Meisterprüfung und Derbyfieber

Hatten in der Vorbereitung gut Lachen: Michael Jamieson (links) und Deion Müller machten offensiv viel Betrieb.

Jens Hergt hatte reichlich Zeit, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Zehn Tage infolge standen die Neuwieder Bären bis zum vergangenen Sonntag entweder zum Training oder bei Testspielen auf dem Eis. Am Ende dieses Vorbereitungsmarathons stand der Trainer des EHC im Kabinengang und sah zufrieden aus: „Wir befinden uns auf einem guten Stand und können erhobenen Hauptes das nächste Wochenende in Angriff nehmen.“ Dann wird sich zeigen, was die drei Siege in vier Vorbereitungspartien (6:1 und 9:4 gegen Eppelheim, 2:4 gegen Lüttich, 7:4 gegen Eindhoven) wert sind. Die Bären müssen in der Regionalliga-West von Anfang an Farbe bekennen. Auch wenn in der auf neun Teams geschrumpften Liga (Grefrath, Bad Nauheim II und Dortmund meldeten nicht mehr, und aus der Landesliga wagte niemand den Schritt nach oben) nach Einschätzung vieler „jeder jeden schlagen kann“ hat das Auftaktwochenende zwei besonders schwierige Aaufgaben in petto. Am Freitagabend spielen die Bären ab 20 Uhr auswärts beim Titelverteidiger Hammer Eisbären, am Sonntag stellen sich die Neuwieder ab 19 Uhr im Derby gegen die EG Diez-Limburg wieder ein rappelvolles Icehouse ein. „Hamm und Diez sind zwei Mannschaften, die zu den Favoriten zählen, vor denen wir uns aber mit Sicherheit auch nicht verstecken müssen. Die Fans können sich gleich zu Beginn auf zwei Spitzenspiele freuen“, ist sich Trainer Hergt sicher.
Mit vollbesetztem Kader und mehr Ausgeglichenheit greift der EHC nach dem Viertelfinal-Aus 2016/17 gegen den Herforder EV erneut an, um in Richtung Halbfinale vorzustoßen. Dafür hat Manager Carsten Billigmann den Spielermarkt genau sondiert und vor allem in die Breite des Kaders investiert. „Wir waren in der letzten Saison sehr abhängig von unserer Top-Reihe und mussten Entlastung schaffen“, erklärt er. Die vier Tests ließen Gutes erahnen. Die 24 Tore verteilten sich auf elf Spieler. „Unsere ersten beiden Reihen funktionieren schon sehr gut“, frohlockt Hergt nach den bisherigen Leistungen. Die Rückkehrer Deion Müller und Moritz Schug zeigten, dass sie sich in der Oberliga weiterentwickelt haben und in der Regionalliga Führungsrollen übernehmen können, Martin Brabec brachte seine Torgefahr aus Diez mit an den Rhein und der nordamerikanische Joker Michael Jamieson stach in vier Partien neunmal (!) und bereitete zwei Treffer vor. Bei seiner Verpflichtung fragten sich zunächst einige, wie man einen Mann holen kann, der zuletzt in zwei Jahren zwei Punkte gemacht hat. Aber der 25-Jährige demonstrierte mit großer Torlaune in der Vorbereitung sein Können, will in der Hauptrunde so weitermachen und in die Fußstapfen von Andrew Love, Brian Gibbons oder Josh Myers treten.
Genauso wie der EHC, hat auch Titelverteidiger Hamm seine beiden Kontingentstellen neu besetzt: Michael Spacek und Martin Benes kommen aus der dritten tschechischen Liga. Nicht mehr im Kader der Eisbären steht der Ex-Neuwieder Michel Maaßen, den es zum Oberligisten Erfurt zog.
Die Rockets aus Diez und Limburg haben einen Umbruch vollzogen. Während unter anderem sechs Spieler (Karl Neubert, Andreas Wichterich, Patrik Morys, Dominik Kley, Martin Brabec, Marco Herbel) nach Neuwied wechselten beziehungsweise zurückkehrten, ließ der neue EGDL-Trainer Arno Lörsch seine Kontakt in den Vogelsbergkreis spielen und holte acht seiner ehemaligen Lauterbacher Luchse an den Heckenweg, unter anderem den Ex-Neuwieder Pierre Wex. Personelle Unterstützung gibt’s zudem vom neuen Kooperationspartner EC Bad Nauheim. Als Ersatz für Brabec und Andrej Teljukin holte die EGDL den Kanadier Joey Davies und Routinier Marc Hemmerich. „Weil viele Spieler in der Vergangenheit schon zusammen gespielt haben, erwarte ich eine eingespielte Diezer Mannschaft“, sagt Jens Hergt. Und das nicht nur einmal in den kommenden Tagen. Denn schon am Dienstag sehen sich beide Teams ab 18.30 Uhr am Heckenweg wieder – dann im Halbfinale des Rheinland-Pfalz-Pokals.