5:6-Niederlage nach Verlängerung vor Saison-Rekordkulisse

Der Tag danach: Das Erlebte ist noch präsent, die Regionalliga-Saisonrekordkulisse von 1338 Zuschauern zur Benefizveranstaltung zugunsten der „Vor-Tour der Hoffnung“, die krebskranke Kinder und deren Familien unterstützt, hat Eindruck hinterlassen und bleibt genauso Gesprächsthema wie das Spiel an sich in der Eishockey-Regionalliga West zwischen dem EHC „Die Bären“ 2016 und dem Herforder EV. Einen Punkt behielten die Bären, weil sie nach Verlängerung mit 5:6 gegen den amtierenden Meister verloren. Zwei waren genauso drin wie drei, aber die Neuwieder hätten auch gänzlich leer ausgehen können. „Die Spieler saßen nach dem Spiel enttäuscht in der Kabine. Wir hatten uns fest vorgenommen, den Bann gegen Herford zu brechen und sie erstmals in dieser Saison zu bezwingen – erst recht vor dieser wahnsinnigen Kulisse“, sagte EHC-Manager Carsten Billigmann. Aber der Fluch der Verlängerung, die seit dieser Saison mit drei gegen drei Feldspielern absolviert wird, hält für die Bären an. Wie schon in Herford – mit dem gleichen Ergebnis – und unlängst daheim gegen die EG Diez-Limburg jubelte der Gegner über das Game-Winning-Goal. Nach 63:08 Minuten endete die Bären-Hoffnung auf einen Sieg im letzten Spiel des Jahres 2019. Gleb Berezovskij, einer der herausragenden deutschen Spieler der Liga, traf. Sechstes Tor für die Drachen, sechster Scorerpunkt für den ehemaligen Kölner DNL-Spieler und einstigen Mitspieler von Felix Köllejan beim Haie-Nachwuchs.
Zwischen den Pfosten der Gastgeber stand wie schon am Freitag in Diez Lukas Schaffrath, der den nach wie vor verletzten Justin Schrörs vertrat. Die Feldspieler waren genauso wie die Gäste zunächst defensiv ausgerichtet. Spektakel gab’s ab dem Mittelabschnitt, in den der EHC durch Sam Aulies 1:0 (20.) mit einer Führung ging. Aulie erhöhte schnell – die gleiche Ausgangssituation wie am Freitag war geschaffen. Der Angreifer mit der Nummer 94 und Herfords Guillaume Naud lieferten sich fortan ein kanadisches Wettschießen. Naud traf zum 2:1 und 2:2 (29., 33.), Aulie zum 3:3 (35.), Naud wiederum zum 4:4 (39.). Das war noch lange nicht alles im zweiten Drittel. Auch Damian Martin für Herford (34.) und EHC-Kapitän Stephan Fröhlich (37.) netzten ein. Aus dem strategischen Abwehrabtasten entwickelte sich ein Offensivfeuerwerk. „Natürlich haben wir ein paar Fehler zu viel gemacht, aber trotzdem war es gute eine Leistung unserer Mannschaft“, so Billigmann. „Nur wir müssen sehen, dass wir mit den Spitzenmannschaften der Liga nicht nur mithalten, sondern sie auch besiegen können. Das wird die Aufgabe für die Meisterrunde.“
Als Berezovskij in Minute 56 das 4:5 markierte, drohten die Deichstädter komplett leer auszugehen. Maximilian Wasser bescherte seinem Team einen Punkt und den weit über 1000 Zuschauern eine Extraportion Dramatik. Aber der letzte Torjubel blieb dann doch den Ostwestfalen vorbehalten.
Der sportliche Sieg an den HEV, aber auch der EHC kann auf einen erfolgreichen Abend zurückblicken. „Wir waren natürlich sehr zuversichtlich, dass wir einen großartigen Zuspruch für unsere Benefizveranstaltung erhalten, aber diese Zuschauerzahl begeistert uns natürlich. Unseren prominenten Ehrengästen gehört ein genauso großer Dank wie den Icehouse-Betreibern für die großartige Zusammenarbeit und unseren Helfern im Verein, ohne deren Engagement die ganze Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre”, resümiert Neuwieds Vorsitzender Uli Günster. Insgesamt kamen 5041 Euro für die Vor-Tour der Hoffnung zusammen. „Das war tolle Werbung für den Eishockey-Sport und ein lebendiger Beweis dafür, dass man in der Gemeinschaft Gutes tun kann”, freut sich Vor-Tour-Organisator Jürgen Grünwald.

Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Pering, Hellmann, D. Schlicht, Klingsporn, Morys, Neumann – Fröhlich, Bruns, Asbach, Wilson, Litvinov, Aminikia, Herz, Wasser, Smith, S. Schlicht, Aulie.
Herford: Allendorf (Vogel) – Martin, Gehring, Naud, Brinkmann, Droick, Hilgenberg – Weikamp, Nasebandt, Unger, Bohle, Berezovskij, Chmelkov, Häufler, Böhm, Hutt.
Schiedsrichter: Marc Stromberg.
Zuschauer: 1338.
Strafminuten: 4:12.
Tore: 1:0 Sam Aulie (Wilson, Smith) 20‘, 2:0 Sam Aulie (Smith, Wilson) 22‘, 2:1 Guillaume Naud (Berezovskij) 29‘, 2:2 Guillaume Naud (Berezovskij, Hutt) 33‘, 2:3 Damian Martin (Böhm, Berezovskij) 34‘, 3:3 Sam Aulie (Wilson, S. Schlicht) 35‘, 4:3 Stephan Fröhlich (Wasser, D. Schlicht) 37‘, 4:4 Guillaume Naud (Hutt, Berezovskij) 39‘, 4:5 Gleb Berezovskij (Böhm, Naud) 56‘, 5:5 Maximilian Wasser (Fröhlich, D. Schlicht) 58‘, 5:6 Gleb Berezovskij (Naud, Hutt) 64‘.


Symbolisches Bully vor vollen Rängen: Playgirl Christina Braun und Zehnkampf-Ass Kai Kazmirek mit den Kapitänen Philipp Brinkmann (Herford, links) und Stephan Fröhlich (Neuwied).    Foto: PhotoVision Eckhard.Schwabe