Bären sind bereit für Eishockey-Festtage

Jeden Zweikampf zu Ende führen, keine Scheibe verloren geben: Der EHC um Tobias Etzel (blaues Trikot) spielt im Viertelfinale gegen den Hauptrunden-Sechsten Dinslaken.

Das Zauberwort im Eishockey, das Augen von Spielern und Fans strahlen und Herzen höher schlagen lässt, heißt „Play-offs“. Alles wird auf null gestellt, alle Siege aus der Hauptrunde sind Makulatur, jetzt muss die Form stimmen. Auch beim EHC „Die Bären“ 2016, der am Freitagabend ab 20 Uhr das Viertelfinale der Regionalliga West mit einem Heimspiel im Neuwieder Icehouse gegen die Dinslakener Kobras eröffnet. Neuwied gegen Dinslaken – erst vor einer Woche stand dieses Duell auf der Tagesordnung und endete mit einem knappen 2:1-Sieg (nach 0:1-Rückstand) für die Bären. „Wir haben in allen vier Hauptrundenspielen gesehen, dass Dinslaken eine unangenehme Mannschaft ist, die man nicht unterschätzen darf. Sie sind aus einer kompakten Defensive heraus immer gefährlich. Wir müssen gewaltig auf der Hut sein“, warnt EHC-Trainer Daniel Benske. Der EHC hat zwar alle vier Vergleiche mit den Giftschlagen gewonnen – dreimal lag man dabei mit 0:1 zurück – aber sämtliche Begegnungen waren nichts für schwache Nerven. „Und genauso wird es auch jetzt im Viertelfinale sein, plus eine zusätzliche Portion Intensität“, kündigt Benske an.
Mindestens dreimal kreuzen Neuwied und Dinslaken die Klingen. Nach dem Auftakt im Icehouse geht‘s am Sonntag auswärts weiter (Spielbeginn 19 Uhr), ehe es am 2. März ein Wiedersehen in Neuwied gibt. „Wir wollen natürlich so schnell wie möglich die drei Siege holen, die für den Halbfinaleinzug notwendig sind“, sagt der EHC-Coach. „Wir haben uns sehr gut vorbereitet, wollen kämpferisch an die Leistung gegen Herford anknüpfen, und wenn jetzt der eine oder andere der zuletzt Ausgefallenen zurückkehrt, ist auch spielerisch noch etwas mehr drin.“
Die „kleine Enttäuschung“ über die Niederlage im „Endspiel“ um Hauptrundenplatz zwei gegen die Ice Dragons ist in Neuwied längst verflogen, alle sind auf Dinslaken fokussiert. Denn das, was in den vergangenen Jahren die Neuwieder in den Play-offs ereilte, soll diesmal nicht passieren: ein Aus im Viertelfinale. Play-off-Eishockey mit den Bären ist für Benske zwar noch Neuland, aber er ist davon überzeugt, dass die Mannschaft die viel zitierten Play-off-Charaktereigenschaften besitzt: „Die Mentalität und die Fokussierungsfähigkeit des Teams lassen sehr stark vermuten, dass wir Play-offs können. Das haben wir schon in den Topspielen gegen Diez-Limburg und Ratingen gezeigt. Wir haben zwar beide Partien knapp verloren, was mich auch ärgert, aber wir können positiv mitnehmen, dass wir bei fünf gegen fünf die bessere Mannschaft waren. Auch das 10:4 in Herford war keine Eintagsfliege.“

Dezimierte Bären verlieren nach großem Kampf

Auch gegen drei Herforder scheibensicher: Tobias Etzel marschiert durch die Abwehr der Ice Dragons.

Am frühen Sonntagnachmittag begann es im Kopf von Daniel Benske zu rattern. Zunächst Karl Neubert, dann auch noch Robin Schütz, Philipp Dieser und Deion Müller. Obendrein der schon am Freitag gegen Dinslaken fehlende Martin Brabec – die Grippewelle hat auch bei den Neuwiedern volle Breitseite zugeschlagen, vor dem abschließenden Hauptrundenspiel in der Eishockey-Regionalliga West gegen den Herforder EV zu einer Absagenflut geführt und den Trainer zum Improvisieren gezwungen. Und das gegen starke Ice Dragons, die nach langer Verletzungspause erstmals wieder auf ihren Stammtorhüter Kieren Vogel zurückgreifen konnten, und bei denen Neuzugang Benjamin Skinner immer besser Fuß fasst – eine Mammutaufgabe für den EHC, der sich allen Widrigkeiten zu trotz teuer verkaufte, die 3:5-Niederlage allerdings nicht verhindern konnte. „Trotz der Ausfälle haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht und Herford auf der kämpferischen Schiene alles abverlangt. Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil, wir haben sehr, sehr gut gespielt“, sagte EHC-Trainer Daniel Benske. Die Bären gehen nach der Niederlage als Dritter in die Play-offs und eröffnen die Viertelfinalserie am Freitagabend mit einem Heimspiel gegen die Dinslakener Kobras.
Neuwied brauchte ein Drittel, um richtig in Schwung zu kommen. Das nutzten die von Anfang an hellwachen Ice Dragons zu einer 2:0-Führung. Benjamin Skinner nach mustergültigem Querpass von Killian Hutt (10.) und ein Schuss von Nils Bohle durch das Getümmel vor dem Bären-Gehäuse (15.) brachten die Gäste zunächst verdientermaßen in Führung. Jetzt waren die Deichstädter wachgerüttelt. Sie erhöhten im zweiten Drittel die Schlagzahl und schafften durch ein sensationelles Solo von Michael Jamieson den Anschluss (25.). Die Bären waren nun am Drücker, und ausgerechnet in dieser Phase nahm eine ganze Reihe von Hinausstellungen den Schwung. Herford nutzte seine Möglichkeiten, erhöhte erneut durch Bohle (23.) und Leon Nasebandt (27.) mit zwei Powerplaytoren auf 1:4. Der EHC schüttelte sich kurz und kam mit starker Moral zurück. Sven Schlicht überwand Vogel mit dem ersten Schuss nach der Unterzahl-Phase (34.) und Stephan Fröhlichs verwandelter Alleingang (36.) stellten die Weichen für ein spannendes Schlussdrittel. Auch hier gab die Benske-Truppe zunächst den Ton an. Jamieson feierte schon den vermeintlichen Ausgleich, aber dann breitete Hauptschiedsrichter Marc Stromberg die Arme aus, weil das Herforder Tor nach seinem Geschmack von Vogel zu früh aus seiner Position gebracht worden war. In einer vergleichbaren Situation hatten die Unparteiischen vor zwei Wochen im Icehouse ein Ratinger Tor gegen Neuwied anerkannt. Chancen besaßen die Bären genug, um auszugleichen. Vor allem in der 5:3-Situation ab der 46. Minute, die nichts einbrachte. Als Sven Johannhardt in der 53. Minute das 3:5 nachlegte, war dann allerdings die Entscheidung gefallen.
Einen letzten Versuch mit einem sechsten Feldspieler anzugreifen, scheute Trainer Benske diesmal aus gutem Grund. Die Neuwieder hatten das Ergebnis der Ratinger Ice Aliens gegen die Soester EG im Blick, weil es in diesem Quervergleich der Punktgleichen im Torverhältnis um Platz drei ging. Den verteidigte Neuwied mit einem knapp besseren Torverhältnis, sodass es eine Woche nach dem 2:1-Sieg über Dinslaken am kommenden Freitag wieder gegen die Kobras geht. „Vielleicht sehen wir uns ja in zwei Wochen wieder“, verabschiedete sich Herfords Coach Jeff Job („Ich bin heute sehr zufrieden mit meiner Mannschaft“) aus dem Vip-Raum des Icehouses. Ein Halbfinale zwischen Neuwied und Herford – das hätte was. Nicht zuletzt aus Sicht der Fans, die am Sonntag voll auf ihre Kosten kamen im Duell zwischen zwei Regionalliga-Spitzenteams. Aber zunächst gilt die volle Konzentration den Dinslakenern. Ab sofort haben die EHCler nur noch die Giftschlagen im Kopf.

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Pering, Hellmann, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Hohmann, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Herford: Vogel (Stenger) – Schinke, Gehring, Brinkmann, Kiel, Derksen, Rempel – Nasebandt, Johannhardt, Skinner, Bohle, Berezovskij, Staudt, Becker, Lindt, Hutt.
Schiedsrichter: Daniel Melcher/Marc Stromberg.
Zuschauer: 756.
Strafminuten: 18 + Disziplinarstrafe gegen Etzel : 14.
Tore: 0:1 Benjamin Skinner (Bohle, Hutt) 10’, 0:2 Nils Bohle (Lindt, Nasebandt) 15‘, 1:2 Michael Jamieson (Schug) 25‘, 1:3 Nils Bohle (Gehring, Skinner) 26‘, 1:4 Leon Nasebandt (Berezovskij) 27‘, 2:4 Sven Schlicht (D. Schlicht) 34‘, 3:4 Stephan Fröhlich (Jamieson, Schug) 36‘, 3:5 Sven Johannhardt (Staudt, Nasebandt) 53‘.

Späte Tore bringen Sieg und Endspiel gegen Herford

Felix Köllejan musste nur einen Schuss passieren lassen.

Für den EHC „Die Bären“ 2016 kommt es am Sonntagabend ab 19 Uhr im Neuwieder Icehouse zum „Endspiel“ um Tabellenplatz zwei in der Eishockey-Regionalliga West gegen den Herforder EV. Am Freitag gewannen sowohl die Bären als auch die Ice Dragons ihr Heimspiel, beide Teams sind somit auch nach 31 von 32 Hauptrundenpartien punktgleich. Neuwied gegen Dinslaken – das sind in dieser Saison knappe Kisten, die nun schon dreimal nach dem gleichen Schema abliefen. Die Kobras gehen in Führung, Neuwied legt eine Schippe drauf und holt sich die Punkte für den 2:1-Sieg mit einem durchschlagenden Endspurt. Das hinterlässt Spuren in den Gesichtern der Unterlegenen. Dinslakens Stefan Dreyer steht nach dem letzten Kraftakt tief einatmend auf Höhe der blauen Linie, als die letzten Sekunden heruntergetickt waren. Der Blick geht ins Nichts, als wollte der Kobras-Angreifer sagen: „Nicht schon wieder.“ Die Gäste boten mit nur zwölf Feldspielern eine kämpferisch starke Leistung, gingen aber leer aus. „Wir sind mit dem Ziel hergekommen, uns nicht abschlachten zu lassen und haben uns sehr gut verkauft. Meine Mannschaft zeigte im ersten und zweiten Drittel eine disziplinierte Leistung, aber dann sind die Kräfte etwas ausgegangen. Neuwied hat verdient gewonnen“, sagte Trainer Krystian Sikorski.
Bevor die Bären endlich jubeln konnten, mussten sie und die 647 Zuschauer viel Geduld beweisen. 53:30 Minuten lang hielt der ehemalige Bären-Keeper Marvin Frenzel (früher Haedelt) seinen Kasten sauber. Dann überlistete ihn Michael Jamieson von der linken Seite zum 1:1-Ausgleich, und Tobias Etzel kürte sich mit dem Siegtor zum 2:1 (57.) selbst zum Matchwinner. Frederic Hellmanns abgefälschter Schlagschuss von der blauen Linie sprang Etzel vor die Kelle, der sich diese Chance nicht entgehen ließ. „Es war ein enges, von beiden Seiten gut geführtes Spiel. Man darf nicht vergessen, dass wir in den letzten zwei Wochen nie komplett trainieren konnten. Im letzten Drittel haben wir mehr Druck entfacht und an den Chancen gemessen auch verdient gewonnen“, so EHC-Coach Daniel Benske.
In den ersten 40 Minuten war hüben wie drüben zunächst Vorsicht die Mutter der Porzellankiste. Dinslaken verteidigte vor dem und rund um das eigene Tor sehr konsequent, Neuwied agierte ebenfalls mit dem Wissen im Hinterkopf, dass die Giftschlangen im Konter eine große Stärke besitzen. Viele gute Gelegenheiten ließen die Gastgeber nicht zu. In der neunten Minute musste Felix Köllejan gegen Dreyer retten, das Chancenplus lag jedoch auf Seiten des EHC, der unter anderem ohne seinen von der Grippewelle erfassten Topscorer Martin Brabec auskommen musste. Es ist müßig zu mutmaßen, ob der Tscheche den Bann früher gebrochen hätte. Moritz Schug, Stephan Fröhlich und Co. besaßen gegen Mitte des zweiten Abschnitts einige Hochkaräter, doch stets hatte Frenzel das bessere Ende auf seiner Seite. Als dann in der 47. Minute Moritz Hofschen nach einem gewonnenen Bully von der blauen Linie abzog und die Dinslakener in Führung gingen, erhielt die Neuwieder Zuversicht Trübungen. Aber die Benske-Truppe schien den Rückstand gebraucht zu haben, um die Schlagzahl zu erhöhen. Wütende Angriffe hatten Gelegenheiten im Minutentakt zur Folge, Dinslaken befreite sich reihenweise nur noch mit Icings. Der Druck stieg und entlud sich mit Jamiesons überraschendem Schuss in der 54. Minute. Frenzel hatte zahlreiche erstklassige Paraden gezeigt, aber diesen Versuch des US-Boys hätte er abwehren müssen. Die Kobras versuchten es in den letzten 90 Sekunden mit einem weiteren Feldspieler, aber der EHC ließ sich die Butter nicht mehr vom an diesem Abend erst spät geschmierten Brot nehmen. Tobias Etzel hätte noch die Scheibe Wurst drauflegen können, verfehlte mit seinem Schuss aufs leere Tor jedoch knapp das 3:1. Es reichte für die Bären auch so. Sie haben ihr Endspiel um Platz zwei, das alle herbeisehnten, bekommen. „Gegen Herford müssen wir eine ähnliche Leistung zeigen und noch einen Tick effektiver vor dem Tor sein. Dann können wir auch das Spiel gewinnen“, glaubt Trainer Benske.

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Pering, Hellmann, Neubert, Dieser, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Dinslaken: Frenzel (Zerbe) – Hofschen, Linse, Giesen, Tsvetkov – Heffler, Dreyer, Spazier, Haßelberg, Plichta, Brinkmann, Schöche, Essery.
Schiedsrichter: Jan Breckenfelder.
Zuschauer: 647.
Strafminuten: 12:8.
Tore: 0:1 Moritz Hofschen (Haßelberg, Plichta) 47‘, 1:1 Michael Jamieson (Schug, Wichterich) 54‘, 2:1 Tobias Etzel (D. Schlicht, Hellmann) 57‘.

Volle Kraft voraus für Platz zwei

Die EHC-Abwehr um Karl Neubert (rechts) muss gegen die brandgefährliche Herforder Offensive um Killian Hutt hochkonzentriert auftreten.


Platz zwei, drei oder vier? Lippe-Hockey Hamm, die Dinslakener Kobras, die Soester EG, die Lauterbacher Luchse oder der Neusser EV? Zwei Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde in der Eishockey-Regionalliga West gibt es für den EHC „Die Bären“ 2016 hinsichtlich des bevorstehenden Play-off-Viertelfinales noch viele mögliche Szenarien, was Ausgangsposition und Gegner angeht. Wochenlang, monatelang haben alle Beteiligten die Ausgeglichenheit der Liga gepredigt, und jetzt kurz vor der Endabrechnung bestätigt sich diese Einschätzung noch immer. Mit dem Herforder EV, den Neuwieder Bären und den Ratinger Ice Aliens liegen der Tabellenzweite, -dritte und -vierte nach Punkten gleichauf. Aufgrund des besten Torverhältnisses hat Herford aktuell die Nase vorne im spannenden Dreikampf um die inoffizielle Hauptrunden-Vizemeisterschaft hinter der EG Diez-Limburg. Trotzdem hat der EHC noch alles in den eigenen Händen, weil der HEV am Sonntag zum finalen Showdown am Rhein zu Gast ist. Wenn die Bären ihre beiden Heimspiele gegen Dinslaken (Freitag, 20 Uhr) und Herford (Sonntag, 19 Uhr) für sich entschieden, werden sie als Zweiter in die K.o.-Phase einziehen. „Wir werden nicht taktieren. Unser Ziel sind zwei Siege und damit der zweite Platz – für die Euphorie vor den Play-offs, für unsere Fans, für den Hexenkessel Icehouse“, sagt EHC-Trainer Daniel Benske. „Am Freitag sehe ich uns in der Favoritenrolle, aber Dinslaken ist eine unangenehme Mannschaft, der wir natürlich den Respekt entgegenbringen, den jeder Gegner verdient. Gegen Herford erwartet uns dann ein Topspiel. Da kommt es darauf an, wer flexibler ausgerichtet ist, wer weniger Fehler macht und wer etwas spritziger ist.“ Was den letzten Aspekt angeht, haben die Bären sicherlich keine schlechten Karten. Sie hatten am Fastnachtswochenende frei und gehen „mit voller Kraft voraus“ (Benske) die letzten 120 Hauptrunden-Minuten an. „Um noch einmal etwas abschalten zu können, war das sicherlich gut, andererseits hätte ich auch mit zumindest einem Spiel leben können, um den Rhythmus zu halten“, betrachtet der Trainer beide Seiten der Medaille.
Dinslaken hat mit dem Erreichen der Play-offs – und das nach nur einem Sieg aus den ersten 13 Partien – sein Hauptziel der Saison bereits erreicht. „Alles, was jetzt kommt, wollen wir genießen“, kündigt Trainer Krystian Sikorski an. Für das Gastspiel in Neuwied haben die Kobras aber noch eine Mission im Kopf: Sie können mit einem Sieg über die Bären die fünfte Mannschaft der Liga neben Diez-Limburg, Herford, Ratingen und Hamm werden, die jeden Gegner mindestens einmal geschlagen hat.
Herford verlor seit dem Jahreswechsel sechs von neun Begegnungen, hat vor dem Ende der Wechselfrist Ende Januar aber mit großem Tatendrang auf dem Transfermarkt agiert. Verteidiger Aric Schinke kam aus Zweibrücken zurück, Keeper Tim Marco Stenger wechselte von Ligakonkurrent Lauterbach zu den Ice Dragons, Maurice Pascal Becker wurde aus Soest geholt und Ben Skinner, Bruder von NHL-Star Jeff Skinner (bester NHL-Rookie der Saison 2010/11), soll den nach Schweden gewechselten Torjäger Ross John Reed ersetzen. „Ein super Team, da werden Kleinigkeiten entscheiden“, ist sich Benske sicher.

Bären finden nach Rückstand ihre alte Stärke

Zwei Tore am Freitag, drei am Sonntag: Martin Brabec (Mitte, hier gefeiert von Dennis Schlicht und Moritz Schug) führte die Bären zum 7:4-Sieg in Soest.

Sie hatten den Tabellenführer EG Diez-Limburg (5:2) und den Rangzweiten Herforder EV (2:1) bezwungen und sie führten am Sonntagabend auch gegen den EHC „Die Bären“ 2016 nach zwölf Minuten mit 2:0: Vor den Bördeindianern aus Soest sind die Spitzenteams der Eishockey-Regionalliga West nicht sicher. „Wir haben nicht gut ins Spiel reingefunden“, kommentierte der Neuwieder Trainer Daniel Benske die Anfangsphase der Begegnung am Sonntagabend. Dass seine Bären die letzte Auswärtspartie der Hauptrunde am Ende doch noch verdient und deutlich mit 7:4 für sich entschieden, lag an einer deutlichen Leistungssteigerung im weiteren Spielverlauf. Die Gäste stabilisierten sich und fanden zu ihrer alten Stärke zurück, die sie nach Punkten gleichziehen ließ mit dem Herforder EV, der allerdings noch eine Partie mehr austragen darf, ehe die Play-off-Viertelfinalpaarungen ermittelt werden. Noch vor der ersten Pause machten Michael Jamieson (17.) und Tobias Etzel (20.) den Fehlstart vergessen. Eine in der Breite überzeugende EHC-Mannschaft führten die Leistungsträger an. „Martin Brabec, Michael Jamieson, Stephan Fröhlich, Moritz Schug – ihre individuelle Klasse hat sich durchgesetzt“, sagte Benske über seine Goalgetter. Die beiden Kontingentspieler Seite an Seite stürmen zu lassen, stellt sich seit Wochen als durchschlagskräftige Maßnahme heraus. Dreimal Brabec, einmal Jamieson – der Tscheche und der US-Amerikaner schafften in Soest die absolute Mehrheit. Brabec baute die Neuwieder Führung nach Moritz Schugs 2:3 (29.) sowie James Karl Ross‘ Anschlusstreffer zum 3:4 (36.) zweimal auf zwei Tore Vorsprung aus (32., 38.) und machte in der 59. Minute schließlich den Deckel drauf, als er in Überzahl den 4:7-Endstand herbeiführte. „Aber wir haben gesehen, was Soest kann. Ein einfaches Spiel war es ganz bestimmt nicht“, unterstrich Benske, dessen Team eine engagierte Leistung brauchte und diese am Möhnesee auch über weite Phasen aufs Eis brachte. Denn die Bördeindianer ließen nicht locker, schließlich haben sie noch das Ziel die sechsplatzierten Kobras aus Dinslaken abzufangen. Simon Tambosi (39.) verkürzte den Rückstand noch einmal, aber Neuwied ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Tobias Etzel (55.) führte die Vorentscheidung herbei. Für endgültige Gewissheit sorgte Martin Brabec – mit seinem dritten Tor in diesem Spiel und seinem fünften des Wochenendes (59.).

Soest: Fleischer (Nickel) – Ross, Mörschler, Hilgenberg – Juricek, Tambosi, Reschetnikow, Polter, Berger, Alda, Furda, Busch, Sedivy, Peschke, Cicigin.
Neuwied: Schaffrath (Billigmann) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichterin: Ramona Weiß.
Zuschauer: 210.
Strafminuten: 8:12.
Tore: 1:0 Felix Berger (Juricek, Furda) 3‘, 2:0 Michael Alda (Peschke, Tambosi) 12‘, 2:1 Michael Jamieson (Brabec, Neumann) 17‘, 2:2 Tobias Etzel (Neumann, Wichterich) 20‘, 2:3 Moritz Schug 29‘, 2:4 Martin Brabec (Jamieson, Wichterich) 32‘, 3:4 James Karl Ross (Furda, Sedivy) 36‘, 3:5 Martin Brabec (Jamieson, Hohmann) 38‘, 4:5 Simon Tambosi (Reschetnikow, Alda) 39‘, 4:6 Tobias Etzel (Fröhlich, Schug) 55‘, 4:7 Martin Brabec (Jamieson, D. Schlicht) 59‘.

Emotion, Dramatik und Diskussionswürdiges im Quadrat

Das Tor zum 3:4 von Sven Schlicht (am Puck) kam zu spät für die Bären im Heimspiel gegen Ratingen.

Drei Drittel zu je 20 Minuten reguläre Spielzeit sieht Regel 44 im Regelbuch des Weltverbandes IIHF für eine Eishockeypartie vor. Wie lange zwei Mannschaften und die Schiedsrichter aber brauchen, um diese 60 Minuten zu absolvieren, ist individueller Natur. Am Freitagabend war es fast 23 Uhr, als der Zuschauertross aus dem Neuwieder Icehouse strömte. Knapp drei Stunden nachdem die Partie in der Regionalliga West zwischen dem EHC „Die Bären“ 2016 und den Ratinger Ice Aliens mit der Eröffnungsbully begonnen hatte. 721 Besucher sahen sieben Tore, drei davon gingen in einer Partie mit Emotionen, Diskussionsstoff und Dramatik im Quadrat auf das Konto der Bären, die somit auch das vierte Hauptrundenspiel gegen die Ice Aliens abgeben mussten. Die Außerirdischen hatten den EHC in dieser Saison schon ein paar Mal nicht gut aussehen lassen, aber diesmal standen sich zwei Teams absolut auf Augenhöhe gegenüber, die einen Vorgeschmack auf die Play-offs gaben. „Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben sehr gut gespielt, ich bin zufrieden mit der Leistung“, hatte Neuwieds Trainer Daniel Benske trotz der knappen Niederlage nichts auszusetzen. Die Bewertung seines Ratinger Kollegen Achim Johnigk ging in die gleiche Richtung: „Ich habe ein sehr engagiertes, schnelles Spiel mit tollen Fans und zwei Mannschaften gesehen, die sich aufgeopfert haben. Wir hatten am Ende auch das Quäntchen Glück.“ Soweit super Werbung für die schnellste Mannschaftssportart der Welt (Johnigk: „Solche Spiele wollen die Leute sehen“). Aber wenn in einer Partie mit sieben Toren die Anzahl der Treffer der der zehnminütigen Disziplinarstrafen entspricht, müssen auch Worte über das Unparteiischengespann verloren werden. „Es gab die eine oder andere Entscheidung, die beide Seiten in Frage stellen können“, rätselte Gästecoach Johnigk über die Regelauslegung von Daniel Melcher sowie seinen Assistenten Alexander Moritz und Matthias Flöthner. „Ich bin überrascht, was uns hier jede Woche erwartet. Das heute setzte allem in dieser Saison die Krone auf“, schüttelte Daniel Benske den Kopf. Bevorteilt – und das war in der Summe das einzig Positive – haben die Schiedsrichter niemanden, aber insgesamt blieb Vieles diskussionswürdig. Kompliment an beide Mannschaften: Die Hinausstellungsorgie mit 132 Strafminuten bildete schwierige Voraussetzungen, aber sie schafften es trotzdem, ein hochattraktives Duell aufs Eis zu bringen. Mit viel Dynamik, etlichen Torchancen und Spannung bis zur letzten Sekunde. Die Bären haben sich schon einige Male in dieser Saison als Blitzstarter mit frühen Toren erwiesen. Diesmal legten die Gäste los wie die Feuerwehr. Nach nur 17 Sekunden und einem Angriff über die rechte Seite erzielte Milan Vanek das 0:1. Das Tor befand sich zum Zeitpunkt des Einschlags zwar schon außerhalb der korrekten Position, weil sich Vanek da jedoch schon im Begriff des Schießens befand, war der Treffer regelkonform. „Das war natürlich kein guter Start“, musste Benske zugeben. Aber sein Team legte schnell den Hebel auf Offensive um und war dem Ausgleich einige Male nahe. Jubilar Willi Hamann scheiterte in seinem 250. Spiel für den EHC mit einem Penalty an Christoph Oster, der danach immer wieder den Beweis antrat, warum er zu den besten Schlussmännern der Liga zählt. Und wenn der 26-Jährige einmal das Nachsehen hatte, rettete ein Kollege. So zum Beispiel in Minute elf: Dennis Appelhans klärte wenige Zentimeter vor der Torlinie den Schuss von Andreas Wichterich. Ratingen blieb bei Kontern gefährlich. Alexander Schneider scheiterte mit einem dieser schnellen Gegenangriffe am Pfosten (15.), und als sich die EHC-Defensive eine Nachlässigkeit in der eigenen Verteidigungszone erlaubte, staubte Thomas Dreischer nach starker Kombination zum 0:2 ab (20.). Die Benske-Truppe ließ sich von diesen Rückschlägen nicht beirren. „Wir haben im zweiten Drittel 15 Minuten lang super gearbeitet“, sagte der Übungsleiter der Deichstädter, die zwei Drei-gegen-fünf-Situationen meisterten und durch zwei Tore von Martin Brabec (24., 28.) egalisierten. Die Freude über den Ausgleich hielt jedoch nur 15 Sekunden. Dann lag Neuwied schon wieder hinten. Stepan Kuchynka drehte sich um Brabec und verwandelte zum 2:3. Drei EHC-Überzahlsituationen brachten in den Minuten danach keinen durchschlagenden Erfolg. Brabecs Schlagschuss an den Pfosten kurz vor der zweiten Pause ließ die Bären-Spieler und -Fans hadern. Nicht zum letzten Mal. In der 55. Minute schob dann Tobias Brazda die Scheibe auf eine Art und Weise zum 2:4 über die Linie, die aus Neuwieder Sicht nicht dem Regelwerk entsprach. „Kölle hält die Scheibe, und der Ratinger drückt ihn einfach drüber“, beschrieb Benske die mehr als strittige Situation, die die Vorentscheidung bedeutete – und das Aus von Köllejan. Der Bären-Keeper konnte seine Emotionen schwer zügeln und erhielt von Melcher seine zweite Disziplinarstrafe, die eine automatische Spieldauerdisziplinarstrafe und damit eine Sperre für das Auswärtsspiel am Sonntag in Soest bedeutet. Am Freitag bekam er nicht mehr viel zu tun. Zweieinhalb Minuten nachdem sein Einsatz begonnen hatte, winkte Benske seinen Keeper für einen sechsten Feldspieler zur Bank. Das Mut zum Risiko zahlte sich zunächst aus. Sven Schlicht verkürzte zum 3:4 (58.), und als Milan Vanek dann eine Strafe wegen Beinstellens erhielt, machte Schaffrath erneut Platz. Neuwied schoss, kämpfte, rackerte – aber der vierte Treffer sollte nicht mehr gelingen. In der Luft lag die Verlängerung. Diese (maximal) fünf Minuten hätten die Neuwieder Fans dann schon noch gerne gesehen an diesem ohnehin schon langen Eishockeyabend.

Neuwied: Köllejan (ab 55. Schaffrath) – Hellmann, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Ratingen: Oster (Steffen) – Pompino, Appelhans, Schumacher, Scharfenort, Becker, Moch – Moch, Klemmer, Schneider, Hanke, Dreischer, Tobias Brazda, Kuchynka, Fischbuch, Tim Brazda, Vanek.
Schiedsrichter: Daniel Melcher.
Zuschauer: 721.
Strafminuten: 24 + Disziplinarstrafen gegen Sven Schlicht und Dennis Schlicht sowie eine doppelte Disziplinarstrafe und damit automatische Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Köllejan : 28 + Disziplinarstrafen gegen Tim Brazda, Tobias Brazda und Appelhans.
Tore: 0:1 Milan Vanek (Appelhans, Fischbuch) 1‘, 0:2 Thomas Dreischer (Fischbuch, Vanek) 20‘, 1:2 Martin Brabec (Jamieson, Schug) 24‘, 2:2 Martin Brabec (Wichterich, Schug) 28‘, 2:3 Stepan Kuchynka (Schneider, Becker) 28‘, 2:4 Tobias Brazda (Tim Brazda, Hanke) 55‘, 3:4 Sven Schlicht (Fröhlich, Jamieson) 58‘.

EHC ist heiß auf Platz 2

Im vierten Saisonvergleich soll‘s klappen: Dennis Schlicht (links) und die Bären wollen die Ice Aliens um Kapitän Dennis Fischbuch schlagen.

Dass der EHC „Die Bären“ 2016 die Play-offs erreichen wird, stand schon Anfang Januar fest. Mit dem spektakulären 9:5-Auswärtssieg am Sonntagabend bei den Lauterbacher Luchsen erreichten die Neuwieder Kufencracks das nächste Etappenziel in der Eishockey-Regionalliga West: Vier Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde beträgt der Vorsprung bei noch zwölf zu vergebenden Punkten 13 Zähler auf die fünftplatzierten Hammer Eisbären. Will heißen: Der EHC hat im Play-off-Viertelfinale den Vorteil von mindestens einem Heimspiel mehr als der Gegner. „Dafür haben wir in jedem Spiel hart gekämpft, weil wir genau wissen, wie wichtig gerade in den Play-offs der Heimvorteil sein kann“, unterstreicht Manager Carsten Billigmann. Erledigt ist die Hauptrunden-Mission der Bären aber noch lange nicht, auch mit Platz drei geben sich die Deichstädter nicht zufrieden. „Wir haben es selbst in der Hand, als Zweiter in die Play-offs einzuziehen, weil wir am letzten Spieltag noch Herford empfangen“, rechnet Billigmann vor. Der Rückstand zu den Ice Dragons ist mittlerweile auf zwei Pünktchen zusammengeschmolzen. Im Heimspiel am Freitagabend ab 20 Uhr gegen die Ratinger Ice Aliens kann Neuwied somit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit drei Punkten gegen den Vizemeister würde man Herford auf den Fersen bleiben und sich gleichzeitig ein deutliches Polster von neun Punkten auf den Verfolger verschaffen und damit ziemlich sicher einem gefürchteten Viertelfinale gegen die Vorjahresfinalisten aus Ratingen sowie Hamm aus dem Weg gehen. „Das heißt nicht, dass wir Dinslaken, Soest oder Lauterbach auch nur ansatzweise unterschätzen“, betont Billigmann. „Aber unsere aktuelle Verfassung macht mir Mut, dass wir in den nächsten Wochen noch Grund zur Freude haben.“
Das galt in den drei bisher absolvierten Partien gegen Ratingen in dieser Saison nicht. Die Außerirdischen sind die einzige Mannschaft, gegen die der EHC komplett leer ausging. Ein Angstgegner? Ganz so weit will Bären-Trainer Daniel Benske nicht gehen, er sagt jedoch auch: „Es gibt immer Gegner, die einem nicht gut liegen. Aber wir wissen, dass wir uns in den zurückliegenden Wochen weiterentwickelt haben und wollen jetzt zum ersten Mal gegen Ratingen gewinnen. Das ist eine sehr, sehr gute Mannschaft, die ausgeglichen besetzt ist und ein halbes Dutzend Spieler aufbietet, die über viel Oberliga-Erfahrung verfügen.“
Am Sonntag fahren die Neuwieder zum letzten Hauptrunden-Auswärtsspiel zur Soester EG (Beginn: 19 Uhr). Die Bördeindianer um ihre erfahrenen Leuten wie Martin Juricek, Igor Furda oder Ernst Reschetnikow haben seit Mitte Dezember in ihrem heimischen Eissportzentrum Möhnesee Meister Hamm (2:1), den Tabellenzweiten Herford (1:0) und am Sonntag Spitzenreiter Diez-Limburg (5:2) bezwungen. „Das zeigt uns, wie gut der Gegner drauf ist“, sagt Benske, der sich nichts anderes als sechs Punkte wünscht, denn: „Wir wollen die Hauptrunde unbedingt als Zweiter abschließen und uns die Ausgangssituation für ein Endspiel um Platz zwei gegen Herford verschaffen.“

EHC pirscht sich an Platz zwei heran

Die Bären erwartet ein heißer Gegner

Bären-Neuzugang Daniel Pering hat in den Partien gegen Diez-Limburg und Neuss bereits bewiesen, dass er mit seiner soliden Spielweise eine Verstärkung für die Neuwieder Abwehr ist.

Der EHC „Die Bären“ 2016 kehrt am Sonntag dorthin zurück, wo Anfang Januar die noch junge und so erfolgreiche Amtszeit von Trainer Daniel Benske (fünf Siege aus sechs Partien) begann. Die Neuwieder Eishockey-Spieler sind nach dem spielfreien Freitag ab 18 Uhr in der Regionalliga West bei den Lauterbacher Luchsen zu Gast. „Die haben im letzten Spiel gegen uns eine bis dahin ihrer besten Saisonleistungen gebracht“, erinnert sich der EHC-Coach an den umkämpften 7:5-Erfolg der Bären. Im Nachhinein lässt sich sagen, dass die Leistung der Hessen keine Eintagsfliege war. Sie bündeln auf der Zielgeraden der Hauptrunde alle Kräfte, haben 9 ihrer 19 Punkte in den vergangenen fünf Begegnungen geholt, trotz 1:4-Rückstand nach einer Viertelstunde in Hamm noch gewonnen (8:5), gegen Tabellenführer EG Diez-Limburg (3:7) bis zur 55. Minute nur mit 3:4 hinten gelegen – und das obwohl jeweils nur elf Feldspieler zur Verfügung standen. „Die Lauterbacher sind eine unangenehme Mannschaft, die ähnlich wie Neuss am Sonntag aus einer stabilen Defensive kommt. Wir müssen die Verteidiger taktisch etwas anders anlaufen und mehr Pressing ausüben“, erklärt Benske. In diesen Bereichen sei er beim 3:1-Sieg am Sonntag über seinen Ex-Verein „nur 90 bis 95 Prozent zufrieden“ gewesen.

Zu denjenigen, die „anders anlaufen“ sollen, zählen anders als am zurückliegenden Wochenende wieder die kompletten vorderen Angriffsreihen, nachdem im Derby gegen Diez-Limburg Torjäger Martin Brabec und am Sonntag gegen Neuss Moritz Schug jeweils nach Spieldauerdisziplinarstrafen gesperrt waren. Aussetzen muss diesmal Abwehr-Routinier Andreas Wichterich. „Wir spielen körperbetontes Eishockey und müssen uns bei den Strafen natürlich zunächst einmal an die eigene Nase fassen. Aber ob wirklich jede große Strafe gegen uns angebracht ist, da habe ich meine Zweifel“, sagt Benske, nach seiner aktiven und vor seiner Trainerlaufbahn selbst als Schiedsrichter aktiv, zu so mancher nicht nur in seinen Augen zweifelhaften Entscheidung der Unparteiischen. „In Lauterbach müssen wir auf jeden Fall versuchen, von der Strafbank wegzubleiben.“ Das Powerplay der Luchse hat nicht zuletzt durch die Nachverpflichtungen des Deutsch-Tschechen Jan Hammerbauer und des US-Amerikaners Robert Sokol noch einmal an Qualität gewonnen. „Richtig gute, torgefährliche Leute“, hat Benske längst erkannt. Die Zahlen sprechen für sich: Hammerbauer verbuchte gegen Diez-Limburg, Hamm und Dinslaken zehn, Sokol elf Scorerpunkte. Ihre Tore bringen die Vogelsbergler wieder ins Geschäft um die Play-off-Qualifikation. Vor ihrem Freitagspiel in Neuss haben die Lauterbacher nur einen Zähler Rückstand auf Rang acht. „Die haben nichts zu verschenken“, rechnet der EHC-Coach am Sonntag erneut mit einem Gegner, der um jeden Quadratzentimeter Eis kämpft.

Der Kampf der Bären gilt weiterhin mindestens Platz drei. Sechs Zähler beträgt der Vorsprung bei einem mehr absolvierten Spiel auf die Ratinger Ice Aliens, die beim nächsten EHC-Heimspiel am Freitag, 2. Februar, im Icehouse auflaufen. „Wir schreiben auf Rang zwei noch lange nicht ab“, merkt Manager Carsten Billigmann fünf Spieltage vor den Play-offs an. Die lange Zeit topplatzierten Herforder liegen nur noch vier Punkte vor Neuwied. „In Lauterbach wollen wir gewinnen, um an Herford dranzubleiben“, kündigen Billigmann und Benske an.

3:1-Sieg stellt Benske „90 bis 95 Prozent zufrieden

Am Abend der Torhüter zeigten Neuwieds Lukas Schaffrath und Ken Passmann im Neusser Kasten zahlreiche starke Paraden.

Noch 142 Sekunden stehen auf der Anzeigetafel, Bully vor Ken Passmann. Der Neusser Schlussmann zieht die Maske noch einmal aus, legt sie auf sein Tor und nimmt einen großen Schluck aus seiner Trinkflasche. Aus gutem Grund. Der 32-jährige Keeper steht im Mittelpunkt, hat in dieser zu Ende gehenden Partie der Eishockey-Regionalliga West zwischen dem mit 3:1 siegreichen EHC „Die Bären“ 2016 und Passmanns Neusser EV Schwerstarbeit verrichtet, etliche Neuwieder Gelegenheiten vereitelt, und nur drei Sekunden nach der kurzen Verschnaufpause stoppt der Routinier zwischen den Pfosten den nächsten Schuss. Dreimal musste er den Puck aus seinem Netz holen – nur dreimal, wenn man sich die Anzahl der EHC-Möglichkeiten vor Augen führt. Unter anderem vergaben die Bären durch Kapitän Stephan Fröhlich (33.) und Martin Brabec (50.) zwei Penaltys. „Ich weiß natürlich, dass Ken ein sehr guter Torhüter ist, der auch heute stark gehalten hat“, zollte Neuwieds Trainer Daniel Benske dem besten NEVler des Abends die ihm zustehende Anerkennung. Benske kennt die Neusser aus dem Effeff, schließlich stand er bis Ende Dezember noch bei ihnen hinter der Bande. Die Gäste spielten, wie sie es schon unter der Leitung des neuen Bären-Coachs getan hatten: tiefstehend und gut verteidigend im eigenen Drittel. „Zum ersten Mal in den letzten Wochen mussten wir uns gegen so einen Gegner beweisen“, erklärte Benske, „da haben wir uns etwas schwer getan und heute nicht ganz so souverän und taktisch gut wie zum Beispiel am Freitag in Diez agiert, können aber trotzdem mit 90 bis 95 Prozent zufrieden sein“.
Zu diesen „90 bis 95 Prozent“ zählten natürlich die Tore. Michael Jamieson (4.), Sven Schlicht (18.) in Unterzahl und erneut Jamieson (22.) mit seinem elften Treffer in den jüngsten sieben Begegnungen bezwangen den schier 100-armigen Passmann.
Auch der Neuwieder Schlussmann fiel positiv auf. Lukas Schaffrath verpasste nach dem 5:0-Sieg ebenfalls gegen Neuss Anfang November seinen zweiten Shut-Out dieser Saison nur, weil Alexander Zaslavski in der 30. Minute vollstreckte. Ansonsten entschärfte er alles, was in 60 Minuten auf seinen Kasten zuflog. „Wir haben zwar das erste Drittel etwas verschlafen und mit unseren Fehlern Neuwied Tore ermöglicht, aber im zweiten und dritten Abschnitt konnten wir gut mithalten. Leider haben wir am Ende zu wenig Druck aufs gegnerische Tor aufgebaut“, analysierte Gästetrainer Sebastian Geisler die Partie, mit der er „sehr zufrieden“ war.
Die letzten Herausforderungen musste der EHC in Form von einigen Zeitstrafen in den letzten beiden Minuten meistern. Neuss absolvierte die Endphase in doppelter Überzahl, war aber nicht mehr in der Lage diesen Vorteil gegen aufopferungsvoll kämpfende Bären, unterstützt vom nun mit seiner Lautstärke noch einmal einen Gang höher schaltenden „siebten Mann“ auf der Tribüne, zu nutzen. „Wenn wir noch ein bisschen weiter gespielt hätten, wäre es glaube ich noch eine Ecke knapper geworden“, mutmaßte Sebastian Geisler. Sein Team zeigte, dass der Sieg gegen Spitzenreiter EG Diez-Limburg vor einer Woche keine Eintagsfliege gewesen sein muss. Aber gegen die wenige Wochen vor Play-off-Start konstant auf guten Niveau spielende Bären reichte das nicht.

Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Pering, Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann.
Neuss:
Passmann (Jakob) – Richter, Gotzsch, Baum, Schneider, Lahmer – Zaslavski, Rüwald, Thum, Bleyer, von Berg, Wolf, Busse, Stein, Lindt, Schwehr.
Schiedsrichter: Marc Stromberg.
Zuschauer: 611.
Strafminuten: 14 + Disziplinarstrafen gegen Wichterich und Schaffrath : 8.
Tore:
1:0 Michael Jamieson (Brabec, Wichterich) 4‘, 2:0 Sven Schlicht (Hellmann, Jamieson) 18‘, 3:0 Michael Jamieson (Neumann, Brabec) 22‘, 3:1 Alexander Zaslavski (Thum) 30‘.