Köllejan vernagelt seinen Kasten

Endstation: Felix Köllejan, der auch diesen Schuss von Julian Grund abwehrt, feierte gegen Lauterbach seinen ersten Saison-Shutout. Links: EHC-Verteidiger Christian Neumann.

Endstation: Felix Köllejan, der auch diesen Schuss von Julian Grund abwehrt, feierte gegen Lauterbach seinen ersten Saison-Shutout. Links: EHC-Verteidiger Christian Neumann.

Energisch stößt sich Felix Köllejan von einem Torpfosten zum anderen, blitzschnell macht er mit den Schonern unten dicht, reflexartig reißt er die Fanghand hoch – dem Schlussmann des EHC „Die Bären“ 2016 steht in diesem Regionalliga-Spiel gegen den EC Lauterbach einfach nicht der Sinn danach, die Scheibe aus seinem Tor holen zu müssen. Muss er auch nicht. Der 20-jährige Torhüter der Neuwieder verdient sich diesen für einen Torhüter immer besonderen Moment, wenn die Schlusssirene ertönt und noch immer die Null auf der Anzeigetafel steht. Seine Mannschaftskollegen netzen vor 591 Zuschauern im Icehouse auf der anderen Seite des Eises viermal ein und schießen einen verdienten 4:0-Heimsieg heraus. „Wir hatten heute einen super Torhüter“, adelt EHC-Trainer Jens Hergt den Kölner auf der Pressekonferenz. „Felix musste hart arbeiten für den Shutout. Chancen waren für Lauterbach nämlich da.“
Es gibt diese Momente in einem Eishockeyspiel, in denen man das Gefühl bekommt, dass der Puck an diesem Abend offenbar dem Wunsch des Keepers entspricht und nicht zwischen den Pfosten die Torlinie überschreiten möchte. Vor Felix Köllejan gibt es zwei dieser Momente. In der 51. Minute zum Beispiel, als nach dem Schuss von Jake Fardoe das Geräusch von Hartgummi an Aluminium im Icehouse unüberhörbar ist. Oder sieben Minuten später: Köllejan lenkt mit der Linken irgendwie das Spielgerät über den Querbalken. Spätestens jetzt verzweifeln die Luchse aus dem Vogelsbergkreis an der Neuwieder Nummer eins, die die 30 auf dem Rücken trägt. Köllejan erhält nach Spielende die Auszeichnung als bester Neuwieder. Absolut gerechtfertigt, auch wenn ein zweiter Bär ebenfalls ein aussagekräftiges Bewerbungsschreiben aufgesetzt hatte: Stephan Fröhlich erzielte drei Treffer der Hergt-Truppe (16., 26., 35.) nachdem Philipp Felföldy den Anfang gemacht hatte (15.). „Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit der Leistung“, resümierte Hergt. Und auch der jetzt in Diensten der Lauterbacher tätige Ex-Bären-Coach Arno Lörsch verließ erhobenen Hauptes seine frühere sportliche Heimat: „Wir haben gegen eine spielerisch starke Neuwieder Mannschaft alles gegeben, was heute möglich war.“
Das Optimum konnten die Luchse kaum abrufen, weil unter der Woche ein Magen-Darm-Virus große Teile der Mannschaft flachgelegt hatte. Am Dienstag standen beim Training nur noch sechs Spieler auf dem Eis, Lörsch gingen sogar Gedanken durch den Kopf, die Partie abzusagen. Immerhin brachten die Hessen in Neuwied doch 16 Leute zusammen, auch wenn einige noch spürbar geschwächt waren. Das wurde nach ausgeglichener Anfangsphase immer deutlicher, je länger die Partie dauerte.
Zwei Schüsse aus der Distanz brachten die Gastgeber in die Spur. Nach einem von René Sting nach hinten gespielten Bully zog Philipp Felföldy unvermittelt ab und überwand EC-Torhüter Tim Marco Stenger. Eine Minute später passte Felix Köbele von der Torlinie ins Zentrum zu seinem Sturmpartner Stephan Fröhlich, der Stenger ebenfalls das Nachsehen gab. „Durch diese beiden Tore sind wir ins Spiel gekommen. Es folgte ein mit Ausnahme des viermütigen Powerplays gutes zweites Drittel“, analysierte Hergt. Zwei weitere Tore durch Kapitän Fröhlich klärten die Fronten. „Die Kräfte schwanden bei uns, das führte zu Strafzeiten“, beschrieb Lörsch den logischen Handlungsstrang nach rund der Hälfte der Spielzeit.
Im Schlussabschnitt gelang es den Bären, ähnlich wie schon im Derby gegen die EG Diez-Limburg, die Zeit souverän herunterzuspielen. Trainer Hergt wäre wohl rundum zufrieden gewesen, wenn sich sein Team nicht noch den einen oder anderen Besuch auf dem Sünderbänkchen geleistet hätte. „Aber so konnten wir noch etwas Unterzahl trainieren“, gewann er auch diesen Situationen noch etwas Positives ab. In Diez hatten die Bären noch drei Gegentore in Unterzahl kassiert, diesmal hielten sie komplett dicht. Auch, weil Felix Köllejan wildentschlossen war, den Puck nicht aus den Maschen holen zu müssen.

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, Asbach, S. Schlicht, Hamann.
Lauterbach: Stenger (Bernhofen) – Schophuis, Amend, Kärkäs, Mörschler, Hülskopf, Fardoe – P. Maier, Matheson, Wex, Grüner, Kult, Pietschmann, Grund, M. Maier.
Schiedsrichter: Markus Eberl.
Zuschauer: 591.
Strafminuten: Neuwied: 12 – Lauterbach: 16 + Disziplinarstrafe gegen Fardoe.
Tore: 1:0 Philipp Felföldy (Sting) 15′, 2:0 Stephan Fröhlich (Köbele, Trimboli) 16′, 3:0 Stephan Fröhlich (Orr, Köbele) 26′, 4:0 Stephan Fröhlich (Köbele, S. Schlicht) 35′.