Hergt: „Über diese Leistung müssen wir reden“

Felix Köllejan, Robin Schütz und Stephan Fröhlich kommen zu spät: Matt Fischer bringt die EGDL mit 1:0 in Führung.

Ganz so einfach kann Jens Hergt nach dem Derby am Freitagabend bei der EG Diez-Limburg nicht zum Alltag übergehen. „Über diese Leistung müssen und werden wir vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den Neusser EV noch reden. Dann müssen wir wieder als geschlossenes Team auftreten“, redete der Trainer des EHC „Die Bären“ 2016 nach der 2:7-Niederlage am Diezer Heckenweg Klartext. „Uns hat die taktische Disziplin gefehlt, einige Spieler haben sich nicht an den Matchplan gehalten.“
Im vierten Nachbarschaftsduell in dieser Saison trat der bislang deutlichste Leistungsunterschied zwischen beiden Teams zu Tage. Die Rockets fanden von Anfang besser in die Partie, auch begünstigt durch drei Hinausstellungen gegen Neuwied bis zur sechsten Minute. Ein Überzahlspiel aus diesem frühen Powerplay-Reigen nutzte Torjäger Matt Fischer zum verdienten 1:0 (4.). Eine 3:5-Situation überstanden, fand der EHC erstmals den Weg in die Offensive und glich prompt aus. Martin Brabec überwand Constantin Schönfelder nach Vorlage von Marco Herbel und Karl Neubert (8.). „Wir haben nach dieser Überzahl-Euphorie für einen Moment nicht aufgepasst“, analysierte EGDL-Trainer Arno Lörsch. Gleichstand auf dem Eis, aber die Hausherren blieben die aggressivere Mannschaft und hatten bei Fischers Pfostentreffer (10.) die erneute Führung auf der Kelle. „Wir waren körperlich überhaupt nicht anwesend“, monierte Jens Hergt. Checks? Fehlanzeige.
Und dann kam es nach der ersten Pause knüppeldick für die Bären: Alles lief gegen sie, was gegen einen laufen kann. Fischers Hereingabe sprang von einer Neuwieder Verteidiger-Kufe ins eigene Netz (20.), Marc Hemmerich (23.) und André Bruch (24.) legten nach. 2:1, 3:1, 4:1 – Ofen aus für Neuwied. „Unser 2:1 war ein Wake-up-Effekt. Danach klappten Dinge, die normalerweise nicht passieren. Das war ähnlich wie im Neuwieder Spiel gegen Hamm. Wir hatten das Momentum“, freute sich Arno Lörsch. Wenn die Bären nun einmal den Körper einsetzten, wurde schnell deutlich, dass mit Marc Stromberg ein Hauptschiedsrichter auf dem Eis stand, der in etlichen Situationen ein ganz schlechtes Händchen für das geeignete Strafmaß hatte beziehungsweise eine angemessene Linie durchzuziehen. Checks wie der von Dennis Schlicht gegen Pierre Wex gehören im Eishockey dazu. Der Unparteiische sah’s komplett anders und schickte den Neuwieder Angreifer zum Duschen (27.). Eine von einigen Entscheidungen, die pro Diez-Limburg ausfielen bevor das Ergebnis deutlich wurde. Entsprechend echauffierte sich EHC-Manager Carsten Billigmann, der im Mitteldrittel seinem Unmut Luft machte und der Bank verwiesen wurde: „Natürlich haben wir heute schlecht gespielt, da gibt es keine Ausrede und keine zwei Meinungen. Aber es war jetzt schon das wiederholte Mal in dieser Saison, dass wir von Marc Stromberg benachteiligt wurden.“ Eine Einschätzung, die er noch am Freitagabend auch dem rheinland-pfälzischen Schiedsrichterobmann Marcus Brill mitteilte. Die lange Überzahl, zwei Minuten lang sogar erneut fünf gegen drei, nutzte Florian Böhm zum 5:1 (31.). „Damit war die Messe gelesen“, musste Jens Hergt einsehen.
Als der Unparteiische im letzten Abschnitt begann beim Zeitstrafenverhältnis entgegensteuern, wo die Partie entschieden zu sein schien, ergab sich doch noch einmal die Chance für die Deichstädter auf ein episches Comeback. Marijus Maier erhielt nach einem Check gegen Sven Schlicht eine ebenso maßlos überzoge Große Strafe, und nach Böhms Haken stand der EHC für zwei Minuten mit zwei Mann mehr auf dem Eis. Nachdem Willi Hamann verkürzt hatte (44.), war das die Gelegenheit noch einmal für Spannung zu sorgen. Die Rockets hielten sich schadlos, und so monierte Hergt: „Da wurde ein Problem mit der taktischen und spielerischen Disziplin deutlich. Manche Spieler dachten, sie müssen jetzt etwas Besonderes machen.“ Kein weiser Entschluss. Konstantin Firsanov düpierte die Bären sogar mit einem Shorthander (51.), und das bessere Powerplay gehörte an diesem Abend ohnehin den Raketen. Fischers drittes Tor war der vierte in Überzahl und bedeutete den verdienten 7:2-Endstand.

Diez-Limburg: Themm (Schönfelder) – Schophuis, Ansink, Kärkäs, Stroeks, Krämer, Hemmerich – Langer, Niestroj, Davies, Fischer, Firsanov, Wex, Flemming, Bauscher, Mainzer, Kail, Bruch, Böhm, Maier.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Neumann – Fröhlich, Sting, Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Marc Stromberg.
Zuschauer: 583.
Strafminuten: 15 + Disziplinarstrafe gegen Böhm + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Maier : 21 + Spieldauerdisziplinarstrafen gegen D. Schlicht und die Bank.
Tore: 1:0 Matt Fischer (Davies, Schophuis) 4′, 1:1 Martin Brabec (Neubert, Herbel) 8′, 2:1 Matt Fischer (Firsanov) 21′, 3:1 Marc Hemmerich (Davies, Fischer) 23′, 4:1 André Bruch (Wex, Böhm) 24′, 5:1 Florian Böhm (Firsanov) 31′, 5:2 Willi Hamann (Sting) 44′, 6:2 Konstantin Firsanov (Fischer, Wex) 51′, 7:2 Matt Fischer (Firsanov, Hemmerich) 58′.