Bären verlieren Derby vor 1247 Zuschauern mit 2:4

Das Über- beziehungsweise Unterzahlspiel hat das erste von wahrscheinlich mindestens sechs Derbys in der Eishockey-Regionalliga West zwischen dem EHC „Die Bären“ 2016 und der EG Diez-Limburg entschieden. Diesmal aber nicht in klassischer, sondern in untypischer Art und Weise, denn zwei Tore erzielten die Gäste bei ihrem 4:2-Sieg in Unterzahl, als sie die Neuwieder auskonterten. „95 Prozent haben wir heute richtig gemacht“, zeigte sich Bären-Trainer Carsten Billigmann vor der bisherigen ligaweiten Saisonrekordkulisse von 1247 Zuschauern im Icehouse nicht unzufrieden. Aber die fünf Prozent, die er zu bemängeln hatte, führten schließlich doch zur ersten Saisonniederlage. Die Rückwärtsbewegung in den Powerplaysituationen zählte genauso dazu wie der kurze Black-out nach dem 2:3-Anschlusstreffer, den die EGDL postwendend bestrafte. „Nuancen machten heute den Unterschied“, so Billigmann. EGDL-Trainer Frank Petrozza nannte konkret zwei Situationen: „Unser 3:1 und das 4:2 waren die Schlüsselsituationen zum Sieg in einem von beiden Seiten guten, intensiven Spiel.“
Das traditionell umkämpfte und wohltuend fair geführte Derby war das Spiel der „Frühaufsteher“. In allen drei Abschnitten dauerte es keine Minute bis zum ersten Treffer. Im dritten Drittel fielen in den ersten 60 Sekunden sogar zwei Tore. Kapitel eins: Neuwied setzt sich nach dem Eröffnungsbully mit seiner ersten Reihe in der EGDL-Zone fest und Kapitän Stephan Fröhlich lässt die Bärenhöhle beben. Gespielt: 37 Sekunden. „Wir haben stark angefangen, sind dann aber teilweise etwas unkonzentriert geworden“, so der Neuwieder Coach. Eine 3:5-Situation überstanden die Gastgeber noch, aber gerade als sie sich mit einem Mann mehr auf dem Eis Hoffnungen machten, vielleicht draufsatteln zu können, jubelten die Raketen. Kevin Lavallee, in der Saison 2018/19 noch Leistungsträger bei DEL2-Ligist Heilbronn, glich aus (11.). „Wir hätten das zweite und dritte Tor nachlegen können“, bezog sich Petrozza unter anderem auf eine Möglichkeit von Pierre Wex, die Neuwieds Schlussmann Justin Schrörs mit der Fanghand vereitelte (12.). „Diez-Limburg hätte das eine oder andere Tor mehr erzielen können, was Justin stark verhinderte, aber auch wir ließen viele Möglichkeiten aus“, fehlte Billigmann die Kaltschnäuzigkeit, die der abgezockte Lavallee nach seinem Ausgleich noch zwei weitere Male unter Beweis stellte. Blitzstart Nummer zwei: Die Gäste eröffnen den Mittelabschnitt über die linke Seite, und Lavallee markiert aus spitzem Winkel das 1:2. Gespielt diesmal: 38 Sekunden. Ein Tor, das zumindest umstritten war. Die Neuwieder sahen das Gehäuse vor dem Einschlag des Pucks im Netz aus der Verankerung geschoben. Blitzsauber hingegen das 1:3. Ross John Reed und Kevin Lavallee nutzten einen Zwei-gegen-eins-Konter in EGDL-Unterzahl (30.). Der Hattrick des Deutsch-Kanadiers stellte die Weichen.
37 Sekunden im ersten, 38 Sekunden im zweiten Drittel – da konnte Jeff Smith nur lachen. 19 Sekunden brauchte der US-Amerikaner im Schlussabschnitt für den Anschluss. Neuwied hoffte, durfte das allerdings nicht lange, denn nur 21 Sekunden später stellte Tobias Schwab den alten Abstand wieder her. Gegen diesen kämpfte die Heimmannschaft an. Sie übernahm bis zum Ende die Initiative, aber das letzte Fortune fehlte den Bären vor dem Tor von Jan Guryca. Auch in Überzahl, auch bei sechs gegen vier, als Justin Schrörs in den letzten knapp zwei Minuten einem weiteren Feldspieler Platz machte.
„Glückwünsch an die EGDL zum Sieg“, gratulierte Carsten Billigmann dem Gegner, verließ das Icehouse am späten Freitagabend aber trotzdem mit erhobenem Haupt: „Wir können stolz auf das sein, was wir heute gezeigt haben. Die Saison ist noch früh, und wir sind und sicher, dass wir die Kleinigkeiten, die heute das Spiel entschieden haben, noch abstellen können.“ Begeistert sein Kollege Frank Petrozza. Wegen der drei Punkte, aber auch wegen der Atmosphäre in Neuwied: „Ich habe lange nicht mehr so eine Stimmung erlebt“, zückte der EGDL-Coach den Hut vor den Zuschauern. Die werden noch reichlich Derby-Nachschlag in dieser Saison bekommen. Drei weitere Duelle auf jeden Fall in der Hauptrunde, noch einmal höchstwahrscheinlich zwei obendrauf in der Zwischenrunde, und so wie beide Teams am Freitagabend auftraten gut und gerne auch zu einem weit vorangeschrittenen Zeitpunkt in den Play-offs.

Neuwied: Schrörs (Köllejan) – D. Schlicht, Hellmann, Apel, Morys, Pering, Neumann – Aulie, Fröhlich, S. Schlicht, Smith, Bruns, Asbach, Etzel, Litvinov, Aminikia, Wilson, Wasser, Herz.
Diez-Limburg: Guryca (Stenger) – Krämer, Mörschler, Günther, Seifert, Wex – Bruch, Firsanov, Lademann, Maier, Gimenez, Lavallee, Reed, Schwab, Hill, Luft, Naumann.
Schiedsrichter: Markus Eberl.
Zuschauer: 1247.
Strafminuten: 10:14.
Tore: 1:0 Stephan Fröhlich (Smith, D. Schlicht) 1‘, 1:1 Kevin Lavallee (Reed, Seifert) 10‘, 1:2 Kevin Lavallee (Wex, Seifert) 21‘, 1:3 Kevin Lavallee (Reed) 30‘, 2:3 Jeff Smith (Wasser) 41‘, 2:4 Tobias Schwab (Firsanov) 41‘.