Daniel Benske trainiert die Bären

 

Der EHC „Die Bären“ 2016 hat die Mission Trainersuche für seine Regionalliga-Mannschaft erfolgreich gemeistert. Eine Mission, die nicht einfach zu erfüllen war zu einem Zeitpunkt, da die Saison in vollem Gange ist und an einem Eishockey-Standort, in dessen näherer Umgebung weitere rar gesät sind. Umso zufriedener ist EHC-Manager Carsten Billigmann, der interimsweise gemeinsam mit Andreas Halfmann in die Bresche gesprungen war, mit Daniel Benske als Nachfolger des zurückgetretenen Jens Hergt seinen Wunschkandidaten verpflichtet zu haben.

Billigmann hatte den Namen des 36-Jährigen, der vom Ligakonkurrenten Neusser EV kommt und die Mannschaft zum 1. Januar übernimmt, von Anfang an ganz oben auf seinem Wunschzettel stehen. „Mehrere Trainer haben Interesse bekundet, das Amt bei uns zu übernehmen, aber wir wollten unbedingt Daniel Benske, weil wir davon überzeugt sind, dass er genau der Richtige ist“, so Billigmann. „Daniel hat in Neuss super Arbeit geleistet und ist ein geradliniger Trainer, der genau unserem Anforderungsprofil entspricht und in unser Budget passt.“ Der Inhaber eines Malermeisterbetriebs bezeichnet sich selbst als „harten Arbeiter“. „Und genau das verlange ich auch von meiner Mannschaft. Ein Spieler, der denkt er wäre etwas Besseres und nur 80 oder 90 Prozent gibt, bekommt Probleme mit mir. Das war schon immer meine Linie.“ Sechs Jahre lang stand der frühere Torhüter in Neuss hinter der Bande – teilweise als Co-Trainer von Andrej Fuchs, oder wie seit dessen Rücktritt vor wenigen Wochen als Chefcoach. „Ich habe Neuss sehr viel zu verdanken, aber es ist an der Zeit für eine neue Herausforderung. Ich freue mich, auf einen namhaften Verein wie die Neuwieder Bären. Ich hatte vom ersten Gespräch an den Eindruck, dass es menschlich passt. Ich lege großen Wert darauf, Leute an meiner Seite zu haben, auf die man sich verlassen kann. Mit Carsten Billigmann und seinem Team habe ich genau dieses Gefühl.“

Ein wenig Unruhe rund um den Wechsel kehrte am späten Donnerstagabend durch eine entsprechende „Eilmeldung“ auf der Homepage des Neusser EV ein. Der EHC und der NEV hatten vereinbart, die Nachricht erst am Freitagabend parallel zu veröffentlichen. „Unsere Sponsoren und Fans haben es verdient, diese wichtigen Neuigkeiten aus erster Hand und nicht voreilig von anderer Stelle zu erfahren“, sagt EHC-Manager Carsten Billigmann dazu. Er suchte unmittelbar das Gespräch mit Andreas Schrills, 2. Vorsitzender der Neusser, der die vorgepreschte Mitteilung als unglücklich und ein Versehen bezeichnete, zumal diese Version gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sei. „Wir haben uns zwar etwas geärgert, aber wo Menschen arbeiten, passieren immer auch kleine Fehler. Das ändert nichts an unserem guten Verhältnis zum Neusser Vorstand, den wir als gute Kollegen schätzen“, so Billigmann.

Bären brauchen mehr Konstanz

Tobias Etzel (links) hat seine Torjägerqualitäten entdeckt: Gegen Lauterbach und Ratingen traf er dreimal.

Die Hauptrunde der Eishockey-Regionalliga West bietet vieles, was das Fan-Herz begehrt. Das Tabellenbild ändert sich durch die knappen Punktabstände nach jedem Spieltag und überraschende Ergebnisse sind die zusätzliche Prise Salz in der Suppe, die so manchem Favoriten nicht immer schmeckt. „Da muss der Fan doch heiß sein darauf zu wissen, wie es weitergeht und sich die Sache entwickelt. Vor allem jetzt in der Zeit Ende Dezember, die eine klassische Eishockeyzeit ist“, rührt Carsten Billigmann, Interimstrainer des EHC „Die Bären“ 2016, die Werbetrommel. „Aber leider kommen einige nur, wenn wir gegen eine Spitzenmannschaft spielen. Eine interessantere Liga als eine, die jedes Wochenende spannende Partien bietet – auch wenn man gegen den Tabellenletzten spielt – ist doch das, was alle wollen.“ Auch das 21. und letzte Saisonspiel der Neuwieder in diesem Jahr hat es in sich: Am Freitagabend wird ab 20 Uhr die Soester EG im Icehouse vorstellig. „Wahnsinn, was in Soest momentan los ist“, sagt Billigmann voller Respekt. Die sechstplatzierten Bördeindianer sind in der Adventzeit heißgelaufen, bezwangen sowohl Meister Hamm (1:0) als auch den Tabellenzweiten aus Herford (3:2 nach Penaltyschießen) und erzielten bei der EG Diez-Limburg sieben Auswärtstore (7:8). „Wer nach diesen Resultaten denkt, Soest sei Laufkundschaft, der befindet sich auf dem völlig falschen Dampfer“, so der EHC-Übergangscoach. Die 4:6-Niederlage gegen den Neusser EV auf eigenem Eis bremste am Sonntag die Euphorie der Mannschaft von Hans-Dieter Brüggemann, die nach einer halben Stunde noch mit 4:1 geführt hatte. „Unsere Jungs wissen genau, wie gut die Soester momentan drauf sind“, musste Billigmann in der Vorbereitung auf das Jahresfinale vor den freien Wochen über Weihnachten und Silvester keine besonderen Motivationskünste auspacken. Viel mehr ging es darum zu vermitteln, dass weniger manchmal mehr ist. „Wir haben immer wieder Aktionen in unserem Spiel, in denen sich die Spieler alleine gegen drei durchzaubern wollen. Das funktioniert in dieser Liga gegen keinen Gegner. Wenn wir das beherzigen und über drei Drittel durchziehen, müssen wir keine Angst haben vor dem weiteren Saisonverlauf haben.“
Wo der EHC sich außerdem noch steigern muss, ist das Verkürzen beziehungsweise idealerweise komplette Abstellen der „Auszeiten“, mit denen sich die Mannschaft zuletzt gegen Lauterbach (5:4) und in Ratingen (3:7) das Leben schwer machte. Richtig gute Phasen (gegen Lauterbach war es das erste Drittel und der Abschnitt zwischen der 30. und 40. Minute, in Ratingen drückte man zwei Drittel lang vor dem Einbruch mit fünf Gegentoren nach der zweiten Pause) wechselten sich mit Unkonzentriertheiten ab. „Wir müssen beginnen, unser Spiel über 60 Minuten durchzuziehen. So etwas wie im letzten Drittel gegen Ratingen, darf eigentlich nicht passieren“, fordert Billigmann. „Egal gegen welche Mannschaft – egal ob gegen den Tabellenersten, den Letzten oder die starken Soester.“

Fataler Einbruch nach zwei Dritteln am Drücker

35. Minute in Ratingen: Martin Brabec bekommt den Puck im letzten Augenblick von Florian Pompino von der Schaufel gestochen. Im direkten Gegenzug erzielen die Ice Aliens das Tor zum 2:2.

Am Ratinger Sandbach sind 40 Minuten gespielt, auf dem Stadionwürfel steht ein Zwischenstand von 2:2. So weit, so schmeichelhaft für die Ice Aliens, da die Neuwieder Bären die Partie in der Eishockey-Regionalliga West zwei Drittel lang bestimmt haben. „Neuwied hatte uns klar im Griff“, gab auch Ratingens Trainer Achim Johnigk ohne Umschweife zu.
So weiter machen, jetzt aber die zahlreichen Torchancen besser nutzen, und dann sollte es eigentlich hinhauen mit dem Auswärtssieg für den EHC – das wäre die logische Fortsetzung dieser Begegnung gewesen. Dass Lukas Schaffrath rund eine halbe Stunde später vor Frust seine Torwartkelle am roten Querbalken des Kastens zerhacken sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand absehen. Fünf Gegentore mussten die Neuwieder im Schlussabschnitt hinnehmen, und so stand final 7:3. „Zu so einem Einbruch und dem Endstand fällt mir wenig ein, weil wir zwei Drittel lang die Partie bestimmten und die deutlich spielstärkere Mannschaft waren“, meinte der enttäuschte und fassungslose EHC-Interimstrainer Carsten Billigmann.
Für die Bären scheint über Spielen gegen den Vizemeister ein Fluch zu schweben. Zum dritten Mal in dieser Saison mussten sie eine Partie gegen die Aliens abgeben, in der erneut viel mehr möglich gewesen wäre. Für die Gäste begann der Abend vor 333 Zuschauern wie gemalt. Nach vier Minuten erzielte Frederic Hellmann in Überzahl das 0:1, und Ratingen konnte sich bei Torhüter Christoph Oster bedanken, dass die Deichstädter den Vorsprung nicht vergrößerten. Anstatt mit einem 0:2 oder 0:3 gingen beide Teams mit einem Remis in die Kabinen. Schiedsrichter Zsolt Heffler begann nach einer Viertelstunde konsequent bis kleinlich Hinausstellungen zu verteilen und bestrafte einen vermeintlichen unkorrekten Körperangriff von Christian Neumann sowie ein Beinstellen Stephan Fröhlichs mit einer 3:5-Situation, in der Neuwied den Ausgleich durch Tobias Brazda nicht verhindern konnte (17.).
Billigmanns Team blieb am Drücker, schnürte die Außerirdischen auffallend häufig dann in ihrer Zone ein, wenn die Reihe mit Stephan Fröhlich, Moritz Schug und Sven Schlicht auf dem Eis stand, ging aber weiterhin zu großzügig mit seinen Gelegenheiten um. Michael Jamieson (22.) und Sven Schlicht (25.) scheiterten frei vor Oster. Das überfällige 1:2 erzielte schließlich Tobias Etzel (32.). Erlöster Jubel vom kampfstarken Angreifer, weil er den Bann brach und Neuwied auf dem richtigen Weg zu sein schien. Die Hausherren hatten ihre gefährlichsten Aktionen, wenn sie schnell von Abwehr auf Angriff umschalteten. Wie etwa in der 35. Minute. Martin Brabec bekam die Scheibe einen Wimpernschlag bevor er den Puck in Richtung Oster abfeuern wollte von Florian Pompino weggespitzelt, den anschließenden Konter schloss Pascal Behlau mit dem erneuten Ausgleich ab.
Das Scheibenglück befand sich schon in dieser Situation nicht auf Seiten des EHC, und es sollte noch extremer kommen. Gefühlt jeder abgefälschte Schuss sprang in Nähe des Neuwieder Tores einem Ratinger vor den Schläger. Das 4:2 von Thomas Dreischer (44.) und das 5:2 von Alexander Schneider (46.) fielen auf diese Art und Weise. Die Bären waren von der Rolle, schon der Blitzstart mit Dennis Fischbuchs 3:2 nur 25 Sekunden nach Wiederbeginn hatte Spuren hinterlassen. „Das eine oder andere Tor für uns fiel sicherlich glücklich. Aber die Mannschaft hat Herz gezeigt. Die Einstellung stimmte“, kommentierte Ratingens Trainer Achim Johnigk.
Mit dem 5:2-Vorteil zogen sich die Gastgeber zurück, konzentrierten sich auf die Defensive und ließen mit Ausnahme von Etzels drittem Tor an diesem Wochenende (48.) nicht mehr viel zu. Optisch überlegene Bären brachten die Scheibe nur noch zentral auf Oster – kein Problem für den gegnerischen Schlussmann. Auch den Versuch die letzten zwei Minuten mit sechs gegen fünf und dafür ohne Torhüter zu bestreiten, erklärte Billigmann mit Tobias Brazdas 6:2 in den verweisten Kasten für gescheitert. Da wenig später auch noch Andreas Wichterich in der Rückwärtsbewegung zu Fall kam und drei Ratinger gegen einen EHC-Verteidiger standen, hatte Kapitän Fischbuch keine Schwierigkeiten einen Eishockey-Abend mit dem Tor zum 7:3-Endstand abzuschließen, an dem nach 40 Minuten noch vieles auf einen Dreier der Gäste hingedeutet hatte.

Ratingen: Oster (Finkentey) – Pompino, Appelhans, Maass, Scharfenort, Becker – Behlau, Klemmer, Schneider, Hanke, Meissner, Dreischer, Tobias Brazda, Fischbuch, Vanek.
Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Dieser, Wichterich, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Jamieson, Brabec, B. Asbach, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Zsolt Heffler.
Zuschauer: 333.
Strafminuten: 14 + 10 Disziplinarstrafe gegen Appelhans : 14.
Tore: 0:1 Frederic Hellmann (Wichterich, S. Schlicht) 5′, 1:1 Tobias Brazda (Maass, Fischbuch) 17′, 1:2 Tobias Etzel (Neumann, Brabec) 32′, 2:2 Pascal Behlau (Pompino) 35′, 3:2 Dennis Fischbuch (Vanek, Dreischer) 41′, 4:2 Thomas Dreischer (Scharfenort, Fischbuch) 44′, 5:2 Alexander Schneider (Tobias Brazda, Behlau) 46′, 5:3 Tobias Etzel (Brabec, Jamieson) 48′, 6:3 Tobias Brazda (Schneider) 58′, 7:3 Dennis Fischbuch (Dreischer, Vanek) 59′.

Ein Sieg auf der Achterbahn

Die (Vor)-Entscheidung: Sven Schlicht erzielt gegen Lauterbachs Torhüter Lars Bernhofen das 5:2 für die Bären. Danach wurde das Ergebnis trotzdem noch einmal knapp.

Thomas von Euw stand auf, zog sich seine schwarze Jacke über und konnte eine Portion Neid gegenüber Carsten Billigmann nicht verbergen. „Im Vergleich zu uns habt ihr Luxusprobleme“, meinte der Trainer der Lauterbacher Luchse mit seiner ureigenen eidgenössischen Sprachfärbung zum Interimscoach des EHC „Die Bären“ 2016. Billigmann hatte in den Minuten zuvor im Vip-Raum des Neuwieder Icehouses gerade das vorletzte Regionalliga-Heimspiel der Neuwieder im Jahr 2017 gegen die Gäste aus dem Vogelsbergkreis mit lobenden, aber eben auch kritischen Worten Revue passieren lassen, und diese Reaktion des Schweizer Luchse-Coaches geerntet. Mit 5:4 setzten sich die Bären durch, verbesserten sich mit diesem Sieg vom fünften auf den dritten Tabellenplatz, aber da waren auch einige Phasen, in denen Bruder Leichtfuß das Spiel des EHC prägte – und das gefiel Billigmann überhaupt nicht. „Wir brauchen mehr Konstanz.“
Andreas Wichterich von der blauen Linie und Marco Herbel mit seinem langersehnten ersten Saisontreffer binnen 17 Sekunden sowie Tobias Etzel schossen die Hausherren im ersten Drittel auch in dieser Deutlichkeit verdient nach vorne. „Wir haben stark angefangen, und ich habe mich besonders für die dritte Reihe gefreut, dass sie Tor-Support für die ersten beiden Formationen, die zunächst nicht richtig ins Laufen kamen, leistete“, fasste der EHC-Manager und Übergangstrainer die ersten 20 Minuten zusammen. Genauso weitermachen, nicht nachlassen, die Konzentration hochhalten – so lautete die Devise, von der die Mannschaft jedoch abzurücken begann. Der Schlendrian kehrte bei den Neuwiedern ein. „Und wenn du nur Halbgas gibst, bekommst du in dieser Liga von jeder Mannschaft Tore eingeschenkt“, warnte Billigmann und behielt Recht. Benjamin Schulz (22.) und Lauterbachs Neuzugang Jan Hammerbauer (27.) verkürzten zum 2:3. Der EHC verlor seine Linie aus dem Visier und machte es sich schwieriger als es nötig gewesen wäre. Denn als Knut Apel in der 29. Minute Deion Müller per Bandencheck einen Cut an der Stirn zufügte und fünf Strafminuten plus Spieldauerdisziplinarstrafe erhielt, stand ein langes Neuwieder Powerplay im Raum, aber drei unnötige Hinausstellungen kehrten das Kräfteverhältnis ins Gegenteil um. Hammerbauer nutzte das 4:3-Powerplay zum Anschlusstreffer. Die Hessen hätten sogar ausgleichen können: Benjamin Schulz und Hammerbauer vergaben gute Gelegenheiten (34.).
Es waren Warnsignale für den EHC, die Zügel wieder anzuziehen, und sobald die Bären die Sinne schärften, fielen auch prompt die Tore. Moritz Schug (35.) und Sven Schlicht mit seinem dritten Scorerpunkt der Partie (36.) schafften erneut klarere Verhältnisse. „Ab der 30. Minute war es dann wieder attraktives Eishockey, das wir gezeigt haben. Da haben sich die Jungs wieder auf die Hinterbeine gesetzt“, beschrieb Billigmann, musste aber auch danach eine Fortsetzung der Achterbahn-Leistung mit Aufs und Abs mitansehen. Nach der zweiten Pause nahm sein Team erneut den Fuß vom Gaspedal und bekam vom Vorsprung zwei Happen abgeknappert. Daniel Schindler (51.) und Carsten Hohmann (60.) brachten Lauterbach auf 4:5 heran, jedoch zu spät, weil nach Hohmanns Treffer nur noch zehn Sekunden übrig blieben.
„Wir haben verdient verloren, weil wir denkbar schlecht ins Spiel hineinkamen und im ersten Drittel die klar schwächere Mannschaft waren“, meinte von Euw und ging zielstrebig in die Einzelkritik: „Die Wahrheit liegt beim Torwart und auf der Importstelle. Hier haben wir im direkten Vergleich nicht die vorhandene Qualität. Unser Marko Sakic ist zwar willig und bemüht, aber ich erwarte von einem Import, dass er den Unterschied ausmacht. Heute hätte er eins, zwei Tore machen und unsere Torhüter einfach den einen oder anderen Schuss mehr halten müssen. Das kostet Punkte.“

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, D. Schlicht, Dieser, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Jamieson, Müller, Brabec, B. Asbach, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Lauterbach: Stenger (ab 6. Bernhofen) – Jüngst, Apel, Zizka, Grund, Berk – Knieling, Weitzer, Schulz, Sakic, Schindler, Hohmann, Pietschmann, Lichnovsky, Hammerbauer.
Schiedsrichter: Daniel Melcher.
Zuschauer: 439.
Strafminuten: 12 : 13 + Disziplinarstrafe gegen Zizka + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Apel.
Tore: 1:0 Andreas Wichterich (Hamann, S. Schlicht) 6‘, 2:0 Marco Herbel (Hamann, S. Schlicht), Tobias Etzel (D. Schlicht, Hellmann), 18‘, 3:1 Benjamin Schulz (Zizka, Hammerbauer) 22‘, 3:2 Jan Hammerbauer (Zizka, Schulz), 4:2 Moritz Schug (Fröhlich, Brabec) 35‘, 5:2 Sven Schlicht (Fröhlich, Brabec) 36‘, 5:3 Daniel Schindler (Sakic) 51‘, 5:4 Carsten Hohmann (Jüngst) 60‘.

Luchse sind Angstgegner der Favoriten

Das erste Saisonspiel gegen Lauterbach entschieden Sven Schlicht (rechts) und die Bären mit 7:3 für sich.

Sie kennen dieses Sprichwort vom angeschlagenen Boxer, der besonders gefährlich ist? In der Eishockey-Regionalliga West ist es den Lauterbacher Luchsen wie auf den Leib geschneidert. Immer, wenn man sich dabei erwischt, die Hessen ein wenig abzuschreiben im Kampf um die Play-Off-Qualifikation, setzen sie einen Paukenschlag, der ligaweit zu hören ist. Da verlieren die Luchse zum Beispiel gegen vermeintlich schlagbare Teams wie Soest mit 3:10 und Neuss mit 4:5, um dann gegen keinen Geringeren als den Vizemeister aus Ratingen die passende Antwort zu geben und mit 2:1 zu gewinnen. Oder das zweite Beispiel aus dem Ergebniswahnsinn: 4:6, gegen Soest, 2:4 gegen Dinslaken, 3:9 gegen Herford – und dann plötzlich 6:5 gegen Meister Hamm. Unterschätzen darf man die Kufencracks aus dem Vogelsbergkreis zu keinem Zeitpunkt.
„Genau die beiden Erfolge gegen Ratingen und Hamm sind für uns die Beweise, dass wir auch hier wieder Vollgas und 100 Prozent geben müssen“, sagt Carsten Billigmann, der Manager und Interimstrainer des EHC „Die Bären“ 2016, über die Luchse, die am Freitag ab 20 Uhr im Neuwieder Icehouse zu Gast sind. „Es beginnt allmählich die Zeit, in der die Play-offs ein Thema werden – auch für Lauterbach. Sie wollen ganz bestimmt noch mindestens eine Mannschaft hinter sich lassen und so in die Endrunde einziehen“, weiß Billigmann. Aktuell belegt die Mannschaft des Schweizer Trainers Thomas von Euw den neunten und letzten Rang, vier Zähler hinter dem Neusser EV.
Zu verschenken haben die Bären nichts. Sie wollen die punktgleichen Ratinger Ice Aliens distanzieren und Meister Hamm auf die Pelle rücken, denn als Vierter oder Fünfter in die Play-offs einzuziehen, wäre nicht das Wunschergebnis, weil dann direkt im Viertelfinale einer der „Großen“ droht. „Wenn wir das abrufen, was wir können, zähle ich uns nach wie vor zu den absoluten Top-Teams der Liga. Ich glaube auch, dass wir unsere Platzierung bis zum Ende der Hauptrunde noch verbessern können“, sagt Billigmann, der den souveränen 6:2-Auswärtssieg beim Neusser EV vor einer Woche als „Schritt in die richtige Richtung“ wertete. „Das war eine starke Teamleistung, die sich in sechs unterschiedlichen Torschützen widerspiegelte. So müssen wir jetzt weitermachen.“
Drei Aufgaben haben die Neuwieder vor der Verschnaufpause über Weihnachten und den Jahreswechsel noch zu bewältigen. Nach dem Lauterbach-Heimspiel geht‘s am Sonntag an den Ratinger Sandbach (Spielbeginn: 18 Uhr) und am Freitag, 22. Dezember, ist die Soester EG im Icehouse zu Gast. „Die Mannschaft wird alles geben, um so viele Punkte wie möglich zu holen. Aber das werden drei weitere schwere Spiele. Lauterbach ist immer für eine Überraschung gut, Ratingen ist immerhin der Vizemeister und Soest gewann zuletzt bei Tabellenführer Herford und zu null gegen Meister Hamm“, gibt Carsten Billigmann zu bedenken. „Wir haben das, was wir uns alle gewünscht haben: Eine ausgeglichene Liga, in der jede Begegnung Spannung bietet.“
In Ratingen können die Bären am Sonntag Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mit einem Sieg bei den Ice Aliens haben sie die Möglichkeit, ihren Verfolger vorläufig etwas abzuschütteln und gleichzeitig auch Punkte auf der Jagd nach den drittplatzierten Eisbären aus Hamm zu sammeln.
Gegen die Außerirdischen gab es für den EHC in zwei Spielen noch nichts zu bestellen. In Ratingen verloren die Bären nach ordentlicher Leistung mit 3:6, das Heimspiel mussten sie nach einer schwachen Darbietung dem Gegner mit 1:3 überlassen.
Im dritten Anlauf soll es besser werden am letzten Doppelspieltag des Jahres. Interessant wird sein, wie die Ratinger auf ihre Ergebniskrise der zurückliegenden Wochen reagieren. Von 18 möglichen Punkten holten sie nur sechs. Unter anderem verloren sie 1:2 gegen Lauterbach und 2:5 gegen Dinslaken – hier hatte Trainer Achim Johnigk, der das Amt nach der Trennung von Alexander Jacobs übernahm, deutlich mehr eingeplant. Auch bei der 2:7-Abreibung gegen die EG Diez-Limburg herrschte große Enttäuschung in den Reihen der Ice Aliens. Die lokale Tagespresse sprach von „unterirdisch“, „trostlos“, „blutleer“ und „uninspiriert“.

Sechs Tore, sechs Schützen in Neuss

In Neuss trafen nicht nur die „üblichen Verdächtigen“, sondern mit Frederic Hellmann auch ein EHC-Verteidiger, der sonst eher defensiv seine Arbeit verrichtet.

Wenn in einem Eisstadion plötzlich die Stofftiere aufs Eis fliegen, dann ist „Teddy-Bear-Toss“-Zeit. Der Neusser EV richtete anlässlich seines Regionalliga-Heimspiels gegen den EHC „Die Bären“ 2016 zum vierten Mal diese aus Nordamerika über den Großen Teich geschwappte Charity-Aktion aus, bei der die Fans Teddys und Co. nach dem ersten Tor einer Partie per symbolischem Wurf auf die Spielfläche diese und den Kauferlös an bedürftige Kinder spenden. Lange warten mussten sie damit am Freitagabend nicht, lediglich 112 Sekunden lang. Dann reckte Sven Schiefner jubelnd die Arme in die Höhe und brachte die Gastgeber mit 1:0 in Führung. Fehlstart für Neuwied, aber insgesamt bei weitem nicht so schlimm wie vor einer Woche in Hamm. Die Bären drehten noch vor der ersten Pause das Ergebnis und verließen das Eis schließlich als klarer 6:2-Sieger. Eine Woche außerhalb der Top-Vier der Regionalliga West zu stehen, war offensichtlich lange genug für die Neuwieder. Denn durch den Dreier und die parallele Niederlage der Ratinger Ice Aliens gegen Hamm rutschten sie wieder auf Rang vier nach vorne.
Die Bären haben seit Freitagabend zudem ein Alleinstellungsmerkmal: Sie sind die einzige Mannschaft der Liga, die gegen die Teams aus der unteren Tabellenhälfte noch eine weiße Weste haben. Hier punkten sie wie Schweizer Uhrwerk, was längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Bislang war auch Tabellenführer Herford gegen die Teams ab Rang fünf ungeschlagen, aber die Ice Dragons mussten sich nun gegen Soest überraschend im Penaltyschießen geschlagen geben.
Die Gäste verteilten in einer fairen, von DEL-Schiedsrichter Markus Krawinkel sehr gut geleiteten Partie, das Toreschießen zahlreiche Schultern. Den Anfang machten mit Tobias Etzel (13.) und Frederich Hellmann (18.) zwei Spieler, die sonst eher zur Arbeiter- und Defensivkategorie zählen. Die etatmäßigen Goalgetter traten dann ab dem zweiten Drittel in Erscheinung: Stephan Fröhlich per Penalty (25.), der an vier Treffern beteiligte Michael Jamieson (37.), Moritz Schug (53.) im einzigen EHC-Powerplay der Begegnung (Interimstrainer Carsten Billigmann: „Wie aus dem Lehrbuch herausgespielt“) sowie Top-Torjäger Martin Brabec (55.) machten bei einem Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 2:3 durch Jerome Baum (27.) das halbe Dutzend voll und wiederholten somit exakt das Ergebnis des ersten Neuwieder Saisonspiels in Neuss.
„In Neuss ungefährdet mit 6:2 zu gewinnen, ist keine Selbstverständlichkeit. Das Ergebnis war sehr wichtig für die Mannschaft. Wir haben zwar schnell hinten gelegen, und nach der längeren Unterbrechung fiel es nicht leicht, den Rhythmus zu finden, aber mit zunehmender Spielzeit haben wir immer mehr aufgedreht, als Team funktioniert und keine Probleme gehabt“, fasste Billigmann zusammen.

Neuss: Passmann (Jansen) – Nürenberg, Zaslavski, Richter, Gotzsch, Fehr, Baum, Wolf, Schneider, Lahmer, Busse – T. Sprengnöder, Schiefner, Dohmen, Rüwald, Bleyer, M. Sprengnöder, Steiner, Lindt.
Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Dieser, Wichterich, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, B. Asbach, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Schug.
Schiedsrichter: Markus Krawinkel.
Zuschauer: 250.
Strafminuten: 2 + Disziplinarstrafe gegen Busse : 4 + Disziplinarstrafe gegen Wichterich.
Tore: 1:0 Sven Schiefner (Lahmer) 2′, 1:1 Tobias Etzel (Jamieson) 13′, 1:2 Frederic Hellmann (Fröhlich) 18′, 1:3 Stephan Fröhlich 25′ (Penalty), 2:3 Jerome Baum (Rüwald, Bleyer) 27′, 2:4 Michael Jamieson (D. Schlicht, Schütz) 37′, 2:5 Moritz Schug (Fröhlich, Jamieson) 53′, 2:6 Martin Brabec (Jamieson, D. Schlicht) 55′.

Die „Kleinen“ sind nicht mehr so klein

Nach den jüngsten Niederlagen wollen die Bären (hier: Deion Müller) in Neuss wieder einen Gegner aufs Eis legen.

Es war ein Sonntagabend, an dem die Grenzen deutlich verschwammen. „Groß und Klein“ in der Eishockey-Regionalliga West? Diese Aufteilung scheint immer mehr der Vergangenheit anzugehören. So gewann der Tabellenletzte EC Lauterbach zum Beispiel mit 6:5 gegen Meister Hamm, und genau aus diesem Grund kam Carsten Billigmann erheblich ins Stocken, als er nach der 5:8-Niederlage im Derby gegen die EG Diez-Limburg auf die nächste Aufgabe der Neuwieder Bären zu sprechen kam. Dem Manager und Interimstrainer fiel es spür- und hörbar schwer, den Neusser EV, bei dem der EHC am Freitagabend ab 20 Uhr zu Gast ist, als einen dieser „vermeintlich kleinen Gegner“ zu bezeichnen. Wohl wissend, dass gerade die Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte in den zurückliegenden Wochen immer wieder mit ihren Ergebnissen für Aufstehen sorgten. Die Bären ließen gegen Soest, Dinslaken, Lauterbach und Neuss bis dato noch keinen Punkt liegen und wollen das im bereits dritten Saisonvergleich mit dem NEV auch so beibehalten. „Neuss wird definitiv eine weitere schwierige Aufgabe für uns“, betont Billigmann, für den nach dem Null-Punkte-Wochenende nur ein Dreier zählt, um den Kontakt zu den Top-Vier zu wahren, zumal die Bären am Sonntag spielfrei haben, während die Konkurrenten die Möglichkeit besitzen ihr Punktekonto weiter aufzustocken.
An der Moral der Mannschaft mangelte es zuletzt trotz der Niederlagen gegen Herford, Hamm und Diez-Limburg nicht. Immer wieder erholten sich die Bären von Rückständen, aber kaufen konnten sich die Deichstädter dafür nichts, weil das Ergebnis auf der Anzeigetafel aus ihrer Sicht nicht stimmte. Gegen Hamm und Diez-Limburg merkte jeder, dass es in dieser ausgeglichenen Liga schwierig wird eine Begegnung für sich zu entscheiden, wenn die Leistung nicht 60 Minuten lang am Limit ist. „Ich weiß nicht, warum wir zweimal nicht von Anfang an unsere Möglichkeiten abriefen“, resümiert Billigmann. „Wir müssen als Einheit funktionieren. Das Logo vorne auf dem Trikot ist wichtiger als der Name auf dem Rücken. Es gibt bei uns noch zu viele Einzelaktionen. Wenn wir das in den Griff bekommen, werden wir weit vorne dabei sein. Davon bin ich nach wie vor fest überzeugt.“
Dass die Bären am zweiten Adventwochenende nur eine Partie bestreiten müssen und nach einem Besuch auf dem Neuwieder Weihnachtsmarkt am Samstagnachmittag inklusive Autogrammstunde von 15.30 bis 17.30 Uhr am eigenen Stand gegenüber der American Sportsbar in der Langendorfer Straße dann sonntags frei haben, kommt dem Übergangscoach nicht ungelegen, denn: „Hinter uns liegen anstrengende, kraftraubende Wochen, und auch der Rücktritt von Trainer Jens Hergt ist an der Mannschaft auch nicht spurlos vorbeigegangen. Deshalb tut es den Jungs sicherlich ganz gut, am Sonntag die Beine etwas hochlegen zu können.“
Der Unterstützung seiner reisefreudigen Anhänger kann sich der EHC in Neuss gewiss sein. Der Fanclub „Diketowners“ hat einen Fanbus organisiert.

Bären zeigen zu spät ihr wahres Gesicht

Torschützen im Zweikampf: Der neue EGDL-Stürmer Philipp Maier (links) erzielte das 1:0 und 2:0 für die Rockets, während Moritz Schug den fünften Neuwieder Treffer markierte.

Es dauerte lange, bis Fans und Mannschaft des EHC „Die Bären“ 2016 am Sonntagabend Lunte rochen. Neuwied lag schnell 0:2, nach 40 Minuten sogar mit 1:5 hinten – und doch witterten die Neuwieder im Derby der Eishockey-Regionalliga West gegen die EG Diez-Limburg plötzlich ihre Chance. Nicht ein-, zwei- oder dreimal – gleich viermal reduzierten sie im Schlussabschnitt den Rückstand, aber reichen sollte es gegen die Rockets vom Heckenweg zum ersten Mal in dieser Saison in einem Heimspiel nicht, weil der Tabellenzweite immer wieder selbst zur Stelle war, wenn Neuwied anfragte, ob es vielleicht noch ein dramatischer Abend werden könnte. Mit 5:8 unterlagen die Bären ihrem Nachbarn und mussten das Wochenende nach der Freitagniederlage bei Meister Hamm punktlos abschließen.
Apropos Hamm: Der Lokalvergleich erinnerte frappierend an die Bären-Partie zwei Tage zuvor. Wieder fanden die Neuwieder nicht gut rein, wieder lagen sie zeitig hinten und wieder zeigten sie spät ihre Qualitäten – zu spät. „Am Freitag hatten wir als Erklärung für den schlechten Start die schweren Beine nach der langen Busfahrt, aber diesmal weiß ich nicht, woran es lag“, rätselte Interimstrainer Carsten Billigmann. Die Gastgeber blieben ihren ersten gefährlichen Schuss auf Constantin Schönfelder noch schuldig, da hatte Philipp Maier schon zweimal eingelocht (3., 6.). In einer Reihe mit Florian Böhm und Julian Grund zeigte der vierte und neueste Baustein im mehrteiligen Limburger Nachrüstungsprozess, warum er vor kurzem noch eine Klasse höher am Timmendorfer Strand spielte. Der EHC verkürzte im Powerplay zwar durch Martin Brabec (7.), kam aber weiterhin nicht in Fahrt. Leidenschaft und Emotion fanden erst verspätet Einzug ins EHC-Spiel. Auch im zweiten Drittel nicht, in dem die Gäste auf- und davonzogen. Verteidiger Tim Ansink setzte einen Handgelenkschuss in die Maschen (23.) und leitete dann Joey Davies‘ 1:4 mit einem Traumpass über die halbe Eisfläche ein (31.). Als Pierre Wex und Florian Böhm in Unterzahl einen Zwei-gegen-null-Konter zum 1:5 nutzten (36.), schienen die Bären erlegt zu sein. Gegentor Nummer sechs verhinderte Felix Köllejan, indem er einen Davies-Penalty entschärfte (40.).
„Ich habe in der Kabine an das Herz der Spieler appelliert“, schilderte Billigmann seinen Versuch eines Weckrufs. Der zeigte Wirkung. Martin Brabec in Unterzahl (43.) und Michael Jamieson (49.) verkürzten. „Aber die EGDL hat mit ihren Spielern eine so große Effektivität an den Tag gelegt, die es uns nicht ermöglichte, noch einmal heranzukommen. Auch wenn die Möglichkeiten da waren“, so der EHC-Interimscoach. Dominik Kley (55.) und Moritz Schug (57.) legten zum 4:6 und 5:7 nach, aber Joey Davies (50.), Julian Grund (56.) und noch einmal Davies mit einem Empty Net Goal (60.) hielten dagegen. Der letzte Eindruck, der seitens des EHC blieb, machte deutlich, dass sich die Neuwieder Mannschaft nicht hängen ließ und trotz des aussichtslosen Rückstands ihr Herz in beide Hände nahm. Billigmann: „Im letzten Drittel waren es plötzlich wieder die Bären, die wir kennen. Es stellt sich nur die Frage, warum wir das nicht über 60 Minuten abrufen konnten.“
Dass die Gegner der Diezer und Limburger momentan viel Hartgummi ins Tor gedroschen bekommt, ist nichts Neues. Die Raketen erzielten in den letzten 180 Ligaminuten nunmehr 22 Treffer. „Das war heute eine Leistung, die wir seit vier, fünf Begegnungen konstant aufs Eis bringen“, freute sich Gästecoach Arno Lörsch nach einem „für die Zuschauer interessanten Spiel“. Diese nach und nach zusammentransferierte EGDL-Mannschaft muss in der zweiten Saisonhälfte und den Play-offs mit ihrer Qualität den Anspruch haben, um die Meisterschaft mitzuspielen.

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, Herbel, Etzel, Hamann, Schug.
Diez-Limburg: Schönfelder (Groos) – Löwing, Schophuis, Ansink, Kärkäs, Krämer – Niestroj, Davies, Bruch, Fischer, Firsanov, Wex, Bauscher, Mainzer, Böhm, Kail, Grund, Flemming, P. Maier, M. Maier.
Schiedsrichter: Markus Eberl.
Zuschauer: 673.
Strafminuten: 16 + Disziplinarstrafen gegen Sting und Etzel : 14.
Tore: 0:1 Philipp Maier (Böhm, Wex) 3‘, 0:2 Philipp Maier (Grund, Böhm) 6‘, 1:2 Martin Brabec (Hamann, Fröhlich) 7‘, 1:3 Tim Ansink (Fischer, Firsanov) 23‘, 1:4 Joey Davies (Ansink, Schophuis) 31‘, 1:5 Pierre Wex (Grund, Böhm) 36‘, 2:5 Martin Brabec 43‘, 3:5 Michael Jamieson (Etzel, Brabec), 3:6 Joey Davies (Fischer, Grund) 50‘, 4:6 Dominik Kley (Hamann, Brabec) 55‘, 4:7 Julian Grund (Fischer, P. Maier) 56‘, 5:7 Moritz Schug (Fröhlich, D. Schlicht) 57‘, 5:8 Joey Davies 60‘.

Hypothek aus dem ersten Drittel ist zu groß

Dreieinhalb Stunden im Bus auf dem Weg nach Hamm – das musst du erst einmal aus den Beinen schütteln. 20 Minuten Warm-up reichen da nicht immer aus, um den Motor hochzufahren. Carsten Billigmann wollte am Freitagabend wahrlich keine Ausreden für die 2:4-Niederlage beim Meister suchen, aber die beschwerliche Anreise wirkte sich mit Sicherheit auch auf das Ergebnis aus. „Wir haben im ersten Drittel nicht richtig reingefunden, waren bei den Gegentoren nicht dicht genug am Mann“, monierte der Manager und Interimstrainer des EHC „Die Bären“ 2016. Drei Gegentore waren es, die die Neuwieder zunächst deutlich ins Hintertreffen brachten. Robin Loecke (13.), Marvin Cohut (18.) und Dustin Demuth (19.) verschafften den Gastgebern vor 404 Zuschauern einen Vorteil, der nicht von Pappe war.
Noch lange kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen für die Bären, die im zweiten Abschnitt endgültig in der Begegnung angekommen waren und mit Vollgas versuchten, die Hypothek gutzumachen. Anstatt zu verkürzen, musste der EHC nach 27 Minuten jedoch einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Ein abgefälschter Schuss von Hamms Tschechen Martin Benes landete hinter Felix Köllejan im Netz. Als „ärgerlichen, ganz unglücklichen Gegentreffer“ bezeichnete Billigmann das 4:0. Als Sven Schlicht sieben Minuten später wegen eines Kniechecks eine Spieldauerdisziplinarstrafe erhielt und die damit einhergehende eine Fünf-Minute-Strafe auf der Stadionuhr auftauchte, gaben nicht mehr viele einen Pfifferling auf die Deichstädter. Dafür aber sie selbst. Neuwied machte in Unterzahl einen klasse Job, konzentrierte sich nicht nur aufs Verteidigen, sondern traute sich auch erfolgreich nach vorne. In der 37. Minute zum Beispiel: Martin Brabec dürkcte die Scheibe zum 4:1 über die Linie. Kurz danach musste auch Hamms Robin Loecke auf die Strafbank, und mit mehr Platz auf dem Eis warf der EHC mit Brabec sowie Stephan Fröhlich den Kreisel an. Der Kapitän war es schließlich auch, der das 4:2 herbeiführte. Neue Hoffnung fürs dritte Drittel. „Wir waren am Drücker, hatten die Möglichkeiten, das Ergebnis zu biegen, aber Hamm verwaltete das Ergebnis sehr solide“, beschrieb Billigmann die letzten 20 Minuten.
Von der Einstellung her ließen die Bären beim Titelverteidiger wie schon am vergangenen Sonntag gegen Tabellenführer Herford keine Wünsche offen. Billigmann: „Wir haben erneut gegen ein Top-Team kämpferisch überzeugt. Jetzt wollen wir am Sonntag im Heimspiel gegen die EG Diez-Limburg den Kampf auch mit dem Lohn von drei Punkten verbinden.“

Hamm:
Dräger (May) – Hoppe, Pietzko, Schäfer, Köchling, Hemeier, Ortwein, Kuchnia, Spacek – Demuth, Ehlert, Trapp, Cohut, Benes, Weißleder, Kuntu-Blankson, Kraft, Loecke.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Dieser, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, B. Asbach, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichterin: Ramona Weiss.
Zuschauer: 414.
Strafminuten: 8 : 11 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Sven Schlicht.
Tore: 1:0 Robin Loecke (Weißleder, Benes) 13‘, 2:0 Marvin Cohut (Trapp, Ehlert) 18‘, 3:0 Dustin Demuth (Kraft, Kuntu-Blankson) 19‘, 4:0 Martin Benes (Weißleder, Spacek) 28‘, 4:1 Martin Brabec (Fröhlich, D. Schlicht) 37‘, 4:2 Stephan Fröhlich (Jamieson, Schütz) 40‘.

Bären leben wieder von der Euphorie

Andreas Wichterich (links) ist einer der Bären-Spieler, die vor der Saison von der EG Diez-Limburg zum EHC zurückkehrten.

Montagmorgen in der Welt der sozialen Netzwerke. Spieler, Verantwortliche und Zuschauer des EHC „Die Bären“ 2016 haben einmal, die meisten von ihnen zufrieden, drüber geschlafen, als sie immer noch euphorisiert von diesem Eishockeyabend im Icehouse schwärmen. „Eishockey macht in Neuwied wieder Spaß. Das macht Lust auf mehr“, bekommt EHC-Manager und Interimstrainer Carsten Billigmann gedankt. Andere Fans schreiben zurecht von einem „absoluten Topspiel auf Augenhöhe“, „Adrenalin auf dem Eis und auf den Rängen“, dem „Gefühle Bärenfamilie“ und Verteidiger Christian Neumann ging die Unterstützung von den Rängen „runter wie Öl – Gänsehaut inklusive“. Die Euphorie ist in die Deichstadt zurückgekehrt, und das obwohl die Bären gegen Tabellenführer Herford mit 4:7 unterlagen. „Aber das Ergebnis“, sprach Billigmann aus, was alle empfanden, „fühlte sich nicht im Geringsten wie eine Niederlage an. Herford war die einzige Mannschaft, gegen die wir bis Sonntag in dieser Saison noch den Beweis schuldig waren, dass wir dagegenhalten können. Auch das haben wir jetzt unter Beweis gestellt. Die Jungs haben den Abend genossen, weil die Fans die Bärenhöhle beben ließen und wollen auch am Sonntagabend wieder diesen Hexenkessel erleben.“
Dann ist ab 19 Uhr die EG Diez-Limburg im Icehouse zu Gast. Viermal gab es das Derby in dieser Saison 2017/18 schon. Zweimal im Pokal, zweimal in der Meisterschaft. Mit der einen oder anderen Kampfansage von beiden Seiten und mitunter markigen Worten. Und diesmal? „Wir könnten jetzt natürlich die alten Kamellen von Brisanz und einem starken Gegner auspacken, aber das wollen wir überhaupt nicht“, verbannt Billigmann gewisse klassische Vokabularien aus dem EHC-Wortschatz. Warum? „Weil wir schon einige Male gesehen haben, dass wir erfolgreich sind, wenn wir uns ganz auf unser Spiel konzentrieren und das auf dem Eis durchbringen. Das war zum Beispiel vor kurzem im Heimspiel gegen Hamm so, als wir mit 6:0 gewonnen haben, und auch gegen Dinslaken und Herford am vergangenen Wochenende machten wir deutlich, wozu wir in der Lage sind, wenn wir ganz eng zusammenrücken und jeder für jeden kämpft. Wir können stolz sein auf das, was wir hier haben.“
Billigmann und sein Interimstrainerkollege Andreas Halfmann haben ihrem Team eine Spielweise verordnet, die ankommt. Pressing, den Gegner früh unter Druck setzen und jeden Zweikampf körperbetont zu Ende führen. „So haben wir Herford vor große Aufgaben gestellt, und wenn wir das wieder abrufen“, ist sich Billigmann sicher, „ist auch gegen die EGDL etwas möglich“.
Die hat in dieser Saison im Icehouse noch nicht gewonnen. Im Rheinland-Pfalz-Pokal trennten sich beide Teams remis, in der Liga gaben die Bären den Ton an, die dafür am Heckenweg zweimal unterlagen. Dort musste vor einer Woche auch Meister Hamm klein beigeben und verlor mit 2:7, bei dem die Deichstädter das erste Dezemberwochenende am Freitagabend ab 20 Uhr eröffnen. „Bislang lief es gegen Hamm in dieser Saison sehr gut“, beruft sich Billigmann auf den 5:2-Erfolg am ersten Spieltag und das 6:0 in eigener Halle. „Aber wir sollten nicht erwarten, dass wir den Meister wieder zu null abschießen. Das wird ein weiteres ganz hartes Stück Arbeit.“
Ein Neuwieder Arbeiter muss dann zusehen: René Sting kassierte für seinen Fight mit Herfords Fabian Staudt eine Spieldauerdisziplinarstrafe und ist beim Gastspiel an der Lippe gesperrt. Dafür steht Verteidiger Dennis Schlicht wieder zur Verfügung.