Neuwieds US-Import führt die Scorerliste an, stellt den Teamerfolg aber über alles andere

Es hatte etwas Selbstverständliches, als Michael Jamieson am Sonntagabend in der zweiten Minute des Regionalliga-Heimspiels der Neuwieder Bären gegen die Löwen Frankfurt (12:0) von der rechten Seite in die Mitte vor das Tor der Gäste zog und den Puck in die Maschen setzte. So kennen sie in Neuwied den Angreifer mit der Rückennummer 42 in dieser Saison. Für Jamieson war es der erste Scorerpunkt von sieben an diesem Abend, zwei Tage zuvor hatte er beim 11:3-Erfolg über Lauterbach schon sechs Stück angesammelt. Ja, der EHC hatte zweimal leichtes Spiel gegen die beiden hessischen Vertreter in der Regionalliga West, aber die Art und Weise, wie Jamieson auch in diesen Partien seine Tore erzielte und die seiner Nebenleute vorbereitete, verdiente großen Respekt.
18 Tore in 10 Spielen erzielte Jamieson – Platz eins in der Torjägerliste. 23 Assists in 10 Spielen leistete Jamieson – Platz eins bei den besten Vorlagengebern. Logisch, das 41 Punkte ebenfalls Platz eins in der Scorerwertung ergeben. Der US-Amerikaner dominierte das erste Viertel der Hauptrunde. „Er war letztes Jahr schon ein guter Spieler, aber in dieser Saison ist er bislang doppelt so gut“, schwärmt auch Trainer Daniel Benske vom 26-Jährigen. Der Nordamerika-Import hat sich eingelebt in Neuwied, fühlt sich wohl in der Deichstadt. „Es ist schön zu wissen, wohin man nach der Sommerpause zurückkommt, wenn man kennt, was einen erwartet und man die Leute im Team kennt“, erklärt er seine starken ersten Saisonwochen unter anderem mit dem Wohlfühllevel beim EHC.
Dieser Michael Jamieson ist ein Teamplayer. „Wahnsinn, welch ein Laufpensum er abspult. Er arbeitet nach vorne genauso wie nach hinten“, freut sich Benske. Und auch der Torjäger selbst ordnet seine beeindruckende Punktausbeute dem Erfolg der ganzen Mannschaft unter. Ersteres ergebe sich aus Letzterem. „Das Wichtigste ist der Teamerfolg. Wenn die Mannschaft erfolgreich spielt, kommt der individuelle Erfolg als ein Teil davon. Das sieht man bei vielen Spielern aus unserem Team. Unsere Torhüter halten großartig, die Abwehr spielt gut und vorne machen die Jungs richtig viele gute Sachen.“ An Jamiesons Seite waren das in den ersten Saisonwochen Max Wasser und Martin Brabec, am vergangenen Wochenende stürmte er gemeinsam mit Kapitän Stephan Fröhlich und Eigengewächs Sven Asbach. „Martin ist einer der besten Spieler, wenn nicht so gar der beste Spieler der Liga. Das zeigt er Woche für Woche. Max schafft auf dem Eis unglaublich viel Raum für mich. Es macht Spaß, mit ihm zu spielen. Stephan ist ein sehr dynamischer, und einer der cleversten Spieler, mit denen ich je zusammen gespielt habe. Er findet mich auf dem Eis in Bereichen, wo ich noch nicht einmal einen Pass erwarte. Er kann wahnsinnig weit vorausdenken. Und auch Sven hat gegen Lauterbach und Frankfurt großartig gespielt. Ich weiß, was es für ihn als Einheimischer bedeutet, für das Team zu spielen“, verrät der Liga-Topscorer, warum er mit seinen Nebenleuten so gut harmoniert. Warum das zuletzt andere als in den ersten Wochen der Runde waren? „Wir wollen mehrere Möglichkeiten haben in unseren Reihenzusammenstellungen. Das macht uns variabler“, erklärt Daniel Benske.
Die Rolle des Punktesammlers ist für den US-Amerikaner noch eine relativ neue. In der College-Liga hatte er überwiegend Abwehrarbeit zu verrichteten, erzielte in den Saisons 2015/16 und 2016/17 insgesamt nur ein Tor (plus eine Vorlage) bevor er vor gut einem Jahr nach Neuwied kam. „Als Juniorenspieler habe ich ganz gut gepunktet. Aber ich denke darüber nicht viel nach. Wenn man sich zurückerinnert, fallen einem immer die Spielernamen einer Mannschaft zurück, die eine Meisterschaft gewonnen und nicht unbedingt die Namen von Spielern, die viel gepunktet haben. Punkte kommen und gehen. Meisterschaften bleiben. Es geht um Teamerfolg. Dafür spielst du dieses Spiel.“

Jamieson, Schuss, Tor. In zehn Saisonspielen gab es diese Abfolge schon 18 Mal.