp) 37‘, 5:5 Guillaume Naud 52‘, 6:5 Guillaume Naud (Berezovskij, Martin) 63‘.