Bären ziehen deutlich den Kürzeren

Rylee Orr erzielte in Hamm zwei der vier Neuwieder Treffer.

Rylee Orr erzielte in Hamm zwei der vier Neuwieder Treffer.

Viele Gegentore kassiert der EHC „Die Bären“ 2016 in dieser Saison normalerweise nicht. Ja, da war dieses 8:10-Spektakel gegen den Neusser EV Anfang November, aber ansonsten müssen sich Felix Köllejan und Michael Güßbacher, die Torhüter des Eishockey-Regionalligisten, nicht über mangelnde Unterstützung ihrer Vorderleute ärgern. In Hamm erlebten beide am Montagabend somit ein eher ungewohntes Gefühl. Bei der 4:9-Niederlage gegen die Eisbären mussten die Neuwieder viel einstecken. Und um das Stichwort „Ärger“ aufzugreifen: Güßbacher und Köllejan, die sich die Spielzeit im Verhältnis 1:2 aufteilten, hatten nicht unbedingt einen Hals auf die EHC-Abwehr, viel mehr war der Mann mit dem gestreiften Trikot und den roten Markierungen an den Ärmeln derjenige, der in Reihen der Gäste für Kopfschütteln sorgte. Die Bezeichnung „grenzwertig“ war noch die diplomatischste, die Neuwieds Trainer Jens Hergt wählte, um die Darbietung von Hauptschiedsrichter Marc-André Naust zu bezeichnen. „Wir haben zwar verloren, aber auch gesehen, dass diese starke Hammer Mannschaft mit einer normalen Schiedsrichterleistung schlagbar ist“, so Hergt.
Schon die Anfangsphase stand sinnbildlich für das, was im Laufe des Abends vor 603 Zuschauern passieren sollte. Bei gleichem Kräfteverhältnis begegneten sich beide Teams auf Augenhöhe, Neuwied besaß die erste gute Möglichkeit. Und dann? Rylee Orr sowie Christian Neumann kassierten die ersten vier von insgesamt 84 (!) Neuwieder Strafminuten. Mit drei gegen fünf Feldspieler konnten Güßbacher, der diesmal von Anfang an im Tor stand, und Co. den ersten Jubel der Westfalen nicht verhindern. Kevin Thau traf in der fünften Minute und sollte noch deutlich mehr im Köcher haben. Hamms Topscorer erhöhte mit einem Hattrick auf 2:0 (7.) und 3:0 (9.). Rylee Orr brachte die Bären heran (14.), aber der Ex-Neuwieder Michel Maaßen stellte vor dem ersten Kabinengang den alten Abstand wieder her (18.).
Um einen Ruck zu bewirken, wechselte Hergt den Schlussmann, brachte Köllejan für Güßbacher zu Beginn eines Drittels, in dem sich die Deichstädter von Naust endgültig auf die Schippe genommen fühlten. „Keine Strafzeiten mehr kassieren.“ Diese Devise gab Hergt aus, Naust hatte etwas dagegen – erstmals nach 18 Sekunden, als Felix Köbele wofür auch immer (offizielles Vergehen: Behinderung) in die Kühlbox musste. Auch, dass der Unparteiische die Hammer Tore Nummer fünf und sechs anerkannte, konnten die Bären nicht begreifen. Vor Oliver Krafts 5:1 (23.) sei das Gehäuse bereits aus der Verankerung gehoben gewesen, was Köllejan reklamierte, der sich hierfür eine Zehn-Minuten-Strafe einhandelte. Vor Thaus viertem Treffer zum 6:1 (27.) habe Maaßen vor dem Tor und den Augen Nausts mehrfach Stockschläge auf die Arme der Verteidiger ausgeteilt. Jetzt gingen mit den Gästen die Gäule durch. Dennis Schlicht kassierte wegen Reklamierens zwei Zehner und damit automatische eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Auch die EHC-Bank bekam eine große Strafe aufgebrummt. „Mit dem 6:1 war die Messe natürlich gelesen“, musste Jens Hergt erkennen, der aber nichts unversucht ließ und zwischenzeitlich auf zwei Reihen umstellte, um den Druck auf die Hausherren zu erhöhen. Die erste Formation verkürzte durch Rylee Orr und Stephan Fröhlich zum 6:2 (36.) und 7:3 (39.). Dazwischen netzte Marvin Cohut auf der Gegenseite ein (38.).
Als im Schlussdrittel dann auch die Gäste mal wieder in Überzahl agieren durften, nahm der EHC-Coach bei einer ausstehenden Fünf-gegen-drei-Situation die Auszeit. Ein Doppelschlag, und die Rheinland-Pfälzer wären wieder im Rennen gewesen. Stattdessen traf Maaßen in Unterzahl (47.) und machte alle Hoffnungen auf einen Auswärtssieg zunichte. Ibrahim Weißleder legte noch das 9:3 nach (52.) ehe Felix Köbele den Schlusspunkt zum 9:4-Endstand setzte (57.).
„Unsere individuellen Fehler und der Schiedsrichter haben uns heute um mögliche Punkte gebracht“, nannte Jens Hergt die in seinen Augen ausschlaggebenden Elemente für die Niederlage.

Hamm: May (Pitzko) – Domula, Pietzko, Schäfer, Köchling, Hemeier, Ortwein, Kuchnia – Demuth, Maaßen, Ehlert, Trapp, Cohut, Weißleder, Kuntu-Blankson, Kraft, Thau, Loecke.
Neuwied: Güßbacher (ab 21. Köllejan) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Leuschner, S. Schlicht, Bill, Hamann.
Schiedsrichter: Marc-André Naust.
Zuschauer: 603.
Strafminuten: Hamm: 20 – Neuwied: 24 + Disziplinarstrafe gegen Köllejan + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Dennis Schlicht + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen die Bank.
Tore: 1:0 Kevin Thau (Domula) 5‘, 2:0 Kevin Thau (Kraft, Demuth) 7‘, 3:0 Kevin Thau (Demuth) 9‘, 3:1 Rylee Orr (Köbele, Fröhlich) 14‘, 4:1 Michel Maaßen (Ortwein, Pietzko) 18‘, 5:1 Oliver Kraft (Thau, Demuth) 23‘, 6:1 Kevin Thau (Maaßen) 27‘, 6:2 Rylee Orr (Fröhlich, Köbele) 36‘, 7:2 Marvin Cohut (Trapp) 38‘, 7:3 Stephan Fröhlich (S. Schlicht, Orr) 39‘, 8:3 Michel Maaßen (Thau, Cohut) 47‘, 9:3 Ibrahim Weißleder (Kraft) 52‘, 9:4 Felix Köbele (Trimboli, Schütz) 57‘.

EHC hat an Weihnachten nichts zu verschenken

Die Bären-Abwehr mit Robin Schütz (links) muss in Hamm wachsam sein. Trainer Jens Hergt spricht dem Gegner (rechts: Ibrahim Weißleder) Oberliga-Format zu.

Die Bären-Abwehr mit Robin Schütz (links) muss in Hamm wachsam sein. Trainer Jens Hergt spricht dem Gegner (rechts: Ibrahim Weißleder) Oberliga-Format zu.

Wer an Weihnachten einen Eishockeyspieler an der Festtagstafel sitzen hat, muss nicht zwangsläufig seine Kochkünste hinterfragen, wenn er den Teller nicht allzu üppig mit Braten und Beilagen vollpackt. Der Puckjäger muss auch an diesen Tagen darauf achten, dass der Schmaus nicht schwer im Magen liegt, denn eine Pause über die Feiertage kennt der schnellste Mannschaftssport der Welt nicht. Wenn dann auch noch die Saisonphase läuft, die die Weichen für den weiteren Verlauf des Spieljahres stellt, heißt es erst recht, sich nur reduziert von Plätzchenteller und Co. zu bedienen.
Das sportliche Weihnachtsprogramm des EHC „Die Bären“ 2016 in der Regionalliga West ist eine ordentliche Bescherung: Die Neuwieder spielen am Montagabend ab 18.30 Uhr bei den Hammer Eisbären, dem Vizemeister der 1. Liga West und einem heißen Anwärter auf den Titel in dieser Spielzeit. „Sie haben eine sehr gute Mannschaft, die auch in der Oberliga mithalten könnte“, sagt Neuwieds Trainer Jens Hergt. Als die Saison noch in den Kinderschuhen steckte, blieben die Ruhrgebietler mit vier Niederlagen in den ersten sieben Partien zunächst noch hinter ihren Erwartungen zurück. Unter anderem waren sie im Hinspiel in Neuwied chancenlos und unterlagen mit 1:4. Aber das hat längst keine Bedeutung mehr. Hamm gab im November keinen einzigen Zähler ab. Es war nur eine Frage der Zeit, dass die Mannschaft von Ralf Hoja, die am Freitag zunächst noch zu den Kobras nach Dinslaken muss, in Fahrt kommt.
Dass die Eisbären Ambitionen hegen, zeigt nicht zuletzt die Nachverpflichtung von Michel Maaßen. Der 34-jährige Angreifer spielte in der Saison 2014/15 in Neuwied (39 Scorerpunkte in 23 Oberligapartien), bevor er über die Stationen Selb und Herne zu dem Verein zurückkehrte, von dem er vor zweieinhalb Jahren an den Rhein gewechselt war. Die 1:2-Niederlage gegen Herford konnte Maaßen bei seiner Rückkehr in die HeliNet-Eissportarena zwar nicht verhindern, dafür steuerte er beim 10:2-Kantersieg über die EG Diez-Limburg am Sonntag drei Tore und drei Assists bei. „Michel wird uns weiterhelfen mit seiner Erfahrung. Allerdings hat er gut zwei Monate nur trainiert und braucht daher noch etwas, um sein Leistungsniveau voll ausschöpfen zu können“, so Hoja.
Während auf Seiten der Bären der zuvor verletzungsbedingt einmal fehlende Robin Schütz schon gegen Herford wieder auf dem Eis stand und Felix Köbele seinen „Pflichtstopp“ in Folge der Spieldauerdisziplinarstrafe aus dem Ratingen-Spiel abgesessen hat, fehlt bei Hamm einer der beiden Kontingentspieler: Der Tscheche Kamil Vavra erhielt gegen die EGDL nach einem Stockschlag eine Matchstrafe und verbüßt bis auf weiteres die fällige Sperre.
Neuwied fährt am zweiten Weihnachtsfeiertag mit Respekt, aber ohne Angst nach Nordrhein-Westfalen. Warum sollte sich die Hergt-Truppe verstecken? Sie hat sich immerhin auch in Ratingen durchgesetzt. Genau die Strategie aus der Partie bei den Ice Aliens gibt der EHC-Coach seinem Team auch für die nächste schwere Aufgabe mit auf den Weg: „Wir versuchen kompakt zu stehen, wollen auf Konter lauern und so lange wie möglich die Null halten. Auch in Hamm ist für uns etwas machbar.“

Bären und Dragons betreiben beste Werbung

An intensiven Zweikämpfen mangelte es am Sonntag nicht. Hier nehmen die Bären Alexander Bill (links) und Christian Neumann (rechts) Herfords Sven Johannhardt in die Zange.

An intensiven Zweikämpfen mangelte es am Sonntag nicht. Hier nehmen die Bären Alexander Bill (links) und Christian Neumann (rechts) Herfords Sven Johannhardt in die Zange.

Geschichte wiederholt sich manchmal innerhalb kurzer Zeit: Zum zweiten Mal binnen knapp 48 Stunden ging eine Partie in der Eishockey-Regionalliga West für den EHC „Die Bären“ 2016 ins Penaltyschießen, zum zweiten Mal setzten sich die Neuwieder durch, zum zweiten Mal erwies sich Sven Schlicht als nervenstarker Schütze. Das „game winning goal“ beim 3:2-Heimsieg über den Herforder EV ging aber auf das Konto von Rylee Orr. „Wenn mir vor dem Wochenende jemand vier Punkte angeboten hätte, hätte ich die sofort genommen. Deshalb bin ich zufrieden mit der Ausbeute“, zog EHC-Trainer Jens Hergt Bilanz.

Warum stehen diese Ice Dragons aus Herford eigentlich nur auf Position neun mit allenfalls noch theoretischen Chancen auf eine Top-Sechs-Platzierung nach der Hauptrunde? So wie sich die Ostwestfalen am Sonntagabend vor 621 Zuschauern präsentierten, könnten sie deutlich weiter vorne mitspielen. Physisch stark, aggressiv im Forechecking und jederzeit mit Zug zum Tor begegnete die Mannschaft von Trainer Jeff Job den Bären absolut auf Augenhöhe. Es entwickelte sich eine der unterhaltsamsten Partien der bisherigen Saison im Icehouse. „Das Spiel befand sich auf sehr gutem Regionalliga-Niveau“, stellten die Übungsleiter einstimmig fest. Dass beide Seiten schließlich etwas für ihr Punktekonto tun konnten, ging demnach in Ordnung.

Der EHC, gegenüber dem Auswärtssieg in Ratingen am Freitag wieder mit Robin Schütz und Willi Hamman auf dem Eis, dafür ohne den gesperrten Felix Köbele, kam im ersten Drittel nicht richtig in die Zweikämpfe. „Das war auch dem hohen Energieaufwand vom Freitag geschuldet“, erklärte Jens Hergt. Trotzdem gingen die Gastgeber mit einer 1:0-Führung in die erste Pause, weil Michael Trimboli in Überzahl die Vorarbeit von Stephan Fröhlich und Rylee Orr nutzte (11.). Durchaus etwas glücklich, denn Herford schnupperte bei guten Gelegenheiten am Ausgleich. Felix Köllejan im Neuwieder Tor wehrte sich vehement gegen einen Gegentreffer und konnte sich bei einem Alleingang von Nils Bohle zudem auf das Glück des Tüchtigen verlassen, als der Pfosten rettete. Nach 24 Minuten musste der 20-Jährige den Puck dann doch passieren lassen. Leon Nasebandts Flachschuss schlug im Tor ein. Immer mehr Entlastung für die EHC-Paradereihe bringen Philipp Felföldy, Marc Blumenhofen und René Sting inzwischen aufs Eis, die das 2:1 einleiteten. Felföldy und Sting legten auf, Blumenhofen, der kurz zuvor bereits die Latte getroffen hatte, brachte die Kombination zu Ende (29.). Die gutklassige Begegnung entwickelte sich in dieser Phase zu einem spektakulären Schlagabtausch mit Tormöglichkeiten für die Bären in Person von Robin Schütz (30.), der an der herauszuckenden Fanghand Lars Morawitz‘ scheiterte, sowie Willi Hamann und Rylee Orr, die eine Zwei-gegen-eins-Situation vergaben. „Es war schon etwas kurios, dass wir die Partie besser in den Griff bekamen, das Mitteldrittel aber mit 1:2 verloren haben“, schilderte Hergt. Sven Johannhardt fälschte einen Schlagschuss Philipp Brinkmanns‘ zum erneuten Remis ab (33.).

Im Schlussabschnitt konzentrierten sich die Gastgeber primär auf die Defensive. „Wir wollten lieber einen Punkt mitnehmen als zu viel zu riskieren“, erklärte der EHC-Coach die taktische Herangehensweise. „Allerdings passierten auch Sachen zum Haare raufen“, litt Hergt auf der Bank mit, wenn die Scheibe im eigenen Drittel nicht sauber genug aus dem Gefahrenbereich befördert wurde. Das Nachsetzen der Ice Dragons zeigte Wirkung, bei Felix Köllejan war allerdings spätestens Endstation.

Auch im Penaltyschießen stand der Keeper seinen Mann. Gegen Donatas Vitte riss Köllejan bereits auf dem Eis liegend fast im Stile eines Dominik Hasek die rechte Schiene noch nach oben, auch Jan-Niklas Linnenbrügger ging leer aus. „Und wir haben eben auch ein paar Jungs, die Penaltys schießen können“, kommentierte Hergt die Tore von Rylee Orr und Sven Schlicht, die bereits vor dem dritten Herforder Schützen den fünften Neuwieder Sieg im fünften Shootout dieser Saison und damit die Punkte Nummer 36 und 37 absicherten. So könnte der EHC bereits am 26. Dezember bei der nächsten schweren Auswärtsaufgabe im Hamm mit einem Sieg und ein wenig Schützenhilfe die direkte Play-off-Qualifikation absichern. In die Play-offs wollen auch die Herforder. Allerdings muss sich der HEV dafür aller Voraussicht nach in der Relegationsrunde auf Rang eins oder zwei behaupten. Zuzutrauen ist das den Ice Dragons allemal, wenn sie weiterhin so spielen wie in den vergangenen Wochen und am Sonntagabend in Neuwied.

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Felföldy, Leuschner, S. Schlicht, Bill, Hamann.
Herford: Morawitz (Rusche) – Bohle, Brinkmann, Kiel, Schmunk, Derksen, Rempel – Lindt, Nasebandt, Johannhardt, MacQueen, Linnenbrügger, Staudt, Vitte.
Schiedsrichter: Daniel Melcher.
Zuschauer: 621.
Strafminuten: Neuwied: 8 – Herford: 12.
Tore: 1:0 Michael Trimboli (Fröhlich, Orr) 11‘, 1:1 Leon Nasebandt (Bohle) 24‘, 2:1 Marc Blumenhofen (Felföldy, Sting) 29‘, 2:2 Sven Johannhardt (Brinkmann, Bohle) 33‘. Penaltyschießen: 3:2 Rylee Orr.

Unterzahl – na und?

Sven Schlicht (links) verwandelte den entscheidenden Penalty zum 4:3-Sieg in Ratingen.

Sven Schlicht (links) verwandelte den entscheidenden Penalty zum 4:3-Sieg in Ratingen.

Wer in 60 Minuten kein Tor bei gleicher Spielerstärke oder in Überzahl erzielt, hat im Eishockey normalerweise schlechte Karten. Aber was ist in der schnellsten Mannschaftssportart der Welt schon normal? „Nach so vielen Jahren als Trainer denkst du eigentlich, alles schon erlebt zu haben. Doch das heute war auch für mich neu“, sagte Alexander Jacobs, Trainer der Ratinger Ice Aliens, nach dem Regionalliga-Gastspiel des EHC „Die Bären“ 2016 in der Eissporthalle am Sandbach. Die Neuwieder erzielten drei Treffer (!) in numerischer Unterlegenheit und besiegten den Tabellenführer und amtierenden Meister der 1. Liga West mit 4:3 nach Penaltyschießen. Schon das Hinspiel hatten die Bären im Shootout für sich entschieden. „Wir sind froh über diese beiden extrem wichtigen Punkte“, freute sich EHC-Coach Jens Hergt.
Ohne den verletzten Robin Schütz und den aus beruflichen Gründen fehlenden Willi Hamann machten die Neuwieder von Anfang an deutlich, dass sie aus einer kompakten Abwehr heraus die Ice Aliens piesacken wollten. Ein Plan, der aufging. Der EHC ließ im ersten Abschnitt kaum etwas Gefährliches der Ratinger zu und ging in der elften Minute in Führung. Stephan Fröhlich luchste Dustin Schumacher die Scheibe ab und gab Schlussmann Dennis Kohl das Nachsehen – Unterzahltor Nummer eins der Gäste mit der ersten echten Torgelegenheit des Abends, an dem beide Teams zunächst Sicherheit groß schrieben. Ratingen fand kein Mittel, gegen die gute Deckung der Deichstädter anzukommen. Als der Puck nach einem Bully im Neuwieder Verteidigungsdrittel dann aber in die Mitte zu Maurice Pascal Becker gelangte, glich der Angreifer der Einheimischen im Nachschuss zum 1:1 aus.
Das Mitteldrittel stellte das Penaltykilling des EHC vermehrt auf die Probe. Nach 25 Minuten begann Schiedsrichter Zsolt Heffler Strafzeiten gegen die Gäste zu verteilen, von denen einige sehr fraglich waren. Aus den Unterzahlsituationen machte sich die Hergt-Truppe aber nichts. Sie wollte diese bei weitem nicht nur unbeschadet überstehen, sondern setzte selbst Akzente. Nachdem Ratingens Neuzugang Tim Brazda in seinem ersten Spiel für seinen neuen Klub zum 2:1 getroffen hatte (31.), erwischten Lucas Leuschner (32.) und René Sting (36.) den unsicheren Kohl im Tor der Außerirdischen kalt. Zunächst saß Alexander Bill wegen eines erst verspätet geahndeten hohen Stocks auf der Sünderbank, beim neuerlichen Führungstreffer der Gäste standen die Deichstädter sogar für fünf Minuten mit einem Mann weniger auf dem Eis, weil Heffler Felix Köbele mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe zum Duschen geschickt hatte. Allerdings war in dieser Situation Stepan Kuchynkas Kopf eher zu tief als Köbeles Schläger zu hoch. „Mit den beiden Unterzahlschüssen, die ins Tor gingen, hatten wir auch etwas Glück“, gestand Trainer Hergt. Aber das Glück erarbeiteten die sich Bären auch. Nach Köbeles Ausschluss mit noch 13 Feldspielern zur Verfügung, kämpften sie verbissen. „Ratingen hat im letzten Drittel gedrückt, wir krochen auf dem Zahnfleisch, aber haben super gefightet“, unterstrich Hergt den vorbildlichen Einsatz seiner Mannschaft.
Den 3:3-Ausgleich konnte sie jedoch nicht verhindern. Ice Aliens-Kapitän Dennis Fischbuch drückte den Puck in der 48. Minute über die Linie – eine Situation, in der sich die Gastgeber über einen Pfiff wegen Torraumabseits nicht beschweren hätten dürfen. Gleich zwei Ratinger Angreifer kamen Bären-Keeper Felix Köllejan doch sehr nahe in dieser Situation. „Wir haben gesehen, dass Charakter in unserer Mannschaft steckt“, bezog sich Alexander Jacobs auf das zweite Comeback des Tabellenführers, der in der Endphase dem vierten Treffer näher war. Auch weil Christian Neumann kurz vor Ende auf die Strafbank musste. Die Bären überstanden die letzte brenzlige Situation des Abends ebenfalls und hatten nach 60 Minuten den ersten Punkt bereits sicher. Felix Köllejan, der gegen Alexander Schneider, Tim Brazda und Stepan Kuchynka parierte, sowie der erfolgreiche dritte EHC-Schütze Sven Schlicht machten im Penaltyschießen den Unterschied aus und sicherten Neuwied den verdienten Zusatzzähler.
Ratingens Trainer sah’s indes ganz anders: „Wir waren 60 Minuten lang die bessere Mannschaft.“ Auch ein zweiter Satz Jacobs‘ auf der Pressekonferenz sorgte für Verwunderung: „Von Neuwied waren harte, unfaire Aktionen dabei, die beim Eishockey nichts verloren haben, aber vorkommen.“ Es war ein hilfloser Versuch von einer nicht alltäglichen Sache abzulenken, die den Unterschied ausmachte: drei Neuwieder Unterzahltore.

Ratingen: Kohl (Steffen) – Hoth, Pompino, Appelhans, Migas, Schumacher, Scharfenort, Hornig – Behlau, Potthoff, Musga, Moch, Schneider, Schröder, Becker, Tobias Brazda, Kuchynka, Fischbuch, Tim Brazda.
Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Leuschner, S. Schlicht, Bill.
Schiedsrichter: Zsolt Heffler.
Zuschauer: 405.
Strafminuten: Ratingen: 6 – Neuwied: 17 + Disziplinarstrafe gegen Fröhlich + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Köbele.
Tore: 0:1 Stephan Fröhlich (Köbele) 11‘, 1:1 Maurice Pascal Becker (Tobias Brazda, Schneider) 15‘, 2:1 Tim Brazda (Fischbuch, Kuchynka) 31‘, 2:2 Lucas Leuschner (Sting) 32‘, 2:3 René Sting 36‘, 3:3 Dennis Fischbuch (Scharfenort, Kuchynka) 48‘. Penaltyschießen: 3:4 Sven Schlicht.

Bären können die Tür weit aufstoßen

Vor dem Tor müssen die Bären wieder mehr Kaltschnäuzigkeit an den Tag legen als im Spiel gegen Bad Nauheim. Hier scheitert Rylee Orr an Kiian Aaltonen.

Vor dem Tor müssen die Bären wieder mehr Kaltschnäuzigkeit an den Tag legen als im Spiel gegen Bad Nauheim. Hier scheitert Rylee Orr an Kiian Aaltonen.

Selbstläufer gibt es in dieser Saison in der Eishockey-Regionalliga West nicht. Auch nicht gegen den Tabellenletzten. Der EHC „Die Bären“ 2016 hat am Sonntag die 1b-Vertretung des EC Bad Nauheim zwar mit 4:0 besiegt und ist einer Hauptrunden-Abschlussplatzierung unter den Top-Sechs einen weiteren Schritt näher gekommen, aber zufrieden war der Neuwieder Trainer Jens Hergt nicht. „Nun müssen wir den Schalter wieder umlegen.“ Nach 39 Sekunden mit 1:0 vorne gegen das Schlusslicht – das schien eine mentale Bremse zu sein. „Ich habe 100 Prozent Einsatzwillen vermisst“, bemängelte Hergt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Währenddessen saßen seine Spieler noch in der Kabine und waren mit sich selbst auch nicht im Reinen. Eigentlich ein gutes Zeichen, hatten sie doch erkannt, gegen die Roten Teufel das Spiel zwar beherrscht, jedoch nicht konsequent genug bestritten zu haben. „Wir haben intern noch einmal deutlich darüber gesprochen und uns verdeutlicht, worum es momentan geht“, sagt Hergt. In diesen letzten Wochen des Jahres darf man sich keinen Ausrutscher leisten, um nicht Gefahr zu laufen, die sichere Endrundenteilnahme aufs Spiel zu setzen. Dass am bevorstehenden Wochenende wieder eine Schippe draufgelegt werden muss, haben Trainer und Mannschaft gleichermaßen erkannt, denn am Freitagabend spielen die Bären ab 20 Uhr bei Tabellenführer Ratinger Ice Aliens, bevor am Sonntag ab 19 Uhr die Ice Dragons des Herforder EV nach Neuwied kommen. Mit zwei Siegen würden sie die Tür zur Meisterrunde ganz weit aufstoßen.
„Wir werden Gas geben, um in Ratingen drei Punkte zu holen“, kündigt der Trainer an. „Wenn wir die Chancen besser nutzen, ist das machbar.“ Viele davon werden die Deichstädter gegen die beste Defensive der Liga (44 Gegentore in 18 Spielen) nicht bekommen. Das hat schon das Hinspiel in Neuwied gezeigt, das die Bären mit 2:1 nach Penaltyschießen für sich entschieden. Eine Partie, die den Rheinland-Pfälzern verdeutlichte, auch dem amtierenden Meister der 1. Liga West gewachsen zu sein. „Und in Ratingen haben auch schon andere Mannschaften gewonnen“, ist Hergt vor der Partie nicht bange. So entführten unlängst Dinslaken und Neuss die Punkte aus der Eissporthalle am Sandbach. Folglich sprach Aliens-Trainer Alexander Jacobs vor einer Woche von einer „kleinen Krise“, die ihm aber egal sei, solange man ab Ende Januar gut spiele, wenn es in den Play-offs ernst wird. Mit den Siegen über Grefrath (5:3) und Hamm (6:5 nach Penaltyschießen) hat sich der Durchhänger inzwischen fast schon wieder erledigt. Gegen Neuwied könnten mit Tim und Tobias Brazda zwei Ratinger Neuzugänge erstmals zum Einsatz kommen. Die 21-jährigen, vielseitig einsetzbaren Zwillinge kamen unter der Wochen von Oberligist Essen. Auch in Neuwied gibt es eine personelle Veränderung. Der EHC und Deutsch-Kanadier Morgan Reiner gehen ab sofort getrennte Wege. „Wir haben uns nach einem gemeinsamen Gespräch einvernehmlich getrennt, weil wir uns leistungsmäßig mehr versprochen hatten. Für seine weitere sportliche Zukunft wünschen wir Morgan alles Gute“, sagt Teammanager Carsten Billigmann, der unterdessen Ausschau hält, was der Markt derzeit noch hergibt: „Eventuelle Spielerverpflichtungen machen aber natürlich nur Sinn, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen.“
Am Sonntag präsentieren sich die Bären letztmals in diesem Jahr im Icehouse. Auch wenn Herfords Trainer Jeff Job die Meisterrunde wegen des Acht-Punkte-Rückstands auf Position sechs bereits abschreibt, rechnen die Gastgeber mit einem heißen Tanz. Herford gab sich gegen andere Teams aus der unteren Tabellenhälfte jüngst keine Blöße und verlangte den Meisterrundenanwärtern alles ab, was gegen Ratingen, Neuss und Lauterbach nur zu knappen Niederlagen führte.

Nach frühem Tor ist Geduld gefragt

Marc Blumenhofen (am Puck) erzielte das erlösende 2:0 für die Bären. Zuvor hatten die Neuwieder unzählige Großchancen vergeben.

Marc Blumenhofen (am Puck) erzielte das erlösende 2:0 für die Bären. Zuvor hatten die Neuwieder unzählige Großchancen vergeben.

Als Kiian Aaltonen am Sonntagabend vor der Tür der Gästekabine im Neuwieder Icehouse gefragt wurde, ob er jetzt „kaputt“ sei, antwortete der Torhüter der Roten Teufel aus Bad Nauheim „ein bisschen“. Ob der 22-Jährige damit untertrieb, bleibt sein Geheimnis. Auszuschließen war es jedenfalls nicht, dass der Erschöpfungsgrad doch über „ein bisschen“ hinausging. An alter Wirkungsstätte stand Aaltonen, der sich wie einst zu Oberliga-Zeiten per Tanzeinlage von den Neuwieder Fans vom Eis verabschiedete, stand unter Dauerbeschuss und sorgte mit einer Reihe erstklassiger Paraden dafür, dass der EHC „Die Bären“ 2016 sein Heimspiel in der Eishockey-Regionalliga West gegen die DEL2-Reserve aus der Wetterau „nur“ mit 4:0 für sich entschied.
Aaltonen einerseits, eine sehr großzügige Chancenverwertung der Bären andererseits – Neuwied hätte diese Partie gegen die mit nur zwölf Feldspielern angetretenen Mittelhessen wesentlich höher gewinnen müssen. „Wir waren vor dem Tor nicht konsequent genug und haben zu umständlich gespielt“, merkte EHC-Trainer Jens Hergt an.
Dabei hatten die Gastgeber den perfekten Einstand erlebt. 39 Sekunden waren gespielt, da erzielte Stephan Fröhlich bereits das 1:0. Der Neuwieder Kapitän durchkreuzte Bad Nauheims Plan, so lange wie möglich die Null zu halten. Der Startschuss für ein Schützenfest? Nein. Die Deichstädter, bei denen Dennis Schlicht aufgrund seines im Spiel gegen die EG Diez-Limburg zugezogenen Nasenbeinbruchs fehlte, trafen danach alles, aber lange Zeit nicht mehr ins Schwarze: diverse Bestandteile Aaltonens Ausrüstung, den Pfosten (Robin Schütz in der sechsten Minute), das Außennetz oder aus bester Einschussposition nur die Bande. „Wir sind nach dem frühen Tor nicht mehr mit dem hundertprozentigen Einsatzwillen aufgetreten und haben es verpasst, den Deckel draufzumachen“, kommentierte Hergt und bezog sich mit dem zweiten Teil seiner Analyse vor allem auf den Mittelabschnitt, in dem sich das Geschehen beinahe ausnahmslos im Verteidigungsdrittel der Teufel abspielte. Aaltonen schien aber eine Plexiglaswand vor sein Tor geschoben zu haben.
Im Sport heißt es häufig, dass sich das Vergeben erstklassiger Gelegenheiten gerne einmal rächt. Das hätten beinahe auch die Neuwieder zu spüren bekommen. Bad Nauheim agierte zu Beginn des letzten Abschnitts längere Zeit in Überzahl und hätte durch Christophe Vermeersch beinahe das Kräfteverhältnis auf den Kopf gestellt. Der Franzose drosch die Hartgummischeibe an den Pfosten (44.). Zuvor hatte für die Gäste bereits Routinier Martin Prada die rote Torumrandung getroffen (17.). „Wenn dann noch der Ausgleich gefallen wäre…“, weiter wollte Jens Hergt gar nicht denken. Die Bären waren spätestens jetzt gewarnt und atmeten nach 48 Minuten auf. René Sting brachte den Puck per Alleingang in Richtung Tor, und Marc Blumenhofen brach mit dem überfälligen 2:0 den Bann. Die kampfstarken Kurstädter wussten nun, dass die Überraschung, an der sie geschnuppert hatten, ausbleiben sollte und handelten sich binnen 17 Sekunden noch die Gegentore zum 3:0 und 4:0 ein. Sie glichen wie ein Ei dem anderen: Stephan Fröhlich und Felix Köbele liefen im Zwei-gegen-eins auf Aaltonen zu, Fröhlich legte zweimal quer und Köbele zeigte jeweils die Konsequenz, die den Bären an diesem Abend so lange abgegangen war. Dass die drei Punkte verdient auf das EHC-Konto marschierten, darüber herrschte Einigkeit. Aber auch in Bezug auf die Art und Weise, wie dieser Sieg zustande gekommen war. Jens Hergt sprach es aus: „Gegen Ratingen müssen wir am Freitag wieder den Schalter umlegen.“

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, Halfmann, Elzner, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, S. Schlicht, Hamann.
Bad Nauheim 1b: K. Aaltonen – Vermeersch, Södler, Kreiling, Berk – Becker, Rost, Kail, Schindler, Prada, M. Aaltonen, Etzel.
Schiedsrichter: Marcus Trottmann.
Zuschauer: 561.
Strafminuten: Neuwied: 8 – Bad Nauheim: 12.
Tore: 1:0 Stephan Fröhlich (Trimboli, Schütz) 1‘, 2:0 Marc Blumenhofen (Sting, Neumann) 48‘, 3:0 Felix Köbele (Orr, Fröhlich) 58‘, 4:0 Felix Köbele (Neumann, Fröhlich) 59‘.

Bären wollen daheim nichts mehr abgeben

Im Hinspiel mussten die Bären (hier Philipp Felföldy, links, und Alexander Bill) gegen Bad Nauheim hart kämpfen um den 5:3-Sieg herauszuschießen. Damals befand sich der EHC aber noch in der Findungsphase.

Im Hinspiel mussten die Bären (hier Philipp Felföldy, links, und Alexander Bill) gegen Bad Nauheim hart kämpfen, um den 5:3-Sieg herauszuschießen. Damals befand sich der EHC aber noch in der Findungsphase.

Einen Moment lang konnte Jens Hergt die Enttäuschung nicht verbergen. Mit hängendem Kopf stand der Trainer des EHC „Die Bären“ 2016 hinter der Bande, als die Schlusssirene das Derby in der Eishockey-Regionalliga West gegen die EG Diez-Limburg am Dienstagabend beendete und die Gäste von der Lahn vor dem Ausgleich bewahrte, der in der Luft lag. Die 3:4-Niederlage schmerzte, aber schon wenige Minuten später machte der Neuwieder Coach deutlich, dass ein verlorenes Spiel nicht lange Spuren hinterlassen darf in einer Saison, in der es Schlag auf Schlag geht. Am Sonntagabend steht für den EHC im heimischen Icehouse gegen die DEL 2-Reserve der Roten Teufel aus Bad Nauheim die nächste Aufgabe an. Die drei Punkte aus dieser Begegnung haben die Bären eingeplant.
Hergt führte sich schon vor ein paar Wochen das Hauptrundenrestprogramm sowie das Tabellenbild noch einmal ganz genau zu Gemüte und ist bei seiner Analyse zu folgendem Ergebnis gekommen: 39 Punkte sollten normalerweise reichen, um nach 22 Partien zu den sechs besten Mannschaften zu zählen und damit die Qualifikation für die Play-offs sicher in der Tasche zu haben. Aktuell stehen die Bären bei 30 Zählern, sodass gemäß Adam Riese noch drei glatte Siege nach 60 Minuten fehlen.
„Wenn wir in unseren drei verbleibenden Hauptrunden-Heimspielen diese neun Punkte holen, sind wir so gut wie sicher dabei“, glaubt Hergt. Die Chancen, mit den Fans im Rücken zu punkten, stehen nicht schlecht. Auch wenn Überraschungen in der Regionalliga West wöchentlich an der Tagesordnung sind, können die Neuwieder die Favoritenrolle gegen Bad Nauheims 1b, den Herforder EV (18. Dezember) und die Grefrather EG (8. Januar) nicht von sich wegschieben. Alle drei Teams stehen im unteren Drittel der Tabelle. „Gegen Bad Nauheim brauchen wir ohne wenn und aber einen Sieg“, weiß Hergt, dass sein Team in den nächsten Wochen nicht straucheln darf, weil die derzeit siebt- und achtplatzierten Dinslakener und Dortmunder die Top-Sechs noch lange nicht abgeschrieben haben. Das Auswärtsprogramm der Bären mit Partien bei den Ratinger Ice Aliens, dem Neusser EV und den Hammer Eisbären liest sich anspruchsvoller, wobei sich die derzeit viertplatzierten Deichstädter auch dort ganz gewiss nicht verstecken müssen.
Die Wetterauer, mit denen der EHC in der vergangenen Saison noch eine Kooperation pflegte, mussten nach einem sehr passablen Saisonstart zuletzt doch deutliche Abstriche machen. Durch neun Niederlagen in Folge rutschte die Mannschaft von Trainer Marcus Jehner auf den letzten Tabellenplatz ab.

Bären verlieren das Derby

Dennis Schlicht (rechts. hinter gegen Limburgs Kanadier Matt Fischer) erzielte das Neuwieder 2:3 und bereitete das 3:3 vor.

Dennis Schlicht (rechts, hier gegen Limburgs Kanadier Matt Fischer) erzielte das Neuwieder 2:3 und bereitete das 3:3 vor.

Es ist nun einmal leichter gesagt als getan, diesen Martin Brabec zu stoppen. 60 Minuten lang ist das kaum hinzubekommen. „Insgesamt haben wir es ganz gut geschafft“, sagte Jens Hergt, Trainer des EHC „Die Bären“ 2016, nach dem Derby auf heimischem Eis gegen die EG Diez-Limburg. Aber „ganz gut“ hat nicht gereicht. Der 23-jährige Tscheche war beim 4:3-Sieg der Rockets an drei Toren beteiligt, zwei erzielte er selbst – auch den entscheidenden. „Wir wollten das letzte Drittel geduldig angehen“, erklärte Hergt die in der Kabine ausgegebene Devise für den Schlussabschnitt. „Aber dann stimmte direkt beim ersten Wechsel ausgerechnet gegen den besten Spieler der Liga die Zuordnung nicht“, beschrieb er die Aktion, die die umkämpfte, bei weitem aber nicht so emotional wie neun Tage zuvor am Diezer Heckenweg geführte Begegnung entschied. Brabec lief alleine auf EHC-Keeper Felix Köllejan zu, tunnelte ihn und bejubelte seinen 27. Saisontreffer (41.). 45 Sekunden war Durchgang Nummer drei in diesem Moment alt. Die Bären hatten genügend Zeit, um noch einmal zurückzukommen. Aber irgendwie wollte der Puck nicht mehr vorbei an Alexander Neurath zwischen den EGDL-Pfosten. Der Ex-Neuwieder war an seinem 33. Geburtstag der Überflieger seines Teams – trotz der theaterreifen Schwalbe Konstantin Firsanovs im Mittelabschnitt. „Alexander Neurath hat einen super Job gemacht“, erkannte auch Jens Hergt an. Sein Team versuchte alles, schoss und drängte mit dem sechsten Feldspieler in den letzten 90 Sekunden, bekam den Ausgleich aber nicht mehr hin. Dieser und damit zumindest ein Punkt wäre hochverdient gewesen für die Gastgeber, die mit Ausnahme des ausgeglichenen ersten Drittels die aktivere Mannschaft waren.
Die Neuwieder erwischten einen guten Start. Da sich Firsanov bereits in den ersten 210 Sekunden vier Strafminuten beim sehr guten Schiedsrichter Benjamin Hoppe erbettelte, spielte sich die Anfangsphase in EHC-Überzahl größtenteils im Limburger Drittel ab. Die Tore fielen aber am anderen Ende der Eisfläche. Andrej Teljukin (7.), Martin Brabec (9.) nach vorausgegangenem Stockschlag gegen Stephan Fröhlich und Marco Herbel (11.) per Distanzschuss stellten die Heimmannschaft zunächst einmal vor eine happige Aufgabe. „Drei Gegentore sind natürlich schwer zu drehen“, merkte Trainer Hergt an. Mit dem Drehen des Ergebnisses klappte es im Gegensatz zum Hinspiel nicht, aber die Bären glichen es immerhin aus. Stephan Fröhlich verkürzte acht Sekunden nach Herbels Treffer zum 1:3, und Sven Schlicht markierte aus dem Getümmel heraus den Anschluss (14.). Wenig später jubelte sein Zwillingsbruder Sven, allerdings erkannte Schiedsrichter Hoppe den vermeintlichen Ausgleich wegen eines zu hohen Stocks nicht an. Auch hier lag der DEL-Unparteiische aus der Wetterau richtig.
Das Mitteldrittel gehörte deutlich den Deichstädtern, die es verpassten, aus ihrer Überlegenheit mehr zu machen als den Ausgleich. Sven Schlicht ging in der 39. Minute dorthin, wo’s wehtut und kämpfte den Puck im Slot halb im Fallen in die Maschen. Limburg wirkte angezählt, die Kräfte schwanden, fast alle Laufduelle gingen an die Hergt-Truppe. Und dann gönnte sich auch noch Firsanov nach seiner Schwalbe mit einer Disziplinarstrafe bedacht eine zehnminütige Auszeit. Vieles sprach nun für den EHC, aber die EGDL hatte Brabec und dessen Alleingang in der 41. Minute. Dieser Konter blieb eine von an den Fingern einer Hand abzählbarer Chancen im Schlussdrittel der an diesem Abend vor dem Tor eiskalten Gäste. „Wir haben gekämpft bis zum Umfallen. Das war kämpferisch eine super Leistung meiner Mannschaft“, kommentierte EGDL-Trainer Anton Weißgerber. Das mit dem „kämpfen bis zum Umfallen“ sah auch Jens Hergt bei seinen Bären, doch diesmal reichte es nicht, um das Eis als Gewinner zu verlassen.

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, Asbach, S. Schlicht.
Diez-Limburg: Neurath (Schäfer) – Teljukin, Wichterich, Neubert, Krämer, Stroeks, Morys – Krieger, Niestroj, Homola, Fischer, Kley, Firsanov, Brabec, Mainzer, Herbel.
Schiedsrichter: Benjamin Hoppe.
Zuschauer: 861.
Strafminuten: Neuwied: 10 – Diez-Limburg: 12 + Disziplinarstrafe gegen Firsanov.
Tore: 0:1 Andrej Teljukin (Brabec, Kley) 7′, 0:2 Martin Brabec (Teljukin) 9′, 0:3 Marco Herbel (Fischer, Krieger) 11′, 1:3 Stephan Fröhlich 11′, 2:3 Dennis Schlicht (S. Schlicht, Leuschner) 14′, 3:3 Sven Schlicht (Sting, D. Schlicht) 39′, 3:4 Martin Brabec 41′.

Hart spielen, aber Emotionen zügeln

Werden sicherlich so manchem Zweikampf aufeinandertreffen: Neuwieds Dennis Schlicht (links) und EGDL-Liga-Topscorer Martin Brabec.

Werden sicherlich in so manchem Zweikampf aufeinandertreffen: Neuwieds Dennis Schlicht (links) und EGDL-Liga-Topscorer Martin Brabec.

Die Erinnerungen sind noch ganz frisch. Erinnerungen an diese Wende nach dem 0:2-Rückstand, an dieses riesige „Derbysieger“-Plakat der Fans und an den Jubel nach dem 9:4-Sieg am Diezer Heckenweg, der weit über das normale Maß hinausging. Neun Tage nach dem Hinspiel treffen sich der EHC „Die Bären“ 2016 und die EG Diez-Limburg am Dienstagabend im Neuwieder Icehouse ab 20 Uhr bereits wieder zu einer Begegnung, die in jeder Pore voller Prestige und Brisanz steckt.
Anfang Dezember bricht in der Eishockey-Regionalliga West die Zeit an, in der man schon einmal rechnen und die Tabelle genauer betrachten darf. Sowohl die Bären als auch die Rockets von der Lahn können nach rund zwei Dritteln der Hauptrunde als Vierter (30 Punkte aus 15 Spielen) beziehungsweise Dritter (31 Punkte aus 16 Spielen) guter Dinge sein, die Play-offs auf direktem Weg zu erreichen. „Nach den Siegen gegen Diez und Lauterbach befinden wir uns auf einem guten Weg“, sagt EHC-Coach Jens Hergt. Auch die 1:4-Niederlage am Sonntag in Dinslaken hat an dieser Einschätzung nicht viel geändert („Mund abwischen und gegen Diez die richtige Antwort finden“). Sein EGDL-Kollege Anton Weißgerber rechnete nach der Niederlage gegen die Bären vor: „Wir brauchen wahrscheinlich noch vier Siege, um unser Ziel zu erreichen, in die Play-offs zu kommen.“ Den ersten davon hat der Regionalliga-Aufsteiger am Freitag gegen die Bördeindianer aus Soest (9:0) eingesammelt, Nummer zwei haben sie sich für den Besuch in der Deichstadt auf die Fahnen geschrieben. „Die Diezer werden sich mit aller Macht revanchieren wollen für die Hinspielniederlage“, ist sich Hergt sicher.
Neuwied gegen Diez-Limburg – da geht es um mehr als drei Punkte. Das war schon vor anderthalb Wochen unübersehbar. „Dises Spiel war viel härter als andere. Beide Teams haben fast jeden Check zu Ende gefahren – so, wie das bei einem Derby sein sollte“, erinnert sich EHC-Schlussmann Felix Köllejan. „Und am Dienstag wird es sicherlich ähnlich hart und umkämpft. Da sich beide Mannschaften untereinander gut kennen, erwarten wir ein Spiel auf Augenhöhe“, will Verteidiger Christian Neumann den 9:4-Erfolg aus dem ersten Vergleich nicht überbewerten. Er ist sich sicher: „Mit unseren fantastischen Fans im Rücken werden wir wieder Derbysieger. Ich freue mich total auf die Atmosphäre, die in Diez schon absolut weltklasse war und viele Gänsehautmomente beschert hat.“
Im nun anstehenden richtigen Heimspiel, in dem Willi Hamann aufgrund der Vereinbarung zwischen beiden Teams im Zuge seines Frontenwechsels als Zuschauer hinter der Bande steht, wissen die Bären genau, wo sie ansetzen müssen. „Wenn wir wie in Diez die erste Reihe kaltstellen, stehen unsere Chancen sehr gut“, glaubt Neumann. „Wir müssen vor allem wieder hart spielen und ein unangenehmer Gegner sein. Allerdings dürfen wir in diesem besonderen Spiel nicht zu emotional werden, sondern müssen Ruhe bewahren und einfach unser Spiel spielen“, so Köllejans Vorstellung.
Diese erste Reihe der EGDL besteht aus dem Tschechen Martin Brabec, mit 25 Toren und 21 Assists bester Punktesammler der Regionalliga West, und seinen Nebenleuten, gegen Neuwied waren das Konstantin Firsanov und Matt Fischer. Hinter Brabec stehen in Person von Routinier Andrej Teljukin sowie Fischer zwei weitere EGDL-Spieler unter den Top-Fünf der Scorerwertung. Beeindruckende Werte, aber die Rockets sind auch sehr abhängig von ihnen. An 77 von 89 Treffern (!) war (mindestens) ein Spieler aus dem Trio beteiligt.

EHC-Serie endet in Dinslaken

Eine Serie musste ja reißen, und es war die des EHC „Die Bären“ 2016. Die Neuwieder verloren am Sonntagabend bei den Dinslakener Kobras mit 1:4. Beide Teams hatten zuvor jeweils fünfmal in Serie das Eis als Sieger verlassen.
Ein Rückstand gegen Dinslaken nach 40 Minuten – das kannten die Neuwieder aus dem Hinspiel. Aber nicht jedes Mal gelingt eine Aufholjagd wie diese vor knapp zwei Monaten, als der EHC aus einem 0:3 noch ein 4:3 machte. Diesmal jubelten die Giftschlangen, die unter der Leitung ihres seit Mitte November sich im Amt befindenden Trainers Krystian Sikorski damit weiterhin ungeschlagen sind und sich allmählich wieder an die Play-off-Ränge heranrobben. Nach dem Zu-Null-Spiel am Freitag gegen Lauterbach dehnten die Bären die Zeit ohne Gegentor zunächst um ein weiteres Drittel aus. 98 Minuten und eine Sekunde hatte sich der EHC schadlos gehalten, als Michal Plichta Dinslaken in der 21. Minute per Penalty mit 1:0 in Führung brachte. Den Kasten der Deichstädter hütete diesmal Michael Güßbacher, der eine gute Leistung zeigte. Die Entstehungsgeschichte des ersten Treffers an diesem Abend war kritikbehaftet. Robin Schütz hatte einen gegnerischen Angreifer zwar gefoult, dass der Unparteiische Robert Schelewski allerdings auf Penalty anstatt eine Hinausstellung entschied, konnte Jens Hergt nicht verstehen. „Der Dinslakener Spieler war niemals klar durch“, schilderte der EHC-Trainer. Sein Team steckte die Sache aber gut weg und glich in der 29. Minute durch Stephan Fröhlich nach Vorlage von Felix Köbele und Rylee Orr aus.
Die nächste Bewährungsprobe folgte auf den Fuß. Nach Strafen gegen Sven Schlicht und Michael Trimboli mussten die Gäste eine doppelte Unterzahlsituation überstehen und hielten sich in dieser brenzligen Phase schadlos. Ärgerlich jedoch, dass eine Unachtsamkeit in der 38. Minute durch Plichta bestrafte wurde und Timothy Tanke ebenfalls noch vor der zweiten Pause im Neuwieder Powerplay sogar auf 3:1 erhöhte. „Das war für uns noch kein Beinbruch“, setzte Hergt auf ein Comeback in den letzten 20 Minuten. Das blieb diesmal jedoch aus. „Wir haben alles versucht, sind mit der sehr robusten Spielweise des Gegners aber nicht zurechtgekommen. Uns fehlte die Durchschlagskraft nach vorne. Allerdings wurden auch zahlreiche Stockschläge und sonstige Foulspiele vom Schiedsrichter nicht geahndet. Es waren einige fragwürdige Entscheidungen dabei“, merkte der Neuwieder Coach an. Die Niederlage besiegelte Sven Linda in der Schlussminute.
Für die Bären heißt es nun Mund abwischen, das Spiel schnell abzuhaken und am Dienstagabend wieder zu 100 Prozent fokussiert zu sein. Es dürfte nicht schwer fallen, denn dann ist der Derbynachbar EG Diez-Limburg im Neuwieder Icehouse zu Gast (Spielbeginn: 20 Uhr). „Dann wollen wir die Antwort auf die heutige Niederlage geben“, richtet auch Hergt den Blick bereits voraus.

Dinslaken: Schaffrath (Zerbe) – Linda, Bronischewski, Hofschen, Macaj, Linse, Tsvetkov – Hüsken, Heffler, Dreyer, Haßelberg, Tanke, Plichta, Goldmann, Pleger, Schott, Brinkmann.
Neuwied: Güßbacher (Köllejan) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, Asbach, S. Schlicht, Hamann.
Schiedsrichter: Robert Schelewski.
Zuschauer: 602.
Strafminuten: Dinslaken: 4 – Neuwied: 10 + Disziplinarstrafen gegen Halfmann und Leuschner.
Tore: 1:0 Michal Plichta 21‘, 1:1 Stephan Fröhlich (Köbele, Orr) 29‘, 2:1 Michal Plichta (Hüsken, Linda) 38‘, 3:1 Timothy Tanke (Tsvetkov, Plichta) 39‘, 4:1 Sven Linda 60‘.