Volle Kraft voraus für Platz zwei

Die EHC-Abwehr um Karl Neubert (rechts) muss gegen die brandgefährliche Herforder Offensive um Killian Hutt hochkonzentriert auftreten.


Platz zwei, drei oder vier? Lippe-Hockey Hamm, die Dinslakener Kobras, die Soester EG, die Lauterbacher Luchse oder der Neusser EV? Zwei Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde in der Eishockey-Regionalliga West gibt es für den EHC „Die Bären“ 2016 hinsichtlich des bevorstehenden Play-off-Viertelfinales noch viele mögliche Szenarien, was Ausgangsposition und Gegner angeht. Wochenlang, monatelang haben alle Beteiligten die Ausgeglichenheit der Liga gepredigt, und jetzt kurz vor der Endabrechnung bestätigt sich diese Einschätzung noch immer. Mit dem Herforder EV, den Neuwieder Bären und den Ratinger Ice Aliens liegen der Tabellenzweite, -dritte und -vierte nach Punkten gleichauf. Aufgrund des besten Torverhältnisses hat Herford aktuell die Nase vorne im spannenden Dreikampf um die inoffizielle Hauptrunden-Vizemeisterschaft hinter der EG Diez-Limburg. Trotzdem hat der EHC noch alles in den eigenen Händen, weil der HEV am Sonntag zum finalen Showdown am Rhein zu Gast ist. Wenn die Bären ihre beiden Heimspiele gegen Dinslaken (Freitag, 20 Uhr) und Herford (Sonntag, 19 Uhr) für sich entschieden, werden sie als Zweiter in die K.o.-Phase einziehen. „Wir werden nicht taktieren. Unser Ziel sind zwei Siege und damit der zweite Platz – für die Euphorie vor den Play-offs, für unsere Fans, für den Hexenkessel Icehouse“, sagt EHC-Trainer Daniel Benske. „Am Freitag sehe ich uns in der Favoritenrolle, aber Dinslaken ist eine unangenehme Mannschaft, der wir natürlich den Respekt entgegenbringen, den jeder Gegner verdient. Gegen Herford erwartet uns dann ein Topspiel. Da kommt es darauf an, wer flexibler ausgerichtet ist, wer weniger Fehler macht und wer etwas spritziger ist.“ Was den letzten Aspekt angeht, haben die Bären sicherlich keine schlechten Karten. Sie hatten am Fastnachtswochenende frei und gehen „mit voller Kraft voraus“ (Benske) die letzten 120 Hauptrunden-Minuten an. „Um noch einmal etwas abschalten zu können, war das sicherlich gut, andererseits hätte ich auch mit zumindest einem Spiel leben können, um den Rhythmus zu halten“, betrachtet der Trainer beide Seiten der Medaille.
Dinslaken hat mit dem Erreichen der Play-offs – und das nach nur einem Sieg aus den ersten 13 Partien – sein Hauptziel der Saison bereits erreicht. „Alles, was jetzt kommt, wollen wir genießen“, kündigt Trainer Krystian Sikorski an. Für das Gastspiel in Neuwied haben die Kobras aber noch eine Mission im Kopf: Sie können mit einem Sieg über die Bären die fünfte Mannschaft der Liga neben Diez-Limburg, Herford, Ratingen und Hamm werden, die jeden Gegner mindestens einmal geschlagen hat.
Herford verlor seit dem Jahreswechsel sechs von neun Begegnungen, hat vor dem Ende der Wechselfrist Ende Januar aber mit großem Tatendrang auf dem Transfermarkt agiert. Verteidiger Aric Schinke kam aus Zweibrücken zurück, Keeper Tim Marco Stenger wechselte von Ligakonkurrent Lauterbach zu den Ice Dragons, Maurice Pascal Becker wurde aus Soest geholt und Ben Skinner, Bruder von NHL-Star Jeff Skinner (bester NHL-Rookie der Saison 2010/11), soll den nach Schweden gewechselten Torjäger Ross John Reed ersetzen. „Ein super Team, da werden Kleinigkeiten entscheiden“, ist sich Benske sicher.

Bären finden nach Rückstand ihre alte Stärke

Zwei Tore am Freitag, drei am Sonntag: Martin Brabec (Mitte, hier gefeiert von Dennis Schlicht und Moritz Schug) führte die Bären zum 7:4-Sieg in Soest.

Sie hatten den Tabellenführer EG Diez-Limburg (5:2) und den Rangzweiten Herforder EV (2:1) bezwungen und sie führten am Sonntagabend auch gegen den EHC „Die Bären“ 2016 nach zwölf Minuten mit 2:0: Vor den Bördeindianern aus Soest sind die Spitzenteams der Eishockey-Regionalliga West nicht sicher. „Wir haben nicht gut ins Spiel reingefunden“, kommentierte der Neuwieder Trainer Daniel Benske die Anfangsphase der Begegnung am Sonntagabend. Dass seine Bären die letzte Auswärtspartie der Hauptrunde am Ende doch noch verdient und deutlich mit 7:4 für sich entschieden, lag an einer deutlichen Leistungssteigerung im weiteren Spielverlauf. Die Gäste stabilisierten sich und fanden zu ihrer alten Stärke zurück, die sie nach Punkten gleichziehen ließ mit dem Herforder EV, der allerdings noch eine Partie mehr austragen darf, ehe die Play-off-Viertelfinalpaarungen ermittelt werden. Noch vor der ersten Pause machten Michael Jamieson (17.) und Tobias Etzel (20.) den Fehlstart vergessen. Eine in der Breite überzeugende EHC-Mannschaft führten die Leistungsträger an. „Martin Brabec, Michael Jamieson, Stephan Fröhlich, Moritz Schug – ihre individuelle Klasse hat sich durchgesetzt“, sagte Benske über seine Goalgetter. Die beiden Kontingentspieler Seite an Seite stürmen zu lassen, stellt sich seit Wochen als durchschlagskräftige Maßnahme heraus. Dreimal Brabec, einmal Jamieson – der Tscheche und der US-Amerikaner schafften in Soest die absolute Mehrheit. Brabec baute die Neuwieder Führung nach Moritz Schugs 2:3 (29.) sowie James Karl Ross‘ Anschlusstreffer zum 3:4 (36.) zweimal auf zwei Tore Vorsprung aus (32., 38.) und machte in der 59. Minute schließlich den Deckel drauf, als er in Überzahl den 4:7-Endstand herbeiführte. „Aber wir haben gesehen, was Soest kann. Ein einfaches Spiel war es ganz bestimmt nicht“, unterstrich Benske, dessen Team eine engagierte Leistung brauchte und diese am Möhnesee auch über weite Phasen aufs Eis brachte. Denn die Bördeindianer ließen nicht locker, schließlich haben sie noch das Ziel die sechsplatzierten Kobras aus Dinslaken abzufangen. Simon Tambosi (39.) verkürzte den Rückstand noch einmal, aber Neuwied ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Tobias Etzel (55.) führte die Vorentscheidung herbei. Für endgültige Gewissheit sorgte Martin Brabec – mit seinem dritten Tor in diesem Spiel und seinem fünften des Wochenendes (59.).

Soest: Fleischer (Nickel) – Ross, Mörschler, Hilgenberg – Juricek, Tambosi, Reschetnikow, Polter, Berger, Alda, Furda, Busch, Sedivy, Peschke, Cicigin.
Neuwied: Schaffrath (Billigmann) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichterin: Ramona Weiß.
Zuschauer: 210.
Strafminuten: 8:12.
Tore: 1:0 Felix Berger (Juricek, Furda) 3‘, 2:0 Michael Alda (Peschke, Tambosi) 12‘, 2:1 Michael Jamieson (Brabec, Neumann) 17‘, 2:2 Tobias Etzel (Neumann, Wichterich) 20‘, 2:3 Moritz Schug 29‘, 2:4 Martin Brabec (Jamieson, Wichterich) 32‘, 3:4 James Karl Ross (Furda, Sedivy) 36‘, 3:5 Martin Brabec (Jamieson, Hohmann) 38‘, 4:5 Simon Tambosi (Reschetnikow, Alda) 39‘, 4:6 Tobias Etzel (Fröhlich, Schug) 55‘, 4:7 Martin Brabec (Jamieson, D. Schlicht) 59‘.

Emotion, Dramatik und Diskussionswürdiges im Quadrat

Das Tor zum 3:4 von Sven Schlicht (am Puck) kam zu spät für die Bären im Heimspiel gegen Ratingen.

Drei Drittel zu je 20 Minuten reguläre Spielzeit sieht Regel 44 im Regelbuch des Weltverbandes IIHF für eine Eishockeypartie vor. Wie lange zwei Mannschaften und die Schiedsrichter aber brauchen, um diese 60 Minuten zu absolvieren, ist individueller Natur. Am Freitagabend war es fast 23 Uhr, als der Zuschauertross aus dem Neuwieder Icehouse strömte. Knapp drei Stunden nachdem die Partie in der Regionalliga West zwischen dem EHC „Die Bären“ 2016 und den Ratinger Ice Aliens mit der Eröffnungsbully begonnen hatte. 721 Besucher sahen sieben Tore, drei davon gingen in einer Partie mit Emotionen, Diskussionsstoff und Dramatik im Quadrat auf das Konto der Bären, die somit auch das vierte Hauptrundenspiel gegen die Ice Aliens abgeben mussten. Die Außerirdischen hatten den EHC in dieser Saison schon ein paar Mal nicht gut aussehen lassen, aber diesmal standen sich zwei Teams absolut auf Augenhöhe gegenüber, die einen Vorgeschmack auf die Play-offs gaben. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben sehr gut gespielt, ich bin zufrieden mit der Leistung“, hatte Neuwieds Trainer Daniel Benske trotz der knappen Niederlage nichts auszusetzen. Die Bewertung seines Ratinger Kollegen Achim Johnigk ging in die gleiche Richtung: „Ich habe ein sehr engagiertes, schnelles Spiel mit tollen Fans und zwei Mannschaften gesehen, die sich aufgeopfert haben. Wir hatten am Ende auch das Quäntchen Glück.“ Soweit super Werbung für die schnellste Mannschaftssportart der Welt (Johnigk: „Solche Spiele wollen die Leute sehen“). Aber wenn in einer Partie mit sieben Toren die Anzahl der Treffer der der zehnminütigen Disziplinarstrafen entspricht, müssen auch Worte über das Unparteiischengespann verloren werden. „Es gab die eine oder andere Entscheidung, die beide Seiten in Frage stellen können“, rätselte Gästecoach Johnigk über die Regelauslegung von Daniel Melcher sowie seinen Assistenten Alexander Moritz und Matthias Flöthner. „Ich bin überrascht, was uns hier jede Woche erwartet. Das heute setzte allem in dieser Saison die Krone auf“, schüttelte Daniel Benske den Kopf. Bevorteilt – und das war in der Summe das einzig Positive – haben die Schiedsrichter niemanden, aber insgesamt blieb Vieles diskussionswürdig. Kompliment an beide Mannschaften: Die Hinausstellungsorgie mit 132 Strafminuten bildete schwierige Voraussetzungen, aber sie schafften es trotzdem, ein hochattraktives Duell aufs Eis zu bringen. Mit viel Dynamik, etlichen Torchancen und Spannung bis zur letzten Sekunde. Die Bären haben sich schon einige Male in dieser Saison als Blitzstarter mit frühen Toren erwiesen. Diesmal legten die Gäste los wie die Feuerwehr. Nach nur 17 Sekunden und einem Angriff über die rechte Seite erzielte Milan Vanek das 0:1. Das Tor befand sich zum Zeitpunkt des Einschlags zwar schon außerhalb der korrekten Position, weil sich Vanek da jedoch schon im Begriff des Schießens befand, war der Treffer regelkonform. „Das war natürlich kein guter Start“, musste Benske zugeben. Aber sein Team legte schnell den Hebel auf Offensive um und war dem Ausgleich einige Male nahe. Jubilar Willi Hamann scheiterte in seinem 250. Spiel für den EHC mit einem Penalty an Christoph Oster, der danach immer wieder den Beweis antrat, warum er zu den besten Schlussmännern der Liga zählt. Und wenn der 26-Jährige einmal das Nachsehen hatte, rettete ein Kollege. So zum Beispiel in Minute elf: Dennis Appelhans klärte wenige Zentimeter vor der Torlinie den Schuss von Andreas Wichterich. Ratingen blieb bei Kontern gefährlich. Alexander Schneider scheiterte mit einem dieser schnellen Gegenangriffe am Pfosten (15.), und als sich die EHC-Defensive eine Nachlässigkeit in der eigenen Verteidigungszone erlaubte, staubte Thomas Dreischer nach starker Kombination zum 0:2 ab (20.). Die Benske-Truppe ließ sich von diesen Rückschlägen nicht beirren. „Wir haben im zweiten Drittel 15 Minuten lang super gearbeitet“, sagte der Übungsleiter der Deichstädter, die zwei Drei-gegen-fünf-Situationen meisterten und durch zwei Tore von Martin Brabec (24., 28.) egalisierten. Die Freude über den Ausgleich hielt jedoch nur 15 Sekunden. Dann lag Neuwied schon wieder hinten. Stepan Kuchynka drehte sich um Brabec und verwandelte zum 2:3. Drei EHC-Überzahlsituationen brachten in den Minuten danach keinen durchschlagenden Erfolg. Brabecs Schlagschuss an den Pfosten kurz vor der zweiten Pause ließ die Bären-Spieler und -Fans hadern. Nicht zum letzten Mal. In der 55. Minute schob dann Tobias Brazda die Scheibe auf eine Art und Weise zum 2:4 über die Linie, die aus Neuwieder Sicht nicht dem Regelwerk entsprach. „Kölle hält die Scheibe, und der Ratinger drückt ihn einfach drüber“, beschrieb Benske die mehr als strittige Situation, die die Vorentscheidung bedeutete – und das Aus von Köllejan. Der Bären-Keeper konnte seine Emotionen schwer zügeln und erhielt von Melcher seine zweite Disziplinarstrafe, die eine automatische Spieldauerdisziplinarstrafe und damit eine Sperre für das Auswärtsspiel am Sonntag in Soest bedeutet. Am Freitag bekam er nicht mehr viel zu tun. Zweieinhalb Minuten nachdem sein Einsatz begonnen hatte, winkte Benske seinen Keeper für einen sechsten Feldspieler zur Bank. Das Mut zum Risiko zahlte sich zunächst aus. Sven Schlicht verkürzte zum 3:4 (58.), und als Milan Vanek dann eine Strafe wegen Beinstellens erhielt, machte Schaffrath erneut Platz. Neuwied schoss, kämpfte, rackerte – aber der vierte Treffer sollte nicht mehr gelingen. In der Luft lag die Verlängerung. Diese (maximal) fünf Minuten hätten die Neuwieder Fans dann schon noch gerne gesehen an diesem ohnehin schon langen Eishockeyabend.

Neuwied: Köllejan (ab 55. Schaffrath) – Hellmann, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Ratingen: Oster (Steffen) – Pompino, Appelhans, Schumacher, Scharfenort, Becker, Moch – Moch, Klemmer, Schneider, Hanke, Dreischer, Tobias Brazda, Kuchynka, Fischbuch, Tim Brazda, Vanek.
Schiedsrichter: Daniel Melcher.
Zuschauer: 721.
Strafminuten: 24 + Disziplinarstrafen gegen Sven Schlicht und Dennis Schlicht sowie eine doppelte Disziplinarstrafe und damit automatische Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Köllejan : 28 + Disziplinarstrafen gegen Tim Brazda, Tobias Brazda und Appelhans.
Tore: 0:1 Milan Vanek (Appelhans, Fischbuch) 1‘, 0:2 Thomas Dreischer (Fischbuch, Vanek) 20‘, 1:2 Martin Brabec (Jamieson, Schug) 24‘, 2:2 Martin Brabec (Wichterich, Schug) 28‘, 2:3 Stepan Kuchynka (Schneider, Becker) 28‘, 2:4 Tobias Brazda (Tim Brazda, Hanke) 55‘, 3:4 Sven Schlicht (Fröhlich, Jamieson) 58‘.

EHC ist heiß auf Platz 2

Im vierten Saisonvergleich soll‘s klappen: Dennis Schlicht (links) und die Bären wollen die Ice Aliens um Kapitän Dennis Fischbuch schlagen.

Dass der EHC „Die Bären“ 2016 die Play-offs erreichen wird, stand schon Anfang Januar fest. Mit dem spektakulären 9:5-Auswärtssieg am Sonntagabend bei den Lauterbacher Luchsen erreichten die Neuwieder Kufencracks das nächste Etappenziel in der Eishockey-Regionalliga West: Vier Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde beträgt der Vorsprung bei noch zwölf zu vergebenden Punkten 13 Zähler auf die fünftplatzierten Hammer Eisbären. Will heißen: Der EHC hat im Play-off-Viertelfinale den Vorteil von mindestens einem Heimspiel mehr als der Gegner. „Dafür haben wir in jedem Spiel hart gekämpft, weil wir genau wissen, wie wichtig gerade in den Play-offs der Heimvorteil sein kann“, unterstreicht Manager Carsten Billigmann. Erledigt ist die Hauptrunden-Mission der Bären aber noch lange nicht, auch mit Platz drei geben sich die Deichstädter nicht zufrieden. „Wir haben es selbst in der Hand, als Zweiter in die Play-offs einzuziehen, weil wir am letzten Spieltag noch Herford empfangen“, rechnet Billigmann vor. Der Rückstand zu den Ice Dragons ist mittlerweile auf zwei Pünktchen zusammengeschmolzen. Im Heimspiel am Freitagabend ab 20 Uhr gegen die Ratinger Ice Aliens kann Neuwied somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit drei Punkten gegen den Vizemeister würde man Herford auf den Fersen bleiben und sich gleichzeitig ein deutliches Polster von neun Punkten auf den Verfolger verschaffen und damit ziemlich sicher einem gefürchteten Viertelfinale gegen die Vorjahresfinalisten aus Ratingen sowie Hamm aus dem Weg gehen. „Das heißt nicht, dass wir Dinslaken, Soest oder Lauterbach auch nur ansatzweise unterschätzen“, betont Billigmann. „Aber unsere aktuelle Verfassung macht mir Mut, dass wir in den nächsten Wochen noch Grund zur Freude haben.“
Das galt in den drei bisher absolvierten Partien gegen Ratingen in dieser Saison nicht. Die Außerirdischen sind die einzige Mannschaft, gegen die der EHC komplett leer ausging. Ein Angstgegner? Ganz so weit will Bären-Trainer Daniel Benske nicht gehen, er sagt jedoch auch: „Es gibt immer Gegner, die einem nicht gut liegen. Aber wir wissen, dass wir uns in den zurückliegenden Wochen weiterentwickelt haben und wollen jetzt zum ersten Mal gegen Ratingen gewinnen. Das ist eine sehr, sehr gute Mannschaft, die ausgeglichen besetzt ist und ein halbes Dutzend Spieler aufbietet, die über viel Oberliga-Erfahrung verfügen.“
Am Sonntag fahren die Neuwieder zum letzten Hauptrunden-Auswärtsspiel zur Soester EG (Beginn: 19 Uhr). Die Bördeindianer um ihre erfahrenen Leuten wie Martin Juricek, Igor Furda oder Ernst Reschetnikow haben seit Mitte Dezember in ihrem heimischen Eissportzentrum Möhnesee Meister Hamm (2:1), den Tabellenzweiten Herford (1:0) und am Sonntag Spitzenreiter Diez-Limburg (5:2) bezwungen. „Das zeigt uns, wie gut der Gegner drauf ist“, sagt Benske, der sich nichts anderes als sechs Punkte wünscht, denn: „Wir wollen die Hauptrunde unbedingt als Zweiter abschließen und uns die Ausgangssituation für ein Endspiel um Platz zwei gegen Herford verschaffen.“

EHC pirscht sich an Platz zwei heran

Die Bären erwartet ein heißer Gegner

Bären-Neuzugang Daniel Pering hat in den Partien gegen Diez-Limburg und Neuss bereits bewiesen, dass er mit seiner soliden Spielweise eine Verstärkung für die Neuwieder Abwehr ist.

Der EHC „Die Bären“ 2016 kehrt am Sonntag dorthin zurück, wo Anfang Januar die noch junge und so erfolgreiche Amtszeit von Trainer Daniel Benske (fünf Siege aus sechs Partien) begann. Die Neuwieder Eishockey-Spieler sind nach dem spielfreien Freitag ab 18 Uhr in der Regionalliga West bei den Lauterbacher Luchsen zu Gast. „Die haben im letzten Spiel gegen uns eine bis dahin ihrer besten Saisonleistungen gebracht“, erinnert sich der EHC-Coach an den umkämpften 7:5-Erfolg der Bären. Im Nachhinein lässt sich sagen, dass die Leistung der Hessen keine Eintagsfliege war. Sie bündeln auf der Zielgeraden der Hauptrunde alle Kräfte, haben 9 ihrer 19 Punkte in den vergangenen fünf Begegnungen geholt, trotz 1:4-Rückstand nach einer Viertelstunde in Hamm noch gewonnen (8:5), gegen Tabellenführer EG Diez-Limburg (3:7) bis zur 55. Minute nur mit 3:4 hinten gelegen – und das obwohl jeweils nur elf Feldspieler zur Verfügung standen. „Die Lauterbacher sind eine unangenehme Mannschaft, die ähnlich wie Neuss am Sonntag aus einer stabilen Defensive kommt. Wir müssen die Verteidiger taktisch etwas anders anlaufen und mehr Pressing ausüben“, erklärt Benske. In diesen Bereichen sei er beim 3:1-Sieg am Sonntag über seinen Ex-Verein „nur 90 bis 95 Prozent zufrieden“ gewesen.

Zu denjenigen, die „anders anlaufen“ sollen, zählen anders als am zurückliegenden Wochenende wieder die kompletten vorderen Angriffsreihen, nachdem im Derby gegen Diez-Limburg Torjäger Martin Brabec und am Sonntag gegen Neuss Moritz Schug jeweils nach Spieldauerdisziplinarstrafen gesperrt waren. Aussetzen muss diesmal Abwehr-Routinier Andreas Wichterich. „Wir spielen körperbetontes Eishockey und müssen uns bei den Strafen natürlich zunächst einmal an die eigene Nase fassen. Aber ob wirklich jede große Strafe gegen uns angebracht ist, da habe ich meine Zweifel“, sagt Benske, nach seiner aktiven und vor seiner Trainerlaufbahn selbst als Schiedsrichter aktiv, zu so mancher nicht nur in seinen Augen zweifelhaften Entscheidung der Unparteiischen. „In Lauterbach müssen wir auf jeden Fall versuchen, von der Strafbank wegzubleiben.“ Das Powerplay der Luchse hat nicht zuletzt durch die Nachverpflichtungen des Deutsch-Tschechen Jan Hammerbauer und des US-Amerikaners Robert Sokol noch einmal an Qualität gewonnen. „Richtig gute, torgefährliche Leute“, hat Benske längst erkannt. Die Zahlen sprechen für sich: Hammerbauer verbuchte gegen Diez-Limburg, Hamm und Dinslaken zehn, Sokol elf Scorerpunkte. Ihre Tore bringen die Vogelsbergler wieder ins Geschäft um die Play-off-Qualifikation. Vor ihrem Freitagspiel in Neuss haben die Lauterbacher nur einen Zähler Rückstand auf Rang acht. „Die haben nichts zu verschenken“, rechnet der EHC-Coach am Sonntag erneut mit einem Gegner, der um jeden Quadratzentimeter Eis kämpft.

Der Kampf der Bären gilt weiterhin mindestens Platz drei. Sechs Zähler beträgt der Vorsprung bei einem mehr absolvierten Spiel auf die Ratinger Ice Aliens, die beim nächsten EHC-Heimspiel am Freitag, 2. Februar, im Icehouse auflaufen. „Wir schreiben auf Rang zwei noch lange nicht ab“, merkt Manager Carsten Billigmann fünf Spieltage vor den Play-offs an. Die lange Zeit topplatzierten Herforder liegen nur noch vier Punkte vor Neuwied. „In Lauterbach wollen wir gewinnen, um an Herford dranzubleiben“, kündigen Billigmann und Benske an.

3:1-Sieg stellt Benske „90 bis 95 Prozent zufrieden

Am Abend der Torhüter zeigten Neuwieds Lukas Schaffrath und Ken Passmann im Neusser Kasten zahlreiche starke Paraden.

Noch 142 Sekunden stehen auf der Anzeigetafel, Bully vor Ken Passmann. Der Neusser Schlussmann zieht die Maske noch einmal aus, legt sie auf sein Tor und nimmt einen großen Schluck aus seiner Trinkflasche. Aus gutem Grund. Der 32-jährige Keeper steht im Mittelpunkt, hat in dieser zu Ende gehenden Partie der Eishockey-Regionalliga West zwischen dem mit 3:1 siegreichen EHC „Die Bären“ 2016 und Passmanns Neusser EV Schwerstarbeit verrichtet, etliche Neuwieder Gelegenheiten vereitelt, und nur drei Sekunden nach der kurzen Verschnaufpause stoppt der Routinier zwischen den Pfosten den nächsten Schuss. Dreimal musste er den Puck aus seinem Netz holen – nur dreimal, wenn man sich die Anzahl der EHC-Möglichkeiten vor Augen führt. Unter anderem vergaben die Bären durch Kapitän Stephan Fröhlich (33.) und Martin Brabec (50.) zwei Penaltys. „Ich weiß natürlich, dass Ken ein sehr guter Torhüter ist, der auch heute stark gehalten hat“, zollte Neuwieds Trainer Daniel Benske dem besten NEVler des Abends die ihm zustehende Anerkennung. Benske kennt die Neusser aus dem Effeff, schließlich stand er bis Ende Dezember noch bei ihnen hinter der Bande. Die Gäste spielten, wie sie es schon unter der Leitung des neuen Bären-Coachs getan hatten: tiefstehend und gut verteidigend im eigenen Drittel. „Zum ersten Mal in den letzten Wochen mussten wir uns gegen so einen Gegner beweisen“, erklärte Benske, „da haben wir uns etwas schwer getan und heute nicht ganz so souverän und taktisch gut wie zum Beispiel am Freitag in Diez agiert, können aber trotzdem mit 90 bis 95 Prozent zufrieden sein“.
Zu diesen „90 bis 95 Prozent“ zählten natürlich die Tore. Michael Jamieson (4.), Sven Schlicht (18.) in Unterzahl und erneut Jamieson (22.) mit seinem elften Treffer in den jüngsten sieben Begegnungen bezwangen den schier 100-armigen Passmann.
Auch der Neuwieder Schlussmann fiel positiv auf. Lukas Schaffrath verpasste nach dem 5:0-Sieg ebenfalls gegen Neuss Anfang November seinen zweiten Shut-Out dieser Saison nur, weil Alexander Zaslavski in der 30. Minute vollstreckte. Ansonsten entschärfte er alles, was in 60 Minuten auf seinen Kasten zuflog. „Wir haben zwar das erste Drittel etwas verschlafen und mit unseren Fehlern Neuwied Tore ermöglicht, aber im zweiten und dritten Abschnitt konnten wir gut mithalten. Leider haben wir am Ende zu wenig Druck aufs gegnerische Tor aufgebaut“, analysierte Gästetrainer Sebastian Geisler die Partie, mit der er „sehr zufrieden“ war.
Die letzten Herausforderungen musste der EHC in Form von einigen Zeitstrafen in den letzten beiden Minuten meistern. Neuss absolvierte die Endphase in doppelter Überzahl, war aber nicht mehr in der Lage diesen Vorteil gegen aufopferungsvoll kämpfende Bären, unterstützt vom nun mit seiner Lautstärke noch einmal einen Gang höher schaltenden „siebten Mann“ auf der Tribüne, zu nutzen. „Wenn wir noch ein bisschen weiter gespielt hätten, wäre es glaube ich noch eine Ecke knapper geworden“, mutmaßte Sebastian Geisler. Sein Team zeigte, dass der Sieg gegen Spitzenreiter EG Diez-Limburg vor einer Woche keine Eintagsfliege gewesen sein muss. Aber gegen die wenige Wochen vor Play-off-Start konstant auf guten Niveau spielende Bären reichte das nicht.

Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Pering, Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann.
Neuss:
Passmann (Jakob) – Richter, Gotzsch, Baum, Schneider, Lahmer – Zaslavski, Rüwald, Thum, Bleyer, von Berg, Wolf, Busse, Stein, Lindt, Schwehr.
Schiedsrichter: Marc Stromberg.
Zuschauer: 611.
Strafminuten: 14 + Disziplinarstrafen gegen Wichterich und Schaffrath : 8.
Tore:
1:0 Michael Jamieson (Brabec, Wichterich) 4‘, 2:0 Sven Schlicht (Hellmann, Jamieson) 18‘, 3:0 Michael Jamieson (Neumann, Brabec) 22‘, 3:1 Alexander Zaslavski (Thum) 30‘.

Lange Unterzahl wird zum Verhängnis

Sven Schlicht (am Puck) zählte nicht nur zur Neuwieder Reihe, die den EGDL-Paradesturm um Matt Fischer (im Hintergrund) bei gleichem Kräfteverhältnis kalt stellte, sondern auch zu den EHC-Torschützen bei der knappen 4:5-Niederlage in Diez.

Gefühlswelt und Fan-Dank in einem Satz: „Nach einer Niederlage in die Kurve zu gehen und Gänsehaut zu haben – schafft nur ihr.“ Christian Neumann, Verteidiger des EHC „Die Bären“ 2016, machte kurz nach Mitternacht via Facebook klar, in welcher Stimmung er den Derby-Freitag hinter sich ließ. Knapp anderhalb Stunden vorher standen die Neuwieder Eishockeyspieler mit dem Ertönen der Schlusssirene in der Eissporthalle am Diezer Heckenweg zwar als Verlierer des Nachbarschaftsduells bei der EG Diez-Limburg fest, aber die zahlreich mitgereisten EHC-Anhänger bewiesen mit stehenden Ovationen das richtige Gespür für die Leistung der Bären. Mit 4:5 zogen sie beim Tabellenführer der Regionalliga West den Kürzeren, doch die Art und Weise, wie sich die Deichstädter bei den Rockets präsentiert hatten, macht Lust auf mehr. „Wir haben super gespielt“, brauchte Neuwieds Trainer Daniel Benske nur vier Worte, um die Leistung seines Teams zu bewerten, das ohne den gesperrten Torjäger Martin Brabec und Robin Schütz auskommen musste. Auf der anderen Seite fehlten Arno Lörsch Marijus Maier, Julian Grund, Ville Kärkäs, Steve Themm und Dennis Stroeks – trotzdem gab es bei den Rockets keine freie Zeile auf dem Spielberichtsbogen. Mit den beiden Nachverpflichtungen von unter der Woche sowie Bad Nauheimer Förderlizenz-Unterstützung standen 22 Mann zur Verfügung.
Die Bären knüpften nahtlos an die hochengagierten Leistungen der zurückliegenden Wochen an, fuhren jeden Check zu Ende, liefen den Gegner früh an und stellten die Diezer und Limburger damit vor einige Probleme. Folglich gingen die Gäste im ersten Drittel verdient mit 2:0 in Führung. Deion Müller setzte den ersten ernsthaften Schuss auf Constantin Schönfelder auf Anhieb unter die Latte (4.), und Michael Jamieson erhöhte per Bauerntrick auf 0:2 (13.). Perfekter Start des EHC, der zudem die geballte Offensivpower der Raketen mit Joey Davies, Matt Fischer und Konstantin Firsanov so gut aus dem Spiel nahm, wie es eben ging und es kaum eine andere Mannschaft in dieser Saison bislang geschafft hatte. Wann immer möglich, versuchte Benske Tobias Etzel, Sven Schlicht und Deion Müller gegen die erste EGDL-Reihe aufs Eis zu schicken und traf damit eine prima Entscheidung. Die Tore zum Ausgleich gingen nicht von ungefähr auf die Konten anderer Spieler. Emanuel Grund, genauso wie Nikolai Varianov erst am Donnerstag nach Diez gewechselt, verkürzte in der 16. und André Bruch egalisierte nach einem starken Solo entlang der Bande in der 30. Minute zum 2:2. Neuwied ließ das nicht lange auf sich sitzen. Nur anderthalb Minuten später holte Dennis Schlicht die Führung zurück.
Die schließlich spielentscheidende Situation ereignete sich nach 36:08 Minuten auf der linken Seite des Diezer Verteidigungsdrittel: EHC-Angreifer Moritz Schug trifft Kevin Schophuis, dabei landet der Ex-Lauterbacher in der Bande, wird später mit Halskrause und auf der Trage vom Eis geschoben, während Schiedsrichter Sascha Westrich den Gästespieler mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe zum Duschen schickt. Der Unparteiische sprach wegen eines Fouls mit Verletzungsfolge die große Strafe aus, die später für Diskussionsstoff sorgte, weil Schophuis im letzten Drittel wieder voller Tatendrang mitmischte. Westrich vermerkte den Umstand in einem Zusatzbericht. Nur das konnte der Referee aus Poppenweiler zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, sodass die EGDL eine fünfminütige Überzahlsituation erhielt und in dieser Phase die Partie für sich vorentschied. „Wir haben da leider die Ordnung verloren“, haderte Benske. Konstantin Firsanov glich in der 40. Minute zum 3:3 aus, und die Bären sollten noch nicht einmal mit dem Remis zum zweiten Mal in die Kabine gehen, weil zwei Sekunden vor der Pause Philipp Maier das Ergebnis drehte. Noch immer mit einem Mann mehr auf dem Eis, erhöhte Matt Fischer auf 5:3 (41.).
„Aber wir haben großes Herz gezeigt“, kommentierte der EHC-Coach die starke Endphase seines Teams, das den Unterzahl-Schock nicht an sich heranließ und bei gleicher Mannschaftsstärke wieder den besseren Eindruck hinterließ. Deion Müller hatte in der 50. Minute den Anschlusstreffer auf der Kelle. Der fiel, als Stephan Fröhlich in Überzahl einnetzte (57.). „Wir hätten das Ding heute auch genauso gut gewinnen können. Auch wenn wir klasse gespielt haben, ärgert mich diese Niederlage“, sagte Benske. Worte, die er im Kabinengang sprach, nachdem es seitens mehrerer EGDL-Verantwortlicher gehießen hatte, ein offizielles Trainergespräch würde an diesem Abend nicht stattfinden und bevor die Gastgeber später die offizielle Darstellung wählten, Benske habe an der Pressekonferenz nicht teilgenommen. „Ich hätte durchaus etwas zu sagen gehabt“, wunderte sich der 36-Jährige im Nachhinein. Diese offensichtlich dann doch abgehaltene Pressekonferenz hätte beinahe erst später auf der Tagesordnung gestanden: Andreas Wichterichs Strahl von der blauen Linie verpasste nämlich nur ganz knapp das Ziel – es wäre das 5:5 gewesen und hätte möglicherweise die Verlängerung in einem Spiel bedeutet, das alle Erwartungen erfüllte, und hinten heraus auch Inhalte bot, die mit den Fäusten geklärt wurden: Dennis Schlicht und Pierre Wex kannten bei ihrem beherzten Fight keine Hemmungen, Tobias Etzel und Philipp Maier hatten ebenfalls eine Meinungsverschiedenheit, und der wiedergenesene Schophuis wollte es mit Marco Herbel aufnehmen.
„Das war ein Vorgeschmack auf die Play-offs“, zeigte sich Neuwieds Manager Carsten Billigmann angetan von der intensiven Spielweise seiner Mannschaft. „Man hat heute deutlich gemerkt, dass die Diezer weich sind, wenn man konsequent auf den Mann geht. Wir werden diese Gangart beibehalten, und ich bin überzeugt davon, dass wir so noch unsere Erfolge haben werden.“

Diez-Limburg: Schönfelder (Haseloff) – Löwing, Schophuis, Ansink, Krämer, E. Grund – Niestroj, Davies, Bruch, Fischer, Firsanov, Wex, Flemming, P. Maier, Mainzer, Böhm, Kail, Martaller, Varianov, Langer, Rost.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Pering, Hellmann, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Sascha Westrich.
Zuschauer: 1089.
Strafminuten: 12 + Disziplinarstrafe gegen Firsanov : 21 + Disziplinarstrafe gegen D. Schlicht + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Schug.
Tore: 0:1 Deion Müller (S. Schlicht) 4′, 0:2 Michael Jamieson 13′, 1:2 Emanuel Grund (Böhm, Flemming) 16′, 2:2 André Bruch (Langer) 30′, 2:3 Dennis Schlicht (Etzel, Jamieson) 31′, 3:3 Konstantin Firsanov (Davies, Fischer) 40′, 4:3 Philipp Maier (Davies, Fischer) 40′, 5:3 Matt Fischer (Ansink) 41′, 5:4 Stephan Fröhlich (Jamieson) 57′.

Siegrekord für die Bären im Derby?

Bitter für die Bären: Torjäger Martin Brabec (15 Punkte in den letzten 5 Spielen) muss gegen die EGDL zuschauen. Er erhielt gegen Hamm eine umstrittene Spieldauerdisziplinarstrafe.

Dem EHC „Die Bären“ 2016 winkt in der Eishockey-Regionalliga West ein neuer Rekord: Fünf glatte Siege am Stück nach 60 Minuten bedeuten bereits einen Bestwert, aber damit gibt sich der Tabellendritte aus Neuwied noch nicht zufrieden. Am Freitagabend will man beim Derby am Diezer Heckenweg gegen Spitzenreiter EG Diez-Limburg (Bully: 20.30 Uhr) zum ersten Mal seit der Neugründung des Vereins ein sechstes gewonnenes Regionalligaspiel am Stück feiern. „Die Play-off-Form kommt allmählich. Gegen Hamm haben wir von beiden Seiten Sachen gesehen, die mitunter schon Oberliga-Niveau haben“, stellt Trainer Daniel Benske erfreut fest. „Trotzdem müssen wir die Kirche im Dorf lassen. Es wird auch Niederlagen geben. Aber natürlich geben wir 120 Prozent, um negative Ergebnisse so lange wie möglich vor uns herzuschieben.“ Vor allem an diesem viertletzten Hauptrundenwochenende, denn bei den Rockets (Benske: „Eine super Mannschaft mit einem brutal guten und ausgeglichenen Kader“) und zwei Tage später im Heimspiel im Icehouse gegen Benskes Ex-Verein Neusser EV (Bully: 19 Uhr) stehen Spiele ins Haus, die bei allen Beteiligten das Kribbeln über das Normale hinaus steigen lassen. Es ist ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren, das die Bären momentan erfolgreich macht:

Schnelle Umsetzung: Vier Trainingseinheiten hatten die Bären unter ihrem neuen Coach absolviert, da waren sie schon bereit für die beiden Spitzenteams aus Herford und Hamm, die sie verdient besiegten. „Ich bin begeistert und beeindruckt, wie schnell die Mannschaft meine Vorstellungen aufgenommen hat. Wir haben uns kontinuierlich immer weiter gesteigert“, sagt Daniel Benske, der in den ersten Tagen seines Neuwied-Engagements viele Einzelgespräche mit den Spielern führte und ihnen vermittelte, welche Erwartungen er an sie stellt. Seine Schützlinge lauschten, verinnerlichten und setzen erfolgreich um.
Mehr Schüsse: „Schießen, einfach schießen“, fordern Eishockey-Fans häufig – Neuwieds Trainer vertritt die gleiche Philosophie. „Wir haben aus vielleicht 20 Abschlüssen pro Spiel inzwischen um die 30 gemacht“, rechnet Benske vor. Mehr Schüsse, ergeben automatisch mehr Chancen, und das spiegelt sich final auch in der Trefferanzahl wider. Gegen Dinslaken ließen die Bären noch einige große Gelegenheiten aus, gegen Herford stand schon eine beeindruckende „10“ auf der Anzeigetafel. Auch im Powerplay macht sich der Zug zum Tor bemerkbar. In den fünf Begegnungen gegen Soest, Lauterbach, Dinslaken, Herford und Hamm erreichte der EHC in Überzahl eine Erfolgsquote von sagenhaften 50 Prozent (10 Tore aus 20 Situationen).
Höhere Intensität: Die Bären wirken heiß auf jeden Zweikampf, auf jeden Check. Und kein Weg auf dem Eis scheint ihnen zu weit. „Die Jungs führen die Zweikämpfe konsequent zu Ende und übergeben nichts, was nicht unerledigt ist. Auch den Laufaufwand haben wir um 20 bis 30 Prozent erhöht“, erklärt Benske einen Teil seiner Eishockey-Philosophie. Die Kampfkraft ist für Neuwied die Basis. Wenn man über dieses Element gut in die Partie findet, kommt auch die spielerische Klasse. Die Partien in Dinslaken und Herford bewiesen das, als der EHC im Schlussdrittel offensiv ein Feuerwerk abbrannte.
Gesucht und gefunden: Carsten Billigmann stellte in seiner Zeit als Interimstrainer die beiden Imports Martin Brabec und Michael Jamieson in eine Angriffsreihe. Sie harmonierten von Anfang an gut, inzwischen verstehen sich der Tscheche und US-Boy beinahe blind. „Sie warten nicht auf ihre Chancen, sie erarbeiten sie auch heraus und leisten zudem auch mehr Defensivarbeit“, sieht Benske bei den beiden das komplette Paket. Bei den fünf Siegen scorten Brabec und Jamieson am laufenden Band: Brabec kam auf 15 (fünf Tore, zehn Assists), Jamieson auf elf Punkte (acht Tore, drei Assists). Zusätzlicher Bonus für den EHC: Mit Moritz Schug, Deion Müller und Stephan Fröhlich gibt es eine zweite Reihe mit eingebauter Torgefahr. Kapitän Fröhlich erzielte in den besagten Begegnungen sieben Treffer, unter anderem vier gegen Herford. Enttäuscht sind die Bären, dass Brabec im Spitzenspiel gegen seinen letztjährigen Klub passen und seinen Lauf für einen Regionalliga-Abend unterbrechen muss. Er erhielt gegen Hamm eine umstrittene Spieldauerdisziplinarstrafe und ist gegen die EGDL gesperrt.
Das Kollektiv: Von der ersten bis zur vierten Reihe erfüllen alle Spieler die ihnen zugeordneten Aufgaben. Benske: „Wir arbeiten und laufen im Kollektiv. Alle verschreiben sich der Abwehrarbeit, aber genauso setzen alle auch Akzente nach vorne.“ Die beiden Nachverpflichtungen von Carsten Hohmann (Lauterbach) und Daniel Pering (Neuss), der am Freitag debütieren und am Sonntag gegen seinen ehemaligen Verein sein erstes Heimspiel für den EHC bestreiten wird, tragen zu noch mehr Kadertiefe bei. Sie geben der Mannschaft zusätzliche Alternativen. Hohmann erzielte mit dem 1:0 gegen Hamm vor einer Woche den Dosenöffner, der kampfstarke Verteidiger Pering („Ich bin nicht der Spieler, der viele Punkte sammelt“) soll mit seiner Erfahrung und Unnachgiebigkeit eine weitere Säule in der Abwehr werden.

Bären brennen ein Feuerwerk ab

Schuss, Tor – Schuss, Tor – Schuss, Tor – Schuss, Tor: Stephan Fröhlich traf in Herford viermal.

Sie hatten es immer gesagt: Eine Eishockey-Saison wird ab Dezember, Januar richtig heiß. Dann geht es an die großen Fleischtöpfe. Dann muss die Verfassung passen. Und wenn man die ersten drei Partien des EHC „Die Bären“ 2016 seit dem Jahreswechsel betrachtet, kann man ohne Wenn und Aber feststellen, dass die Neuwieder Eishockeyspieler mit ihrem Trainer-Team beim Leistungsaufbau offenbar vieles richtig gemacht haben. Seine vier letzten Spiele gegen die Ice Dragons aus Herford hatte der verloren. Mitunter richtig schmerzhaft im ersten Aufeinandertreffen der Runde zum Beispiel (2:9) oder eben beim bitteren Viertelfinal-Aus im Frühjahr. Für das alles revanchierten sich die Deichstädter am Freitagabend mit einer Gala. Sie deklassierten den Tabellenzweiten mit 10:4. Der musste zwar unter der Woche den Abgang seines kanadischen 40-Tore-Mannes Ross-John Reed verkraften, aber damit hatte dieses eindeutige Ergebnis noch nicht einmal ansatzweise etwas zu tun. Denn Qualität haben die Drachen auch weiterhin reichlich in ihrem Kader. Nur war die der Bären diesmal noch eine Klasse höher. „Das war eine super geile Leistung. Wir haben 60 Minuten lang läuferisch, kämpferisch und spielerisch die Partie bestimmt. Dieses Ergebnis ist kein Zufall“, freute sich Trainer Daniel Benske über den dritten Sieg in seinem dritten Spiel hinter der Neuwieder Bande. Kaum zu bändigen kurz vor der nordrhein-westfälisch/niedersächsischen Grenze und dem gegnerischen Kasten: Stephan Fröhlich mit vier Toren und Martin Brabec (zwei Tore, vier Assists).
Zwei Drittel lang sahen 540 Zuschauer in der Eissporthalle „Im kleinen Felde“ eine zumindest vom Ergebnis her offene Begegnung. „Obwohl wir auch da schon das Ding dominiert haben“, merkte EHC-Manager Carsten Billigmann an. Aber da waren eben ein paar Situationen, in denen der HEV den Slot dicht besiedelte, Felix Köllejan die Sicht nahm und zum Erfolg kam. „Wirklich herausspielen konnte sich Herford nicht viel“, so Billigmann weiter. Das frühe 0:1 durch Michael Jamieson sowie drei Powerplay-Tore im ersten Abschnitt – ein Neuwieder von Stephan Fröhlich (13.) sowie zwei Herforder von Ulib Berezovskij (4.) und Florian Kiel (10.) – führten zu einem Gleichstand zur ersten Pause. Auch im zweiten Durchgang setzte der EHC den ersten Akzent. Moritz Schug markierte das 2:3 (24.) und eröffnete eine Phase, in der die Tore wie reife Früchte fielen. 30 Sekunden später glich Sven Johannhardt aus, wieder nur 20 Sekunden später holte Martin Brabec die Führung zurück. Erneut Brabec (25.) und der punktebeste Verteidiger der Regionalliga West, Aaron Reckers (27.), machten 181 verrückte Sekunden mit fünf Toren rund.
Im Schlussabschnitt drückte sich die klare Dominanz der Benske-Truppe dann auch auf der Anzeigetafel aus. Die Bären hatten Herford müde gelaufen und gekämpft, jetzt machten sie kurzen Prozess mit den Dragons. Billigmann: „Am Ende lief einfach alles perfekt. Dieser Sieg bringt zwar wie jeder andere drei Punkte, aber die Leistung war eine große Ansage.“ Nach Tobias Etzels 4:6 (45.) wurde EHC-Kapitän Fröhlich endgültig zum Drachentöter. „Happy“ schnürte binnen acht Minuten einen lupenreinen Hattrick inklusive Bauerntrick und Alleingang für die Gäste, die nun selbst in Unterzahl nicht mehr zu bändigen waren. Fröhlichs 4:9 und Frederic Hellmanns Schlusspunkt zum 4:10 fielen trotz numerischer Unterlegenheit.
Lediglich einen Schönheitsfehler hatte der erste zweitstellige Neuwieder Saisonsieg: Sven Schlicht handelte sich in der Endphase eine Spieldauerdisziplinarstrafe ein und ist für das Heimspiel am Sonntag ab 19 Uhr gegen Meister Hamm gesperrt. Dann erwartet der EHC wieder eine volle Hütte. Die Mannschaft hat es sich derzeit absolut verdient.

Herford: Figge (Rusche) – Schmunk, Reckers, Brinkmann, Kiel, Derksen – Nasebandt, Johannhardt, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Korpar, Staudt, Chmelkov, Lindt, Hutt.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Dieser, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Marc-André Naust.
Zuschauer: 540.
Strafminuten: 12 + Disziplinarstrafe gegen Bohle : 23 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Sven Schlicht.
Tore: 0:1 Michael Jamieson (Brabec) 2‘, 1:1 Ulib Oleksandrovic Berezovskij (Hutt, Schmunk) 4‘, 2:1 Florian Kiel (Brinkmann, Bohle) 10‘, 2:2 Stephan Fröhlich (Brabec) 13‘, 2:3 Moritz Schug 24‘, 3:3 Sven Johannhardt (Berezovskij, Hutt) 24‘, 3:4 Martin Brabec (Neumann, Jamieson) 24‘, 3:5 Martin Brabec 25‘, 4:5 Aaron Reckers (Linnenbrügger) 27‘, 4:6 Tobias Etzel (Brabec) 45‘, 4:7 Stephan Fröhlich (S. Schlicht) 48‘, 4:8 Stephan Fröhlich (Wichterich, Müller) 51‘, 4:9 Stephan Fröhlich 56‘, 4:10 Frederic Hellmann (Brabec, Neumann) 60‘.