Spaßvogel mit starkem Aufbaupass

Zweikämpfe gegen Deion Müller wird es für Alexander Richter künftig nur noch im Training geben. Der 22-jährige Verteidiger (hier noch im Trikot des Neusser EV) ist der erste Neuzugang des EHC „Die Bären“ 2016.

Die Fahrgemeinschaft aus Neuss in Richtung Neuwied bekommt ab der Eishockey-Saison 2018/19 Zuwachs. Gemeinsam mit Trainer Daniel Benske und Verteidiger Daniel Pering wird dann ein weiterer Abwehrspieler in den Wagen steigen, und der versichert schon jetzt: „Gute Laune ist auf der Fahrt definitiv garantiert.“ Derjenige, der das sagt, heißt Alexander Richter, ist 22 Jahre alt und schnürt die Schlittschuhe künftig für den EHC „Die Bären“ 2016 in der Regionalliga West – ein Typ Spaßvogel, für den auf dem Eis jedoch Schluss mit lustig ist. „Ein absoluter Wunschspieler von mir“, sagt Coach Benske, der ihn und seine Spielweise in Neuss in den vergangenen Jahren kennen- und schätzen gelernt hat. Alexander Richter ist kein Spieler, der für das große Offensivfeuerwerk verantwortlich ist, aber immer durch Standhaftigkeit auffällt, sich jederzeit in den Dienst der Mannschaft stellt. „Ein wenig wie Daniel Pering“, sagt Benske – und das nicht nur, weil auch er genau wie im Frühjahr sein Abwehrkollege vom NEV an den Deich wechselt. „Er hat seine Stärke in der Defensivarbeit, aber wenn er einen seiner maßgenauen Aufbaupässe spielt, dann kann es für jeden Gegner unangenehm werden.“ Und genau diese Qualität soll auch dem Neuwieder Spiel zugutekommen: „Ich will den Spielaufbau unterstützen“, sagt der Neu-Bär über sich selbst.
Richter verbrachte seine Nachwuchszeit mit Ausnahme eines kurzen Abstechers nach Iserlohn in Reihen der Düsseldorfer EG, kam unter anderem 63 Mal in der DNL zum Einsatz und wechselte vor vier Jahren zu seiner ersten Seniorensaison nach Neuss. „Auch wenn Alexander noch sehr jung ist, kennt er die Regionalliga bereits aus dem Effeff“, sagt Benske über den Rechtsschützen und ergänzt: „Ich habe ihm schon immer zugetraut, eine Klasse höher als in der Regionalliga spielen zu können, aber mit dem Beginn seines Studiums hat er andere Prioritäten gesetzt.“ So bleibt der Abwehrmann auch weiterhin der vierthöchsten Spielklasse treu. Nur das Trikot wechselt er – das weiß-schwarze Neusser gegen das blau-weiße Neuwieder. „Mit Neuss haben wir in der letzten Saison die Play-offs leider verpasst. Mit Neuwied will ich so weit wie möglich kommen. Diese Ambitionen und der Faktor, dass mich mit Daniel ein Trainer erwartet, mit dem ich mich sehr gut verstehe, waren zwei Gründe, warum ich mich für einen Wechsel nach Neuwied entschieden habe“, erzählt derjenige, der nicht nur auf der Fahrt nach Neuwied, sondern auch in der Kabine und mit Leistungen auf dem Eis für gute Stimmung beim EHC sorgen will.

Der Torjäger bleibt an Bord

Wenn ein Spieler neu in einer Liga ankommt, hat er den Vorteil, dass ihn die Gegner noch nicht kennen. Es dauert umso länger, bis sich die anderen Mannschaften auf ihn eingestellt haben, wenn er eine besondere Qualität mitbringt. Inzwischen wissen die Regionalligisten ganz genau Bescheid über die Qualitäten des Martin Brabec. Und somit ist es eine Herkulesaufgabe, die Leistung aus dem Premierenjahr in der zweiten Saison zu bestätigen. Brabec hat diese im Trikot des EHC „Die Bären“ 2016 bravourös gemeistert. 34 Punktspiele, 30 Tore, 42 Assists – der Tscheche, der im Sommer von der EG Diez-Limburg ins Icehouse wechselte, war gleichauf mit Michael Jamieson der Neuwieder Topscorer 2017/18. Da sagen sich Management und Trainer: „Solch ein Spieler muss bleiben.“ Und Brabec wird bleiben. Der EHC und der Torjäger mit der Rückennummer 64 haben den Vertrag bereits für eine weitere Spielzeit verlängert. „Martin hat in der abgelaufenen Runde gezeigt, dass er längst nicht nur eine reine Scoringmaschine ist, sondern auch ein Kämpfer und Arbeiter, der jeden noch so weiten Weg auf dem Eis geht und keine Scheibe verloren gibt“, schwärmt Bären-Manager Carsten Billigmann. Die erste Kontingentspielerstelle der Neuwieder für die Saison 2018/19 ist somit besetzt.

Bären feiern Saisonabschluss mit knapp 400 Fans

Für das Endspiel reichte es sportlich in dieser insgesamt erfolgreichen Eishockey-Saison nicht ganz, aber der EHC „Die Bären“ 2016 hat sich dafür sein ganz eigenes Finale gemacht: Der guten, alten Tradition folgend, lud der Verein am Samstag in die Getränkerie zur Abschlussfeier ein. Ausgelassen, mit bester Stimmung und bis in die tiefe Nacht hinein ließen Mannschaft, Vorstand und das Team hinter dem Team gemeinsam mit knapp 400 EHC-Fans, das sind mehr als andere Vereine in der Liga zu ihren Heimspielen Zuschauer begrüßen können, die Spielzeit 2017/18 ausklingen. Musik von Fabian Illigens, Thilo Distelkamp und DJ Pascal sorgten für den guten Ton des Abends, bei der Trikotversteigerung sicherten sich die Bären-Anhänger ihre persönlichen Andenken und auf der Bühne gab es die Auszeichnungen für die drei von den Fans gewählten EHC-Spieler der Saison: Christian Neumann gewann das Online-Voting mit 187 Stimmen vor Moritz Schug (153) und Tobias Etzel (139). Und die erste Neuvorstellung für die Spielzeit 2018/19 durfte auch nicht fehlen: Alexander Richter war der Überraschungsgast des Abends. Der Verteidiger kommt vom Neusser EV und wird die Bären-Abwehr verstärken.

EHC scheidet nach großem Kampf aus

Die Eiszeit 2017/18 ist für den EHC „Die Bären“ seit 22:44 Uhr am Freitagabend Geschichte. Die Neuwieder verloren das dritte Halbfinale der Play-offs in der Eishockey-Regionalliga West mit 4:5 beim Herforder EV und die Serie gegen die Ice Dragons mit 0:3. Wieder Herford, wieder Eissporthalle „Im Kleinen Felde“: Dort, wo die Bären schon im vergangenen Jahr eine Runde früher ausgeschieden waren, mussten sie auch diesmal klein beigeben. Dass sich die Mannschaft von der 2:7-Pleite am Sonntag in eigener Halle sehr gut erholt zeigte und 60 Minuten lang alles gab, um die Serie noch einmal ins Icehouse zurückzuholen, war nach der Schlusssirene ein schwacher Trost. Nein, diese Ice Dragons sind wahrlich kein Lieblingsgegner der Deichstädter. Auch das fünfte Play-off-Duell seit der EHC-Neugründung ging an die Mannschaft von Trainer Jeff Job, die im Endspiel nun auf die Ratinger Ice Aliens oder die EG Diez-Limburg trifft. „Wir haben heute eine gute Leistung gezeigt. Leider wurde die nicht belohnt“, sagte Neuwieds Trainer Daniel Benske.
Die Bären fanden gut in die Begegnung, lagen nach dem ersten Drittel allerdings trotzdem mit 0:2 hinten, weil Maurice Pascal Becker (13.) und Killian Hutt (16.) trafen. Ein Herforder Doppelschlag, der die Gäste nicht schockte. Frederic Hellmann schaffte kurz nach Wiederbeginn den Anschluss (23.) und eröffnete eine vogelwilde Minute mit vier Toren innerhalb von 54 Sekunden. Zum Vergleich: Der DEL-Rekord der vier am kürzesten aufeinanderfolgenden Tore liegt bei 58 Sekunden – Herford und Neuwied können es noch schneller als vor ziemlich genau neun Jahren die Augsburger Panther und die Frankfurt Lions. „Wir haben durch zwei individuelle Fehler abreißen lassen“, kommentierte Benske. Fehler, die eine Regionalliga-Spitzenmannschaft wie der HEV bestraft. Vor allem wenn die Reihe mit den Nordamerika-Importen Killian Hutt und Benjamin Skinner auf dem Eis steht. Hutt und Aric Schinke, nach Becker die zweite Herforder Nachverpflichtung aus dem Hautprunden-Endspurt die erfolgreich war, sorgten für lange Gesichter auf der Neuwieder Bank. Die Zeit brach an, Zeichen zu setzen. Trainer Benske wechselte den Torhüter, brachte Lukas Schaffrath für Felix Köllejan und veränderte die Angriffsformationen. Moritz Schug stürmte nun gemeinsam mit Stephan Fröhlich und Michael Jamieson, Deion Müller sowie Martin Brabec flankierten Dennis Schlicht und Sven Schlicht griff an der Seite von Tobias Etzel und Willi Hamann an. Die angeworfene Mischmaschine wirkte. Die Benske-Truppe fand wieder deutlich besser ins Spiel, zeigte eine großartige Moral und schaffte den Ausgleich. Kapitän Stephan Fröhlich, Andreas Wichterich und Martin Brabec mischten die Karten vor dem Schlussabschnitt wieder komplett neu. „Und auch da hatten wir Vorteile“, sah Benske sein Team dem fünften Treffer eigentlich näher. Er fiel allerdings gegenüber nach einer umstrittenen Entscheidung der Hauptschiedsrichter Eugen Berger und Lars Müller. Sie sprachen in der 49. Minute eine Strafe wegen eines vermeintlichen Wechselfehlers gegen die Bären aus. Anderthalb Minuten später überwand Jan-Niklas Linnenbrügger Torsteher Schaffrath in Überzahl zum 5:4. „Ausgerechnet ein Ex-Bär“, sagen sich die Neuwieder. Linnenbrügger absolvierte in der Saison 2012/13 19 Partien für die Rheinland-Pfälzer. Neuwied lief danach die Zeit davon. Martin Brabec musste eine weitere Strafzeit absitzen, Tobias Etzel kassierte für eine Reiberei mit Kris Gehring eine doppelte kleine Strafen, während der Herforder Verteidiger mit zwei Minuten davon kam – so mussten sich die Bären ums Verteidigen des eigenen Tores kümmern, anstatt auf den Ausgleich zu drängen. Erst dreieinhalb Minuten vor der Schlusssirene konnten sie sich wieder in die Offensive trauen, taten dies mit einem sechsten Angreifer, aber die letzten beiden Versuche des Abends und schließlich auch der Saison 2017/18 waren sichere Beute von Herfords Keeper Kieren Vogel.

Herford: Vogel (Stenger) – Schinke, Gehring, Reckers, Brinkmann, Kiel, Rempel – Johannhardt, Skinner, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Staudt, Becker, Lindt, Hutt.
Neuwied: Köllejan (ab 24. Schaffrath) – Pering, Hellmann, Schütz, D. Schlicht, Wichterich, Morys – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Eugen Berger/Lars Müller.
Zuschauer: 889.
Strafminuten: 6:14.
Tore: 1:0 Maurice Pascal Becker (Berezovskij, Rempel) 13′, 2:0 Killian Hutt (Berezovskij) 16′, 2:1 Frederic Hellmann 23′, 3:1 Killian Hutt (Bohle) 24′, 4:1 Aric Schinke (Hutt, Gering) 24′, 4:2 Stephan Fröhlich (Wichterich, Jamieson) 23′, 4:3 Andreas Wichterich (Brabec) 35′, 4:4 Martin Brabec (D. Schlicht) 44′, 5:4 Jan-Niklas Linnenbrügger (Kiel, Johannhardt) 51′.

Noch keine Lust auf Sommerpause

Dennis Schlicht (am Puck) und der EHC kämpfen in Herford gegen das Halbfinal-Aus. Die Neuwieder Bären wollen die Serie auf jeden Fall noch einmal ins Icehouse holen.

Der Tag danach war bereits der erste Tag der Vorbereitung. Aus gutem Grund. Daniel Benske hatte wegen der deutlichen 2:7-Niederlage des EHC „Die Bären“ 2016 im zweiten Play-off-Halbfinale der Eishockey-Regionalliga West gegen den Herforder EV schließlich vieles aufzuarbeiten. „Wir haben alles, wirklich alles analysiert, was am Sonntag passiert ist“, berichtet der Neuwieder Trainer. Hatten die Bären zwei Tage zuvor beim 3:5 in Herford den Ice Dragons noch eine packende und umkämpfte Begegnung auf Augenhöhe geboten, konnten sie im Icehouse nicht viel bestellen. Dabei hatte der Übungsleiter aus Neuss alles getan, damit seine Spieler fokussiert in diese wichtige Begegnung gehen können: Sieben Stunden vor Spielbeginn kam die Mannschaft zusammen, es gab eine Videoanalyse, ein gemeinsames Anschwitz-Programm – im EHC-Lager konnte sich niemand den Vorwurf machen, nicht alles Mögliche versucht zu haben. „Und dann kam leider doch eine schwache Leistung heraus. Wir konnten in dieser Partie unser Konzept überhaupt nicht durchbringen“, hadert Benske. Vier frühe Gegentore im ersten Drittel wirkten sich negativ auf das Selbstvertrauen der Neuwieder aus, die nur in ganz wenigen Phasen zu ihrem Spiel fanden. Herford war in allen Bereichen die überlege Mannschaft. „Deshalb stehen wir jetzt schon mit dem Rücken zur Wand“, beschreibt Benske die Situation. Mit 0:2 liegt der EHC in der Serie hinten – dem HEV reicht noch ein weiterer Sieg für den Finaleinzug gegen die Ratinger Ice Aliens oder die EG Diez-Limburg (Serienstand: 1:1). „Wir haben uns unter der Woche so vorbereitet“, versichert der Trainer, „dass wir in Herford eine Chance haben, die Serie noch einmal nach Neuwied zurückzuholen.“ Mit einer 2:7-Niederlage wollen sich die Bären schließlich nicht von den eigenen Fans in die Sommerpause verabschieden.
Ab 20.30 Uhr kämpft der Hauptrundendritte beim -zweiten am Freitagabend gegen den 0:3-Sweep und für ein weiteres Heimspiel am Sonntag ab 19 Uhr im Icehouse. „Wir haben in dieser Saison schon einige Male bewiesen, dass wir die Mentalität besitzen, eine entsprechende Reaktion zu zeigen, wenn es darauf ankommt. Auch wenn die Ernüchterung am Sonntag bei der Mannschaft, mir, dem ganzen Vorstand und den Fans groß war, glauben wir weiterhin daran, dass wir noch einmal zurückkommen können“, traut Benske seinen Spielern zu, dass sie auf dem Eis die passende Antwort geben. Die Bären müssen zusammenrücken, der Trainer nimmt insbesondere die Führungsspieler in die Pflicht. „Die Herforder Leistungsträger haben geliefert“, verweist er unter anderem auf die drei Tore des kanadischen Angreifers Benjamin Skinner. „Jetzt müssen unsere nachziehen und ebenfalls Verantwortung übernehmen.“ Das EHC-Powerplay ließ zu wünschen übrig, in der Defensivarbeit unterliefen Fehler, die Herford bestrafte, und auch die Zahl der überflüssigen Hinausstellungen war zu hoch. Das machte in der Summe die höchste Saison-Heimniederlage aus und ist gleichzeitig aber auch Anreiz, es in Herford besser zu machen.

Individuelle Fehler kosten den möglichen Sieg

Michael Jamieson gegen Kieren Vogel: Neuwieds US-Amerikaner erzielte den Anschluss zum 3:4, aber dieser Treffer kam zu spät.

Es gibt Niederlagen, nach denen sind Trainer enttäuscht, weil ihre Mannschaft chancenlos war. Und dann gibt es solche mit Enttäuschung, weil eigentlich mehr möglich gewesen wäre. Das erste Halbfinale des EHC „Die Bären“ 2016 beim Herforder EV am Freitagabend gehörte in die zweite Sparte. Mit 3:5 mussten sich die Neuwieder im Duell zwischen dem Hauptrundenzweiten (Herford) und -dritten (Neuwied) vor 875 Zuschauern geschlagen geben, weil sie sich ein paar individuelle Fehler zu viel leisteten. Und die kosten. Vor allem in den Play-offs. Dann, wenn es auf Kleinigkeiten ankommen. Dann, wenn sich die Gegner nicht viel schenken. Dann, wenn sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe begegnen. Das taten die Ice Dragons und die Bären. „Insgesamt hatten wir einen Tick mehr vom Spiel“, waren sich EHC-Trainer Daniel Benske und -Manager Carsten Billigmann einig. Nur die Sache mit den Kleinigkeiten sprach in der Neuauflage des letztjährigen Viertelfinales gegen die Gäste, die immer mal wieder von ihrer einfachen, disziplinierten Linie abrückten, die das Team in den vergangenen Wochen stark gemacht hatte. „Wir sagten uns in der zweiten Pause noch, dass wir diszipliniert spielen müssen, weil das nächste Tore entscheidend sein kann. Und dann unterlaufen uns zwei bittere, individuelle Fehler“, beschrieb Benske die vorentscheidenden Situationen. Die ereigneten sich innerhalb von exakt 60 Sekunden. Nils Bohle (45.) traf zum 3:2, Ulib Berezovskij (46.) erhöhte gegen seinen ehemaligen Kölner DNL-Mannschaftskollegen Felix Köllejan auf 4:2. Das konnten die Neuwieder nicht mehr aufholen. Zweimal waren sie zuvor zurückgekommen. Dennis Schlicht glich Sven Johannhardts 1:0 aus, Moritz Schug antwortete auf Benjamin Skinners 2:1. Aber im Schlussakkord ging den Bären die Zeit aus. Michael Jamieson weckte noch einmal die Hoffnung auf ein weiteres Comeback (54.), das jedoch ausblieb.
2:49 Minuten Restzeit standen noch auf der Anzeigetafel, als die Unparteiischen wegen Hakens eine Strafe gegen HEV-Verteidiger Aaron Reckers aussprachen. Jetzt der Ausgleich, und der EHC hätte wieder alle Chancen. „Aber unser Powerplay war heute leider nicht so effektiv wie im Viertelfinale“, musste Benske erkennen. So brachte auch dieses letzte von fünf EHC-Überzahlspielen keinen Erfolg. Auch der sechste Feldspieler, der für Köllejan aufs Eis kam, wurde kein Faktor mehr. Stattdessen machte Berezovskij mit einem Schuss ins leere Gehäuse den Sack zu für diesen Freitagabend.
„Wir wollten auswärts gewinnen und sind deshalb jetzt enttäuscht, gehen aber trotzdem am Sonntag mit breiter Brust aufs Eis und wollen die Serie ausgleichen. Wir waren bei gleicher Mannschaftsstärke die etwas bessere Mannschaft. Das gibt uns Zuversicht für Spiel Nummer zwei“, ist der Trainer guter Dinge, dass es im Icehouse mit dem Heimvorteil und den frenetischen Fans im Rücken mit dem 1:1 klappt.

Herford: Vogel (Stenger) – Schinke, Gehring, Reckers, Brinkmann, Kiel, Derksen, Rempel – Nasebandt, Johannhardt, Skinner, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Staudt, Becker, Lindt, Hutt.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Pering, Hellmann, D. Schlicht, Wichterich, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Marc-André Naust/Eugen Schmidt.
Zuschauer: 875.
Strafminuten: 10:14 + Disziplinarstrafe gegen Brabec.
Tore: 1:0 Sven Johannardt (Brinkmann, Nasebandt) 7′, 1:1 Dennis Schlicht (Schug, S. Schlicht) 23′, 2:1 Benjamin Skinner (Hutt, Reckers) 27′, 2:2 Moritz Schug (Fröhlich) 38′, 3:2 Nils Bohle (Schinke, Hutt) 45′, 4:2 Ulib Berezovskij (Reckers) 46′, 4:3 Michael Jamieson (S. Schlicht) 54′, 5:3 Ulib Berezovskij (Schinke, Hutt) 59′.

Benske: Die Euphorie ist greifbar

Bären wollen sich den Matchball erspielen

Am Sonntag kamen die Bären (hier: Michael Jamieson) in Dinslaken außer Tritt. Jetzt will die Mannschaft in die Spur zurückfinden und die Niederlage wieder geradebiegen.

9:3 für Neuwied am Freitagabend, 7:0 für Dinslaken nur zwei Tage später – das Viertelfinale zwischen den Bären aus der Deichstadt und den Kobras brachte am ersten Play-off-Wochenende der Eishockey-Regionalliga West einen kuriosen und nicht alltäglichen Ergebnis-Widerspruch zum Vorschein.

Der EHC hatte seinen Gegner, den er bereits in der Hauptrunde viermal knapp bezwungen hatte, so klar im Sack wie noch nicht zuvor in dieser Saison, musste dann jedoch eine ganz bittere Pille schlucken. „Wir haben nicht ins Spiel reingefunden, kamen nicht in die Zweikämpfe, und das Dinslakener Tor war wie vernagelt. Sieben Tore schlechter waren wir an diesem Abend jedoch auch nicht“, sagt Bären-Coach Daniel Benske zum aus seiner Sicht so ernüchternden Gastspiel in der „Schlangengrube“. „Mit einem Sieg in dieser Höhe hätte ich nicht natürlich auch nicht gerechnet“, gab sein Kollege Krystian Sikorski zu. Sein Team nutzte die Tormöglichkeiten mit beeindruckender Konsequenz, der EHC hingegen ließ zu viele Gelegenheiten verstreichen.

1:1 heißt es demnach nun in der Serie, drei Siege sind notwendig, um ins Halbfinale einzuziehen. „Wir wollen jetzt wieder vorlegen, es dann auswärts deutlich besser und im Idealfall natürlich den Sack zumachen. Dafür brauchen wir aber wieder mehr Bissigkeit. Es wird eine Charakterfrage, nach der Niederlage zurückzukommen“, schildert der 36-jährige Neuwieder Übungsleiter seine Vorstellungen für die nächsten Tage. Am Freitag empfängt der Hauptrunden-Dritte die Kobras ab 20 Uhr zu Spiel Nummer drei im heimischen Ice House, am Sonntag macht man sich erneut auf in Richtung Niederrhein, wo ab 19 Uhr der Puck übers Eis zischt.

Was macht eine Mannschaft, die in Spiel eins regelrecht unter die Räder kam? Zum Beispiel ein Zeichen setzen, indem ein anderer Schlussmann ins Tor rückt, der die gegnerischen Angreifer zum Nachdenken zwingt. Dinslakens Trainer Sikorski tat dies, setzte auf Felix Zerbe anstatt auf Marvin Frenzel, der am Freitag schwer hatte einstecken müssen. Sikorski gelang ein Glücksgriff. „Felix Zerbe hat überragend gehalten“, sagt Benske, zu seiner aktiven Zeit selbst Schlussmann.

Und was macht eine Mannschaft, die den zweiten Vergleich ähnlich deutlich abgeben musste? „Wir haben unter der Woche die Wunden geleckt und uns gut vorbereitet, was angesichts einiger Erkrankungen und Verletzungen aber mit weniger Personal als gewünscht geschehen konnte“, erklärt der EHC-Trainer. „Die Niederlage hat uns natürlich geärgert, aber gerade jetzt in den Play-offs ist es wichtig, solche Negativerlebnisse schnell abzuhaken und aus den Köpfen hinauszubekommen. Dass wir es können, haben wir in den vergangenen Wochen regelmäßig und auch am Freitag gegen Dinslaken gezeigt.“

Auffällig und vor allem selten in der Regionalliga, in der viele Teams von einer Top-Reihe leben: Bei Dinslaken standen sieben verschiedene Torschützen auf dem Spielberichtsbogen, was für die Homogenität der Kobras spricht. Eine Qualität, die normalerweise die Bären auszeichnet. „Wir haben einmal mehr gesehen, dass Dinslaken eine Mannschaft hat, die kämpft, bis der Notarzt kommt. Wir werden alles geben müssen, um das Ergebnis vom Sonntag wieder geradezubiegen.“

Bären finden nicht in die Zweikämpfe

Blicke die Bände sprechen: Christian Neumann (links) und Felix Köllejan hatten in Dinslaken keinen Grund zur Freude.

Was ist dieses Eishockey nur für eine verrückte Sportart. Da fehlen dem deutschen Nationalteam bei den Olympischen Spielen in Südkorea 55 Sekunden zu Sensationsgold, und im westfälischen Dinslaken kassiert eine Mannschaft nur zwei Tage nach einem 9:3-Heimsieg gegen den selben Gegner eine 0:7-Packung. Diese Mannschaft heißt EHC „Die Bären“ 2016 und musste im zweiten Viertelfinale der Regionalliga West eine Stimmungsdämpfer bei den Dinslakener Kobras hinnehmen. „Wir wissen, dass uns am Sonntag die nächste harte Aufgabe erwartet und das Spiel wieder bei 0:0 anfängt“, hatte der Neuwieder Trainer Daniel Benske nach dem ersten Sieg zum Auftakt des Wochenendes noch eindringlich gewarnt. Es entwickelte sich eine Partie, in der die Neuwieder eine ihrer Stärken nicht einbringen konnten. Sie fanden nicht in die Zweikämpfe und waren diesmal nicht spritzig genug, um den Giftschlangen Paroli bieten zu können. „Das Ergebnis ist natürlich deutlich, und wir sind auch sehr enttäuscht darüber, aber so brutal schlecht, wie man es bei diesem Ergebnis denken könnte, waren wir auch wieder nicht“, ordnete Benske die bislang höchste Niederlage in seiner Amtszeit beim EHC ein.
In der 17. Minute machte Gian Carlo Schöche den Anfang. Gegen Dinslaken zurückzuliegen, kannte der EHC aus drei Hauptrundenpartien, nur diesmal rissen die Deichstädter das Ruder nicht herum. Im Gegenteil. Im Mittelabschnitt ging der Schuss ganz schön nach hinten los. Philipp Heffler (26.), Joey-Max Menzel (36.), Tom Giesen (37.) und Michal Plichta (39.) setzten die Gäste unter Schock. „Es war nicht so, dass wir keine Möglichkeiten besaßen“, schilderte Benske, der das Schussverhältnis auf 30:20 für sein Team bezifferte. „Nach dem 2:0 waren wir richtig am Drücker, Dinslaken kam sieben Minuten lang überhaupt nicht zum Abschluss.“ Während Michael Jamieson (2) und Stephan Fröhlich unter anderem mit Alleingängen am großartig aufgelegten Kobras-Schlussmann Felix Zerbe scheiterten, nutzte die Mannschaft von Kristian Sikorski ihre Gelegenheiten. Felix Köllejan machte nach dem 3:0 Platz für Lukas Schaffrath, aber auch der ehemalige Dinslakener wurde von seinen früheren Teamkollegen kalt erwischt. „Am Ende kam auch der Frust dazu“, erklärte Benske die vielen Strafminuten im letzten Drittel, in dem Stefan Dreyer (56.) und Dominick Spazier (59.) auf 6:0 und 7:0 erhöhten.
Somit steht auch fest, dass die Serie mindestens über vier Spiele gehen wird. Am kommenden Freitag haben die Bären ab 20 Uhr wieder Heimrecht gegen die Kobras. Dann wollen sie sich revanchieren und für zwei Tage später einen Matchball erspielen.

Dinslaken: Zerbe (Frenzel) – Linda, Hüsken, Hofschen, Cornelißen, Linse, Giesen, Tsvetkov – Heffler, Menzel, Essery, Dreyer, Spazier, Tanke, Plichta, Brinkmann, Schöche.
Neuwied: Köllejan (ab 36. Schaffrath) – Pering, Hellmann, Schütz, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Schug.
Schiedsrichter: Fabian Dimmers.
Zuschauer: 251.
Strafminuten: 20 : 28 + Disziplinarstrafen gegen Pering und D. Schlicht.
Tore: 1:0 Gian Carlo Schöche (Tanke, Spazier) 17′, 2:0 Philipp Heffler (Hofschen, Menzel) 26′, 3:0 Joey-Max Menzel (Plichta, Linda) 36′, 4:0 Tom Giesen (Plichta, Essery) 37′, 5:0 Michal Plichta (Giesen, Linda) 39′, 6:0 Stefan Dreyer (Zerbe) 56′, 7:0 Alexander Brinkmann (Giesen, Plichta) 59′.

Historischer Sieg und Torfestival: Perfekter Viertelfinal-Start

Bären auf Beutezug: Neun Tore erzielte der EHC im ersten Viertelfinalspiel gegen Dinslaken – so viele wie in noch keinem Heimspiel zuvor in dieser Saison.

Du kannst ein Spiel irgendwie gewinnen oder es für dich entscheiden, weil es das Ergebnis aus vielen Puzzleteilen ist. „Wir wollten alles gewinnen: die Zweikämpfe, die Laufduelle, mehr Torabschlüsse abgeben, in der eigenen Verteidigungszone überlegen sein“, erzählte Trainer Daniel Benske von seinem Plan für das erste Play-off-Viertelfinale des EHC „Die Bären“ 2016 gegen die Kobras aus Dinslaken. Wer das alles umsetzt, verlässt als logische Konsequenz dann auch das Eis als Sieger. Als deutlicher Sieger. Nach vier knappen Hauptrundenpartien zwischen den Neuwiedern und den Giftschlangen starteten die Deichstädter am Freitagabend mit einem 9:3-Kantersieg in die K.o.-Runde. Die begann 45 Minuten später als geplant, weil die Mannschaft von Krisztian Sikorski auf der Anreise den Zeitplan außer Kraft setzte. So viele Bären-Treffer hatten die Fans in dieser Saison in noch keinem Heimspiel gesehen. „Wir haben auch in der Höhe verdient gewonnen, weil wir dominierend waren“, freute sich Benske über eine sehr gute Leistung.
Die Gastgeber feierten fast schon einen historisch anmutenden Erfolg. Seit einer halben Ewigkeit war keine Play-off-Partie mehr an den EHC gegangen. Der verschaffte sich durch zwei Powerplaytore, die gleich die ersten beiden Überzahlsituationen vorzeitig von der Uhr nahmen, eine verdiente Führung. Moritz Schug (6.) und Stephan Fröhlich (17.) legten vor, Deion Müller erhöhte auf 3:0 (19.). Dinslaken nutzte eine kleine Neuwieder Unachtsamkeit zum 3:1, als Philipp Heffler nach einem Angriff über die linke Seite in die kurze Ecke traf (20.). Nur sieben Sekunden war die Pause zu diesem Zeitpunkt entfernt. Ärgerlich zwar, aber kein Beinbruch. Die Bären blieben spielbestimmend, auch wenn das torlose Mitteldrittel weniger Höhepunkte bot. Aber auch ein Spiel mit defensiver Kontrolle im Griff haben zu können, ist eine Qualität, auf die es in den Playoffs ankommt.
Dass es das mit Abstand deutlichste Ergebnis im bisherigen Saisonverlauf zwischen Neuwied und Dinslaken wurde, lag am letzten Drittel, in dem die Einheimischen im Angriff sich selbst berauschten. Binnen 32 Sekunden trafen Michael Jamieson, Stephan Fröhlich und Patrik Morys zum 6:1. Vor 832 Zuschauern ging es nun Schlag auf Schlag. Dinslaken deutete aber auch seine bekannte Konterstärke an, zum Beispiel mit Gian Carlo Schöche Alleingang zum 6:2 (45.). „Wir haben große Präsenz gezeigt und bewiesen, dass wir unsere Vorhaben umsetzen können“, kommentierte Benske, dessen Team noch lange nicht genug hatte. Michael Jamieson (52.) und Sven Schlicht (53.) schraubten Ergebnis und Powerplay-Quote des EHC weiter nach oben. Bei neun Treffern machte der Hauptrunden-Dritte Schluss. Frederic Hellmann ließ Marvin Frenzel aussteigen und schob ein 9:2 (56.). Ein Überzahl-Treffer war auch Dinslaken vorbehalten: Mark Alexander Essery betrieb in der 58. Minute noch ein wenig Ergebniskosmetik für sein Team.
„Ich bin sehr zufrieden mit der Mannschaft, aber wir wissen auch, dass am Sonntag in Dinslaken alles wieder von null losgeht“, mahnte Daniel Benske zur Vorsicht.

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Pering, Hellmann, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Schug.
Dinslaken: Frenzel (Zerbe) – Linda, Hüsken, Hofschen, Linse, Giesen, Tsvetkov – Heffler, Menzel, Essery, Dreyer, Spazier, Tanke, Plichta, Brinkmann, Schöche.
Schiedsrichter: Jan Breckenfelder.
Zuschauer: 832.
Strafminuten: 26 + Disziplinarstrafe gegen Pering : 20.
Tore: 1:0 Moritz Schug (D. Schlicht, Fröhlich) 6‘, 2:0 Stephan Fröhlich (Schug, Brabec) 17‘, 3:0 Deion Müller (D. Schlicht) 19‘, 3:1 Philipp Heffler (Brinkmann) 20‘, 4:1 Michael Jamieson (S. Schlicht) 42‘, 5:1 Stephan Fröhlich (Schug, Hohmann) 42‘, 6:1 Patrik Morys (D. Schlicht, Müller) 43‘, 6:2 Gian Carlo Schöche (Spazier) 45‘, 7:2 Michael Jamieson (D. Schlicht, Fröhlich) 52‘, 8:2 Sven Schlicht (D. Schlicht, Schug) 53‘, 9:2 Frederic Hellmann (Jamieson, Fröhlich) 56‘, 9:3 Mark Alexander Essery (Plichta, Giesen) 58‘.