Bären verlieren das Derby

Dennis Schlicht (rechts. hinter gegen Limburgs Kanadier Matt Fischer) erzielte das Neuwieder 2:3 und bereitete das 3:3 vor.

Dennis Schlicht (rechts, hier gegen Limburgs Kanadier Matt Fischer) erzielte das Neuwieder 2:3 und bereitete das 3:3 vor.

Es ist nun einmal leichter gesagt als getan, diesen Martin Brabec zu stoppen. 60 Minuten lang ist das kaum hinzubekommen. „Insgesamt haben wir es ganz gut geschafft“, sagte Jens Hergt, Trainer des EHC „Die Bären“ 2016, nach dem Derby auf heimischem Eis gegen die EG Diez-Limburg. Aber „ganz gut“ hat nicht gereicht. Der 23-jährige Tscheche war beim 4:3-Sieg der Rockets an drei Toren beteiligt, zwei erzielte er selbst – auch den entscheidenden. „Wir wollten das letzte Drittel geduldig angehen“, erklärte Hergt die in der Kabine ausgegebene Devise für den Schlussabschnitt. „Aber dann stimmte direkt beim ersten Wechsel ausgerechnet gegen den besten Spieler der Liga die Zuordnung nicht“, beschrieb er die Aktion, die die umkämpfte, bei weitem aber nicht so emotional wie neun Tage zuvor am Diezer Heckenweg geführte Begegnung entschied. Brabec lief alleine auf EHC-Keeper Felix Köllejan zu, tunnelte ihn und bejubelte seinen 27. Saisontreffer (41.). 45 Sekunden war Durchgang Nummer drei in diesem Moment alt. Die Bären hatten genügend Zeit, um noch einmal zurückzukommen. Aber irgendwie wollte der Puck nicht mehr vorbei an Alexander Neurath zwischen den EGDL-Pfosten. Der Ex-Neuwieder war an seinem 33. Geburtstag der Überflieger seines Teams – trotz der theaterreifen Schwalbe Konstantin Firsanovs im Mittelabschnitt. „Alexander Neurath hat einen super Job gemacht“, erkannte auch Jens Hergt an. Sein Team versuchte alles, schoss und drängte mit dem sechsten Feldspieler in den letzten 90 Sekunden, bekam den Ausgleich aber nicht mehr hin. Dieser und damit zumindest ein Punkt wäre hochverdient gewesen für die Gastgeber, die mit Ausnahme des ausgeglichenen ersten Drittels die aktivere Mannschaft waren.
Die Neuwieder erwischten einen guten Start. Da sich Firsanov bereits in den ersten 210 Sekunden vier Strafminuten beim sehr guten Schiedsrichter Benjamin Hoppe erbettelte, spielte sich die Anfangsphase in EHC-Überzahl größtenteils im Limburger Drittel ab. Die Tore fielen aber am anderen Ende der Eisfläche. Andrej Teljukin (7.), Martin Brabec (9.) nach vorausgegangenem Stockschlag gegen Stephan Fröhlich und Marco Herbel (11.) per Distanzschuss stellten die Heimmannschaft zunächst einmal vor eine happige Aufgabe. „Drei Gegentore sind natürlich schwer zu drehen“, merkte Trainer Hergt an. Mit dem Drehen des Ergebnisses klappte es im Gegensatz zum Hinspiel nicht, aber die Bären glichen es immerhin aus. Stephan Fröhlich verkürzte acht Sekunden nach Herbels Treffer zum 1:3, und Sven Schlicht markierte aus dem Getümmel heraus den Anschluss (14.). Wenig später jubelte sein Zwillingsbruder Sven, allerdings erkannte Schiedsrichter Hoppe den vermeintlichen Ausgleich wegen eines zu hohen Stocks nicht an. Auch hier lag der DEL-Unparteiische aus der Wetterau richtig.
Das Mitteldrittel gehörte deutlich den Deichstädtern, die es verpassten, aus ihrer Überlegenheit mehr zu machen als den Ausgleich. Sven Schlicht ging in der 39. Minute dorthin, wo’s wehtut und kämpfte den Puck im Slot halb im Fallen in die Maschen. Limburg wirkte angezählt, die Kräfte schwanden, fast alle Laufduelle gingen an die Hergt-Truppe. Und dann gönnte sich auch noch Firsanov nach seiner Schwalbe mit einer Disziplinarstrafe bedacht eine zehnminütige Auszeit. Vieles sprach nun für den EHC, aber die EGDL hatte Brabec und dessen Alleingang in der 41. Minute. Dieser Konter blieb eine von an den Fingern einer Hand abzählbarer Chancen im Schlussdrittel der an diesem Abend vor dem Tor eiskalten Gäste. „Wir haben gekämpft bis zum Umfallen. Das war kämpferisch eine super Leistung meiner Mannschaft“, kommentierte EGDL-Trainer Anton Weißgerber. Das mit dem „kämpfen bis zum Umfallen“ sah auch Jens Hergt bei seinen Bären, doch diesmal reichte es nicht, um das Eis als Gewinner zu verlassen.

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, Asbach, S. Schlicht.
Diez-Limburg: Neurath (Schäfer) – Teljukin, Wichterich, Neubert, Krämer, Stroeks, Morys – Krieger, Niestroj, Homola, Fischer, Kley, Firsanov, Brabec, Mainzer, Herbel.
Schiedsrichter: Benjamin Hoppe.
Zuschauer: 861.
Strafminuten: Neuwied: 10 – Diez-Limburg: 12 + Disziplinarstrafe gegen Firsanov.
Tore: 0:1 Andrej Teljukin (Brabec, Kley) 7′, 0:2 Martin Brabec (Teljukin) 9′, 0:3 Marco Herbel (Fischer, Krieger) 11′, 1:3 Stephan Fröhlich 11′, 2:3 Dennis Schlicht (S. Schlicht, Leuschner) 14′, 3:3 Sven Schlicht (Sting, D. Schlicht) 39′, 3:4 Martin Brabec 41′.

Hart spielen, aber Emotionen zügeln

Werden sicherlich so manchem Zweikampf aufeinandertreffen: Neuwieds Dennis Schlicht (links) und EGDL-Liga-Topscorer Martin Brabec.

Werden sicherlich in so manchem Zweikampf aufeinandertreffen: Neuwieds Dennis Schlicht (links) und EGDL-Liga-Topscorer Martin Brabec.

Die Erinnerungen sind noch ganz frisch. Erinnerungen an diese Wende nach dem 0:2-Rückstand, an dieses riesige „Derbysieger“-Plakat der Fans und an den Jubel nach dem 9:4-Sieg am Diezer Heckenweg, der weit über das normale Maß hinausging. Neun Tage nach dem Hinspiel treffen sich der EHC „Die Bären“ 2016 und die EG Diez-Limburg am Dienstagabend im Neuwieder Icehouse ab 20 Uhr bereits wieder zu einer Begegnung, die in jeder Pore voller Prestige und Brisanz steckt.
Anfang Dezember bricht in der Eishockey-Regionalliga West die Zeit an, in der man schon einmal rechnen und die Tabelle genauer betrachten darf. Sowohl die Bären als auch die Rockets von der Lahn können nach rund zwei Dritteln der Hauptrunde als Vierter (30 Punkte aus 15 Spielen) beziehungsweise Dritter (31 Punkte aus 16 Spielen) guter Dinge sein, die Play-offs auf direktem Weg zu erreichen. „Nach den Siegen gegen Diez und Lauterbach befinden wir uns auf einem guten Weg“, sagt EHC-Coach Jens Hergt. Auch die 1:4-Niederlage am Sonntag in Dinslaken hat an dieser Einschätzung nicht viel geändert („Mund abwischen und gegen Diez die richtige Antwort finden“). Sein EGDL-Kollege Anton Weißgerber rechnete nach der Niederlage gegen die Bären vor: „Wir brauchen wahrscheinlich noch vier Siege, um unser Ziel zu erreichen, in die Play-offs zu kommen.“ Den ersten davon hat der Regionalliga-Aufsteiger am Freitag gegen die Bördeindianer aus Soest (9:0) eingesammelt, Nummer zwei haben sie sich für den Besuch in der Deichstadt auf die Fahnen geschrieben. „Die Diezer werden sich mit aller Macht revanchieren wollen für die Hinspielniederlage“, ist sich Hergt sicher.
Neuwied gegen Diez-Limburg – da geht es um mehr als drei Punkte. Das war schon vor anderthalb Wochen unübersehbar. „Dises Spiel war viel härter als andere. Beide Teams haben fast jeden Check zu Ende gefahren – so, wie das bei einem Derby sein sollte“, erinnert sich EHC-Schlussmann Felix Köllejan. „Und am Dienstag wird es sicherlich ähnlich hart und umkämpft. Da sich beide Mannschaften untereinander gut kennen, erwarten wir ein Spiel auf Augenhöhe“, will Verteidiger Christian Neumann den 9:4-Erfolg aus dem ersten Vergleich nicht überbewerten. Er ist sich sicher: „Mit unseren fantastischen Fans im Rücken werden wir wieder Derbysieger. Ich freue mich total auf die Atmosphäre, die in Diez schon absolut weltklasse war und viele Gänsehautmomente beschert hat.“
Im nun anstehenden richtigen Heimspiel, in dem Willi Hamann aufgrund der Vereinbarung zwischen beiden Teams im Zuge seines Frontenwechsels als Zuschauer hinter der Bande steht, wissen die Bären genau, wo sie ansetzen müssen. „Wenn wir wie in Diez die erste Reihe kaltstellen, stehen unsere Chancen sehr gut“, glaubt Neumann. „Wir müssen vor allem wieder hart spielen und ein unangenehmer Gegner sein. Allerdings dürfen wir in diesem besonderen Spiel nicht zu emotional werden, sondern müssen Ruhe bewahren und einfach unser Spiel spielen“, so Köllejans Vorstellung.
Diese erste Reihe der EGDL besteht aus dem Tschechen Martin Brabec, mit 25 Toren und 21 Assists bester Punktesammler der Regionalliga West, und seinen Nebenleuten, gegen Neuwied waren das Konstantin Firsanov und Matt Fischer. Hinter Brabec stehen in Person von Routinier Andrej Teljukin sowie Fischer zwei weitere EGDL-Spieler unter den Top-Fünf der Scorerwertung. Beeindruckende Werte, aber die Rockets sind auch sehr abhängig von ihnen. An 77 von 89 Treffern (!) war (mindestens) ein Spieler aus dem Trio beteiligt.

EHC-Serie endet in Dinslaken

Eine Serie musste ja reißen, und es war die des EHC „Die Bären“ 2016. Die Neuwieder verloren am Sonntagabend bei den Dinslakener Kobras mit 1:4. Beide Teams hatten zuvor jeweils fünfmal in Serie das Eis als Sieger verlassen.
Ein Rückstand gegen Dinslaken nach 40 Minuten – das kannten die Neuwieder aus dem Hinspiel. Aber nicht jedes Mal gelingt eine Aufholjagd wie diese vor knapp zwei Monaten, als der EHC aus einem 0:3 noch ein 4:3 machte. Diesmal jubelten die Giftschlangen, die unter der Leitung ihres seit Mitte November sich im Amt befindenden Trainers Krystian Sikorski damit weiterhin ungeschlagen sind und sich allmählich wieder an die Play-off-Ränge heranrobben. Nach dem Zu-Null-Spiel am Freitag gegen Lauterbach dehnten die Bären die Zeit ohne Gegentor zunächst um ein weiteres Drittel aus. 98 Minuten und eine Sekunde hatte sich der EHC schadlos gehalten, als Michal Plichta Dinslaken in der 21. Minute per Penalty mit 1:0 in Führung brachte. Den Kasten der Deichstädter hütete diesmal Michael Güßbacher, der eine gute Leistung zeigte. Die Entstehungsgeschichte des ersten Treffers an diesem Abend war kritikbehaftet. Robin Schütz hatte einen gegnerischen Angreifer zwar gefoult, dass der Unparteiische Robert Schelewski allerdings auf Penalty anstatt eine Hinausstellung entschied, konnte Jens Hergt nicht verstehen. „Der Dinslakener Spieler war niemals klar durch“, schilderte der EHC-Trainer. Sein Team steckte die Sache aber gut weg und glich in der 29. Minute durch Stephan Fröhlich nach Vorlage von Felix Köbele und Rylee Orr aus.
Die nächste Bewährungsprobe folgte auf den Fuß. Nach Strafen gegen Sven Schlicht und Michael Trimboli mussten die Gäste eine doppelte Unterzahlsituation überstehen und hielten sich in dieser brenzligen Phase schadlos. Ärgerlich jedoch, dass eine Unachtsamkeit in der 38. Minute durch Plichta bestrafte wurde und Timothy Tanke ebenfalls noch vor der zweiten Pause im Neuwieder Powerplay sogar auf 3:1 erhöhte. „Das war für uns noch kein Beinbruch“, setzte Hergt auf ein Comeback in den letzten 20 Minuten. Das blieb diesmal jedoch aus. „Wir haben alles versucht, sind mit der sehr robusten Spielweise des Gegners aber nicht zurechtgekommen. Uns fehlte die Durchschlagskraft nach vorne. Allerdings wurden auch zahlreiche Stockschläge und sonstige Foulspiele vom Schiedsrichter nicht geahndet. Es waren einige fragwürdige Entscheidungen dabei“, merkte der Neuwieder Coach an. Die Niederlage besiegelte Sven Linda in der Schlussminute.
Für die Bären heißt es nun Mund abwischen, das Spiel schnell abzuhaken und am Dienstagabend wieder zu 100 Prozent fokussiert zu sein. Es dürfte nicht schwer fallen, denn dann ist der Derbynachbar EG Diez-Limburg im Neuwieder Icehouse zu Gast (Spielbeginn: 20 Uhr). „Dann wollen wir die Antwort auf die heutige Niederlage geben“, richtet auch Hergt den Blick bereits voraus.

Dinslaken: Schaffrath (Zerbe) – Linda, Bronischewski, Hofschen, Macaj, Linse, Tsvetkov – Hüsken, Heffler, Dreyer, Haßelberg, Tanke, Plichta, Goldmann, Pleger, Schott, Brinkmann.
Neuwied: Güßbacher (Köllejan) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, Asbach, S. Schlicht, Hamann.
Schiedsrichter: Robert Schelewski.
Zuschauer: 602.
Strafminuten: Dinslaken: 4 – Neuwied: 10 + Disziplinarstrafen gegen Halfmann und Leuschner.
Tore: 1:0 Michal Plichta 21‘, 1:1 Stephan Fröhlich (Köbele, Orr) 29‘, 2:1 Michal Plichta (Hüsken, Linda) 38‘, 3:1 Timothy Tanke (Tsvetkov, Plichta) 39‘, 4:1 Sven Linda 60‘.

Köllejan vernagelt seinen Kasten

Endstation: Felix Köllejan, der auch diesen Schuss von Julian Grund abwehrt, feierte gegen Lauterbach seinen ersten Saison-Shutout. Links: EHC-Verteidiger Christian Neumann.

Endstation: Felix Köllejan, der auch diesen Schuss von Julian Grund abwehrt, feierte gegen Lauterbach seinen ersten Saison-Shutout. Links: EHC-Verteidiger Christian Neumann.

Energisch stößt sich Felix Köllejan von einem Torpfosten zum anderen, blitzschnell macht er mit den Schonern unten dicht, reflexartig reißt er die Fanghand hoch – dem Schlussmann des EHC „Die Bären“ 2016 steht in diesem Regionalliga-Spiel gegen den EC Lauterbach einfach nicht der Sinn danach, die Scheibe aus seinem Tor holen zu müssen. Muss er auch nicht. Der 20-jährige Torhüter der Neuwieder verdient sich diesen für einen Torhüter immer besonderen Moment, wenn die Schlusssirene ertönt und noch immer die Null auf der Anzeigetafel steht. Seine Mannschaftskollegen netzen vor 591 Zuschauern im Icehouse auf der anderen Seite des Eises viermal ein und schießen einen verdienten 4:0-Heimsieg heraus. „Wir hatten heute einen super Torhüter“, adelt EHC-Trainer Jens Hergt den Kölner auf der Pressekonferenz. „Felix musste hart arbeiten für den Shutout. Chancen waren für Lauterbach nämlich da.“
Es gibt diese Momente in einem Eishockeyspiel, in denen man das Gefühl bekommt, dass der Puck an diesem Abend offenbar dem Wunsch des Keepers entspricht und nicht zwischen den Pfosten die Torlinie überschreiten möchte. Vor Felix Köllejan gibt es zwei dieser Momente. In der 51. Minute zum Beispiel, als nach dem Schuss von Jake Fardoe das Geräusch von Hartgummi an Aluminium im Icehouse unüberhörbar ist. Oder sieben Minuten später: Köllejan lenkt mit der Linken irgendwie das Spielgerät über den Querbalken. Spätestens jetzt verzweifeln die Luchse aus dem Vogelsbergkreis an der Neuwieder Nummer eins, die die 30 auf dem Rücken trägt. Köllejan erhält nach Spielende die Auszeichnung als bester Neuwieder. Absolut gerechtfertigt, auch wenn ein zweiter Bär ebenfalls ein aussagekräftiges Bewerbungsschreiben aufgesetzt hatte: Stephan Fröhlich erzielte drei Treffer der Hergt-Truppe (16., 26., 35.) nachdem Philipp Felföldy den Anfang gemacht hatte (15.). „Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit der Leistung“, resümierte Hergt. Und auch der jetzt in Diensten der Lauterbacher tätige Ex-Bären-Coach Arno Lörsch verließ erhobenen Hauptes seine frühere sportliche Heimat: „Wir haben gegen eine spielerisch starke Neuwieder Mannschaft alles gegeben, was heute möglich war.“
Das Optimum konnten die Luchse kaum abrufen, weil unter der Woche ein Magen-Darm-Virus große Teile der Mannschaft flachgelegt hatte. Am Dienstag standen beim Training nur noch sechs Spieler auf dem Eis, Lörsch gingen sogar Gedanken durch den Kopf, die Partie abzusagen. Immerhin brachten die Hessen in Neuwied doch 16 Leute zusammen, auch wenn einige noch spürbar geschwächt waren. Das wurde nach ausgeglichener Anfangsphase immer deutlicher, je länger die Partie dauerte.
Zwei Schüsse aus der Distanz brachten die Gastgeber in die Spur. Nach einem von René Sting nach hinten gespielten Bully zog Philipp Felföldy unvermittelt ab und überwand EC-Torhüter Tim Marco Stenger. Eine Minute später passte Felix Köbele von der Torlinie ins Zentrum zu seinem Sturmpartner Stephan Fröhlich, der Stenger ebenfalls das Nachsehen gab. „Durch diese beiden Tore sind wir ins Spiel gekommen. Es folgte ein mit Ausnahme des viermütigen Powerplays gutes zweites Drittel“, analysierte Hergt. Zwei weitere Tore durch Kapitän Fröhlich klärten die Fronten. „Die Kräfte schwanden bei uns, das führte zu Strafzeiten“, beschrieb Lörsch den logischen Handlungsstrang nach rund der Hälfte der Spielzeit.
Im Schlussabschnitt gelang es den Bären, ähnlich wie schon im Derby gegen die EG Diez-Limburg, die Zeit souverän herunterzuspielen. Trainer Hergt wäre wohl rundum zufrieden gewesen, wenn sich sein Team nicht noch den einen oder anderen Besuch auf dem Sünderbänkchen geleistet hätte. „Aber so konnten wir noch etwas Unterzahl trainieren“, gewann er auch diesen Situationen noch etwas Positives ab. In Diez hatten die Bären noch drei Gegentore in Unterzahl kassiert, diesmal hielten sie komplett dicht. Auch, weil Felix Köllejan wildentschlossen war, den Puck nicht aus den Maschen holen zu müssen.

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, Asbach, S. Schlicht, Hamann.
Lauterbach: Stenger (Bernhofen) – Schophuis, Amend, Kärkäs, Mörschler, Hülskopf, Fardoe – P. Maier, Matheson, Wex, Grüner, Kult, Pietschmann, Grund, M. Maier.
Schiedsrichter: Markus Eberl.
Zuschauer: 591.
Strafminuten: Neuwied: 12 – Lauterbach: 16 + Disziplinarstrafe gegen Fardoe.
Tore: 1:0 Philipp Felföldy (Sting) 15′, 2:0 Stephan Fröhlich (Köbele, Trimboli) 16′, 3:0 Stephan Fröhlich (Orr, Köbele) 26′, 4:0 Stephan Fröhlich (Köbele, S. Schlicht) 35′.

Wiedersehen mit Arno Lörsch

Bei Lucas Leuschner ist am Sonntag der Knoten geplatzt. Der 20-jährige Angreifer erzielte gegen die EG Diez-Limburg seine ersten beiden Saisontore. Limburgs Konstantin Firsanov (im Hintergrund) fand's zum Schreien.

Bei Lucas Leuschner ist am Sonntag der Knoten geplatzt. Der 20-jährige Angreifer erzielte gegen die EG Diez-Limburg seine ersten beiden Saisontore. Limburgs Konstantin Firsanov (im Hintergrund) fand’s zum Schreien.

Eishockey-Regionalligist EHC „Die Bären“ 2016 hat Andenken ganz unterschiedlicher Natur an diesen Derbyabend am Diezer Heckenweg mitgebracht: drei weitere Punkte für das Ziel direkte Play-off-Qualifikation, noch einmal eine neue Portion Selbstvertrauen, aber auch schmerzhafte Erinnerungen. Einen blauen Fleck durch einen geblockten Schuss hier, eine Wunde durch einen zu hohen Stock da. „Ich gehe aber davon aus, dass am Wochenende alle wieder dabei sind“, sagt Neuwieds Trainer Jens Hergt. Das Wiedersehen mit vielen ehemaligen Neuwiedern, die jetzt für die EGDL spielen, ist dann Schnee von gestern, das nächste Ehemaligentreffen steht aber bereits vor der Tür. Am Freitagabend (Spielbeginn: 20 Uhr) kehrt Arno Lörsch als Trainer des EC Lauterbach zurück an seine alte Wirkungsstätte. „Auch das wird ein Prestigeduell“, sagt Hergt, der selbst noch unter Lörsch spielte, im Vorfeld des Heimspiels gegen die Luchse aus dem Vogelsbergkreis. Die zweite Aufgabe des ersten Dezemberwochenendes führt den EHC am Sonntag nach Dinslaken. Um 19 Uhr beginnt die Partie gegen die Kobras.
Der Tabellenvierte Neuwied (13 Spiele, 27 Punkte) trifft auf den Sechsten aus Lauterbach (14 Spiele, 25 Punkte) und den Siebten Dinslaken (14 Spiele, 21 Punkte) – das werden zwei Partien ganz im Zeichen des Kampfes um Rang sechs. „Hier kann sich bereits einiges herauskristallisieren. Wir brauchen aber weiterhin jeden Punkt“, unterstreicht Hergt, weil schon ein kleiner Durchhänger die gute Ausgangsposition schnell wieder relativieren kann.
Am Sonntagabend und am Montag durften die Spieler den 9:4-Derbysieg in Diez auskosten, bevor der Trainer die Vorbereitung auf die Saisonspiele Nummer 14 und 15 einläutete. „Wir müssen das in Diez Gezeigte bestätigen“, verlangt der gebürtige Berliner den gleichen Einsatz wie gegen die Rockets, als eine der offensivstärksten Reihen der Liga nicht nur von der Abwehr, sondern auch dem zurückarbeitenden Angriff sehr gut ausgeschaltet wurde. Genauso wie die EGDL, agiert auch Lauterbach sehr angriffsfreudig (76 Tore in 14 Spielen) und denkt erst sekundär an die Abwehr. „Sicher stehen, hart arbeiten und unseren Job machen.“ So stellt sich Hergt die taktische Ausrichtung vor, die vom Gastspiel an der Lahn keinen Zentimeter abweicht. Warum auch nach einem verdienten Sieg?
Neuwied hat zwar Vorsprung auf seine beiden nächsten Gegner, aber die laufen seit Wochen in der Erfolgsspur Schlittschuh. Lauterbach verließ letztmals am 23. Oktober in Soest das Eis ohne Punkte, obwohl Arno Lörsch jüngst nur ein Rumpfteam zur Verfügung stand. Zahlreiche Leistungsträger fielen aus, unter anderem der kanadische Torjäger Kenny Matheson. Inzwischen hat sich die Personalmisere jedoch wieder gelegt. Dinslaken holte zuletzt 13 von 15 möglichen Punkten. Der 4:3-Erfolg nach Penaltyschießen bei Meister Ratingen am Sonntag warnt die Neuwieder genauso wie das Hinspiel am Rhein, das sie nach 0:3-Rückstand noch mit 4:3 für sich entschieden. „Dinslaken wird in diesem Sechs-Punkte-Spiel um Platz sechs seine Serie fortsetzen wollen“, erwartet Hergt in der Schlangengrube ein weiteres Stück harte Arbeit. Der Erfolg der Kobras scheint auch eng mit Krystian Sikorski zusammenzuhängen. Seit vier Partien ist er als Trainer für die Mannschaft verantwortlich, Die Kobras verließen das Eis unter Sikorski bislang immer als Sieger. Aber irgendwann endet jede Serie. Neuwied will am Sonntag dafür sorgen.

Nach Blitzstart wird’s noch einmal eng

Nach der frühen 3:0-Führung mussten sich die Bären (links: Philipp Felföldy) noch einmal strecken, um die Bördeindianer aus Soest (rechts: Igor Furda) auf Distanz zu halten.

Nach der frühen 3:0-Führung mussten sich die Bären (links: Philipp Felföldy) noch einmal strecken, um die Bördeindianer aus Soest (rechts: Igor Furda) auf Distanz zu halten.

Es läuft die 55. Minute im Regionalliga-West-Spiel zwischen dem EHC „Die Bären“ 2016 und der Soester EG: Ein Steilpass der Gäste, ein durchstartender Martin Juricek, eine Abseitsentscheidung von Linienrichter David Walther, ein Hallo-wach-Schrei von Jens Hergt in Richtung seiner Verteidigung – die Bördeindianer werden in dieser Situation zwar zurückgepfiffen bei einem Angriff, der sehr gefährlich hätte werden können, aber der Neuwieder Trainer gerät trotzdem in Rage. Es ist ihm zu einfach, wie Juricek beinahe in Richtung EHC-Tor enteilt wäre. Dass der Trainer und die Neuwieder Anhänger an diesem Freitagabend in der Endphase der Partie noch einmal zittern müssen, hätten sie nach dem ersten Drittel für eher unwahrscheinlich gehalten. Mit 3:0 führten die Bären beim ersten Kabinengang, aber jetzt, als Juricek etwas vor der Scheibe die blaue Linie überquert, steht es nur noch 5:3. Und es wird sogar noch enger. Eine Minute später staubt der Slowake in Überzahl einen Abpraller ab und bringt die Westfalen sogar bis auf einen Treffer heran. Neuwied bibbert, verteidigt in der letzten Minute zu fünft gegen sechs Soester, bringt den knappen Vorsprung über die Zeit und setzt sich mit 5:4 durch. „Es war ein Arbeitssieg und wir haben die drei Punkte – das ist das Positive“, sagt Jens Hergt später auf der Pressekonferenz und merkt an: „Wir haben es nach der 3:0-Führung verpasst, konsequent weiterzuspielen und heute Unterzahltore kassiert, was so gehäuft vorher nicht der Fall gewesen war.“
Nach 13 Minuten rechneten nicht wenige mit einem Schützenfest der Neuwieder. Philipp Felföldy fälschte einen Schuss Andreas Halfmanns zum 1:0 ab (offizieller war René Sting), Morgan Reiner verwertete einen Abpraller zum 2:0 und Felix Köbele netzte in Überzahl zum 3:0 ein – was soll da noch schief gehen? Aber die Bären hatten ein wenig die Rechnung ohne die Kampfkraft der Gäste gemacht. Die waren aufgrund von Verletzungen und aus beruflichen Gründen nur mit zehn Feldspielern an den Rhein gekommen, darunter ein paar 16- und 17-Jährige, rückten aber ganz eng zusammen. „Die Spieler haben sich aufgeopfert, gekämpft und gearbeitet. Ich habe Hochachtung vor unseren Leuten, die sich sogar etwas Zählbares verdient gehabt hätten“, meinte Soests Trainer Dieter Brüggemann.
Ab dem zweiten Drittel kamen die Bördeindianer auf, weil sich die Einheimischen vielleicht schon im sicheren Hafen wähnten und ein paar Strafzeiten zu viel kassierten. Soest zeigte sich in Überzahl eiskalt und verkürzte durch den Kanadier Adam Klein (23.) sowie Vincent Brüggemann (32.) auf 3:2. Rylee Orr hielt die Soester Hoffnung auf den Ausgleich mit dem 4:2 (34.) nicht lange am Leben. Das Gleiche galt für Felix Köbele in der 53. Minute, der nach Vorlage von Rückkehrer Willi Hamann ebenfalls die passende Antwort fand auf Louis Gerbers neuerlichen Anschlusstreffer (52.). „Wir hätten im zweiten Drittel und nach dem 5:3 den Deckel draufmachen müssen“, kommentierte Hergt. Aber sein Team ließ einige gute Chancen liegen und musste nach dem vierten Soester Powerplaytor des Abends durch Martin Juricek (57.) noch einmal alle Sinne schärfen. Michael Güßbacher, erstmals von Anfang an zwischen den EHC-Pfosten, und seine Vorderleute hielten danach dicht und zitterten den kleinen Vorsprung über die Zeit.

Neuwied: Güßbacher (Köllejan) – Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Elzner, Neumann – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, Asbach, S. Schlicht, Hamann.
Soest: Arndt (Nickel) – Ross, Gröschner, Gerber, Hilgenberg – Klein, Juricek, Brüggemann, Polter, Furda, Peschke.
Schiedsrichter: Daniel Melcher.
Zuschauer: 502.
Strafminuten: Neuwied: 12 – Soest: 4.
Tore: 1:0 René Sting (Halfmann) 5′, 2:0 Morgan Reiner 6′, 3:0 Felix Köbele (Fröhlich, S. Schlicht) 13′, 3:1 Adam Klein (Furda) 23′, 3:2 Vincent Brüggemann (Polter) 32′, 4:2 Rylee Orr (Fröhlich, Köbele) 34′, 4:3 Louis Gerber (Hilgenberg) 52′, 5:3 Felix Köbele (Hamann) 53′, 5:4 Martin Juricek (Hilgenberg) 57′.

Der verlorene Sohn kehrt zurück

Nach einer Saison Pause und etwas mehr als einer Spielzeit bei der EG Diez-Limburg läuft Willi Hamann künftig wieder für die Bären auf.

Nach einer Saison Pause und etwas mehr als einer Spielzeit bei der EG Diez-Limburg läuft Willi Hamann künftig wieder für die Bären auf.

Carsten Billigmann machte sich bereits am frühen Donnerstagabend auf den Weg an die Lahn. Nicht, um sich in etwa schon einmal einen Eindruck vom Eiszustand in der Eissporthalle am Diezer Heckenweg zu machen, wo der EHC „Die Bären“ 2016 am Sonntag das Derby gegen die EG Diez-Limburg in der Eishockey-Regionalliga West bestreitet, oder zu beginnen, die Mannschaftskabine bereits in Beschlag zu nehmen. Der EHC-Manager fuhr aus einem anderen Grund zu Willi Lotz, dem 2. Vorsitzenden der Rockets, und gab um 16.41 Uhr schließlich Nachricht: „Ich habe ihn.“ „Ihn“, das ist der Spielerpass eines Bären-„Neuzugangs“: Nach überstandener Hängepartie haben die beiden Vereine im Tauziehen um Willi Hamann eine Einigung erzielt. Der 29-Jährige zählt seit diesem Moment wieder zum Neuwieder Kader.
„Ich freue mich  riesig, wieder das Neuwieder Trikot tragen zu können und es ist überragend zu wissen, jetzt wieder vor diesem Wahnsinnspublikum zu spielen“, sprudelt es aus dem 29-Jährigen heraus, der in vergangenen Wochen bereits im Icehouse auf dem Eis stand, allerdings nur zu den Trainingseinheiten. Die Spiele verfolgte er ob der noch fehlenden Freigabe als Zuschauer von der Bank aus. „Das war richtig hart. Natürlich hätte ich viel lieber als Teil dieser tollen Mannschaft gespielt“, sagt er zurückblickend.
Das kann Hamann, der sich aus Neuwied zwischenzeitlich verabschiedet und nach einem Jahr Pause vor der Saison 2015/16 der EGDL angeschlossen hatte, weil er Oberliga-Eishockey, Familie und Beruf nicht unter einen Hut bekommen hätte („Anders hätte ich Neuwied niemals verlassen“), vielleicht sogar am Freitagabend wieder. Ab 20 Uhr spielen die Bären zu Hause gegen die Soester EG. „Wir haben bereits den Antrag auf Ausstellung des neuen Passes an den Verband geschickt und hoffen nun, im Laufe des Freitags grünes Licht zu erhalten, sodass Willi mitspielen kann“, sagt Billigmann. Am Sonntag muss Hamann allerdings genauso wie am 6. Dezember noch zweimal zuschauen. EHC und EGDL verständigten sich darauf, dass der Stürmer an den beiden direkten Hauptrunden-Aufeinandertreffen nicht mitwirkt.

Doppelmission: Revanche und Derbysieg

Gegen Dortmund ließen die Bären nichts anbrennen und gewannen mit 6:1. Im Heimspiel gegen Soest geht es darum, die Hinspielniederlage vergessen zu machen. Und im Derby in Diez am Sonntag wird es an der besonderen Motivation ohnehin nicht mangeln.

Gegen Dortmund ließen die Bären nichts anbrennen und gewannen mit 6:1. Im Heimspiel gegen Soest am Freitag geht es darum, die Hinspielniederlage vergessen zu machen. Und im Derby in Diez am Sonntag wird es an der besonderen Motivation ohnehin nicht mangeln.

Als Jens Hergt am Sonntagabend nach dem überzeugenden 6:1-Erfolg des EHC „Die Bären“ 2016 über die Dortmunder Eisadler bereits einen ersten Blick auf die beiden bevorstehenden Aufgaben in der Eishockey-Regionalliga West warf, musste er einen Satz besonders betonen. Ein Satz, der für ein paar Euro ins Phrasenschwein gut ist, aber der schlichtweg ausgesprochen werden musste. Nicht nur am Sonntagabend, sondern in den zurückliegenden Tagen noch häufiger: „Die Priorität liegt zunächst einmal auf dem Freitag“, sagt der Neuwieder Trainer. Dann steht der sportliche Auftakt des ersten Adventswochenendes für die Bären mit dem Heimspiel gegen die Soester EG (Spielbeginn: 20 Uhr) im Icehouse an. „Unsere Heimspiele sind für uns immer etwas Besonderes. Alleine schon wegen unserer tollen Fans“, merkt Hergt an. Aber es gibt auch Partien, die noch mehr sind als besonders. Das zwei Tage später ab 19 Uhr bei der EG Diez-Limburg in der Eissporthalle am Diezer Heckenweg in etwa. Und wenn dieses brisante Derby ins Spiel kommt, wird klar, warum Hergt so viel Wert darauf legt, zunächst einmal den Fokus ganz auf Soest zu richten. Schließlich könnten die Gedanken schnell einmal einen 48-stündigen Zeitsprung machen.
Der letztjährige Oberligist hat nach der 1:4-Niederlage im Hinspiel (Hergt: „Das war eine der Partien, in der wir kein Scheibenglück hatten“) nämlich noch etwas gutzumachen und gleichzeitig vor, seine Platzierung unter den Top-Sechs zu festigen. Soest, mit 13 Punkten aus zwölf Partien auf Tabellenplatz zehn, hat von den jüngsten sieben Begegnungen nur eine für sich entschieden (5:3 gegen Neuss), ist jedoch nicht zu unterschätzen. „Die haben drei ausgeglichene Reihen und auch zwei torgefährliche Importspieler“, weiß der Neuwieder Coach zu berichten. Der Kanadier Adam Klein war bislang an 25 von 46 SEG-Treffern beteiligt. Auch der Slowake Martin Juricek und Igor Furda verfügen über ausgeprägte Scorerqualitäten. „Aber“, da ist Hergt zuversichtlich, „zu Hause sollte ein Sieg gegen Soest möglich sein.“
Drei Punkte gegen die Westfalen – das wäre zusätzliches Mentaldoping für die Partie bei den „Rockets“ von der Lahn. Wenn das überhaupt notwendig ist. Denn auf das Derby fiebert Neuwied schon lange hin. Bereits im Hochsommer, als bei Temperaturen rund um die 30-Grad-Marke noch nicht an Eishockey zu denken war, machten Worte von Falk Elzner deutlich, welchen Stellenwert die Partien gegen die Raketen für die EHC-Spieler haben: „Alexander Neurath würde ich von der blauen Linie gerne drei, vier Dinger einlöten. Ich freue mich darauf, gegen meine alten Kollegen zu spielen.“ Vier Monate sind seitdem vergangen und das Fieber dürfte sich noch einmal vervielfacht haben. Torwart Neurath ist einer von neun (!) Spielern im aktuellen Aufgebot des Regionalliga-Neulings (zu Saisonbeginn waren es inklusive der beiden bereits ausgestiegenen Willi Hamann und Igor Engelmann sogar derer elf), die schon das Neuwieder Trikot trugen: Daniel Niestroj, Andreas Wichterich, Dominik Kley, Karl Neubert, Alexander Neurath, Dennis Stroeks, Marco Herbel, Patrik Morys und nicht zuletzt Andrej Teljukin, der nach dem DEL-Aufstieg mit Bremerhaven im Sommer zu seiner ersten Deutschland-Station zurückkehrte und einer der Gründe dafür ist, warum die Mannschaft von Trainer Anton Weißgerber, Nachfolger des bereits entlassenen Holger Pöritzsch, das Wochenende als Tabellenzweiter angeht und die beste Offensive der Liga stellt. 5,5 Tore erzielten die Rockets durchschnittlich pro Partie. Vor allem die erste Sturmreihe um den ehemaligen Nürnberger DEL-Spieler Konstantin Firsanov und den Tschechen Martin Brabec (Liga-Topscorer mit 20 Toren und 15 Assists) brennt im Angriff häufig ein Feuerwerk ab. „Wir müssen aus einer kompakten Abwehr heraus spielen, werden dann unsere Chancen bekommen und auch Tore schießen“, ist sich Hergt sicher. Denn hinten sind die Diezer und Limburger anfällig. 63 Gegentore sind zwei mehr als bei der Soester EG. Und auf das Spiel gegen eben diese liegt in Neuwied ja zunächst einmal die Priorität. Genau bis zur Schlusssirene am Freitagabend.

Bären besiegen Dortmund sehr überzeugend

Da schlägt es ein im Dortmunder Tor: Dennis Schlicht schaut seinem Schuss hinterher, der zum 2:0 für die Bären in den Maschen landet.

Da schlägt es ein im Dortmunder Tor: Dennis Schlicht schaut seinem Schuss hinterher, der zum 2:0 für die Bären in den Maschen landet.

Nun gut, gegen Ende des zweiten Drittels legte sich ein leichter Nebel über die Eisfläche des Neuwieder Icehouses – das muss zur Ehrenrettung von Thomas Schmitz gesagt werden. Aber so schlecht war die Sicht wahrlich auch nicht, dass der Trainer der Dortmunder Eisadler seine Wahrnehmung damit hätte begründen können. Er wetterte nach dem Gastspiel seiner chancenlosen Mannschaft in der Eishockey-Regionalliga West am Sonntagabend beim EHC „Die Bären“ 2016, in Neuwied werde man von den Schiedsrichtern ja immer auf den Arm genommen und sagte deshalb seine Teilnahme an der Pressekonferenz ab. So saß nur sein EHC-Kollege Jens Hergt neben Moderator Fabian Illigens im VIP-Raum und sprach von einem verdienten 6:1-Sieg seiner Mannschaft. Da hätte auch Schmitz – leichter Nebel hin oder her – eigentlich nicht widersprechen können. Warum der Dortmunder Coach sich benachteiligt fühlte? Es blieb sein Geheimnis. Schiedsrichter Marcus Trottmann, in dieser Saison pfeifender Dauergast bei Neuwieder Heimspielen, fällte insbesondere im zweiten Drittel auf beiden Seiten Entscheidungen, die schwer nachvollziehbar waren. Bei Miles Steinschneiders brutalen Stockcheck ins Gesicht von Felix Köbele blieb dem Unparteiischen aber wahrlich keine andere Wahl, als den Dortmunder Verteidiger in der 37. Minute unter die Dusche zu schicken.
Zu diesem Zeitpunkt hatten die Bären in souveräner Manier schon eine klare Führung herausgeschossen. Druck zum Tor machen und konzentriert verteidigen – so hatte sich Jens Hergt seine Mannschaft gewünscht, und genauso sah er sie auch am Sonntagabend vor 696 Zuschauern. „Wenn man aufs Tor schießt und vor dem gegnerischen Torhüter für Verkehr sorgt, trifft man eben auch“, freute er sich bereits im ersten Drittel über drei Tore. Offiziell standen auf dem Spielberichtsbogen zwar Sven Schlicht, Dennis Schlicht und Andreas Halfmann als Torschützen, was auf Kosten von Routinier Marc Blumenhofen, später zum Besten Neuwieder gewählt, ging, der sowohl beim 2:0 als auch beim 3:0 wohl noch als Letzter seinen Schläger am Puck hatte. Neuwied kontrollierte die Partie und hatte den Gegner auch defensiv bis auf wenige Ausnahmen im Griff. Zu diesen Ausnahmen zählten die ersten Minuten des zweiten Abschnitts, als die Bären etwas zu passiv agierten, sich aber auch in dieser Phase schadlos hielten. Die Gastgeber fingen sich wieder und schraubten das Ergebnis nach einer sehenswerten Kombination durch Robin Schütz (27.) sowie Rylee Orr, der den Flachschuss des offiziellen Torschützen Michael Trimboli noch abfälschte (29.), auf 5:0 in die Höhe. Für Patrick Fücker bedeutete dieses Gegentor das vorzeitige Aus. Nach der Hälfte der Spielzeit wechselte Thomas Schmitz seinen Schlussmann und brachte Marius Dräger ins Spiel. Der hatte erst wenige Sekunden Position zwischen den Pfosten bezogen, da musste sein Gegenüber Felix Köllejan sein einziges Gegentor des Abends hinnehmen. Peter Zirnov traf in Überzahl zum 5:1.
Überzahl? Unterzahl? Davon gab es danach reichlich. Schiedsrichter Trottmann hatte Gefallen daran gefunden, die Strafbänke zu füllen. Teilweise standen beide Teams noch mit drei Akteuren auf dem Eis, dafür saßen insgesamt acht rechts und links der Zeitnahme. „Der Schiedsrichter hat sein eigenes Spiel aus dieser Partie gemacht“, verstand Jens Hergt so einige Pfiffe nicht. Bei der Zeitstrafenflut fiel es schwer, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Vielleicht auch deshalb konnte der EHC eine lange 5:3-Überzahl nicht nutzen, was angesichts des klaren Vorsprungs allerdings zu verschmerzen war.
Noch deutlicher machte Sven Schlicht in der 41. Minute das Ergebnis, als er das halbe Dutzend vollmachte. „Danach haben wir die Partie souverän zu Ende gespielt“, beobachtete Trainer Hergt zufrieden und zog den Hut „vor jedem Spieler, der auf dem Eis stand“. Und Dortmund hatte Glück, nicht noch deutlicher verloren zu haben. Ob das Thomas Schmitz das auch so sah, blieb offen.

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Elzner, Neumann – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, Asbach, S. Schlicht.
Dortmund: Fücker (ab 31. Dräger) – Zirnov, Steinschneider, Gleibler, Buchwald, Licau – Kruminsch, Berger, Wichern, Beeg, Schmitz, Alda, Wollmann, Menzel, Rinke.
Schiedsrichter: Marcus Trottmann.
Zuschauer: 696.
Strafminuten: Neuwied: 26 – Dortmund: 23 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Steinschneider.
Tore: 1:0 Sven Schlicht (Fröhlich, Orr) 10‘, 2:0 Dennis Schlicht (Leuschner, Blumenhofen) 14‘, 3:0 Andreas Halfmann (Blumenhofen, Leuschner) 17‘, 4:0 Robin Schütz (Orr, Köbele) 27‘, 5:0 Michael Trimboli (Fröhlich) 29‘, 5:1 Peter Zirnov (Licau, Berger) 31‘, 6:1 Sven Schlicht (Fröhlich, Orr) 41‘.

Frische Beine nach freiem Wochenende

Zug zum Tor (so wie hier Felix Köbele und Stephan Fröhlich gegen Neuss) sollen die Bären am Sonntag im Heimspiel gegen Dortmund ausüben, gleichzeitig aber auch (anders als gegen Neuss) hinten sicher stehen.

Zug zum Tor (so wie hier Felix Köbele und Stephan Fröhlich gegen Neuss) sollen die Bären am Sonntag im Heimspiel gegen Dortmund ausüben, gleichzeitig aber auch (anders als gegen Neuss) hinten sicher stehen.

Spielfreie Wochenenden haben in der Eishockey-Regionalliga West Seltenheitswert. Hinter dem EHC „Die Bären“ 2016 liegt ein solches, und es kam durchaus zu einem guten Zeitpunkt. Nach den beiden vorangegangenen Kraftakten gegen den Neusser EV (8:10) und den EC Lauterbach (4:3 nach Penaltyschießen) haben die Deichstädter die Akkus jetzt wieder aufgeladen und sprühen vor neuem Tatendrang. Die Beine sind frisch, der Hunger auf die nächsten Punkte groß. „Unser Ziel sind ganz klar drei Punkte“, sagt Trainer Jens Hergt im Vorfeld des Heimspiels am Sonntagabend im Icehouse ab 19 Uhr gegen die Dortmunder Eisadler.
Die Gegebenheiten des Spielplans könnten dafür sorgen, dass die Bären vor der Partie gegen die Westfalen erstmals in dieser Saison nicht Mitglied der Top-Sechs sind, die sich direkt für die Play-offs qualifizieren. Das wäre der Fall, wenn der EC Lauterbach am Freitagabend sein Heimspiel gegen die Soester EG nach 60 Minuten für sich entscheidet. Von Druck oder sogar Panik angesichts dieser drohenden Konstellation, vorübergehend unter den Strich zu rutschen, ist bei den Neuwiedern nichts zu spüren. „Gegenüber Neuss haben wir zum Beispiel drei Spiele weniger bestritten. Und außerdem können wir an Lauterbachs Ergebnis ja auch nichts ändern. Wir schauen auf uns, haben uns gut vorbereitet und wollen unser Spiel durchbringen“, betont Hergt. „Aber um am Ende der Hauptrunde unter den Top-Sechs zu stehen, müssen wir in dieser ausgeglichenen Liga in jeder Partie hart arbeiten und 100 Prozent geben.“
Auch gegen die Eisadler. Die vollzogen im Sommer einen großen Umbruch, die Mannschaft hat ihr Gesicht nach dem Halbfinal-Einzug in der Vorsaison stark verändert, weil der Verein die finanziellen Forderungen der Spieler nicht mitgehen wollte. „Wir werden nicht die grandiosen Siege der vergangenen Jahre einfahren“, prognostizierte Dortmunds Vorsitzender Lothar Grabe vor dem Saisonauftakt. So überrascht es schon ein wenig, dass die Mannschaft von Trainer Thomas Schmitz, bis Januar noch in Dinslaken hinter der Bande, bereits 20 Punkte gesammelt hat. „So weit vorne hätte ich sie nicht unbedingt erwartet“, gibt Jens Hergt zu, auch wenn die Dortmunder Verantwortlichen einige gute Ehemalige an ihre alte Wirkungsstätte zurückholten, und zieht den Hut vor dem nächsten Gegner. Aber nach dessen starken Leistungen in der ersten Hälfte der Haupttrunde weiß der gebürtige Berliner immerhin, was sein Team am Sonntag auf heimischem Eis erwartet: „Mit Ausnahme der 0:5-Niederlage gegen Herford haben die Dortmunder immer wenige Gegentore kassiert. Wir müssen Druck aufs Tor ausüben, hinten aber auch sicher stehen, denn sie haben auch einige Spieler, die bestens wissen, wo das Tor steht“, setzt Hergt auf eine ausgewogene Mischung seines Teams aus Defensive und Offensive.