Kommentar: Schatten über tollem Derby

Wir hätten uns gerne aufs sportliche beschränkt, aber nach dem Derby in Diez muss der EHC „Die Bären” 2016 zu gewissen, traurigen Vorfällen eine Stellungnahme abgeben:
586 Zuschauer wollten am Dienstagabend in der Eissporthalle am Diezer Heckenweg Eishockey schauen. Zum Abschluss des Feiertags noch rasanten Sport zu sehen bekommen – eine schicke Sache, der Fans aus beiden Lagern schon seit der Schlusssirene der Regionalliga-Partie am Sonntag entgegenfieberten. Sportlich richtig unterhaltsam, abwechslungsreich, elf Tore, eine spannende Ausgangslage für das Rückspiel am 31. Oktober in Neuwied – so weit, so hervorragend im Sinne des Sports. Und doch hängt über diesem Eishockeyabend an der Lahn ein Schatten, weil in und an der Halle schlichtweg Sachen vorfielen, die dort nichts verloren und rein gar nichts mit der wohltuend friedlichen Stimmung auf der Tribüne zu tun hatten. Gemeinsame, tolle Gespräche zwischen EGDL- und EHC-Fans samt weiterer Verabredungen – so soll es sein. Ganz nach dem Motto „in den Farben getrennt, im Sport vereint“. Aber überall ist anscheinend nicht angekommen, dass es um ein friedliches Miteinander geht, anstatt aus heiterem Himmel Aggressionen zu schüren. Und wenn die dann noch zum wiederholten Male in Diez eine Person aus Kreisen derer initiiert, die eigentlich dafür zuständig sind, zu einem gesitteten Ablauf beizutragen, löst das Schockmomente aus. Rassistische Äußerungen haben auf diesem Planeten nichts verloren, schon gar nicht von Ordnern und Sicherheitsbeauftragten. Und dann noch an den Haaren herbeizuziehen, die verbal aufs Übelste attackierte Person, ein Neuwieder Ehrenamtlicher, habe einen beleidigt und eine Gegenanzeige zu stellen, schlägt dem Fass den Boden, oder der Eissporthalle das Spielfeld aus. Die EGDL hat auf ihrer Facebookseite dazu klar Stellung bezogen und sich von Verbalrüpel aus ihren eigenen Reihen distanziert. Die einzig richtige Reaktion, wenn auch erst mit Verspätung. Dass Amtsträger aus dem Vereinsvorstand mit diesem Rassismus-Vorfall konfrontiert, mit Ignoranz reagieren und die „Links-liegen-lassen-Schiene“ fahren, ist beängstigend. 586 Zuschauer in der Halle, rund ein Dutzend Neuwieder Anhänger blieben außen vor. Gegen einige von ihnen war von der EGDL ein Hallenverbot erteilt worden, ohne dass der EHC davon Kenntnis hatte. Andere kamen nicht rein, weil sie am Eingang direkt vor oder hinter den Unerwünschten standen. Stichwort: Alle über einen Kamm scheren. Die EHC-Verantwortlichen haben sich bereits mit dem Verband in Verbindung gesetzt und streben ein gemeinsames Gespräch mit den EGDL-Machern sowie EHV-Repräsentanten in Mediatorfunktion an, um zur Normalität zurückkehren zu können. Als weitere Maßnahme werden die Verantwortlichen für das Desaster in Diez Hallenverbot im Icehouse erhalten. Um den Austausch unter den Bären-Fans noch einmal zu intensivieren wurde für kommenden Mittwoch, 11. Oktober, 19 Uhr, in Fanstammtisch im VIP-Arena des Icehouses einberufen.
Die Fans beider Vereine sehen sich am 31. Oktober wieder. Dann zum Pokal-Rückspiel in Neuwied. Die beiden Treffen der vergangenen Tage haben in fast allen Bereichen gezeigt, dass Derbys etwas Schönes und vor allem Friedvolles sein können. Wir sind uns sicher, dass wir das auch in ein paar Wochen wieder hinbekommen. Dann in einem besonderen Rahmen, wenn der Abend unter dem Motto eines bunten Miteinanders stehen und im Auftrag und Vertrauen des Innenministeriums ein klares Statement gegen Rassismus gesetzt wird. Die Partie sollte nach den Ereignissen vom Dienstag die geeignete Bühne sein.
Ach ja, am 3. November und 19. Januar spielen die Bären wieder am Heckenweg. Zwei Tage für die sich rassistische Pöbler, Vereinsmeier, die der Realität nicht in die Augen schauen möchten, und Co. gerne etwas Anderes vornehmen können. Oder: Vielleicht sich einfach diese Zeilen noch einmal durch den Kopf gehen lassen.