Wichterich wieder auf der anderen Seite der Bande

Andreas Wichterich verließ die Bären in der Saison 2014/15. Jetzt kehrt er zum EHC zurück.

Im Neuwieder Icehouse hat man Andreas Wichterich auch in der vergangenen Saison regelmäßig gesehen. Als Zuschauer. In der Regionalliga-Spielzeit 2017/18 verlässt er den Platz hinter Plexiglasbande und steht für den EHC „Die Bären“ 2016 wieder mit Schlittschuhen, Ausrüstung und Schläger auf dem Eis. Nachdem „Wichtel“ und die EG Diez-Limburg getrennte Wege gegangen waren, legte der Verteidiger eine kleine Eishockey-Pause ein, um jetzt wieder Vollgas zu geben. „Es hat beim Zuschauen richtig in den Fingern gekribbelt. Jetzt feue mich wieder dabei zu sein“, sagt der 30-Jährige, der sich im Winter 2014 aus der geliebten Bärenhöhle verabschiedete und nun hier wieder seine Eishockey-Zelte aufschlägt. Beruf und Oberliga-Eishockey waren damals nicht mehr zu verknüpfen, zudem verschoben sich nach der Geburt seines Sohnes Luca die Prioritäten ein wenig. Inzwischen ist der kleine Luca gar nicht mehr so klein und beginnt mit seinem Vater und dessen Team zu fiebern, wenn er auf dem Eis steht. „Er war auch schon mit in der Halle, hat teilweise aber auch gejubelt, wenn die andere Mannschaft ein Tor geschossen hat. Daran müssen wir noch arbeiten“, schmunzelt der Papa.
Andreas Wichterich verfügt über reichlich Regionalliga-Erfahrung und kann die Leistungsentwicklung der vierthöchsten deutschen Spielklasse gut einschätzen. „Die Liga ist deutlich ausgeglichener geworden. Früher konnte man ziemlich gut voraussagen, welche Teams die Meisterschaft unter sich ausmachen. Diesmal würde ich keine Prognose treffen. Die Liga ist sehr ausgeglichen, jeder kann jeder schlagen.“ Möglichst häufig ihre Gegner schlagen wollen natürlich auch die Bären. Wichterich traut seinem Team ein gutes Abschneiden zu und schätzt das ganze Drumherum: „Wenn man die Arbeit im Hintergrund und die ganze Eishockey-Begeisterung in Neuwied betrachtet, gehört der Titel eigentlich nach Neuwied. Das wollen wir auch schaffen, aber mit diesem Ziel gehen alle Teams in die Saison.“
„Wir wissen in Neuwied alle, dass Andy ein guter, mannschaftsdienlicher Offensivverteidiger mit einem starken Schuss ist, der gut auf den Körper spielen und auch in Überzahl Akzente setzen kann“, nennt Neuwieds Manager Carsten Billigmann die Vorzüge des gebürtigen Kölners, der inzwischen in Herschbach im Unterwesterwald wohnt. Zur Eishalle sind es 20 Minuten, und diesen kurzen Weg wird Wichterich künftig wieder als Spieler und nicht mehr als Zuschauer antreten.

Bären testen im halben Dutzend

Noch zwei Monate, dann zischen die Pucks wieder durch das Neuwieder Icehouse, dann setzt es wieder krachende Checks an die Plexiglasbande. In sechs Testspielen (inklusive des Abschiedsspiels für Janne Kujala am 15. September in Neuwied) arbeiten die Mannen von Trainer Jens Hergt im Wettkampfmodus an der Feinabstimmung für die Eishockey-Regionalligasaison 2017/18. Viermal treten die Bären dabei vor heimischem Publikum und zweimal auswärts an. Den Anfang macht der EHC am 8. September, 20 Uhr, beim Südwest-Regionalligisten ERC Eppelheim, zwei Tage später geht’s in die Niederlande zu den Eindhoven Kemphanen (10. September, 19 Uhr).
In heimischen Gefilden präsentieren sich die Neuwieder erstmals beim Kujala-Abschiedsspiel am 15. September ab 19.30 Uhr. Weitere Heim-Testspiele sind die Partien gegen die Bulldogs Lüttich (17. September, 19 Uhr), sowie die „Rückspiele“ gegen Eppelheim (22. September, 20 Uhr) und Eindhoven (24. September, 19 Uhr).
In diesem Zusammenhang weisen die Bären noch einmal auf die Dauerkarten-Frühbuchervorteile hin: Wer sich bis zum 31. Juli sein Saisonticket sichert, spart inklusive der Testspiele (das Abschiedsspiel ist nicht in der Dauerkarte enthalten) bis zu 50 Euro gegenüber einem Kauf ab dem 1. August oder dem Erwerb von Spieltagkarten. Alle Infos zu den Dauerkartenkonditionen unter: http://diebaeren2016.de/los-gehts-dauerkartenvorverkauf-ab-1-juli/

Die Vorbereitungsspiele im Überblick:
Freitag, 8. September, 20 Uhr: ERC Eppelheim – EHC „Die Bären“ 2016
Sonntag, 10. September, 19 Uhr: Eindhoven Kemphanen – EHC „Die Bären“ 2016
Freitag, 15. September, 19.30 Uhr: EHC „Die Bären“ 2016 – Janne Kujala Allstars
Sonntag, 17. September, 19 Uhr: EHC „Die Bären“ 2016 – Bulldogs Lüttich
Freitag, 22. September, 20 Uhr: EHC „Die Bären“ 2016 – ERC Eppelheim
Sonntag, 24. September, 19 Uhr: EHC „Die Bären“ 2016 – Eindhoven Kemphanen

Von der College-Elite zum EHC

Michael Jamieson kommt aus der höchsten College-Liga nach Neuwied. Foto: Jim Pierce

Es ist ein klassischer Handlungsablauf: Nach dem Bekanntwerden einer Spielerverpflichtung erst einmal einen Blick ins Internet werfen und in den Statistikdatenbanken die sportliche Bilanz genau studieren. Vor allem, wenn es sich um einen Neuling handelt, dessen Namen noch völlig unbekannt ist. Michael Jamieson heißt er im Falle des zweiten Imports beim EHC „Die Bären“ 2016. Und wer sich jetzt die Zahlen des US-Amerikaner anschaut, fragt sich vielleicht: Ist das Zählwerk stehen geblieben? Warum holt Neuwied ihn zur Regionalliga-Saison 2017/18 an den Rhein? Jeweils einen Scorerpunkt verzeichnete der Angreifer in den vergangenen beiden Spielzeiten auf seinem Konto. Scorerpunkte sind und bleiben im Eishockey nur die halbe Wahrheit. Es gibt neben „höher, schneller, weiter“ in der Gier nach dem „Punktemonster“ schlechthin noch ganz andere und mindestens genauso wichtige Kriterien, die einen Spieler zum Leistungsträger machen. „Mike ist ein harter Arbeiter und starker Teamspieler, der prima Schlittschuh läuft und die Entschlossenheit besitzt, erfolgreich zu sein.“ Diese durchweg positive Kritik bringt der US-Boy mit an den Deich. Worte, die durch denjenigen, der sie spricht, noch einmal an Wert gewinnen. Kein Geringerer als John Stevens, amtierender Trainer der Los Angeles Kings in der NHL, lobt Jamieson mit diesem „Scoutingreport“. „Zuletzt war meine Rolle eher in der Checking-Line“, erklärt der 25-Jährige seine Aufgaben im Team der Northeastern University. Gegentore verhindern anstatt selbst zu produzieren, darin bestand die Aufgabe des Linksschützen, und die erfüllte er mit Bravour im Meisterteam der Hockey East Conference der NCAA I. NCAA I? Die National Collegiate Athletic Association ist jenseits des großen Teiches die höchste College-Liga. „Die Jungs, die in dieser Liga spielen, sind alle top ausgebildet. Dort ist das Beste unterwegs, was der Nachwuchs zu bieten hat. Mike wird bei uns mehr offensive Freiheiten bekommen. In früheren Jahren hat er schon bewiesen, dass er auch weiß, wo das Tor steht“, erklärt EHC-Manager Carsten Billigmann. Jamieson stammt aus David Imontis Portfolio, von dem die Bären in der Vergangenheit schon einige Male hervorragend beraten wurden. Auch Brian Gibbons, Josh Myers und Andrew Love zählten zu den Schützlingen der renommierten Spieleragentur, die sich auch um zahlreiche NHL-, DEL- und DEL2-Cracks kümmert. „Davids Leute waren bislang immer hundertprozentige Volltreffer“, erinnert sich Billigmann.
Aus Jamiesons (Ex-)Team wurden bereits zahlreiche Akteure von NHL-Klubs gedraftet. Auch deshalb war es schwierig, einen Platz in einer vorderen Angriffsreihe zu finden. Spieler von welcher Kragenweite die NCAA I bereichern, zeigte bei der Heim-WM jüngst der aus eben dieser Klasse kommende Frederik Tiffels (Western Michigan University), der in Köln so manchem NHL-Star Knoten in die Beine spielte und die NCAA I-Punktrunde mit 21 Zählern auch nur auf Rang 267 der Scorerliste abschloss.
Im Interview macht Michael Jamieson deutlich, was er in Neuwied erwartet und beruhigt die Fans, dass er viel mehr Punkte sammeln kann als einen pro Saison.

Michael, Neuwied ist deine erste Station außerhalb Nordamerikas. Was erwartest du in Europa?
Ich habe viele tolle Sachen über Neuwied gehört, freue mich dort heimisch zu werden und die europäische Kultur kennenzulernen. Die Eisfläche in Europa ist viel größer als in den USA, auch das gehört zu den neuen Dingen für mich. Außerdem erwarte ich Fans, die ich auf Videos als sehr lebendig wahrgenommen habe. Ich bin sehr aufgeregt, in Neuwied vor den ganzen Leuten zu spielen.

Was sind deine Ziele in der neuen Saison?
Ich habe durch den engen Kontakt zu Carsten Billigmann über Monate hinweg genau mitbekommen, wie die Mannschaft zusammengestellt wurde. Ich erwarte, dass wir in der nächsten Saison eine gute Rolle spielen werden.

Was weißt du schon über die Bären und die Regionalliga West?
Einige Eishockey-Kollegen, unter anderem auch Josh Myers, haben mir von tollen Erinnerungen an Neuwied erzählt. Ich weiß, dass der Liga-Modus in dieser Saison nach dem Ausscheiden von ein paar Teams ein anderer ist. Über Neuwied habe ich gehört, dass dort eine große Eishockey-Tradition herrscht und alle leidenschaftlich hinter dem Team stehen.

Was waren die Gründe den Vertrag in Neuwied zu unterschreiben?
Diese Stadt scheint Eishockey zu lieben. Man kümmert sich um die Mannschaft und die Spieler – wer will nicht in einem solchen Umfeld spielen? Die Eishockey-Tradition und die Energie, die das Team umgibt, haben mich angezogen. Die Mannschaft hat mich, obwohl wir noch so weit auseinander sind, schon umarmt. Alle haben mich schon willkommen geheißen und geben mir bereits das Gefühl, Teil des Teams zu sein.

Wie würdest du dich selbst als Spieler beschreiben?
Die Geschwindigkeit ist mein größtes Kapital und ich kann ein gutes Zwei-Wege-Spiel spielen. In Neuwied hoffe ich eine offensivere Rolle zu spielen als in der NCAA. Im Endeffekt kann ich jede Rolle einnehmen, in der die Mannschaft mich braucht, um ihr zu helfen, die meisten Spiele zu gewinnen. Das ist schon immer meine Mentalität. Und ja, ich kann auch Tore machen.

Kujala: Rückkehr und Abschied am 15. September

Janne Kujala kehrt zu seinem Abschiedsspiel dorthin zurück, wo er Kultstatus erlangt hat. Am 15. September trifft im Neuwieder Icehouse ein Allstar-Team mit Kujalas Kumpels auf die Mannschaft des EHC „Die Bären“ 2016.

Es gibt Spieler, für die ist die Bezeichnung „Publikumsliebling“ eine Untertreibung. Janne Kujala gehört in diese Reihe. Zwischen dem Deutsch-Finnen und den Neuwieder Eishockeyfans (und umgekehrt) herrscht ein ganz besonders emotionales Verhältnis. Unvergessen bleibt die Rückholaktion im Januar 2016, als die Bären-Anhänger für ihren Verein über 6000 Euro zusammenlegten, um Kujalas Verpflichtung zu ermöglichen. „Damals haben unsere Fans Janne für uns zurück aufs Neuwieder Eis geholt, jetzt machen wir es für sie und sagen noch einmal „Danke“ für ihr unglaubliches Engagement vor anderthalb Jahren“, kündigt EHC-Manager Carsten Billigmann das große Kujala-Abschiedsspiel am Freitag, 15. September, ab 19.30 Uhr im Icehouse an. Die Bären präsentieren sich an diesem Abend im ersten von vier Vorbereitungsspielen vor heimischer Kulisse und treffen auf eine von Kujala zusammengestellte Allstar-Mannschaft. Viele ehemalige Weggefährten des 35-Jährigen, darunter natürlich auch einige in Neuwied bestens bekannte Gesichter, werden zu einem besonderen Eishockeyspiel noch einmal die Schlittschuhe schnüren.

Wer sich alles in der Allstar-Mannschaft befindet, werden wir in den nächsten Tagen und Wochen nach und nach auf unserer Facebook-Seite bekanntgeben.

Es müllert wieder in Neuwied

Unnachgiebig im Zweikampf: Deion Müller (rechts) hatte in der Saison 2015/16 bereits eine Förderlizenz in Neuwied. Jetzt kehrt er mit einem festen Vertrag zurück zu den Bären.

Ein Blick aus dem Fenster: Kein Wölkchen am Himmel, die Sonne brennt, Temperaturen um die 30-Grad-Marke – da steht nicht jedem der Sinn nach Sommertraining. Wer sich bei dieser Hitze von Deion Müller sein Pensum vortragen lässt, nickt zwangsläufig vor Anerkennung: „Ich bin im Fußballverein angemeldet, bei dem ich dreimal in der Woche Laufeinheiten absolvieren, dann spule ich meine Kilometer mit dem Fahrrad ab und mache abends noch bisschen was mit Gewichten.“ Deion Müller will fit sein für die Saison 2017/18, in der er in der Eishockey-Regionalliga West wieder für den EHC „Die Bären“ aufläuft.
Deion Müller ist 21 Jahre jung und damit in einem Alter, in dem ein Eishockeyspieler seinen Entwicklungsprozess noch lange nicht abgeschlossen hat und man noch so manchen Karrierehöhepunkt vor sich sieht. 21 Jahre – da tasten sich viele erst langsam an die höheren Klassen heran. Der gebürtige Wiesbadener hat diese schon hinreichend gesehen: 51 DEL2-Spiele und 55 Oberliga-Partien sind ordentliche Werte für einen Mann, der erst vor gut drei Jahren das Vollvisier von seinem Helm abschrauben durfte und machen deutlich, warum sich die Neuwieder über seine Verpflichtung freuen. „Deion wird für die Regionalliga ein Gewinn sein“, sagt Manager Carsten Billigmann. „Er bringt eine große Qualität mit und hat das Zeug dazu, in die Rolle eines Leistungsträgers zu schlüpfen.“
Die Bären-Verantwortlichen und -Fans wissen ganz genau, was der im Bad Nauheimer Nachwuchs ausgebildete Angreifer kann. Ein Arbeiter vor dem Herrn, der schnell auf den Schlittschuhen unterwegs ist, das körperbetonte Spiel mag und sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt. So haben sie ihn in der Oberliga-Runde 2015/16 kennengelernt, in der Müller 31 Partien für die Bären bestritt. Danach sammelte er in seiner Wetterauer Heimat bei den Roten Teufeln ein halbes Jahr lang weitere DEL2-Erfahrung und wechselte schließlich zurück in die Oberliga Nord zum EHC Timmendorfer Strand, um mehr Spielpraxis zu bekommen. „In Bad Nauheim war es für mich schwierig Eiszeit zu bekommen. Deshalb hat sich der Wechsel nach Timmendorf als richtiger Schritt herausgestellt“, blickt Müller zurück. Der 1,78-Meter-Mann kam in 24 Partien auf zehn Scorerpunkte. „Wir sind davon überzeugt, dass Deion bei uns noch zulegen kann, weil wir für ihn eine andere, offensivere Rolle vorgesehen haben“, betont Billigmann.
Neben Felix Köllejan, den Schlicht-Zwillingen, Moritz Schug und Stephan Fröhlich ist der EHC-Rückkehrer der sechste Spieler, der in der Deichstadt bereits beim jüngsten Oberliga-Aufenthalt auf dem Eis stand. Trotzdem ändert sich für Deion Müller etwas. Damals war er „nur“ mit einer Förderlizenz ausgestattet, jetzt ist er mit Vertrag fester Bestandteil des Teams. „Mit einigen Neuwieder Spielern stand ich auch im letzten Jahr regelmäßig in Kontakt, weil ich viele noch aus der Vergangenheit kenne. In Neuwied ist alles sehr familiär, die Fans sind ins Eishockey intergriert und alles entwickelt sich in eine gute Richtung. Der EHC war schon immer ein cooler Verein, in dem alle an einem Strang gezogen haben. Das war auch das Erfolgsrezept für den Oberliga-Play-off-Einzug, mit dem nicht unbedingt zu rechnen war“, erinnert sich Müller. Diesmal gehen die Bären schon eher davon aus, dass sie in die Endrunde kommen – erstrecht in einer Liga mit nur neun Teams. „Ich will ins Finale“, sagt Müller, „und glaube, dass wir das mit unserem Team auch erreichen können. Wir haben einige Leute in unseren Reihen, die schon in der Oberliga gespielt haben und die nötige Klasse mitbringen, um eine erfolgreiche Saison zu spielen.“

Schaffrath komplettiert das Torhüter-Duo

EHC-Manager Carsten Billigmann (links) wollte einen starken zweiten Torhüter und hat ihn mit Lukas Schaffrath bekommen.

Das Torhüterduo des Eishockey-Regionalligisten EHC „Die Bären“ 2016 für die Saison 2017/18 ist komplett. Neben Felix Köllejan wird sich der Ex-Dinslakener Lukas Schaffrath den gegnerischen Schüssen in den Weg werfen.
Es ist ein Mittwochnachmittag in Neuwied: Lukas Schaffrath befindet sich gemeinsam mit seinem Vater und Carsten Billigmann auf einem Rundgang durch das Icehouse. Ein erster Blick in die Mannschaftskabine der Bären, dann dorthin, wo der Physiotherapeut sein Werk verrichtet und weiter in Richtung Vip-Raum. Vom Balkon aus werfen sie einen Blick ins innere der Halle. Das Eis ist abgetaut, der Beton liegt brach. In diesem Moment kommen Erinnerungen hoch beim 20-Jährigen. „Wir haben da unten in der Kabine hinter der Tür gesessen und von der Ansprache des Trainers kaum ein Wort verstanden. So laut war’s in der Halle.“ Schaffrath erinnert sich an das Regionalliga-Spiel am 9. Oktober des vergangenen Jahres. In der Torhütermontur saß er damals genau unter dem Balkon, auf dem er jetzt steht – als Ersatzmann von Felix Zerbe, der an diesem Abend das Tor der Gäste hütete. Die Dinslakener Kobras führten nach zwei Dritteln mit 3:0, mussten im Schlussabschnitt aufgrund von vier Gegentoren die Punkte doch noch an die Bären abtreten. „Aber nächstes Jahr“, sagt der gebürtige Duisburger, der den Blick nach rechts wendet, „bin ich dann ja auf der anderen Seite.“ Schaffrath kündigt an, was eine Stunde später mit der Unterschrift unter den Vertrag beschlossene Sache ist. Er wechselt von den Kobras zu den Bären und folgt somit auf Michael Güßbacher, der die Bären verlässt.
Dass Schaffrath ein guter seiner Zunft ist, hat er bewiesen. Über die Jugend der Iserlohn Roosters und der Düsseldorfer EG kam er im Sommer 2015 nach Dinslaken, wo er sich prima weiterentwickelte und in der zweiten Saisonhälfte 2016/17 zur Nummer eins mauserte. 18 Mal begann er im Dinslakener Tor, unter anderem auch beim 4:1-Heimsieg über die Bären. Sein Schnitt von 3,20 Gegentoren pro Partie war der sechstbeste der Liga. Ehrgeizig ist der Politologie-Student, dessen Kontakt zum EHC über seinen Berater Patric Hoch entstand: „Ich komme nicht, um die Nummer zwei zu sein.“
EHC-Manager Billigmann weiß, dass er mit dem talentierten Keeper einen guten Fang gemacht hat: „Du brauchst in der Regionalliga mit zwei Spielen pro Wochenende zwei starke Torhüter. Mit Felix Köllejan und Lukas Schaffrath sind wir in der Saison 2017/18 zwischen den Pfosten sehr gut aufgestellt.“

Der Penalty-Töter hütet weiterhin das Bären-Tor

Felix Köllejan hat seinen Vertrag beim EHC verlängert.

Der Fels in der Abwehrbrandung bleibt den EHC „Die Bären“ 2016 auch im nächsten Jahr erhalten. Torhüter Felix Köllejan hat seinen Vertrag beim Eishockey-Regionalligisten verlängert.
Im Sport spielen der Kopf und das Selbstvertrauen eine nicht zu unterschätzende Rolle. Es kommen im Laufe einer Saison immer wieder Situationen, denen man sich mit einem guten Gefühl stellt, weil sich im Gedächtnis positive Erinnerungen eingebrannt haben. Für die Neuwieder Bären zählten in der Saison 2016/17 die Penaltyschießen zu diesen Situationen. Siebenmal ging der EHC in den Shootout, siebenmal gab es einen Sieg. „Da macht der Torwart den Unterschied“, heißt es häufig. Von der Hand zu weisen ist das nicht. Neuwied hat einen Torhüter zwischen den roten Pfosten stehen, der sich zum Spezialisten in der Disziplin Schütze gegen Keeper herauskristallisiert hat. „Ich glaube viele Schützen haben Respekt vor mir, weil ich relativ groß bin. Außerdem versuche ich so lange wie möglich zu warten, bevor ich mich zu einer Reaktion verleiten lasse“, verrät Köllejan sein Erfolgsrezept. Eine Studie aller in der nordamerikanischen NHL ausgetragenen Penaltyschießen der vergangenen fünf Jahre hat ergeben, dass die Torhüter bei 68 Prozent der Schüsse als Sieger hervorgingen. Felix Köllejan lag bei überragenden 84 Prozent. „Okay, in der NHL gibt es auch andere Schützen“, schmunzelt der Neuwieder Schlussmann. 25 Penaltyschützen liefen in der vergangenen Runde auf ihn zu, 21 davon wehrte er ab. Diese 84 Prozent sind ein großartiger, aber nicht der einzige statistische Wert, der „Kölle“ zu den Besten der Regionalliga West macht. Mit 20 Jahren ging der Kölner beim EHC in seine erste Seniorensaison als Nummer eins und bestand diese Feuertaufe mit Bravour. „Felix ist für mich jetzt schon der beste Regionalliga-Keeper. Dabei lasse ich die Statistiken ganz außer Acht. Man muss sehen, dass er fast jedes Spiel bestritten und über die ganze Saison hinweg Leistungen auf hohem Niveau abgerufen hat“, sagt Neuwieds Manager Carsten Billigmann. Die langen Einsatzzeiten waren für Köllejan ein Grund, bei den Bären zu verlängern: „Jeder Torhüter will schließlich viel spielen. Außerdem bin ich geblieben, weil das Umfeld passt und die Zuschauerzahlen im Icehouse uns Spieler in jeder Partie motivieren. Jetzt wollen wir auf die abgelaufene Saison, in der wir in der Vor- und Hauptrunde besser gespielt haben als erwartet und das Play-off-Aus im Viertelfinale uns wegen der hohen Erwartungen umso trauriger machte, aufbauen. Die Mannschaft ist durch die Verpflichtungen und Rückkehrer deutlich stärker geworden und wir kennen uns besser als noch vor einem Jahr, als innerhalb kurzer Zeit ein wild zusammengestellter Kader zusammengebaut werden musste.“

„#binheiss“: Charakterspieler Herbel wird ein Bär

Wenn Marco Herbel (hier noch im EGDL-Dress) nach vorne schaut, sieht er den EHC „Die Bären“ 2016. Der Angreifer wechselt nach Neuwied.

Wenn zwischen einer ersten Kontaktaufnahme und einer Vertragsunterschrift nur wenige Tage liegen, dann muss die Chemie zwischen beiden Seiten ganz offensichtlich stimmen. So braucht es keine ausschweifenden Beschreibungen, um das zu erklären, wie sich der EHC „Die Bären“ 2016 und Marco Herbel in der vergangenen Woche annäherten und nun den Handschlag erzielten, der den Vorstand des Neuwieder Eishockey-Regionalligisten genauso glücklich macht wie dessen stürmenden Neuzugang, der zwischen den Jahren 2007 und 2010 schon einmal drei Saisons lang für die Bären auf dem Eis stand.
Wir werfen den Zeitraffer an. Dienstag vergangener Woche: Die EG Diez-Limburg vermeldet die Trennung von Marco Herbel. Marco Herbel? Der Kapitän der Rockets? Ein gestandener, torgefährlicher, körperlich starker Charakterspieler, der jeder Regionalliga-Mannschaft gut zu Gesicht steht – da lohnt sich eine Kontaktaufnahme auf alle Fälle dachte sich Carsten Billigmann. Der Manager des EHC „Die Bären“ 2016 rief an, machte dem Stürmer klar, dass er ihn in der bevorstehenden Saison liebend gerne im Neuwieder Trikot sehen würde und hat jetzt eine weitere Verstärkung seiner Sturmreihen in trockenen Tüchern. „Ich hatte schon damals drei super Jahre in Neuwied, habe sehr gute Bekanntschaften gemacht, die noch bis heute bestehen. Das spielte bei meiner Entscheidung eine große Rolle. Ich hatte zwei Angebote aus der Regionalliga vorliegen, wofür ich mich bedanke und über die ich mich sehr gefreut habe, weil ich meine Schlittschuhe eigentlich an den Nagel hängen wollte. Es ist nicht mein Ding, mit zwei Vereinen gleichzeitig zu verhandeln und deshalb habe ich das zweite Angebot direkt abgesagt, als die Anfrage aus Neuwied kam. Außerdem bin ich in der Region häuslich und beruflich gebunden. Auch deshalb passt Neuwied ideal“, sagt der Stürmer. „Jetzt freue ich mich zurückzukehren und auf tolle Spiele vor dem großartigen Neuwieder Publikum. Wer vor dieser Kulisse nicht motiviert ist, hat den falschen Sport gewählt“, ist es für den 35-Jährigen selbstverständlich, bei seinem neuen Team das gleiche Herzblut aufs Eis zu bringen wie zuletzt für den Heimatverein an der Lahn, wo der das Kapitäns-C auf der Brust trug. Den passenden Hashtag hat der Routinier seiner Aufgabe beim EHC bereits selbst gegeben: „#binheiss“, so kündigte er sich in der Whatsapp-Gruppe der Bären an. Wenn ein Marco Herbel das sagt, dann ist das so. Ein Spieler, der geradeaus ist, eine Mannschaft führen kann und mit Leistung überzeugt. „Eigentlich stand unser Kader schon weitestgehend. Dann habe ich jedoch die Nachricht aus Diez gelesen. Wenn sich ein Spieler aus dem näheren Umfeld auf dem Markt befindet, den man bestens kennt, der einen überschaubaren Anfahrtsweg hat, in 33 Saisonspielen 34 Punkte sammelte und dazu noch Kampfgeist, Einstellung sowie Torriecher vereint, darf man nicht lange warten. Ich habe einfach mal den Hörer in die Hand genommen und angerufen. Marco wollte dabei sein und weiter Eishockey spielen. Ich bin froh, ein weiteres Puzzleteil für unseren Angriff gefunden zu haben“, sagt Carsten Billigmann zu der unkomplizierten und schnellen Einigung.
Der Neuwied-Rückkehrer ist nicht nur wegen seiner leidenschaftlichen Spielweise die Konstanz in der Person. In acht der zehn zurückliegenden Spielzeiten verbuchte er mehr Punkte als er Einsätze bestritt. „Daran will ich in Neuwied anknüpfen, auch wenn der Erfolg der Mannschaft an erster Stelle steht“, sagt Herbel. Apropos „#binheiss“: Besonders extrem dürfte das Thermometer im ersten Heimspiel der neuen Saison ausschlagen. Dann gastiert laut vorläufigem Spielplan die EG Diez-Limburg im Icehouse. Herbel: „Ich glaube, da hat es jemand gut mit uns allen gemeint.“

Ganz Neuwied ist happy wegen „Happy“

Auf eine weitere Saison: EHC-Manager Carsten Billigmann (links) und sein Kapitän Stephan Fröhlich, der in seine dritte Spielzeit beim EHC geht.

Es gibt diese Personalmeldungen, die einen nach Bekanntwerden wie ferngesteuert auf direktem Weg zum Kalender schweben lassen. Weil jetzt erst recht das Verlangen entsteht, nachzuzählen wie viele Tage es noch sind, bis es endlich wieder losgeht. Weil man sich so besonders darauf freut, diesen einen Spieler wieder in Aktion zu sehen. Weil es sich toll anfühlt, dass er mindestens ein weiteres Jahr das Trikot der Mannschaft trägt, für die das Herz pocht. Der EHC „Die Bären“ 2016 hat nun eine solche Personalnachricht zu verkünden: Stephan Fröhlich geht beim Eishockey-Regionalligisten in seine dritte Spielzeit. Diejenigen, die in der Deichstadt und Umgebung für ihre Kufencracks fiebern – und davon gibt es viele – reagieren euphorisch auf die Facebook-Ankündigung der Vertragsverlängerung. Diese sammelt innerhalb von noch nicht einmal zwei Stunden über 150 Likes und unzählige begeisterte Reaktionen: „Mega Nachricht. Kann man ihm garnicht hoch genug anrechnen!“, „Die Nachricht macht mich fröhlich. Was jetzt noch kommt oder bleibt, ist Zugabe. Danke EHC und vor allem, danke, Stephan“, „Kracher Nummer eins der versprochenen Verstärkungen. Dankeschön!!!!“, heißt es im sozialen Netzwerk.
Es ist einer von 17 Eishockey-Abenden der Saison 2016/17 im Neuwieder Icehouse. Warm-up-Zeit für die Bären und die Dortmunder Eisadler, die diesmal zu Gast sind. Wir lassen den Blick durch die Halle schweifen: die Stimmung passt, die Ränge sind gut besucht und dann bleiben die Augen auf einmal in der Bandenecke auf Höhe des Bistros hängen, weil dort hinter dem Plexiglas das deutlich wird, was ein Spieler in bis dahin 55 Punktspielen für die Bären (45 in der Oberligasaison 2015/16, 10 in der darauffolgenden Regionalliga-Spielzeit) geschafft hat. Ein rotes Herz klebt hier, die Aufschrift: #3. Der Mann mit dieser Rückennummer hat nicht nur bei den EHC-Fans, die sich hier zugegebenermaßen gelungen gestalterisch betätigt haben, einen Platz im Herzen gefunden. Mit Toren, mit Führungsqualitäten, als Bären-Kapitän spielte er sich dort hinein. Stephan Fröhlich hat alles, was einen Leader ausmacht. „Er ist auf und neben dem Eis Gold wert für unser Team“, weiß EHC-Manager Carsten Billigmann ganz genau, was er an „Happy“, wie er in Mannschaftskreisen heißt, hat. 44 Punkte in 45 Oberligapartien verbuchte der Angreifer 2015/16, in der Regionalliga waren es noch einmal 22 mehr in zwölf Begegnungen weniger. „Stephan ist für mich der beste deutsche Spieler in der Regionalliga“, sagt Billigmann über seinen Topscorer und ist mit dieser Einschätzung bei weitem nicht der einzige.

Einen Spieler von Fröhlichs Klasse wollen viele Vereine in ihren Reihen haben, und zwar nicht nur Klubs aus der Regionalliga. „Mir lagen auch Angebote aus höheren Ligen vor“, erklärt der Linksschütze. Allen erteilte er eine Absage, um in Neuwied zu verlängern. „Es gibt für mich keinen Grund, die Bären zu verlassen. Das Sportliche passt, es macht in diesem Umfeld Spaß Eishockey zu spielen, hinzu kommt mein Studium hier.“ Fröhlich, Köbele, Orr – diese Reihe trieb den Neuwieder Gegnern den Angstschweiß auf die Stirn. „Für mich persönlich war es eine überragende Saison. Felix und ich haben uns nicht nur auf dem Eis super verstanden.“ Jetzt rückt voraussichtlich Martin Brabec an die Seite des Bären-Kapitäns. „Ich kenne Martin bislang nur aus den Partien gegen uns. Aber in da haben wir alle gemerkt, dass er ein super Spieler ist, und ich hoffe natürlich, dass wir genauso harmonieren wie Felix und ich“, sagt der der Neuwieder Publikumsliebling über den tschechischen Neuzugang, der von der EG Diez-Limburg kommt.
„Wenn man sich vor Augen führt, dass Stephan und Martin in der Saison 2016/17 zusammen 67 Tore geschossen haben, können wir getrost von einer bärenstarken ersten Reihe reden. Und wir werden ihnen einen Spieler an die Seite stellen, der ebenfalls zu den Topspielern der Liga zählen dürfte“, kündigt Manager Billigmann an und geht davon aus, dass dieser neue Paradesturm „nicht weniger produziert“ als der des zurückliegenden Jahres, in dem die Bären-Fans ihren „Happy“ endgültig so fest in ihr Herz geschlossen und ihm ihre eigene Torhymne komponierten. „Stephan, mach uns fröhlich. Stephan, mach uns fröhlich. Stephan, mach uns fröhlich, schieß ein Tor“, sangen sie im Icehouse voller Euphorie. Diese Zeilen wird es auch ab September wieder in der Bärenhöhle zu hören geben.

Los geht’s: Dauerkartenvorverkauf ab 1. Juli

„Wann beginnt eigentlich der Dauerkartenverkauf?“ „Gibt’s schon Infos zu den Tickets für die nächste Saison?“ „Habt ihr auch wieder Testspiele geplant?“ Anfragen wie diese hat der EHC „Die Bären“ 2016 in diesen Tagen zahlreiche in seinen Postfächern. Die Fans in Neuwied und Umgebung sehnen sich nach Regionalliga-Eishockey und dem Ende der Sommerpause. „Die Vorfreude auf die neue Saison ist nicht nur bei uns, sondern auch den Fans bereits groß“, merkt auch Manager Carsten Billigmann, der nun zumindest für den Dauerkartenvorverkauf Fakten nennen kann. Ab dem 1. Juli sind die Tickets verfügbar. „Im Juli wird unser Fanshop am Icehouse immer montags und mittwochs in der Zeit von 18 bis 20 Uhr geöffnet sein. Hier können die Karten gegen Barzahlung direkt mitgenommen werden“, erklärt er. Frühbucher erhalten vergünstigte Konditionen, die nur bei einem Erwerb bis einschließlich 31. Juli gelten: Erwachsene zahlen 140 Euro, ermäßigte Karten kosten 105 Euro und für Kinder beträgt der Dauerkartenpreis 70 Euro. Ab dem 1. August sehen die Preise folgendermaßen aus: 160 Euro für Erwachsene, 120 Euro ermäßigt und 80 Euro für Kinder. Neben den 16 Hauptrunden-Heimspiele umfasst das Saisonticket auch die Vorbereitungsspiele, die in diesem Sommer im Icehouse stattfinden, bei denen die üblichen Eintrittspreise in Höhe von 10, 8 und 5 Euro erhoben werden. Die genauen Vorbereitungstermine stehen voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche fest.