Bären sind der moralische Sieger

Michael Jamieson und die Neuwieder Fans bejubelten gegen Herford vier Tore, ein fünftes reguläres erkannte der Schiedsrichter nicht an. Jamieson selbst traf zweimal.

Ein Blick nach links von der Tribüne des Neuwieder Icehouses: Da steht am Sonntagabend auf der Anzeigetafel eine 4:7-Niederlage für den EHC „Die Bären“ 2016 gegen den Herforder EV, aber die Fans haben ein feines Gespür dafür, wie sie die Mannschaft nach der Schlusssirene vom Eis verabschieden. Mit stehenden Ovationen und „Wir sind stolz auf unser Team“-Sprechchören. Es ist die Belohnung für einen Eishockey-Abend, der den Zuschauern alles bietet. Emotionen, Tore, Tempo, Leidenschaft. Ein echtes Spitzenspiel zwischen dem Tabellenführer aus Ostwestfalen und den zweitplatzierten Neuwiedern. „Mit der Einstellung unseres Teams bin ich absolut zufrieden und die Fans waren es auch. Sie haben nach Spielende gezeigt, dass sie trotz der Niederlage hinter dem Team stehen“, sagte EHC-Interimstrainer und -Manager Carsten Billigmann. „Wir können uns als moralischer Sieger fühlen und hätten mindestens einen Punkt verdient gehabt.“
Die Gastgeber legten ähnlich fulminant los wie am Freitag gegen Dinslaken und lagen bereits nach 14 Sekunden durch Deion Müller mit 1:0 vorne. Eine Führung, die nicht lange Bestand hatte. 36 Sekunden später fand auch der erste Herforder Abschluss den Weg in die Maschen. Der Ex-Neuwieder Morgan Reiner deutete an, dass die Ice Dragons vor der gegnerischen Kiste die Effektivität in Person sind. Vor allem der Mann mit der Rückennummer 10. Ross Reed fehlte die drei zurückliegenden Partien aufgrund einer Sperre und machte bei seinem Comeback dort weiter, wo er zuvor aufgehört hatte. Dem kanadischen Topscorer gelang jeweils nach Vorlage seines kongenialen Nebenmannes Killian Hutt ein Hattrick (12., 15., 24.) zum 1:4. Zwei Tore davon resultierten aus Überzahlsituationen. Und dann war da eine Aktion auf der anderen Seite, die fünf Sekunden vor der ersten Pause für Entsetzen bei den Bären sorgt: Deion Müller zieht aus halblinker Position ab, die Scheibe rutscht HEV-Schlussmann Lars Rusche, der 17. Minute für den verletzten Kieren Vogel einsprang, durch die Schoner ins Tor und kommt wieder raus. Jubelstürme, Anschlusstreffer zum 2:3, alles wieder offen. So scheint es zumindest, zumal Schiedsrichter Jan Breckenfelder auf Tor entscheidet. Warum der Unparteiische, der sich nach eigenen Angaben sicher war, dass der Puck die Linie überschritten hatte – was Videoaufnahmen der Hintertorkamera eindeutig belegen -, dann plötzlich nach Beratschlagung mit seinen Assistenten seine Entscheidung revidiert, bleibt ein ungelöstes Rätsel. Zumal der in die Entscheidungsfindung eingebundene Linienrichter Uwe Hoffmann zum Zeitpunkt des Einschlags auf Höhe der blauen Linie und damit 20 Meter von der Torlinie entfernt steht. Es blieb nicht die einzige merkwürdige Entscheidung der drei Herren mit den Pfeifen.
Die nie aufgebenden Bären blendeten das alles aus, spielten weiter intensiv auf den Mann, setzten sich immer wieder in der Herforder Zone fest und schafften durch Willi Hamann (30.) sowie Michael Jamieson (35.) den hochverdienten Anschluss zum 3:4. Auch Felix Köllejan hatte inzwischen Hutt und Reed etwas entgegenzusetzen. Der Neuwieder Schlussmann parierte ausgangs des zweiten Abschnitts zwei Alleingänge der HEV-Kanadier und hielt für sein Team alle Chancen auf einen Dreier offen. Gegen Kevin Rempel musste er sich dann doch geschlagen geben (44.). Ein Tor, dessen Vorgeschichte einen faden Beigeschmack hatte. Breckenfelder pfiff offensichtlich Torraumabseits gegen Herford ab, gab dann jedoch Bully vor dem Neuwieder Tor anstatt im Mitteldrittel. Warum? „Ich habe abgepfiffen, weil der Neuwieder Torhüter berührt wurde und sich dabei etwas an der Leiste zugezogen hat – Shit happens“, versuchte sich der Unparteiische später im Kabinengang zu erklären. „Leiste? Ich wurde in dieser Situation noch nicht einmal berührt“, schilderte Köllejan.
Die Gastgeber kamen ein weiteres Mal zurück. In Unterzahl zockten Michael Jamieson und Martin Brabec die Abwehr des Tabellenführers aus und verkürzten mit dem schönsten Treffer des Abends erneut. Neuwied hoffte, drängte in seinem einzigen Powerplay des Schlussdrittels auf den Ausgleich, bekam das mit dem Ausgleich jedoch nicht bewerkstelligt. Vier Überzahlsituationen gestattete Breckenfelder hingegen den Drachen, die mit zwei Spielern mehr auf dem Eis die Entscheidung herbeiführten. Ulib Berezovskij machte den Sack zu (58.) und Killian Hutt beendete das Spitzenspiel mit einem Schuss ins leere Tor (60.).

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, Dieser, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Herford: Vogel (18. Rusche) – Schmunk, Gehring, Reckers, Brinkmann, Kiel, Derksen, Rempel – Reed, Nasebandt, Reiner, Berezovskij, Staudt, Lindt, Hutt.
Schiedsrichter: Jan Breckenfelder.
Zuschauer: 547.
Strafminuten: 23 + Disziplinarstrafe gegen Sting + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Sting : 15 + Disziplinarstrafe gegen Staudt + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Staudt.

Jamiesons Tor lässt Steine vom Herz fallen

Ein frühes Tor wünschten sich die Bären, um Sicherheit zu bekommen. Gesagt, getan. Stephan Fröhlich erzielte nach 34 Sekunden das 1:0.

Michael Jamieson sprach die Suchmeldung der etwas anderen Art noch am Freitagabend am Spielereingang des Neuwiedes Icehouses aus: „Find that guy.“ „Finde den Kerl“, forderte der Angreifer der Neuwieder Bären – schließlich wollte er jemandem einen besonderen Dank aussprechen. Er meinte „den Kerl“, der am Plexiglas hinter dem Tor die US-Flagge befestigt hatte und beim Nordamerika-Import mit dieser Extramotivation Heimatgefühle weckte. So verwunderte es nicht, dass Jamieson in der 58. Minute des Neuwieder Regionalliga-Heimspiels gegen die Dinslakener Kobras seinen Gruß in Richtung der „stars and stripes“ schickte und mit einem breiten, zufriedenen Grinsen auf die Spielerbank zurückkehrte. Es war der Moment der großen Erleichterung beim EHC, der Moment als Carsten Billigmann und Andreas Halfmann fast synchron die Fäuste ballten und ihnen riesige Steine von den Herzen fielen. Jamieson hatte gerade das 5:2 für die Bären erzielt, und nun – 144 Sekunden vor der Schlusssirene – stand fest, dass das Interimstrainerduo Billigmann/Halfmann seine Premiere nach dem Rücktritt von Jens Hergt zu Wochenbeginn mit drei Punkten versüßt bekommen wird. „Heute haben wir bei unseren Fans wieder etwas gutgemacht. Ich ziehe den Hut vor der Mannschaft, wie sie nach einer stürmischen Woche aufgetreten ist“, freute sich Billigmann nach der Partie.
Abwehr-Haudegen Halfmann tigerte vor der Begegnung „richtig nervös“ hinter der Halle auf und ab. So viele Schlachten er im Icehouse auch schon geschlagen hatte – als Trainer hinter Bande zu stehen, war auch für ihn eine neue Erfahrung. Genauso für den Neuwieder Manager. Der setzte direkt neue Impulse und stellte die Angriffsreihen um: Deion Müller, Stephan Fröhlich und Moritz Schug bildeten die erste Angriffsformation, die Imports Martin Brabec und Michael Jamieson stürmten gemeinsam mit Tobias Etzel. „Das hat sehr gut harmoniert“, stellte Billigmann zufrieden fest.
Erster Wechsel, erstes Tor – nach nur 34 Sekunden schoss Kapitän Stephan Fröhlich seine Mannschaft mit 1:0 in Führung und eröffnete ein starkes erstes Drittel der Bären, die nicht nur mit dem Tor, sondern auch mit dem Körper in den Zweikämpfen Akzente setzten. Martin Brabec (12.) und Frederic Hellmann (17.) in einer fünfminütigen Überzahl schraubten die Führung in die Höhe. Zwei Spieler standen bereits unter der Dusche, als die Pause begann. Schiedsrichter Markus Eberl hatte nach einem Bandencheck von Moritz Hofschen gegen Martin Brabec und dem Prototyp eines Kniechecks von Dennis Schlicht an Michal Plichta keine andere Wahl, als gegen beide Spieldauerdisziplinarstrafen zu verhängen.
Im Mittelabschnitt büßten die Gastgeber von ihrer Dominanz ein, die Kobras kamen nun besser zur Geltung und in Überzahl zum Anschluss. Das Penaltykilling der Bären konnte sich zwar sehen lassen – Stephan Fröhlich (20.) und René Sting (22.) boten sich in nummerischer Unterlegenheit sogar gute Konterchancen -, aber in der 33. Minute mussten sie doch das 1:3 hinnehmen. Mark Alexander Essery lenkte einen Schlagschuss Tom Giesens unhaltbar für den Ex-Dinslakener Lukas Schaffrath im Neuwieder Tor ab. Dinslaken ist eine Mannschaft, die sich von Rückständen nicht unterkriegen lässt. Das hatten die Giftschlangen erst vor Wochenfrist bei der EG Diez-Limburg gezeigt, als sie aus einem 1:3-Rückstand noch einen 4:3-Sieg machten. Und auch diesmal steckten die Gäste nicht auf. Der US-Amerikaener Essery verkürzte bei seinem ersten Regionalliga-Auftritt in der 53. Minute zum 2:3 und stellte das Ergebnis wieder Spitz‘ auf Knopf. „Respekt, wie die Mannschaft dann den Kopf aus der Schlinge gezogen und den Schalter noch einmal umgelegt hat“, kommentierte Carsten Billigmann die Reaktion seines Teams, das binnen 30 Sekunden das Nervenspiel in eine auf der Anzeigetafel klare Sache verwandelte. Martin Brabec (58.) und Michael Jamieson (58.) setzten den Doppelschlag zum 5:2-Endstand.
Neuwied verbesserte sich durch den Heimsieg auf Tabellenplatz zwei und stellte die Weichen für das Spitzenspiel schlechthin am Sonntag ab 19 Uhr im Icehouse gegen den Rangersten Herford. „Das Dinslaken-Spiel war für uns nur ein erster Schritt. Wir sind noch lange nicht am Ende“, macht Billigmann deutlich, dass die Bären gegen die starken Ice Dragons, die am Freitag ihr Heimspiel gegen den Neusser EV mit 7:0 für sich entschieden, gerne nachlegen wollen.

Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Hellmann, D. Schlicht, Dieser, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Dinslaken: Haedelt (Zerbe) – Hüsken, Hofschen, Linse, Giesen – Heffler, Menzel, Dreyer, Wilson, Spazier, Tanke, Plichta, Brinkmann, Essery.
Schiedsrichter: Markus Eberl.
Zuschauer: 483.
Strafminuten: 23 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Dennis Schlicht : 11 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Moritz Hofschen.
Tore: 1:0 Stephan Fröhlich (Schaffrath) 1′, 2:0 Martin Brabec (Etzel, Schug) 12′, 3:0 Frederic Hellmann (Fröhlich) 17′, 3:1 Tom Giesen (Heffler) 33′, 3:2 Mark Alexander Essery 53′, 4:2 Martin Brabec (Jamieson, Schug) 58′, 5:2 Michael Jamieson (Etzel, S. Schlicht) 58′.

Mit Teamgeist und Rückendeckung ins Doppel-Heimspiel

„Am Wochenende kommt es auf jeden einzelnen an“, sagt EHC-Manager und -Interimstrainer Carsten Billigmann und meint damit sowohl die Mannschaft als auch die Neuwieder Fans.

Drei Punkte brachte der EHC „Die Bären“ 2016 am Sonntagabend vom Auswärtsspiel bei der Soester EG (5:4) mit – und unzählige blaue Flecken. „Christian Neumann zum Beispiel hat sich in einem Wechsel glaube ich in fünf Schüsse reingeschmissen. Das waren Teamgeist und Kampfkraft“, erinnert sich Carsten Billigmann, der nach einer ereignisreichen Woche mit dem Rücktritt von Jens Hergt als Trainer am Montag in Neuwied zusätzlich zu seiner Managerfunktion die Mannschaft jetzt übergangsweise auch als Coach betreut und dabei von Verteidiger-Urgestein Andreas Halfmann Unterstützung erfährt. „Teamgeist, auf den es jetzt ankommt. Und vor allem braucht die Mannschaft auch weiterhin die Hilfe und Unterstützung der Fans“, appelliert er. Diese Rückendeckung für ihr Team können und sollen die EHC-Anhänger an diesem Wochenende zweimal demonstrieren. Die Bären stehen nämlich vor einem Doppel-Heimspiel im Icehouse gegen die Dinslakener Kobras am Freitagabend ab 20 Uhr und den Herforder EV am Sonntag ab 19 Uhr. Seit der Trainingseinheit am Dienstagabend bereiten Billigmann und Halfmann die Bären auf diese beiden Aufgaben vor – mit durchweg positiven Eindrücken: „Natürlich saß der Schock am Wochenende mit dem schwarzen Freitag und Jens‘ Rücktritt am Montag tief. Aber nach sehr guten, ausführlichen Gesprächen mit dem Mannschaftsrat am Montagabend und dem kompletten Team am Dienstag vor dem Training blicken wir guter Dinge nach vorne. Diese Woche mit großen Herausforderungen hat uns gezeigt, dass weiterhin alle an einem Strang ziehen, zusammenhalten und mit voller Kraft vorausschauen“, gibt Billigmann einen Einblick ins EHC-Innenleben. „Auf dem Eis müssen müssen wir jetzt an den leidenschaftlichen Auftritt in Soest anknüpfen“, nennt der Interimstrainer die Grundvoraussetzung, um wieder Tabellenplatz zwei anzugreifen. Das ist möglich, da die einen Punkt besseren Ratinger nur einmal auf dem Eis stehen.
Dinslaken zählt wie Lauterbach und Soest zu den Mannschaften, die unter sich die letzten Play-off-Plätze ausmachen dürften. Die jüngsten Begegnungen haben gezeigt, dass sich die Kobras im Aufwärtstrend befinden. „Wir haben dort in dieser Saison im Penaltyschießen gewonnen, und mit den beiden Siegen über Diez-Limburg sowie Neuss haben sie gezeigt, dass das ein schwieriger Gegner ist, der in die Spur gefunden hat“, warnt Billigmann vor den Giftschlangen, bei denen mit Marvin Haedelt ein ehemaliger Neuwieder im Tor steht. „Wir haben am Freitag und am Sonntag sehr gut gespielt. Das waren wichtige Punkte für uns“, freute sich Trainer Krystian Sikorski.
Platz zwei ist für die Bären am Sonntagabend in der Tabelle möglich, an der Tabellenspitze wird sich jedoch nichts verändern können. Dafür haben die Herforder in den ersten beiden Monaten der Saison zu stark und vor allem kontinuierlich vorgelegt. Erst zweimal verloren die Ice Dragons, seit dem 15. Oktober (1:5 in Hamm) sind sie ungeschlagen. „Das wird ein Knallerspiel, in dem es auf jeden einzelnen ankommt – Spieler sowie Fans“, hofft Billigmann, dass seine Bären diejenigen sein können, die den Siegeszug der Gäste beenden. Es ist eine bemerkenswerte Entwicklung, die Herford in den vergangenen zwölf Monaten schaffte. Über den Umweg Abstiegsrunde zog der HEV in die Play-offs ein, eliminierte dort die Bären und scheiterte im Halbfinale nur knapp am späteren Vizemeister Ratingen. „Das ist ein Team, das super harmoniert“, weiß Billigmann. Vor allem das kongeniale kanadische Duo Killian Hutt/Ross John Reed ist kaum zu bändigen. Auf Seiten der Neuwieder musste US-Boy Michael Jamieson zu Wochenbeginn eine kurze Zwangspause einlegen (Leistenzerrung), aber zu den Spielen ist mit ihm wieder zu rechnen. Es kommt eben auf jeden einzelnen an.

Jens Hergt tritt als Trainer zurück

 

Jens Hergt ist nicht mehr Trainer des EHC „Die Bären“ 2016. Nach dem 5:4-Sieg in Soest am Sonntagabend informierte er Mannschaft und Vorstand, dass er mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktritt. „Seit dem Heimspiel gegen Lauterbach ist von außen Unruhe in die Mannschaft hineingebracht worden, was sowohl an mir als auch am Team nicht spurlos vorbeigegangen ist. Als Trainer und Spieler hinterfragst du dich dann automatisch und stellt einiges in Frage. Weil ich die sportliche Verantwortung trage, hat mir diese Situation viele schlaflose Nächte bereitet. Deshalb habe ich momentan nicht mehr die Kraft, weiter hinter der Bande zu stehen, auch wenn mein Herz am Eishockey und der Mannschaft hängt. Ich hoffe auch, mit meinem Schritt ein von vielen EHC-Anhängern gefordertes Zeichen zu setzen. Wir alle wissen, dass unsere Mannschaft stark genug ist, um etwas erreichen zu können. Die Saison steht unter dem Motto ,Bären – das sind wir“ – auf dieses Wirgefühl müssen sich alle wieder besinnen. Das Team braucht die Unterstützung der Fans und wird diese auch wieder zurückzahlen“, kommentiert der 43-Jährige, der dem Verein angeboten hat, sich in anderer Funktion weiterhin einzubringen, seinen Entschluss. Er hinterlasse eine intakte Mannschaft, die im Training immer gut gearbeitet habe.
Der Neuwieder Vorstand und Manager Carsten Billigmann können Hergts Schritt nachvollziehen. Die Verantwortlichen stehen nun vor der Aufgabe, einen passenden Nachfolger zu finden. Interimsweise wird Carsten Billigmann mit einer Sondergenehmigung das Team auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereiten, Unterstützung erhält er von Routinier Andreas Halfmann. „Genauso wie Jens für seine Arbeit im vergangenen Jahr bin ich Andreas Halfmann sehr dafür dankbar, dass er uns mit seiner Erfahrung zur Verfügung steht und hilft“, sagt Billigmann. Der langjährige Verteidiger Hergt hatte die Mannschaft im Sommer 2016 als Coach übernommen.

Drei Brabec-Tore führen EHC zum Sieg

Martin Brabec erzielte gegen die Bördeindianer drei der fünf EHC-Buden.

Zwei Regionalliga-Niederlagen in Folge? Bislang nicht mit dem EHC „Die Bären“ 2016. Zwei Tage nach der ernüchternden 1:3-Heimniederlage gegen die Ice Aliens aus Ratingen rehabilitierten sich die Neuwieder am Sonntagabend vor offiziell 164 Zuschauern in Soest, behielten mit 5:4 die Oberhand und kehrten mit nun 26 Punkten aus 13 Partien auf Tabellenplatz drei der Eishockey-Regionalliga West zurück. Für die Gäste begann die Partie ideal. Bereits nach etwas mehr als acht Minuten führte der EHC nach Treffern von Martin Brabec und Sven Schlicht mit 2:0, während Soest zunächst nur selten in die Nähe des Tores von Lukas Schaffrath kam. Das änderte sich im abwechslungsreichen zweiten Drittel, in dem die Bördeindianer zulegten. „Sie haben uns in dieser Phase Probleme bereitet, und der Anschlusstreffer kündigte sich schon vorher an“, erklärte EHC-Trainer Jens Hergt. Er kündigte sich an und fiel in der 31. Minute auch. Marc Polter läutete neun Minuten ein, in denen es munter hoch und runter ging. Dreimal egalisierten die Gastgeber, zweimal antworteten die Deichstädter postwendend mit der erneuten Führung – jeweils durch Martin Brabec in den Minuten 34 und 37. Die Karten für das Schlussdrittel komplett neu mischte Simon Tambosi. Sieben Sekunden vor der Pause markierte er das 4:4. Es war Soests zweites von Erfolg gekröntes Powerplay an diesem Abend.
Dass die Endphase der nach diesen torreichen Minuten nur noch einen weiteren Einschuss bereithielt, gefiel den Gästen. Denn mit Stephan Fröhlich war es einer aus ihren Reihen, der in der 47. Minute eine starke Einzelaktion krönte. Auf den Prüfstand stellte eine Soester 5:3-Überzahl den EHC. „Die Mannschaft hat sich da aber gut durchgekämpft“, atmete Hergt auf, der in den letzten Minuten auf seinen US-Import Michael Jamieson verzichten musste. Der Angreifer zog sich eine Leistenverletzung zu und musste vorzeitig das Eis verlassen. Eine genaue Diagnose wird eine Untersuchung zu Wochenbeginn hervorbringen.

Soest: Nickel (Fleischer) – Ross, Mörschler, Klinge, Schutzeigel, Hilgenberg – Juricek, Tambosi, Reschetnikow, Polter, Furda, Sedivy, Peschke, Cicigin.
Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Stefan Wentingmann.
Zuschauer: 164.
Strafminuten: 4:12.
Tore: 0:1 Martin Brabec (Fröhlich, Schug) 5′, 0:2 Sven Schlicht (Müller) 9′, 1:2 Marc Polter (Cicigin, Furda) 31′, 2:2 Niels Hilgenberg (Sedivy, Reschetnikow) 33′, 2:3 Martin Brabec (D. Schlicht, Schug) 34′, 3:3 Martin Juricek (Reschetnikow, Klinge) 34′, 3:4 Martin Brabec 37′, 4:4 Simon Tambosi (Juricek, Furda) 40′, 4:5 Stephan Fröhlich 47′.

Kuchynka trifft ins Neuwieder Herz

Martin Brabec entwischt in dieser Szene Ratingens Simon Migas und erzielt kurz später das zwischenzeitliche 1:0 für die Bären. Es blieb der einzige Neuwieder Treffer des Abends.

Der EHC „Die Bären“ 2016 hat am Freitagabend zum ersten Mal in dieser Saison ein Regionalliga-Heimspiel verloren. Die Neuwieder unterlagen den Ratinger Ice Aliens mit 1:3. Martin Brabec, Michael Jamieson, Moritz Schug, Dennis Schlicht, Sven Schlicht und Stephan Fröhlich – mehr Offensive und potenzielle Torgefahr als in der letzten Minute für die Bären auf dem Eis stand, ging kaum. Aber irgendwie kam den Gastgebern der Killerinstinkt abhanden, und das nicht nur in den letzten 60 Sekunden, sondern in den gesamtem 60 Minuten der Partie gegen den amtierenden Vizemeister, der nach zuletzt vier Niederlagen am Stück den ersten Sieg unter seinem neuen Trainer Achim Johnigk feierte. „Unsere Mannschaft hat heute Moral gezeigt und gegen eine gute Neuwieder Mannschaft auch etwas glücklich gewonnen“, ordnete der Nachfolger von Alexander Jacobs, der bis vor kurzem noch die U19-Mannschaft der Ice Aliens trainierte, den Dreier ein.
Nach einem an Höhepunkten armen, zerfahrenen ersten Drittel, in dem die Bären eine frühe vierminütige Überzahl nicht nutzen konnten, weil einige Schüsse von gegnerischen Verteidigern geblockt wurden und Martin Brabec eine von wenigen herausgespielten Aktionen nicht vergolden konnte, legte der EHC im Mittelabschnitt einen Zahn zu und kam besser in Fahrt. Die Schlicht-Zwillinge, Brabec, Tobias Etzel und Deion Müller sorgten für mehr Körperlichkeit in den Zweikämpfen und versuchten ihre Mannschaftskameraden mitzureißen. Dass sich mehr Einsatz und Kampfkraft auszahlt, spiegelte sich in einer Neuwieder Drangphase ab der 25. Minute wider. Ratingens starker Schlussmann Christoph Oster rückte nun in den Mittelpunkt und zeigte wiederholt seine ganze Klasse. Auch in Unterzahl machten die Deichstädter Druck – der Führungstreffer lag in der Luft und fiel durch Martin Brabec in der 29. Minute. „Insgesamt haben wir aber zu viele gute Möglichkeiten ausgelassen, wir hatten das Schussglück nicht“, stellte Trainer Jens Hergt fest. Später musste er sich darüber ärgern, weil Ratingen aus deutlich weniger Gelegenheiten mehr machte. Pascal Behlau (32.) und Milan Vanek (38.) drehten das Ergebnis zu Gunsten ihres Teams. Am Schussverhältnis gemessen schmeichelhaft, am Willen, den die Gäste vom Sandbach aufs Neuwieder Eis brachten, hingegen nicht. „Ratingen wollte den Sieg mehr, zeigte mehr Leidenschaft“, kommentierte EHC-Manager Carsten Billigmann.
Ein Tor Rückstand ist im Eishockey zwar ruckzuck aufgeholt, am Freitagabend jedoch nicht für die Bären. Häufig genug tauchte die Scheibe vor Oster definitiv auf, aber Kapital schlugen die Hausherren daraus nicht. Am nähesten war man dem 2:2 in der 52. Minute, als Andreas Wichterich den Pfosten traf. Das Anrennen der Hergt-Truppe hielt an, aber auch das Abgeschmettertwerden von der Ice-Aliens-Abwehr, und so kam es wie es fast schon kommen musste: Stepan Kuchynka klärte die Scheibe in der Schlussminute aus der eigenen Zone, um mit einem Abpraller von der Seitenbande ins leere Tor den 1:3-Endstand zu erzielen. Ein Treffer mitten ins Neuwieder Eishockey-Herz.

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Dieser, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Ratingen: Oster (Steffen) – Pompino, Maas, Migas, Schumacher, Scharfenort – Meissner, Behlau, Moch, Schneider, Hanke, Dreischer, Schiefner, Kuchynka, Fischbuch, Tim Brazda, Vanek.
Schiedsrichter: Jan Breckenfelder.
Zuschauer: 609.
Strafminuten: 8:8.
Tore: 1:0 Martin Brabec (Wichterich, Fröhlich) 29′, 1:1 Pascal Behlau (Pompino) 32′, 1:2 Milan Vanek (Fischbuch, Pompino) 38′, 1:3 Stepan Kuchynka (Fischbuch, Schumacher) 60′.

Die Außerirdischen kommen zum Topspiel

Neuwied gegen Ratingen (hier eine Spielszene aus der Vorsaison) – das sind immer knappe, spannende Begegnungen auf hohem Regionalliga-Level. Am Freitag kommt der Vizemeister zum nächsten Spitzenspiel nach Neuwied.

Sie haben durchgeschnauft, die Beine ein wenig hochgelegt, die eine oder andere Blessur und Erkältung auskuriert, die Akkus aufgeladen – die Neuwieder Bären nutzten das spielfreie Wochenende, um jetzt frisch gestärkt wieder ans Werk zu gehen und sich den nächsten beiden Aufgaben zu stellen. Ratingen (Heimspiel am Freitagabend ab 20 Uhr im Icehouse) und Soest (am Sonntag auswärts ab 19 Uhr) heißen die beiden Gegner in der Eishockey-Regionalliga West an diesem Wochenende.
„Die fünf Spiele in zehn Tagen haben ein paar Spuren hinterlassen. Wir haben gemerkt, dass am Ende dieser zwei intensiven Wochen die Beine der Spieler schwer waren“, kommentiert Trainer Jens Hergt. Schwer vielleicht, aber nicht zu schwer, um den Neusser EV in die Schranken zu verweisen (5:0) und so die Position unter den Top-Teams der Liga zu festigen. „Wir haben von elf Partien acht für uns entschieden und sind absolut bei der Musik dabei“, so Hergts Zwischenfazit, nachdem rund ein Drittel der Hauptrunde absolviert ist.
An den Auswärtsleistungen, daraus macht der Trainer keinen Hehl, müsse man noch etwas arbeiten, aber die Ergebnisse im heimischen Icehouse können dafür nicht besser sein. Fünf Siege in fünf Spielen, immer mit mindestens drei Toren Unterschied – das hinterlässt Eindruck, zumal Spitzenteams wie Hamm (6:0) und Diez-Limburg (6:3) keine Chance hatten. Das soll nun auch nach der Partie gegen Ratingen so bleiben. „Die Woche nach dem Neuss-Spiel haben wir genutzt, um auch im Training den Spaßfaktor vermehrt mit einzubringen. Die Mannschaft hat dadurch an Lockerheit dazugewonnen, und seit Dienstag stand mit Vollgas die intensive Vorbereitung auf die Ice Aliens an“, erklärt Hergt, welche Schwerpunkte er im Training setzte. Seine Erkenntnis: „Die Mannschaft ist gut drauf und gut aufgestellt, um den nächsten Sieg einzufahren. Wir wollen auch gegen Ratingen zeigen, dass in der Bärenhöhle für niemanden etwas zu holen ist.“
Wenn Regionalliga-Top-Adressen, zu denen Neuwied und Ratingen zweifelsfrei zählen, aufeinandertreffen, entscheiden Kleinigkeiten. Das haben auch die bisherigen Duelle gezeigt: 2016/17 endeten drei von vier Aufeinandertreffen mit einem Treffer Differenz. Ratingens 6:3-Erfolg vor einem Monat am Sandbach war zwar etwas deutlicher, aber auch da begegneten sich beide Teams auf Augenhöhe.
Der EHC erwartet für Freitagabend eine Ratinger Mannschaft, die nach den jüngsten Ergebnissen angefixt ist. Gegen Herford (5:7), Hamm (2:6), Diez-Limburg (3:4) und Neuss (2:4) gingen die Außerirdischen viermal in Folge leer aus. Das ist ungewohnt für die vom Niederländer Alexander Jacobs trainierten Aliens. „Die werden angefressen zu uns kommen und aus diesem kleinen Tief herauskommen wollen. Ratingen muss abliefern, wir aber auch“, rechnet Jens Hergt mit einer umkämpften Partie.
Die Ergebniskrise des Vizemeisters, der neben Hamm den ausgeglichsten Mannschaftskader ins Rennen schickt, zeigt einmal mehr, dass es in der Weststaffel der vierthöchsten deutschen Spielklasse keinen Alleingang geben wird. „Das ist keine Partyliga, in der jemand alle anderen abschießt“, weiß Hergt. Das gilt für Hamm, Herford und Ratingen genauso wie für Diez-Limburg und den EHC.
„Und die Mannschaften“, fügt der Neuwieder Coach hinzu, „die in der Tabelle weiter unten stehen, geben gegen die Spitzenteams immer doppelt so viel Gas.“ Das wird am Sonntagabend wohl auch bei der Soester EG gelten. Die Bördeindianer zeigten nicht nur in Neuwied (4:7), dass sie in der Offensive mit Martin Juricek und Ernst Reschetnikow über gute Qualität verfügen, auch den starken Herfordern machten die Schützlinge von Dieter Brüggemann das Leben schwer. Nach zwischenzeitlicher 5:2-Führung mussten sie sich den Ice Dragons noch mit 6:9 beugen. Im Eisstadion am Soester Möhnesee ist die Eisfläche zwar genauso groß wie andernorst, aber dort haben Spiele immer einen eigenen Touch. „Da haben wir uns schon immer schwer getan – auch als ich selbst noch aktiv war“, erinnert sich Hergt. In Ermangelung einer Plexiglasumrandung sorgen hohe Schüsse und abgefälschte Pucks häufiger als in anderen Hallen für Unterbrechungen. „Es geht nur mit Konzentration und einer geschlossenen Teamleistung“, betont der EHC-Trainer.

Bären brauchen eure Stimmen!

Liebe Bärenfans, die Tage ab dem 15. November und bis zum Monatsende müsst ihr euch rot im Kalender markieren. Der EHC hat bei der Aktion „Verein des Monats“ von vereinsleben.de die Macher der Kampagne mit seiner Bewerbung überzeugt, wurde aus allen eingegangenen Vorstellungen ausgewählt und nimmt als einer von 10 Vereinen nun an der Abstimmung teil.
Um dem Eishockeystandort Neuwied eine rosige Zukunft zu gewährleisten, braucht man Nachwuchs. Und aus diesem Grund will der EHC noch intensiver in seine Jugendarbeit investieren. Genau hier würden wir das Preisgeld (immerhin ein Gesamtwert von 15 000 Euro!) einsetzen.
Dafür brauchen wir euch, Bärenfamilie. Schon mit ganz wenigen Mausklicks, vor allem kostenfrei und mit etwas Glück noch einem schicken Weber-Grill als Gewinn, der unter allen Abstimmern verlost wird, könnt ihr eure Stimme für die Bären abgeben.
So funktioniert’s: Einfach am besten schon jetzt unter www.vereinsleben.de registrieren und ab dem 15. November täglich einmal unter https://www.vereinsleben.de/verein-des-monats für den EHC abstimmen. Fairness ist dabei oberstes Gebot: Mehrfachregistrierungen einer Person sind strengstens tabu, werden von vereinsleben.de sorgfältig überprüft und führen zum Ausschluss des Vereins aus dem Wettbewerb. Unter https://www.vereinsleben.de/vereine/ehc-die-baeren-2016 findet ihr zudem das Vereinsprofil der Bären. Hier könnt ihr als Mitglieder oder Fan durch Anklicken des entsprechenden Buttons eure Verbundenheit zum EHC ausdrücken. Auch das soll nicht unbelohnt bleiben: Wir verlosen unter allen, die uns als Mitglied/Fan beitreten, ein handsigniertes Trikot unserer Regionalliga-Mannschaft.

Diszipliniert und stabil: Bären ohne Strafen und Gegentor

Robin Schütz (ganz links) rahmte den Abend gegen Neuss ein. Der Verteidiger erzielte das erste und fünfte Tor für die Bären.

Wie man nach einer Niederlage postwendend in die Erfolgsspur zurückfindet, wissen die Neuwieder Bären ganz genau. Das bewiesen sie bereits vor einer Woche mit dem 6:0-Sieg gegen Meister Hamm, das bestätigten sie nun auch am Sonntagabend im Icehouse gegen den Neusser EV. Wieder souverän, wieder diszipliniert, wieder ohne Gegentor. Und das gegen eine Mannschaft, die sich unlängst ebenfalls gegen Hamm durchgesetzt hatte. Die Gastgeber setzten sich mit 5:0 durch und verbesserten sich auf den zweiten Tabellenplatz.
Ein Blick auf das statistische Werk: Dieser Eishockeyabend lieferte einige bemerkenswerte Zahlen, die alle Bären-Anhänger überzeugten. Der EHC kassierte keine einzige Hinausstellung und hielt bereits zum zweiten Mal in dieser Saison seinen Kasten sauber. Das gelang noch keiner anderen Mannschaft in der Regionalliga West. Über einen Shutout freuen durfte sich diesmal Lucas Schaffrath, der es seinem vor Wochenfrist nicht zu bezwingenden Torhüterkollegen Felix Köllejan gleichtat. „Lucas hat einen super Job gemacht. Wir hatten eine starke Torhüterleistung“, freute sich Trainer Jens Hergt. Der Keeper bekam große Unterstützung seiner Vorderleute, die vom Tor weghielten, was möglich war. „Der Sieg war das Resultat einer geschlossenen Mannschaftsleistung. So etwas brauchst du, um in dieser Liga erfolgreich zu sein“, nannte Hergt den Schlüssel zum Erfolg.
Wenn auf dem Spielberichtsbogen im Bereich der Torerfolge alle Spalten ausgefüllt, sprich pro Treffer zwei Assistpunkte vergeben sind, dann spricht das dafür, dass die Scheibe gut läuft. „Wir haben die Tore zum Teil sehenswert herausgespielt, Auge für den Nebenmann bewiesen und viele Scheiben aufs Tor gebracht“, schilderte Hergt. Robin Schütz (9.), Michael Jamieson (13.) und Tobias Etzel (19.) brachten die Bären im ersten Abschnitt auf den Weg. „Ab dem zweiten Drittel waren wir dann etwas inkonsequent, aber das hatte auch etwas mit dem Pensum von fünf Begegnungen innerhalb von zehn Tagen zu tun“, ergänzte der EHC-Coach. Andreas Wichterich (29.) und erneut Robin Schütz (58.) legten im zweiten und dritten Abschnitt jeweils noch ein Powerplaytor nach. Dass die Bären nicht noch höher gewannen, lag in erster Linie an Ken Passmann. Der Neusser Schlussmann vereitelte einige gute Neuwieder Möglichkeiten und wurde nicht von ungefähr zum besten Spieler seiner Mannschaft ausgezeichnet. Fünf Regionalliga-Heimspiele, fünf glatte Siege – das Icehouse bleibt eine Festung.

Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Hellmann, Schütz, Neubert, Dieser, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Neuss: Passmann (Matuschik) – Zaslavski, Richter, Baum, Wolf, Lahmer, Busse – Dohmen, Rüwald, Thum, Bleyer, Stein, Lindt, Schwehr, Schroll.
Schiedsrichter: Marc Stromberg.
Zuschauer: 503.
Strafminuten: 0 – 14.
Tore: 1:0 Robin Schütz (Schug, Fröhlich) 9’, 2:0 Michael Jamieson (Brabec, Etzel) 13‘, 3:0 Tobias Etzel (Jamieson, Brabec) 19‘, 4:0 Andreas Wichterich (Müller, Hellmann) 29‘, 5:0 Robin Schütz (Schug, Brabec) 58‘.

Hergt: „Über diese Leistung müssen wir reden“

Felix Köllejan, Robin Schütz und Stephan Fröhlich kommen zu spät: Matt Fischer bringt die EGDL mit 1:0 in Führung.

Ganz so einfach kann Jens Hergt nach dem Derby am Freitagabend bei der EG Diez-Limburg nicht zum Alltag übergehen. „Über diese Leistung müssen und werden wir vor dem Heimspiel am Sonntag gegen den Neusser EV noch reden. Dann müssen wir wieder als geschlossenes Team auftreten“, redete der Trainer des EHC „Die Bären“ 2016 nach der 2:7-Niederlage am Diezer Heckenweg Klartext. „Uns hat die taktische Disziplin gefehlt, einige Spieler haben sich nicht an den Matchplan gehalten.“
Im vierten Nachbarschaftsduell in dieser Saison trat der bislang deutlichste Leistungsunterschied zwischen beiden Teams zu Tage. Die Rockets fanden von Anfang besser in die Partie, auch begünstigt durch drei Hinausstellungen gegen Neuwied bis zur sechsten Minute. Ein Überzahlspiel aus diesem frühen Powerplay-Reigen nutzte Torjäger Matt Fischer zum verdienten 1:0 (4.). Eine 3:5-Situation überstanden, fand der EHC erstmals den Weg in die Offensive und glich prompt aus. Martin Brabec überwand Constantin Schönfelder nach Vorlage von Marco Herbel und Karl Neubert (8.). „Wir haben nach dieser Überzahl-Euphorie für einen Moment nicht aufgepasst“, analysierte EGDL-Trainer Arno Lörsch. Gleichstand auf dem Eis, aber die Hausherren blieben die aggressivere Mannschaft und hatten bei Fischers Pfostentreffer (10.) die erneute Führung auf der Kelle. „Wir waren körperlich überhaupt nicht anwesend“, monierte Jens Hergt. Checks? Fehlanzeige.
Und dann kam es nach der ersten Pause knüppeldick für die Bären: Alles lief gegen sie, was gegen einen laufen kann. Fischers Hereingabe sprang von einer Neuwieder Verteidiger-Kufe ins eigene Netz (20.), Marc Hemmerich (23.) und André Bruch (24.) legten nach. 2:1, 3:1, 4:1 – Ofen aus für Neuwied. „Unser 2:1 war ein Wake-up-Effekt. Danach klappten Dinge, die normalerweise nicht passieren. Das war ähnlich wie im Neuwieder Spiel gegen Hamm. Wir hatten das Momentum“, freute sich Arno Lörsch. Wenn die Bären nun einmal den Körper einsetzten, wurde schnell deutlich, dass mit Marc Stromberg ein Hauptschiedsrichter auf dem Eis stand, der in etlichen Situationen ein ganz schlechtes Händchen für das geeignete Strafmaß hatte beziehungsweise eine angemessene Linie durchzuziehen. Checks wie der von Dennis Schlicht gegen Pierre Wex gehören im Eishockey dazu. Der Unparteiische sah’s komplett anders und schickte den Neuwieder Angreifer zum Duschen (27.). Eine von einigen Entscheidungen, die pro Diez-Limburg ausfielen bevor das Ergebnis deutlich wurde. Entsprechend echauffierte sich EHC-Manager Carsten Billigmann, der im Mitteldrittel seinem Unmut Luft machte und der Bank verwiesen wurde: „Natürlich haben wir heute schlecht gespielt, da gibt es keine Ausrede und keine zwei Meinungen. Aber es war jetzt schon das wiederholte Mal in dieser Saison, dass wir von Marc Stromberg benachteiligt wurden.“ Eine Einschätzung, die er noch am Freitagabend auch dem rheinland-pfälzischen Schiedsrichterobmann Marcus Brill mitteilte. Die lange Überzahl, zwei Minuten lang sogar erneut fünf gegen drei, nutzte Florian Böhm zum 5:1 (31.). „Damit war die Messe gelesen“, musste Jens Hergt einsehen.
Als der Unparteiische im letzten Abschnitt begann beim Zeitstrafenverhältnis entgegensteuern, wo die Partie entschieden zu sein schien, ergab sich doch noch einmal die Chance für die Deichstädter auf ein episches Comeback. Marijus Maier erhielt nach einem Check gegen Sven Schlicht eine ebenso maßlos überzoge Große Strafe, und nach Böhms Haken stand der EHC für zwei Minuten mit zwei Mann mehr auf dem Eis. Nachdem Willi Hamann verkürzt hatte (44.), war das die Gelegenheit noch einmal für Spannung zu sorgen. Die Rockets hielten sich schadlos, und so monierte Hergt: „Da wurde ein Problem mit der taktischen und spielerischen Disziplin deutlich. Manche Spieler dachten, sie müssen jetzt etwas Besonderes machen.“ Kein weiser Entschluss. Konstantin Firsanov düpierte die Bären sogar mit einem Shorthander (51.), und das bessere Powerplay gehörte an diesem Abend ohnehin den Raketen. Fischers drittes Tor war der vierte in Überzahl und bedeutete den verdienten 7:2-Endstand.

Diez-Limburg: Themm (Schönfelder) – Schophuis, Ansink, Kärkäs, Stroeks, Krämer, Hemmerich – Langer, Niestroj, Davies, Fischer, Firsanov, Wex, Flemming, Bauscher, Mainzer, Kail, Bruch, Böhm, Maier.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Neumann – Fröhlich, Sting, Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Marc Stromberg.
Zuschauer: 583.
Strafminuten: 15 + Disziplinarstrafe gegen Böhm + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Maier : 21 + Spieldauerdisziplinarstrafen gegen D. Schlicht und die Bank.
Tore: 1:0 Matt Fischer (Davies, Schophuis) 4′, 1:1 Martin Brabec (Neubert, Herbel) 8′, 2:1 Matt Fischer (Firsanov) 21′, 3:1 Marc Hemmerich (Davies, Fischer) 23′, 4:1 André Bruch (Wex, Böhm) 24′, 5:1 Florian Böhm (Firsanov) 31′, 5:2 Willi Hamann (Sting) 44′, 6:2 Konstantin Firsanov (Fischer, Wex) 51′, 7:2 Matt Fischer (Firsanov, Hemmerich) 58′.