Sulak nach 3:7-Niederlage: Unsere frühe Führung war Gift

Irgendwann sehnten die Neuwieder Bären am Freitagabend in der Eissporthalle „Im Kleinen Felde“ nur noch die erlösende Schlusssirene herbei. Dass der EHC die Partie beim Herforder EV nicht mehr für sich entscheiden würde, stand bereits nach 40 Minuten fest, und das vogelwilde Zeitstrafen-Festival, das Schiedsrichterin Svenja Strohmenger veranstaltete, ging einem mit zunehmender Spielzeit auch immer mehr auf den Zeiger.
In fast allen Spielen, in denen der EHC „Die Bären“ 2016 in dieser Saison als Verlierer vom Eis ging, hatte er eine Chance. Bei den Ice Dragons gab es diesmal bei der 3:7-Niederlage hingegen nichts zu bestellen, weil die Mannschaft von Leos Sulak das Powerplay des HEV nicht in den Griff bekam, in dem Killian Hutt bei seinem Comeback nach langer Verletzungspause direkt wieder in gewohnter Manier den Taktstock schwang und insgesamt fünf Treffer vorbereitete. Vier Überzahltore, dazu noch ein Shorthander der Drachen entschieden die Partie. „Das Herforder Überzahlspiel hat uns heute das Genick gebrochen. Wir kassierten zu viele Strafen. Ob die berechtigt waren oder nicht, darüber können wir streiten“, sagte der Neuwieder Trainer auf der mehrfach durch offenbar siegestrunkene, verbal einfallende Herford-Anhänger unterbrochenen Pressekonferenz. Bären-Schwächen in Unterzahl hatte es so gehäuft in dieser Saison bislang noch nicht gegeben.
Unverändert bleibt hingegen, dass die Neuwieder Mannschaft mitwirkt, wenn die Stunde der ganz frühen Tore schlägt. Die Partie in Ostwestfalen war die fünfte in dieser Saison in der Regionalliga West, in der die Scheibe schon in der ersten Minute den Weg ins Netz fand, und immer mischte der EHC mit. Der Kanadier Sam Aulie benötigte nur 19 Sekunden – noch eiliger hatte es bislang lediglich Hamms Milan Svarc mit seinem Rekordtor nach 16 Sekunden – für die 1:0-Führung der Gäste. Soweit so gut für die Gäste. Aber solche Begegnungen ohne großes Federlesen bleiben kein gutes Omen für die Deichstädter, denn wie schon zweimal gegen Hamm und einmal gegen die EG Diez-Limburg endete solch eine Blitzstart-Partie mit einem schlechten Ausgang für die Bären. „Das frühe Tor war Gift für uns, weil wir danach nicht mehr das gespielt haben, was wir wollten“, merkte Sulak an. Gnadenlos effektive Ice Dragons gestalteten mit ihren Special-Teams das Ergebnis so deutlich zu ihren Gunsten. Jörn Weikamp (6., Überzahl) und Gleb Berezovskij (13.) brachten Herford in Führung. Zur ersten Pause befand sich für die Bären noch alles im Lot, beim zweiten Gang in die Kabine hatte sich das geändert. Erneut Berezovskij (21., Überzahl), zweimal Niels Hilgenberg (31., Unterzahl und 36., Überzahl) sowie Guillaume Naud (39.) erhöhten das Ergebnis auf 6:1.
Beide Seiten konnten (oder mussten) weiterhin ausgiebig ihr Über- und Unterzahlspiel einstudieren. Neuwied zog daraus noch zweimal Kapital durch Kevin Wilson (43.) und Dennis Schlicht (53.), Herford einmal durch Guillaume Naud (44.). „Nach dem frühen Rückstand haben wir ein Spiel auf hohem Niveau gezeigt, mit Schnelligkeit, im Spiel mit der Scheibe und stark in der defensiven Zone“, freute sich Dragons-Coach Jeff Job über „ein Topspiel“ seiner Mannschaft.

Herford: Vogel (Allendorf) – Schürstedt, Martin, Naud, Brinkmann, Droick, Hilgenberg, Rempel – Kraus, Weikamp, Walkenhorst, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Chmelkov, Häufler, Böhm, Hutt.
Neuwied: Köllejan (Grams) – Pering, D. Schlicht, Klingsporn, S. Schlicht, Neumann – Fröhlich, Bruns, Asbach, Wilson, Litvinov, Herz, Wasser, Smith, Etzel, Aulie.
Schiedsrichterin: Svenja Strohmenger.
Zuschauer: 560.
Strafminuten: 16 + Disziplinarstrafe gegen Bohle : 16.
Tore: 0:1 Sam Aulie (Wilson, S. Schlicht) 1‘, 1:1 Jörn Weikamp (Brinkmann) 6‘, 2:1 Gleb Berezovskij (Hutt, Böhm) 13‘, 3:1 Gleb Berezovskij (Hutt, Naud) 21‘, 4:1 Niels Hilgenberg (Weikamp, Hutt) 31‘, 5:1 Niels Hilgenberg (Weikamp) 36‘, 6:1 Guillaume Naud (Martin, Hutt) 39‘, 6:2 Kevin Wilson (S. Schlicht, Klingsporn) 43‘, 7:2 Guillaume Naud (Hutt) 44‘, 7:3 Dennis Schlicht (Wasser) 53‘.


Das Tor von Bären-Verteidiger Dennis Schlicht zum 3:7-Endstand aus Neuwieder Perspektive hatte nur noch statistischen Wert.