Bären lassen beim 2:4 gegen Hamm etliche Großchancen aus

Sebastian May ist ein Baum von einem Torhüter. 1,98 Meter groß, und wenn er sich in voller Montur kastengleich vor dem gegnerischen Schützen aufbaut, sieht dieser wahrlich nicht mehr viel vom Tor. Quadratisch, praktisch, gut – der Schlussmann der Hammer Eisbären war am Freitagabend der Turm in der Schlacht und trieb die Neuwieder Bären reihenweise zur Verzweiflung. Sie sprachen von „Pech“ (Carsten Billigmann), sie sprachen von „Glück“ (Ralf Hoja), sie sprachen von einer ganzen Reihe von Pfostentreffern und kamen bei der Pressekonferenz überein, dass diese Begegnung in der Eishockey-Regionalliga West zwischen Neuwied und Hamm genauso auch einen anderen Sieger als die mit 4:2 erfolgreichen Gäste aus Westfalen hätte finden können.
Die Neuwieder, bei denen Justin Schrörs, Knut Apel, Kevin Wilson und Tobias Etzel fehlten, schnürten den Vizemeister der Vorsaison immer wieder in seiner Zone ein, zogen ab, was das Zeug hielt, entschieden das Torschussverhältnis haushoch für sich, aber über den Abschlüssen des EHC lag an diesem Abend ein Fluch. Irgendwann hatten alle Beteiligten aufgehört zu zählen, wie oft der Puck an Torpfosten oder -latte klatschte. „Drei-, viermal“, mutmaßte Trainer Carsten Billigmann. Die Bären ließen unzählige Hochkaräter liegen und bekamen von gnadenlos effektiven Eisbären die Quittung ausgestellt. „Wir haben uns nach einem verschlafenen Start von Drittel zu Drittel mit einer guten kämpferischen Leistung gesteigert“, sagte Billigmann. Der verdiente Lohn blieb aus. Dass Hamm im Gegensatz zu den Gastgebern an diesem Abend nicht viele Möglichkeiten benötigt, um zum Erfolg zu kommen, zeigte bereits der erste Abschnitt. Kevin Thau nach nur 36 Sekunden und Ibrahim Weißleder mit einem Schuss aus extrem spitzem Winkel, den er wohl nur jedes Schaltjahr einmal so in den Knick setzt (14.), sorgten für das 0:2. Dass Oliver Kraft per Alleingang in der 28. Minute auf 0:3 erhöhte, führte den Spielverlauf ad absurdum. Die Bären gaben den Ton an, aber irgendwie schien die Scheibe nicht den Weg an May vorbei finden zu wollen. In der 31. Minute kämpfte die starke Formation mit Maximilian Herz, Noah Bruns und Eigengewächs Sven Asbach durch Herz den Puck endlich in Hamms Kasten, der Anschluss schien nur eine Frage der Zeit zu sein, fiel aber erst im dritten Abschnitt. Sam Aulie beherzigte, dass man es gegen May besser mit hohen Schüssen versuchen sollte und traf zum 2:3 unter den Giebel (42.). Zuvor hatten Schahab Aminikia, Jeff Smith, Sven Schlicht und gefühlt alle anderen EHCler ebenfalls mit flachen Abschlüssen keinen Erfolg gehabt.
Die Bären hatten noch reichlich Zeit für den Ausgleich, das Schicksal sah jedoch einen anderen Rest vor. Keine drei Minuten nach dem 2:3 stellte Milan Svarc den alten Abstand wieder her. Das Tor von Hamms Tschechen besiegelte Neuwieds Niederlage, wenngleich die Gastgeber auch danach noch hätten zurückkommen können. Die Chancen dazu besaßen sie allemal.
So freute sich Gästetrainer Ralf Hoja zwar über drei Punkte, stellte aber auch fest: „Wir hatten zunächst eigentlich alles im Griff, ließen Neuwied dann aber spielen und haben mit viel Glück dank Pfosten und einer starken Torhüterleistung von Sebastian May gewonnen. Das Glück, das Neuwied heute fehlte, hatten wir auf unserer Seite.“

Neuwied: Köllejan – Pering, Hellmann, D. Schlicht, Klingsporn, Morys, Lehnert, Neumann – Fröhlich, Bruns, Asbach, Litvinov, Aminikia, Herz, Wasser, Smith, S. Schlicht, Aulie.
Hamm: May (Dräger) – Ehlert, Hoppe, Pietzko, Köchling, Hemeier, Reckers, Ortwein – Demuth, Lichnovsky, Weißleder, Furda, Orendorz, Trapp, Polter, Kraft, Svarc, Thau.
Schiedsrichter: Daniel Melcher.
Zuschauer: 583.
Strafminuten: 8:2.
Tore: 0:1 Kevin Thau (Orendorz) 1‘, 0:2 Ibrahim Weißleder (Hoppe) 14‘, 0:3 Oliver Kraft (Reckers) 28‘, 1:3 Maximilian Herz (Bruns, Asbach) 31‘, 2:3 Sam Aulie (Smith, Aminikia) 42‘, 2:4 Milan Svarc (Orendorz, Thau) 44‘.

Maximilian Herz erzielte im zweiten Drittel das zwischenzeitliche 1:3 für die Bären.