Späte Tore bringen Sieg und Endspiel gegen Herford

Felix Köllejan musste nur einen Schuss passieren lassen.

Für den EHC „Die Bären“ 2016 kommt es am Sonntagabend ab 19 Uhr im Neuwieder Icehouse zum „Endspiel“ um Tabellenplatz zwei in der Eishockey-Regionalliga West gegen den Herforder EV. Am Freitag gewannen sowohl die Bären als auch die Ice Dragons ihr Heimspiel, beide Teams sind somit auch nach 31 von 32 Hauptrundenpartien punktgleich. Neuwied gegen Dinslaken – das sind in dieser Saison knappe Kisten, die nun schon dreimal nach dem gleichen Schema abliefen. Die Kobras gehen in Führung, Neuwied legt eine Schippe drauf und holt sich die Punkte für den 2:1-Sieg mit einem durchschlagenden Endspurt. Das hinterlässt Spuren in den Gesichtern der Unterlegenen. Dinslakens Stefan Dreyer steht nach dem letzten Kraftakt tief einatmend auf Höhe der blauen Linie, als die letzten Sekunden heruntergetickt waren. Der Blick geht ins Nichts, als wollte der Kobras-Angreifer sagen: „Nicht schon wieder.“ Die Gäste boten mit nur zwölf Feldspielern eine kämpferisch starke Leistung, gingen aber leer aus. „Wir sind mit dem Ziel hergekommen, uns nicht abschlachten zu lassen und haben uns sehr gut verkauft. Meine Mannschaft zeigte im ersten und zweiten Drittel eine disziplinierte Leistung, aber dann sind die Kräfte etwas ausgegangen. Neuwied hat verdient gewonnen“, sagte Trainer Krystian Sikorski.
Bevor die Bären endlich jubeln konnten, mussten sie und die 647 Zuschauer viel Geduld beweisen. 53:30 Minuten lang hielt der ehemalige Bären-Keeper Marvin Frenzel (früher Haedelt) seinen Kasten sauber. Dann überlistete ihn Michael Jamieson von der linken Seite zum 1:1-Ausgleich, und Tobias Etzel kürte sich mit dem Siegtor zum 2:1 (57.) selbst zum Matchwinner. Frederic Hellmanns abgefälschter Schlagschuss von der blauen Linie sprang Etzel vor die Kelle, der sich diese Chance nicht entgehen ließ. „Es war ein enges, von beiden Seiten gut geführtes Spiel. Man darf nicht vergessen, dass wir in den letzten zwei Wochen nie komplett trainieren konnten. Im letzten Drittel haben wir mehr Druck entfacht und an den Chancen gemessen auch verdient gewonnen“, so EHC-Coach Daniel Benske.
In den ersten 40 Minuten war hüben wie drüben zunächst Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Dinslaken verteidigte vor dem und rund um das eigene Tor sehr konsequent, Neuwied agierte ebenfalls mit dem Wissen im Hinterkopf, dass die Giftschlangen im Konter eine große Stärke besitzen. Viele gute Gelegenheiten ließen die Gastgeber nicht zu. In der neunten Minute musste Felix Köllejan gegen Dreyer retten, das Chancenplus lag jedoch auf Seiten des EHC, der unter anderem ohne seinen von der Grippewelle erfassten Topscorer Martin Brabec auskommen musste. Es ist müßig zu mutmaßen, ob der Tscheche den Bann früher gebrochen hätte. Moritz Schug, Stephan Fröhlich und Co. besaßen gegen Mitte des zweiten Abschnitts einige Hochkaräter, doch stets hatte Frenzel das bessere Ende auf seiner Seite. Als dann in der 47. Minute Moritz Hofschen nach einem gewonnenen Bully von der blauen Linie abzog und die Dinslakener in Führung gingen, erhielt die Neuwieder Zuversicht Trübungen. Aber die Benske-Truppe schien den Rückstand gebraucht zu haben, um die Schlagzahl zu erhöhen. Wütende Angriffe hatten Gelegenheiten im Minutentakt zur Folge, Dinslaken befreite sich reihenweise nur noch mit Icings. Der Druck stieg und entlud sich mit Jamiesons überraschendem Schuss in der 54. Minute. Frenzel hatte zahlreiche erstklassige Paraden gezeigt, aber diesen Versuch des US-Boys hätte er abwehren müssen. Die Kobras versuchten es in den letzten 90 Sekunden mit einem weiteren Feldspieler, aber der EHC ließ sich die Butter nicht mehr vom an diesem Abend erst spät geschmierten Brot nehmen. Tobias Etzel hätte noch die Scheibe Wurst drauflegen können, verfehlte mit seinem Schuss aufs leere Tor jedoch knapp das 3:1. Es reichte für die Bären auch so. Sie haben ihr Endspiel um Platz zwei, das alle herbeisehnten, bekommen. „Gegen Herford müssen wir eine ähnliche Leistung zeigen und noch einen Tick effektiver vor dem Tor sein. Dann können wir auch das Spiel gewinnen“, glaubt Trainer Benske.

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Pering, Hellmann, Neubert, Dieser, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Dinslaken: Frenzel (Zerbe) – Hofschen, Linse, Giesen, Tsvetkov – Heffler, Dreyer, Spazier, Haßelberg, Plichta, Brinkmann, Schöche, Essery.
Schiedsrichter: Jan Breckenfelder.
Zuschauer: 647.
Strafminuten: 12:8.
Tore: 0:1 Moritz Hofschen (Haßelberg, Plichta) 47‘, 1:1 Michael Jamieson (Schug, Wichterich) 54‘, 2:1 Tobias Etzel (D. Schlicht, Hellmann) 57‘.