Geduldige Bären beißen spät zu

Der inoffizielle Titel des EHC-Wochenend-Torschützenkönigs geht an Michael Jamieson, der in Lauterbach am Freitag zwei- und am Sonntag in Dinslaken dreimal traf.

„Die bekommen nicht viele Gegentore. Deshalb wird es besonders wichtig sein, auch nicht viel zuzulassen. Und Geduld, wir brauchen Geduld“, hatte sich Daniel Benske das Rezept für das Auswärtsspiel seiner Bären bei den Dinslakener Kobras schon früh zurechtgelegt. Nach der Schlusssirene kam der Eindruck auf, der neue Neuwieder Trainer hätte die Begegnung im Vorfeld irgendwo in der Glaskugel schon einmal gesehen. Denn beim 4:2-Auswärtssieg war vieles genauso, wie prognostiziert. Dinslaken, eine Mannschaft, die von den letzten neun Begegnungen nur zwei (in Neuwied und gegen Herford) verloren hatte, zu besiegen – alleine schon dafür, verdiente sich der EHC viel Respekt. Noch mehr dafür, bis in die Endphase hinein mit 1:2 hinten liegend, nicht den Kopf verloren zu haben. Vielleicht waren es auch die Erinnerungen an vergangene Spiele gegen die Giftschlangen, in denen die Bären bereits ihre Comeback-Qualitäten offenbart hatten. Im Oktober 2016 drehten sie im Icehouse einen 0:3-Rückstand nach 40 Minuten in einen 4:3-Sieg, vor zweieinhalb Monaten machten sie in Dinslaken aus einem 1:3-Handicap noch zwei Punkte durch einen 5:4-Erfolg nach Penaltyschießen.
Und diesmal: Neuwied gelang in 52 Minuten zunächst nur ein Tor gegen den Ex-EHCler Marvin Haedelt zwischen den Pfosten. Michael Jamieson glich in der 38. Minute den frühen Rückstand durch Kevin Wilson (4.) aus. Weil eingangs des Schlussabschnitts Sven Linda eine doppelte Überzahlsituation ausnutzte (43.), hoffte Dinslaken nicht zu unrecht auf eine Fortsetzung seiner bemerkenswerten Serie. Und dann in einer Phase, als der Liveticker die zu Hause gespannt wartenden Fans auf die Folter zu spannen begann und partout seinen Status nicht aktualisierten wollte, trat bei den Gästen der Ketchupflaschen-Effekt ein. Zunächst kam nicht viel, aber dann alles auf einmal. Innerhalb von 287 Sekunden trafen zweimal Dinslaken-Spezialist Jamieson (sechs Saisontore gegen diesen Gegner in drei Partien, 53., 58.) und dazwischen Martin Brabec (56.). 4:2 nach 1:2 – die Moral der Deichstädter ist beeindruckend.
Viel Arbeit war notwendig, um dem ERV Einhalt zu gebieten, aber der große Aufwand und eine geschlossene Mannschaftsleistung brachten den zweiten Sieg des Wochenendes nach dem 7:5 in Lauterbach am Freitag ein. „Die Mannschaft hat eine sehr, sehr gute Leistung gegen ein Dinslakener Team gezeigt, das der erwartet starke Gegner war und gezeigt hat, warum die starken Herforder hier nur knapp gewonnen haben“, äußerte sich Benske hochzufrieden zum Auftritt seiner Truppe. Ob er in der Endphase, als sein Team auch acht Minuten vor Ultimo noch hinten lag, ins Zweifeln kam? „Nein, weil wir schon vorher die ganze Zeit mehr Spielanteile hatten. Und als dann unsere Überzahlsituation kam, wusste ich, dass wir das Ruder noch herumreißen.“
Der EHC fand am Niederrhein eine ausgewogene Linie aus Offensive und Defensive. Wichtig gegen den konterstarken Tabellensechsten. Benske: „Dinslaken kommt in einem Spiel normalerweise zu zehn Kontergelegenheiten. Wir haben heute vielleicht drei zugelassen. Das war ein sehr konzentrierter Auftritt und ein noch eine Schippe mehr als Freitag in Lauterbach.“

Dinslaken: Haedelt (Zerbe) – Linda, Hüsken, Hofschen, Linse, Tsvetkov – Heffler, Menzel, Dreyer, Wilson, Haßelberg, Tanke, Plichta, Goldmann, Brinkmann, Essery.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, Dieser, D. Schlicht, Wichterich, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Daniel Todam.
Zuschauer: 220.
Strafminuten: 16 + Disziplinarstrafe gegen Linda : 22 + Disziplinarstrafe gegen Etzel
Tore: 1:0 Kevin Wilson (Dreyer) 4′, 1:1 Michael Jamieson (Brabec, D. Schlicht) 38′, 2:1 Sven Linda (Wilson, Menzel) 43′, 2:2 Michael Jamieson (Brabec) 53′, 2:3 Martin Brabec (Fröhlich) 56′, 2:4 Michael Jamieson (D. Schlicht) 58′.