Jamiesons Tor lässt Steine vom Herz fallen

Ein frühes Tor wünschten sich die Bären, um Sicherheit zu bekommen. Gesagt, getan. Stephan Fröhlich erzielte nach 34 Sekunden das 1:0.

Michael Jamieson sprach die Suchmeldung der etwas anderen Art noch am Freitagabend am Spielereingang des Neuwiedes Icehouses aus: „Find that guy.“ „Finde den Kerl“, forderte der Angreifer der Neuwieder Bären – schließlich wollte er jemandem einen besonderen Dank aussprechen. Er meinte „den Kerl“, der am Plexiglas hinter dem Tor die US-Flagge befestigt hatte und beim Nordamerika-Import mit dieser Extramotivation Heimatgefühle weckte. So verwunderte es nicht, dass Jamieson in der 58. Minute des Neuwieder Regionalliga-Heimspiels gegen die Dinslakener Kobras seinen Gruß in Richtung der „stars and stripes“ schickte und mit einem breiten, zufriedenen Grinsen auf die Spielerbank zurückkehrte. Es war der Moment der großen Erleichterung beim EHC, der Moment als Carsten Billigmann und Andreas Halfmann fast synchron die Fäuste ballten und ihnen riesige Steine von den Herzen fielen. Jamieson hatte gerade das 5:2 für die Bären erzielt, und nun – 144 Sekunden vor der Schlusssirene – stand fest, dass das Interimstrainerduo Billigmann/Halfmann seine Premiere nach dem Rücktritt von Jens Hergt zu Wochenbeginn mit drei Punkten versüßt bekommen wird. „Heute haben wir bei unseren Fans wieder etwas gutgemacht. Ich ziehe den Hut vor der Mannschaft, wie sie nach einer stürmischen Woche aufgetreten ist“, freute sich Billigmann nach der Partie.
Abwehr-Haudegen Halfmann tigerte vor der Begegnung „richtig nervös“ hinter der Halle auf und ab. So viele Schlachten er im Icehouse auch schon geschlagen hatte – als Trainer hinter Bande zu stehen, war auch für ihn eine neue Erfahrung. Genauso für den Neuwieder Manager. Der setzte direkt neue Impulse und stellte die Angriffsreihen um: Deion Müller, Stephan Fröhlich und Moritz Schug bildeten die erste Angriffsformation, die Imports Martin Brabec und Michael Jamieson stürmten gemeinsam mit Tobias Etzel. „Das hat sehr gut harmoniert“, stellte Billigmann zufrieden fest.
Erster Wechsel, erstes Tor – nach nur 34 Sekunden schoss Kapitän Stephan Fröhlich seine Mannschaft mit 1:0 in Führung und eröffnete ein starkes erstes Drittel der Bären, die nicht nur mit dem Tor, sondern auch mit dem Körper in den Zweikämpfen Akzente setzten. Martin Brabec (12.) und Frederic Hellmann (17.) in einer fünfminütigen Überzahl schraubten die Führung in die Höhe. Zwei Spieler standen bereits unter der Dusche, als die Pause begann. Schiedsrichter Markus Eberl hatte nach einem Bandencheck von Moritz Hofschen gegen Martin Brabec und dem Prototyp eines Kniechecks von Dennis Schlicht an Michal Plichta keine andere Wahl, als gegen beide Spieldauerdisziplinarstrafen zu verhängen.
Im Mittelabschnitt büßten die Gastgeber von ihrer Dominanz ein, die Kobras kamen nun besser zur Geltung und in Überzahl zum Anschluss. Das Penaltykilling der Bären konnte sich zwar sehen lassen – Stephan Fröhlich (20.) und René Sting (22.) boten sich in nummerischer Unterlegenheit sogar gute Konterchancen -, aber in der 33. Minute mussten sie doch das 1:3 hinnehmen. Mark Alexander Essery lenkte einen Schlagschuss Tom Giesens unhaltbar für den Ex-Dinslakener Lukas Schaffrath im Neuwieder Tor ab. Dinslaken ist eine Mannschaft, die sich von Rückständen nicht unterkriegen lässt. Das hatten die Giftschlangen erst vor Wochenfrist bei der EG Diez-Limburg gezeigt, als sie aus einem 1:3-Rückstand noch einen 4:3-Sieg machten. Und auch diesmal steckten die Gäste nicht auf. Der US-Amerikaener Essery verkürzte bei seinem ersten Regionalliga-Auftritt in der 53. Minute zum 2:3 und stellte das Ergebnis wieder Spitz‘ auf Knopf. „Respekt, wie die Mannschaft dann den Kopf aus der Schlinge gezogen und den Schalter noch einmal umgelegt hat“, kommentierte Carsten Billigmann die Reaktion seines Teams, das binnen 30 Sekunden das Nervenspiel in eine auf der Anzeigetafel klare Sache verwandelte. Martin Brabec (58.) und Michael Jamieson (58.) setzten den Doppelschlag zum 5:2-Endstand.
Neuwied verbesserte sich durch den Heimsieg auf Tabellenplatz zwei und stellte die Weichen für das Spitzenspiel schlechthin am Sonntag ab 19 Uhr im Icehouse gegen den Rangersten Herford. „Das Dinslaken-Spiel war für uns nur ein erster Schritt. Wir sind noch lange nicht am Ende“, macht Billigmann deutlich, dass die Bären gegen die starken Ice Dragons, die am Freitag ihr Heimspiel gegen den Neusser EV mit 7:0 für sich entschieden, gerne nachlegen wollen.

Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Hellmann, D. Schlicht, Dieser, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Dinslaken: Haedelt (Zerbe) – Hüsken, Hofschen, Linse, Giesen – Heffler, Menzel, Dreyer, Wilson, Spazier, Tanke, Plichta, Brinkmann, Essery.
Schiedsrichter: Markus Eberl.
Zuschauer: 483.
Strafminuten: 23 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Dennis Schlicht : 11 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Moritz Hofschen.
Tore: 1:0 Stephan Fröhlich (Schaffrath) 1′, 2:0 Martin Brabec (Etzel, Schug) 12′, 3:0 Frederic Hellmann (Fröhlich) 17′, 3:1 Tom Giesen (Heffler) 33′, 3:2 Mark Alexander Essery 53′, 4:2 Martin Brabec (Jamieson, Schug) 58′, 5:2 Michael Jamieson (Etzel, S. Schlicht) 58′.