Arbeitssieg nach Blitz-Hattrick

In der Eishockey-Regionalliga West gibt es noch genau eine Mannschaft mit einer blütenweißen Weste: Sie kommt aus Neuwied. Der EHC „Die Bären“ 2016 gewann in Grefrath auch seine dritte Partie dieser Runde nach 60 Minuten. Einen 6:4-Arbeitssieg nahmen die Deichstädter am Samstagabend vom Niederrhein mit. In der nordamerikanischen Profiliga NHL hat es Tradition, dass die Zuschauer nach einem Hattrick Hüte, Mützen und Kopfbedeckungen aller Art aufs Eis werfen. „Hut ab“ hätte sich am Samstagabend in Grefrath Rylee Orr verdient – und das innerhalb von 11:06 Minuten. So lange lag zwischen dem ersten und dem dritten Treffer des EHC-Angreifers mit der Nummer 9 auf dem Rücken. Es waren die Neuwieder Tore Nummer drei, vier und fünf an diesem Abend, die der Partie den entscheidenden Dreh verliehen. Mund abputzen, die Zähler mitnehmen und keine 24 Stunden später am Sonntagabend ab 19 Uhr im Icehouse gegen Dinslaken wieder mit eine Schippe drauflegen – so lautete nach dem Ertönen der Schlusssirene die Losung aus Sicht des EHC. „Wir konnten nicht an die Leistung aus dem Spiel gegen Hamm anknüpfen. Wir passen uns leider noch zu sehr dem Gegner an“, fasste Neuwieds Teammanager Carsten Billigmann die Begegnung beim Aufsteiger an. Die Bären waren von Anfang zwar die klar überlegene Mannschaft, versäumten es nach der frühen Führung durch Felix Köbele (9.) allerdings nachzulegen. Und so machten sie große Augen, dass sie zum ersten Kabinengang doch plötzlich hinten lagen – zum ersten Mal in dieser Saison. Jerome Braun (14.) und Sven Schiefner (16.) schossen die Tore für die Phoenix. Im Mittelabschnitt traten die Gäste dann konsequenter auf. Stephan Fröhlich (21.) und eben der Orr-Hattrick (27., 36., 38.) bescherten ihnen eine 5:2-Führung nach 40 Minuten. „Aber dann haben wir wieder den Schongang eingelegt. Vielleicht befand sich das Spiel am Sonntag schon in den Hinterköpfen“, vermutete Billigmann. Die Mannschaft von Trainer Jens Hergt lief zweimal in gegnerische Konter. Sascha Schmetz (47.) und erneut Schiefner (53.) verliehen einer scheinbar vorentschiedenen Begegnung, die mit insgesamt nur zehn Strafminuten äußerst fair verlief, doch noch einmal eine spannende Schlussphase. In der behielt Neuwied kühlen Kopf. Und als Alexander Bill auf 4:6 erhöhte (57.), war die Entscheidung gefallen. Dritter Sieg im dritten Spiel. Diese 100-Prozent-Quote soll am Sonntag zu Hause weiterhin Bestand haben.
Neuwied: Köllejan (Fensel) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Elzner, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Köbele, Felföldy, Leuschner, Reiner, S. Schlicht, Bill.
Grefrath: Nilges (Henning) – Markus, Krölls, Baum, Schwarte – Schroll, Lüdke, Holzki, Holstein, Bergmann, Schmetz, Nelleßen, Bisel, Schiefner.
Schiedsrichter: Dominic Borger.
Strafminuten: Grefrath: 4 – Neuwied: 6.
Tore: 0:1 Felix Köbele (Fröhlich, Schütz) 9‘, 1:1 Jerome Baum (Schroll, Bergmann) 14‘, 2:1 Sven Schiefner (Krölls, Holstein) 16‘, 2:2 Stephan Fröhlich (Köbele) 21‘, 2:3 Rylee Orr (Fröhlich, Köbele) 27‘, 2:4 Rylee Orr (Felföldy, Bill) 36‘, 2:5 Rylee Orr (Schütz) 38‘, 3:5 Sascha Schmetz (Schroll Bergmann) 47‘, 4:5 Sven Schiefner (Holstein) 53‘, 4:6 Alexander Bill (Fröhlich, Kopetzky) 57‘.

Bären müssen schnell regenerieren

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Keine Angst vor Schmerzen: Robin Schütz wirft sich im Spiel gegen Hamm in einen Schuss von Ibrahim Weissleder und nimmt Schlussmann Felix Köllejan damit etwa Arbeit ab. Trainer Jens Hergt kann seiner kompakten Defensive vertrauen.

Raus aus dem Mannschaftsbus, rein in die Schlittschuhe, für rund zwei Stunden rauf aufs Eis, raus aus der Ausrüstung, zurück in den Bus, schnell regenerieren, erneut rein in die Schlittschuhe und gleich wieder die zweite Aufgabe in Angriff nehmen – der EHC „Die Bären“ 2016 hat das erste Saisonwochenende mit zwei Partien vor Augen. Diese sind in der Eishockey-Regionalliga West zwar Alltag, aber die Spiele Nummer drei und vier in dieser Runde stellen für die Neuwieder Bären eine besondere Herausforderung dar, weil das Heimspiel gegen die Dinslakener Kobras am Sonntagabend ab 19 Uhr im Ice House nur 23 Stunden und 30 Minuten nach dem Eröffnungsbully am Samstag bei den Grefrath Phoenix beginnt. Eine schnelle Regeneration ist bei dieser Doppelbelastung das A und O und ähnlich wichtig wie eine konzentrierte Leistung über zwei Mal 60 Minuten.

Der optimale Saisonstart mit sechs Punkten aus zwei Partien gegen Bad Nauheim 1 b und Hamm haben das Selbstvertrauen der Mannschaft gesteigert, doch Trainer Jens Hergt mahnt: „Die ersten beiden Spiele verliefen fast schon besser als erwartet, aber ich will etwas auf die Euphoriebremse treten. Wir müssen genauso weitermachen wie wir gegen Hamm gespielt haben.“ Will heißen aus einer kompakten Defensive heraus Chancen kreieren und diese auch verwerten. Dass der EHC über beide Qualitäten verfügt, zeigte die Partie gegen Hamm.
So fahren die Neuwieder am Samstag als Tabellenführer an den Niederrhein und treffen dort ab 19.30 Uhr auf die nach zwei Partien noch punktlose Mannschaft der Grefrath Phoenix. Ein Tabellenstand, den Trainer Hergt ausblendet, denn: „Die Liga ist sehr ausgeglichen. Jeder kann jeden schlagen.“ Das mag sich wie ein Griff in die Phrasenkiste anhören, ist aber schon nach den ersten Partien nicht von der Hand zu weisen. Siehe Ratingen. Der Meister gewann erst nach Penaltyschießen gegen den Aufsteiger EG Diez-Limburg. Grefrath gelang bislang eine ähnliche Überraschung noch nicht. Der Aufsteiger verlor 2:6 gegen Dortmund und mit nur zwölf Feldspielern 1:3 gegen Dinslaken. „Aber in Grefrath ist es immer schwierig zu spielen. Das weiß ich noch aus meiner aktiven Zeit“, erinnert sich der EHC-Coach. Und jetzt kommt bei den Feuervögeln auch noch die Aufstiegseuphorie hinzu. Lange haben sie attraktiveren Partien entgegengefiebert, eilte die Mannschaft von Trainer Karel Lang in der vergangenen Saison in der NRW-Liga doch von einem Kantersieg zum nächsten. „Das hat oft keinen Spaß gemacht“, schildert die Torwartlegende der Krefeld Pinguine.

Über das Dinslaken-Spiel am Sonntag denken Trainer und sein Team erst nach, wenn sie am Samstagabend vom Nieder- zurück an den Mittelrhein fahren. Hergt zeigt Respekt vor den Kobras: „Sie haben in der Vorbereitung sehr gute Ergebnisse erzielt. Warum sie aber gegen Neuss verloren haben, verstehe ich nicht.“ Stichwort ausgeglichene Liga eben…

4:1 gegen Hamm: Bären schlagen den Vizemeister

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Sonntagabend im Neuwieder Icehouse. Für den neuen EHC „Die Bären“ 2016 ist es in der Eishockey-Regionalliga West der erste Abend der Wahrheit. Strömen die Zuschauer nach dem unruhigen Sommer weiterhin in die Halle? Kann die neuformierte Mannschaft einem Spitzenteam der Liga bereits die Stirn bieten? Zwei Fragen, eine Antwort: Ja, und wie. Vor 932 Besuchern zeigten die Bären gegen die Hammer Eisbären eine famose Leistung und verließen als verdienter 4:1-Gewinner das Eis als gefeierte Sieger. Zweites Spiel, zweiter Sieg – Neuwied hat die Runde perfekt eröffnet. Die Bärenhöhle bleibt weiterhin lautstark. Den Beweis traten die Fans bereits nach knapp zehn Minuten an. Ihnen gefiel gar nicht, dass Schiedsrichter Daniel Melcher binnen 120 Sekunden vier Neuwieder auf die Strafbank schickte. Zunächst gellendes Pfeifkonzert, dann die anfeuernde Hilfe des zusätzlichen Mannes von der Tribüne – der EHC stand in der langen doppelten Unterzahl wie eine eins. „Wir sind schwer reingekommen und haben direkt gemerkt, dass Hamm noch einmal ein ganz anderes Kaliber ist als Bad Nauheim vor einer Woche. Aber unser Unterzahlspiel funktionierte sehr gut und so haben wir die brenzlige Situation erfolgreich, wenn auch mit etwas Glück, überstanden“, sagte Neuwieds Trainer Jens Hergt, der mit dem torlosen Remis nach 20 Minuten folglich gut leben konnte. Die kampfstarken, defensiv sehr gut organisierten Bären nahmen im zweiten Abschnitt nun noch aktiver an der Partie teil. „Für uns war das ein Drittel komplett zum Vergessen“, monierte Hamms Trainer Ralf Hoja später auf der Pressekonferenz. Mit 3:0 entschieden die Deichstädter das Mitteldrittel für sich. Philip Felföldy erzielte das erste Heimtor in der neuen Saison, nachdem Morgan Reiner Hamms Martin Köchling die Scheibe abgeluchst hatte (23.). Dann zeigte die Paradeformation in Überzahl zweimal ihre Torgefahr. Rylee Orr vollstreckte Robin Schütz‘ Querpass zum 2:0 (29.) und Stephan Fröhlich erhöhte per Nachschuss auf 3:0 (35.). Mit dem ersten Versuch war Felix Köbele am Schoner Sebastian Mays gescheitert. „Neuwied hatte mehr Schussglück“, analysierte Ralf Hoja. Sein Team hingegen kam erst in den dritten 20 Minuten wieder gefährlich zum Abschluss und stellte Felix Köllejan bei seinem ersten Einsatz im Icehouse auf die Probe. Der Kölner, später zum besten Neuwieder des Abends gewählt, bekam von seinen Vorderleuten, auch wenn’s schmerzte und blaue Flecken nach sich zog, immer wieder Schüsse geblockt und war selbst zur Stelle, wenn die Scheibe durchkam. Nur einmal musste sich der 20-Jährige geschlagen geben. Tommy Kuntu-Blankson verkürzte in der 56. Minute auf 1:3, als Philip Felföldy nach einer Strafzeit gerade wieder das Eis betrat. Auch wenn die Gäste jetzt besser kombinierten (Hoja: „Wir waren wieder besser ins Spiel, zeigten aber trotzdem nicht das, was wir uns vorstellen“), lag eine feste Überzeugung in der Bärenhöhlen-Luft, dass sich das Hergt-Team diesen Sieg nicht mehr nehmen lässt. Auch wenn im Eishockey zwei Tore schnell erzielt sind. Neuwied verteidigte konsequent und schaltete 78 Sekunden nach Hamms Treffer blitzschnell auf Offensive um. Robin Schütz ließ einen Konter zunächst ungenutzt, kam hinter dem Tor aber noch einmal an die Scheibe und bediente den freistehenden Rylee Orr. Sein zweiter Schuss an diesem Abend in die Maschen machte den Heimsieg perfekt. „Mit diesem Saisonstart können wir natürlich sehr zufrieden sein. Und auch die Fans haben heute zum Erfolg beigetragen. Die Unterstützung war super“, schwärmte Jens Hergt und freut sich genauso wie sein Team bereits jetzt auf die nächste Heimpartie am kommenden Sonntag gegen Dinslaken. Zuvor muss sein Team aber am Samstag in Grefrath antreten.

Neuwied: Köllejan, (Frensel) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Leuschner, Reiner, S. Schlicht, Bill.

Hamm: May, (Pitzko) – Domula, Pietzko, Köchling, Hemeier, Ulrich – Demuth, Ehlert, Trapp, Cohut, Vavra, Weißleder, Kuntu-Blankson, Klinke, Kraft, Thau, Loecke.

Schiedsrichter: Daniel Melcher (Pfeffer, Walther).

Zuschauer: 932

Strafminuten: Neuwied: 20 – Hamm: 18.

Tore: 1:0 Philip Felföldy (Reiner) 23‘, 2:0 Rylee Orr (Schütz, Köbele) 29‘, 3:0 Stephan Fröhlich (Orr, Köbele) 35‘, 3:1 Tommy Kuntu-Blankson (Demuth, Kraft) 56‘, 4:1 Rylee Orr (Schütz) 57‘.

Keine Angst vor dem Favoriten

Mit seinem Empty-Net-Goal zum 5:3 brachte Neuwieds Rylee Orr (Zweiter von rechts) den Sieg in Bad Nauheim in trockene Tücher.

Bären erwarten zum ersten Saisonheimspiel den Vizemeister

„Kommt ein Favorit zum Eishockey spielen ins Neuwieder Icehouse.“ Was anfängt wie ein potenzieller Schenkelklopfer, fand so mancher hochgewetteter Gast der „Bären“ in der Vergangenheit nach dem Spielende gar nicht mehr so lustig. Den Vorjahresmeister Tilburg Trappers erwischte es genauso wie Hauptrunden-Dominator Füchse Duisburg. Am Sonntag kommt wieder ein vermeintliches Spitzenteam zum EHC „Die Bären“ 2016: Die Hammer Eisbären sind ab 19 Uhr Neuwieds Gegner im ersten Heimspiel der Saison 2016/17 in der Regionalliga West. „Direkt ein echter Härtetest“, hält EHC-Trainer Jens Hergt große Stücke auf den Vorjahres-Vizemeister, der sich im Finale den Ratinger Ice Aliens geschlagen geben musste. Ja, der 42-Jährige sieht Hamm als Favorit, hebt dabei direkt ohne Luft zu holen den Zeigefinger und sagt: „Aber wir spielen immerhin im Icehouse, in unserem Icehouse. Und da hat es keine Mannschaft einfach, weil wir mit unseren Fans im Rücken immer Besonderes leisten können.“ Hergt richtet direkt einen Appell an die lautstarke Bärenbande auf der Tribüne und rund um die Eisfläche: „Kommt und macht die Halle voll.“
Die EHC-Mannschaft ist bereit für den ersten Auftritt in eigener Halle. Denn dieses stimmungsvolle Bären-Wohnzimmer war für viele Spieler nach den Erfahrungen aus der Vergangenheit ein Grund dafür, nach Neuwied zurückzukehren oder eben zu bleiben. „Ich freue mich wahnsinnig darauf, vor so einer Kulisse zu spielen“, begründete zum Beispiel Felix Köllejan seine Vertragsverlängerung. Seinen einzigen Einsatz absolvierte der junge Torhüter in der Oberliga-Spielzeit 2015/16 auswärts in Duisburg, daheim erlebte er als Ersatz für Björn Linda die Partien bislang von der Bank aus. Jetzt darf der ehemalige Juniorennationkeeper selbst aufs Eis.
Große Vorfreunde, gute Stimmung – die Vorzeichen passen. Dafür haben die Bären am Sonntag mit dem 5:3-Sieg bei der 1b-Besetzung des EC Bad Nauheim gesorgt. „Dieser Sieg war ganz wichtig für unser Selbstvertrauen und gibt uns noch einmal einen Schub“, resümiert Trainer Hergt. Die Charakterisierung dieses Auftakterfolges als „Arbeitssieg“ mag ein wenig abwertend klingen, in einem ersten Saisonspiel aber absolut zu verzeihen. Besonders, wenn es so viele personelle Veränderungen innerhalb der Mannschaft wie in diesem Sommer in Neuwied gab. „Uns sind noch individuelle Fehler unterlaufen. Das sind die Stellschrauben, an denen wir drehen werden, um gegen Hamm noch einen Schritt weiter zu sein“, unterstreicht Hergt. Und wenn das gelingt, könnte Hamm am Sonntagabend vielleicht auch das Schicksal des gestürzten Favoriten ereilen. Denn wie sagte der EHC-Trainer noch? „Wir spielen immerhin im Icehouse, in unserem Icehouse.“

5:3 in Bad Nauheim: Den Sieg erarbeitet

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Philipp Felföldy (links) war es vorbehalten, nach nur 61 Sekunden das erste Neuwieder Saisontor zu erzielen. Rechts: Alexander Bill.  Foto: EHC Die Bären 2016

Dem EHC „Die Bären“ 2016 ist der Saisonauftakt in der Eishockey-Regionalliga West gelungen. Mit 5:3 (2:2; 1:1; 2:0) behauptete sich das Team von Jens Hergt bei der 1b-Mannschaft des EC Bad Nauheim und ließ sich nach dem Ertönen der Schlusssirene im Colonel-Knight-Stadion von gut 100 mitgereisten Fans lautstark feiern. Die Mannschaft hatte sich den tosenden Beifall mit einer engagierten Leistung über 60 Minuten hinweg verdient. „Wir wussten, dass es eine schwere Partie für uns wird“, sagte Trainer Hergt spätestens seit dem Samstagabend, als die DEL2-Reserve den Neusser EV mit 6:3 bezwungen hatte. „Es war Arbeitssieg, bei dem unsere Mannschaft starken Teamgeist und Willen gezeigt hat. Das noch ein paar individuelle Fehler passieren, ist in einem ersten Saisonspiel verständlich.“
1:0 nach 61 Sekunden, im ersten Powerplay der Saison direkt auf 2:0 erhöht – die Bären legten in der Wetterau eine Anfangsphase aufs Eis, wie sie sie sich nicht besser hätten wünschen können. Philipp Felföldys Blitzstart und Stephan Fröhlich in doppelter Überzahl (6.) bescherten dem EHC den perfekten Start. Aber wer gedacht hatte, die zweite Garnitur der Roten Teufel sollte einen Tag nach ihrem Sieg über den Neusser SV in eigener Halle ein blaues Wunder erleben und die Bären könnten leicht und locker einen Kantersieg herausschießen, sah sich getäuscht.
Nach einseitiger Anfangsphase steigerten sich die Kurstädter und zeigten, dass sie das Powerplay ebenfalls beherrschen. Verteidiger Alexander Baum, ein Mann mit DEL2-Erfahrung, erzielte mit einem Distanzschuss den Anschluss (12.) und Daniel Schindler verwertete einen Pass Tim Ansinks von hinter dem Tor 58 Sekunden vor der ersten Pausensirene zum Ausgleich. Die Neuwieder, die durch die Ausfälle von Marc Blumenhofen und Kevin Kopetzky mit nur drei Abwehr- und Sturmreihen aufliefen, waren in beiden Situationen auf der Strafbank vertreten.
Im ausgeglichenen, an Höhepunkte armen Mitteldrittel legten die Gäste erneut vor. Als Shane Heskins draußen saß, überwand Felix Köbele den ehemaligen Iserlohner DEL-Torhüter David-Lee Paton zum 2:3 (32.). Aber auch diese Führung hielt nicht lange. Dominik Kail bestrafte im Nachschuss eine Unachtsamkeit in der EHC-Verteidigungszone zum erneuten Gleichstand (35.).
Im Schlussdrittel, als sich im Bad Nauheimer Kurpark allmählich der Nebel über das Eis legte, behielten die Gäste den Durchblick und legten zum dritten Mal an diesem Abend die Führung vor. Felix Köbeles Nachschuss – zuvor war Stephan Fröhlich an Paton gescheitert – brachte dem EHC das 4:3 ein (47.). Und diesmal gaben die Deichstädter diesen Vorsprung nicht mehr her. Die Abwehr ließ kaum noch etwas anbrennen, und wenn es einmal gefährlich wurde, war Schlussmann Felix Köllejan zur Stelle. So in der 51. Minute, als er eine von nur noch wenigen ECBN-Gelegenheiten durch Alexander Baum vereitelte. Die Einheimischen gingen in der Schlussphase relativ früh volles Risiko und nahmen bereits gut zweieinhalb Minuten ihren Torwart zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis, was Rylee Orr einen Schuss ins leere Gehäuse ermöglichte (59.). 5:3 für Neuwied, das vierte Tor durch einen Stürmer der Paradereihe und die Entscheidung.
Am kommenden Sonntag, 2. Oktober, bestreiten die Bären ab 19 Uhr ihr erstes Saison-Heimspiel im Icehouse. Mit den Eisbären aus Hamm kommt dann der Vizemeister der Vorsaison.

Bad Nauheim: Paton (Becker) – Baum, Ansink, Apel, Vermeersch, Seib, Etzel, Berk – Franz, Rost, Mörschel, Unger, Kail, Aaltonen, Behrens, Schindler, Prada, Haskins, Wichter.
Neuwied: Köllejan (Frensel) – Schütz, Trimboli, Elzner, D. Schlicht, Halfmann, Neumann – Fröhlich, Köbele, Orr, Leuschner, Felföldy, Bill, Reiner, S. Schlicht, Sting.
Strafminuten: 16:8.
Tore: 0:1 Philipp Felföldy (Köbele, Leuschner) 2‘, 0:2 Stephan Fröhlich (Trimboli, Orr) 6‘, 1:2 Alexander Baum (Prada, Vermeersch) 12‘, 2:2 Daniel Schindler (Ansink) 20‘, 2:3 Felix Köbele (Orr, Trimboli) 32‘, 3:3 Dominik Kail 33‘, 3:4 Felix Köbele (Fröhlich, Trimboli) 47‘, 3:5 Rylee Orr (Köbele) 58‘.

In der Wetterau zählt für Hergt nur ein Sieg

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6:2-Sieg gegen den TuS Wiehl am vergangenen Sonntag – da stellte sich die Frage, wie diese Generalprobe zu bewerten sei. Der eine oder andere hatte gegen die eine Klasse tiefer angesiedelten „Penguins“ vielleicht ein paar Treffer mehr von Eishockey-Regionalligist EHC „Die Bären“ 2016 erwartet, aber unter dem Strich stimmte das Ergebnis, und damit war es der dritte Erfolg im vierten Vorbereitungsspiel. „Wir wissen, dass wir mehr können. Und das werden wir am Sonntagabend zeigen“, kündigt Jens Hergt an und klingt dabei sehr überzeugt.

Der Trainer der Deichstädter führt gute Gründe für seinen Optimismus im Vorfeld des Saisonauftakts bei der DEL 2-Reserve des EC Bad Nauheim im Colonel-Knight-Stadion (Spielbeginn: 17.45 Uhr) an. Erstens geht er fest davon aus, dass seine Schützlinge rechtzeitig vom Test- in den Punktspielmodus umschalten, zweitens liegen zwischen den Partien gegen Wiehl und Bad Nauheim noch vier Trainingseinheiten, in denen die Mannschaft an den Stellschrauben drehen kann, und drittens steht im Gegensatz zu den Testspielen voraussichtlich wieder das komplette Aufgebot zur Verfügung. Gegen Wiehl wurden die lädierten Lucas Leuschner und Philipp Felföldy noch geschont, um ein unnötiges Risiko auszuräumen, außerdem fielen Alexander Bill und Christian Neumann kurzfristig aus. „Gegen Bad Nauheim planen wir alle wieder fest ein“, kündigt Hergt an. „Wir wollen drei Punkte. Nichts Anderes zählt.“

17 Feldspieler und zwei Torhüter umfasst der Kader der „neuen“ Bären. Aus der Oberliga-Mannschaft des Vorjahres sind mit Torwart Felix Köllejan, den Zwillingen Sven und Dennis Schlicht, Robin Schütz, sowie den Angreifern Felix Köbele und Stephan Fröhlich, der neue Kapitän, sechs bekannte Gesichter übrig geblieben, die eine Klasse tiefer zu den Leistungsträger zählen sollen. Vor allem auf den Schultern von Köbele und Fröhlich ruhen in der Offensive die Hoffnungen. Sie bilden gemeinsam mit dem kanadischen Neuzugang Rylee Orr die Paradereihe der Deichstädter. „Sie haben schon in der Vorbereitung sehr gut harmoniert und sollen auch in der Saison die Kohlen für uns aus dem Feuer holen“, stellt Hergt fest. 9 von 17 Testspieltoren gingen auf das Konto dieses Trios.

Die „Bären“ bezwangen mit Zweibrücken und Eppelheim zwar zwei weitere Regionalligisten, den Quervergleich will der Trainer allerdings nicht eingehen, da die Südwest-Staffel doch um einiges schwächer einzuschätzen ist als die Westgruppe, in der sich Neuwied gemeinsam mit drei hessischen und acht nordrhein-westfälischen Teams tummelt. Welche Rolle Auftaktgegner Bad Nauheim spielen kann? Da tut sich Jens Hergt schwer. „Bad Nauheim ist so etwas wie die große Unbekannte.“ 38 Namen stehen auf der erweiterten Kaderliste der Mittelhessen. Wer davon am Sonntag gegen den EHC schließlich auf dem Spielberichtsbogen auftaucht, bleibt abzuwarten. Mit dem einen oder anderen früheren DEL 2-Spieler rechnet Hergt aber schon. Ein Wiedersehen könnte es geben mit den Ex-Bären Garret Pruden und Kiian Aaltonen.