Torpremiere, Güßbacher-Strip und Platz zwei

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Sven Asbach hatte allen Grund zur Freude: Das 19-jährige Neuwieder Eigengewächs erzielte gegen Grefrath sein erstes Tor im Seniorenspielbetrieb.

Sven Asbach hatte allen Grund zur Freude: Das 19-jährige Neuwieder Eigengewächs erzielte gegen Grefrath sein erstes Tor im Seniorenspielbetrieb.

Michael Güßbacher ließ sich nicht zweimal bitten, als das Publikum den Torhüter des EHC „Die Bären“ 2016 nach dem Hauptrundenabschluss der Eishockey-Regionalliga West am Sonntagabend zur Tanzeinlage aufforderte. „Das kann jeder“, dachte sich der 21-Jährige. „Irgendetwas Stripmäßiges“ bestellte er beim DJ im Neuwieder Icehouse und ließ schließlich zu „You can leave your hat on“ auf dem Eis die Ausrüstungshüllen fallen. Beim T-Shirt machte der Landsberger Schluss. Die Bären waren bester Laune beim letzten Spiel der ersten Saisonphase. Zwischenrunden- und Play-off-Einzug hatten sie durch die Wertung der Partie in Neuss am Grünen Tisch bereits vor dem Eröffnungsbully sicher, mit neun Toren beim 9:5-Erfolg über die Grefrather EG stellten die Neuwieder einen Saisonbestwert in eigener Halle auf und verbesserten sich im Endspurt auch durch Hamms überraschende Niederlage bei der Soester EG noch auf Rang zwei hinter den Ratinger Ice Aliens – das ließ den Stimmungspegel bei Spielern wie Fans weit nach oben steigen. „Wir können mit der Leistung sehr zufrieden sein“, sagte Jens Hergt. Lediglich ein paar zu viele Gegentore musste der Trainer als Schönheitsfehler akzeptieren.
Die Grefrather spielten keinesfalls schlecht. Offensichtlich beschwingt durch den 4:3-Erfolg nach Penaltyschießen über Soest am Vortag, spielten die Phoenix in der Anfangsphase frei auf und überraschten die Bären durch Matthias Holzkis Führungstreffer in der fünften Minute. Der EHC brauchte etwas Zeit, um in Fahrt zu kommen, aber nachdem der ehemalige Neuwieder Marvin Haedelt im Tor der Niederrheiner die ersten Möglichkeiten entschärft hatte, brach Sven Schlicht den Bann. Er netzte genauso in Überzahl ein (12.) wie Rylee Orr (16.).
Auch im Mittelabschnitt setzten die Feuervögel den ersten Stich. Dennis Holstein bejubelte in der 23. Minute den Ausgleich. Danach kamen die Hausherren immer besser ins Rollen und setzten das kleine Grefrather Aufgebot von zwölf Feldspielern früh unter Druck. So eroberte Philipp Felföldy an der Bande die Scheibe und legte für Willi Hamann auf, der die Scheibe in den kurzen Winkel jagte – es war sein erstes Tor im achten Spiel nach der Rückkehr aus Diez an den Rhein (27.). Gästetrainer Karel Lang bescheinigte seinem Team bei der Pressekonferenz „sich sehr gut verkauft“ zu haben, mit zunehmendem Kräfteverschleiß machte sich der Leistungsunterschied zwischen beiden Teams dann aber doch immer deutlicher bemerkbar. Zumal Neuwied über die komplette Spielzeit hinweg mit vier Reihen agierte. „Das geht sehr häufig schief. Aber unsere Jungs haben das super gemacht. Sie haben bei den kurzen Wechseln viel Laufarbeit betrieben. So muss das sein“, beobachtete Hergt zufrieden.
Auch Eigengewächs Sven Asbach erhielt im vierten Block reichlich Einsatzzeit und nutzte diese zu seinen ersten Treffer im Seniorenbereich. „Für Sven freut mich das besonders“, so Hergt, unter dessen Trainerregie der 19-Jährige einst seine ersten Schritte auf dem Eis machte. „Sven ist ein Spieler, der sich noch deutlich weiterentwickeln kann.“ In Minute 48 erlebte er diesen besonderen Premierenmoment, in einem Aktivenspiel den Puck erstmals ins Tor bugsiert zu haben. Es war auch das Tor zum 8:4-Zwischenstand – zuvor hatten Stephan Fröhlich (28.), Sven Schlicht (32.), Felix Köbele (42.) und Robin Schütz (43.) das Ergebnis in die Höhe geschraubt, während Jerome Baum (33.) und Sven Schiefner (47.) das etwas nachlässig gewordene Neuwieder Defensivverhalten ausnutzten -, das Asbach den Titel „Spieler des Spiels“ einbrachte. Stephan Fröhlich kennt das Torgefühl schon viel besser. Mit seinem 23. Saisontreffer erhöhte er auf 9:4 (55.), bevor Lukas Bisel für Grefrath den Schlusspunkt setzte (57.).
Dass die Bären den Grefrathern hinten die eine oder andere großzügige Aktion servierten, war auch dem eingelegten Offensivmodus geschuldet. Zu einem Abend mit Euphorie und bester Laune gehört das irgendwie dazu. „Nach vorne war das wirklich gut“, freute sich Hergt über den Torhunger seines Teams. Die nächste Chance, diesen wieder an den Tag zu legen, besteht bereits am Freitagabend: Dann eröffnet der EHC ab 20 Uhr die Zwischenrunde mit einem Heimspiel gegen den Neusser EV. Zwei Tage später geht es zu den Hammer Eisbären.

Neuwied: Güßbacher (Köllejan) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Leuschner, Asbach, S. Schlicht, Bill, Hamann.
Grefrath: Haedelt – Schwarte, Krölls, Schneider, Baum – Schroll, Haazen, Holzki, Holstein, Bergmann, Schiefner, Nelleßen, Bisel.
Schiedsrichter: Markus Eberl.
Zuschauer: 692.
Strafminuten: Neuwied: 22 – Grefrath: 14 + Disziplinarstrafe gegen Holstein.
Tore: 0:1 Matthias Holzki (Schiefner) 5‘, 1:1 Sven Schlicht (Fröhlich, Köbele) 12‘, 2:1 Rylee Orr (Schütz, Köbele) 16‘, 2:2 Dennis Holstein (Schroll) 23‘, 3:2 Willi Hamann (Felföldy) 27‘, 4:2 Stephan Fröhlich 28‘, 5:2 Sven Schlicht (D. Schlicht, Hamann) 32‘, 5:3 Jerome Baum (Nelleßen, Holzki) 33‘, 6:3 Felix Köbele (S. Schlicht, Fröhlich) 42‘, 7:3 Robin Schütz (Halfmann) 43‘, 7:4 Sven Schiefner (Baum) 47‘, 8:4 Sven Asbach (Kopetzky) 48‘, 9:4 Stephan Fröhlich (Köbele) 55‘, 9:5 Lukas Bisel (Baum, Holzki) 57‘.­­­­