Herford gewinnt 6:3

Es war wie so häufig, wenn der EHC „Die Bären“ 2016 und der Herforder EV aufeinandertreffen: Zwei Teams spielen Tempo-Eishockey, das sehr gutes Regionalliga-Niveau besitzt, die Zuschauer – diesmal waren es 705 im Neuwieder Icehouse – kommen voll auf ihre Kosten und am Ende gewinnen die Ice Dragons. Durch einen verdienten 6:3-Sieg entführte der amtierende Meister der Regionalliga West die drei Punkte und festigte zunächst einmal den zweiten Tabellenplatz vor den Neuwiedern.
Das erste Drittel gab den Ausschlag. Wie schon beim jüngsten Auftritt in Herford kamen die Bären nicht gut aus den Startlöchern und lagen nach 20 Minuten bereits mit 0:3 zurück. „Wir fanden defensiv nicht die richtige Präsenz“, beobachtete EHC-Trainer Daniel Benske. Das darf man sich gegen den Herforder Paradesturm mit Killian Hutt, Benjamin Skinner und Ulib Gleb Berezovskij nicht erlauben. Skinner traf zweimal (12., 18.) zudem netzte Kapitän Fabian Staudt ein (7.). „Unsere Mannschaft hat nicht viele Neuwieder Chancen zugelassen und ihre Gelegenheiten gut genutzt“, lobte Herfords Coach Jeff Job die Kaltschnäuzigkeit. Die EHC-Möglichkeiten waren derweil gute: Kapitän Fröhlich scheiterte von halblinks kommend an Kieren Vogel, Kevin Wilson an der Torlatte und Maximilian Wasser wurde im letzten Moment noch von einem gegnerischen Verteidiger gestört.
„Aber ab dem zweiten Drittel wurden wir immer besser“,  sagte Benske zum Steigerungslauf seiner Bären, und das kam auch im Ergebnis zum Ausdruck. Mit zwei Unterzahltoren binnen einer Minute verkürzten Martin Brabec (21.) und Michael Jamieson (22.) gegen zu offensiv denkende Ice Dragons zum 2:3. Job: „Wir haben anderthalb Minuten lang geschlafen, dann aber wieder in der defensiven Zone gut verteidigt und ein paar Konter verwertet.“ Die Neuwieder Fans skandierten vor einer weiteren Unterzahlsituation ob des zuvor Gesehenen zwar „Ausgleich“, aber stattdessen feierte der HEV. Ulib Gleb Berezovskij verwandelte bei fünf gegen drei (27.) und Fabian Staudt stellte in Unterzahl den alten Abstand wieder her (38.). Der Besuch von Kris Gehring auf der Strafbank beinhaltete beim ersten EHC-Powerplay aber auch noch ein Erfolgserlebnis auf der aus Sicht der Blau-Weißen richtigen Seite. Frederic Hellmann überrumpelte Vogel mit einem aufs Tor gelöffelten Schuss von der blauen Linie (39.).
Die Deichstädter machten deutlich, dass die das Ergebnis drehen wollten und drückten im Schlussabschnitt noch einmal ordentlich auf die Tube. Doch dann einer der von Job angesprochenen Konter: Tommy Kuntu-Blankson, Alexander Seel und Nils Bohle spielten einen Gegenangriff mustergültig aus. Bohles Einschuss brach dem EHC das Genick (49.). Die Bären ließen zwar nicht locker, konnten die Drachen aber nicht mehr in Gefahr bringen. „Herford hat verdient gewonnen“, erkannte Benske neidlos an, der dann aber unter bestätigendem Nicken und abschließendem Beifall von Jeff Job noch seinem Unmut über die Leistung der Schiedsrichter Daniel Melcher, David Walther und Nils Pfeffer Luft machen musste: „Ich habe mich zum Thema Schiedsrichter lange Zeit zurückgehalten. Aber diese Leistung von heute Abend war eine absolute Frechheit für die Liga. Eine bodenlose Frechheit, in diesem Topspiel in allen Bereichen eine solche Leistung zu bringen, und dafür müssen wir auch noch viel Geld zahlen, ohne etwas dagegen tun zu können. Die Linienrichter konzentrieren sich hier auf alles, ob die Beleuchtung richtig funktioniert, aber nicht auf ihre Aufgaben. Auf beiden Seiten.“ Der Neuwieder Coach hatte schon vor der Pressekonferenz im Kabinengang eine Diskussion mit den Unparteiischen geführt und dafür eine Matchstrafe erhalten, sodass er in den nächsten Partien nicht auf der Bank Platz nehmen kann. Viele Tropfen brachten bei Benske das Fass zum Überlaufen. Ein klares Icing hier, ein ebenso deutliches Abseits dort nicht gepfiffen, eine übelste verbale Beschimpfung durch einen HEV-Stürmer gegen den Referee, sehr wohl vernommen von Linesman Pfeffer, blieb unter gnädigem Abwinken Melchers unbestraft, während Martin Brabec für weitaus weniger nach einem Bully für „Reklamieren“ auf die Strafbank musste. Die Partie war zu diesem Zeitpunkt entschieden, und doch gaben viele Entscheidungen des Trios mit den Streifen diesem Eishockey-Abend den einzigen Dämpfer. Benske: „Die Liga legt ein sehr hohes Niveau an den Tag, nur die Schiedsrichterleistung muss sich ganz schnell steigern. Meine Trainerkollegen bestätigen mir das immer wieder.“ Mit Worten oder eben nickend und Beifall zollend, wie Jeff Job am Sonntagabend.

Neuwied: Köllejan (Allendorf) – Pering, Hellmann, Schütz, Richter, D. Schlicht, Morys, Lehnert, Neumann – Fröhlich, Asbach, Appelhans, Wilson, Jamieson, Müller, Brabec, Wasser, S. Schlicht, Etzel.
Herford: Vogel (Stenger) – Schinke, Gehring, Reckers, Brinkmann, Kiel – Chmelkov, Nasebandt, Skinner, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Staudt, Kuntu-Blankson, Seel, Hutt.
Schiedsrichter: Daniel Melcher.
Zuschauer: 705.
Strafminuten: 16:10.
Tore: 0:1 Fabian Staudt (Linnenbrügger) 7‘, 0:2 Benjamin Skinner (Reckers, Hutt) 12‘, 0:3 Benjamin Skinner (Hutt) 18‘, 1:3 Martin Brabec (Wilson) 21‘, 2:3 Michael Jamieson (Fröhlich) 22‘, 2:4 Ulib Gleb Berezovskij (Reckers, Hutt) 27‘, 2:5 Fabian Staudt 38‘, 3:5 Frederic Hellmann (Fröhlich, Wasser) 39‘, 3:6 Nils Bohle (Kuntu-Blankson, Seel) 49‘.

Kaum zu halten: Herfords Topscorer Killian Hutt behauptet sich im Zweikampf mit Frederic Hellmann.