Neuwied geht nach 3:4-Niederlage wohl als Zweiter ins Halbfinale

Es bleibt dabei und hat sich auch am vorletzten Spieltag der Pre-Playoffs bestätigt: Der EHC „Die Bären“ 2016 ist die Mannschaft in der Eishockey-Regionalliga West, die der EG Diez-Limburg am ärgsten zusetzt. Die Rockets haben durch den 4:3-Sieg vor 874 Zuschauern den ersten Platz auf dem Weg ins Playoff-Halbfinale vor dem abschließenden Spieltag am Sonntag so gut wie sicher (drei Punkte Vorsprung und ein um elf Treffer besseres Torverhältnis gegenüber Neuwied), doch die Gäste aus der Deichstadt begegneten der EGDL absolut auf Augenhöhe und zeigten einmal mehr, welche Mentalität im EHC-Team steckt. „Diese Partie hätte keinen Verlierer verdient gehabt“, urteilte Neuwieds Trainer Leos Sulak in seiner Analyse. Die Neuwieder holten einen 0:3-Rückstand auf, kassierten im Schlussabschnitt aber ein umstrittenes Gegentor, das die Partie entschied.
Häufig sind es Kleinigkeiten, die Partien zwischen zwei ungefähr gleichwertigen Mannschaften entscheiden. Individuelle Dinge wie Fehler oder die Klasse einzelner Spieler. „Heute sind alle Tore so entstanden“, fand EGDL-Coach Frank Petrozza einen Nenner für die sieben Tore und freut sich nach der inoffiziellen Hauptrundenmeisterschaft mit dem nun so gut wie sicheren ersten Platz nach den Pre-Playoffs über das Erreichen des zweiten von drei Zielen seiner Mannschaft in dieser Saison. Das dritte sprach er nicht offen aus, aber jeder weiß, wonach man am Heckenweg strebt. Sie wissen aber auch, dass es nicht einfach wird. „Es war heute wieder ein hartes Stück Arbeit für uns“, so Petrozza. Ähnliches erwartet er für die am kommenden Freitag beginnenden Playoffs.
Justin Schrörs im Neuwieder Tor musste schon nach wenigen Sekunden gegen Tobias Schwab die erste Glanzparade mit der Fanghand auspacken, aber danach schwammen sich die Bären frei. „Wir fanden gut in die Partie und hatten einige gute Chancen“, fand auch Sulak. Er meinte die Möglichkeiten von Maximilian Herz und Kevin Wilson, die zum 0:1 hätten führen können. Stattdessen jubelte die EGDL kurz später. Patrik Morys kam auf Höhe der blauen Linie zu Fall, die Rockets starteten einen Zwei-gegen-eins-Angriff, und Kevin Lavallee vollendete zur Führung (17.). Ein glückliches Zwischenergebnis für das Petrozza-Team, das im zweiten Drittel deutlicher wurde. Der größte Unterschied zwischen beiden Mannschaften bestand in den ersten 30 Minuten darin, dass die Gastgeber ihre Möglichkeiten besser verwerteten. Zweimal traf Ross John Reed (22., 30.) zum 2:0 und 3:0 – viel zu deutlich gemessen am Kräfteverhältnis. „Aber wir sind super zurückgekommen“, lobte Trainer Sulak die Moral der Bären. Wie schon im Hauptrundenspiel im Icehouse glich der EHC das 0:3-Handicap aus. Der nach überstandener Krankheit zurückgekehrte Kevin Wilson (34.) und der immer mehr den Torriecher entdeckende Tobias Etzel (37.) sorgten noch vor der zweiten Pause für den Anschluss. Und damit nicht genug: Als Konstantin Firsanov auf der Strafbank saß, drückte Jeff Smith die Scheibe durch einen kleinen Spalt zwischen Pfosten und dem Schoner von Raketen-Schlussmann Jan Guryca (44.). Alles stand wieder auf Anfang, allerdings nur 78 Sekunden lang. Dann rutschte Dominik Scharfenort in der Bandenecke aus und André Bruch nutzte den Freiraum zum 4:3. Justin Schrörs war außer sich, weil das Tor vorher bereits aus der Verankerung war. Von nun sollten die Gäste offenbar in der Defensive gefesselt werden. Schiedsrichter Marc Stromberg drängte sich in einer bis dahin vollkommen ruhig verlaufenen Partie in den Mittelpunkt, der EHC stand in der Endphase permanent in Unterzahl auf dem Eis. Bezeichnend, dass im Eishallen-Bistro seitens einheimischer Anhänger später „Hoch lebe Stromberg“-Sprechchöre die Runde machten und mit Beifall bekundet wurden. Leos Sulak versuchte es in der letzten Minute mit sechs Feldspielern, aber auch diese Schlussoffensive brachte nicht mehr den Ausgleich ein. Ross John Reed scheiterte mit einem Distanzschuss aufs leere Tor an der Neuwieder Latte, aber auch so sollte es für die Gastgeber im sechsten Derby dieser Saison reichen. Nach den Leistungen beider Teams in den zurückliegenden Wochen würde es nicht überraschen, wenn in den Playoffs noch weitere dazukommen würden. Es wäre im Finale…

Diez-Limburg: Guryca (Stenger) – Seifert, Wex, Pompino, Naumann, Lademann, Günther, Ewald, Krämer, Mörschler – Piwowarczyk, Maier, Gimenez, Bruch, Firsanov, Schwab, Lavallee, Reed, Grund, Luft.
Neuwied: Schrörs (Grams) – Pering, Hellmann, D. Schlicht, Klingsporn, Morys, Neumann, Scharfenort – Fröhlich, Asbach, Wilson, Litvinov, Apel, Müller, Aminikia, Herz, Wasser, Smith, Etzel, Aulie.
Schiedsrichter: Marc Stromberg.
Zuschauer: 874.
Strafminuten: 6:14 + Disziplinarstrafe gegen Schrörs + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen die Bank.
Tore: 1:0 Kevin Lavallee (Reed, Maier) 17‘, 2:0 Ross John Reed (Maier, Seifert) 22‘, 3:0 Ross John Reed (Luft, Schwab) 30‘, 3:1 Kevin Wilson (Smith, Aulie) 34‘, 3:2 Tobias Etzel (Apel) 37‘, 3:3 Jeff Smith (Etzel, Aulie) 44‘, 4:3 André Bruch (Luft, Günther) 45‘.


Momentan in Torlaune: Tobias Etzel traf bereits zum fünften Mal in den Pre-Playoffs.