Früher WM, heute Bären: Niklas Solder kommt

Bären-Neuzugang Nummer drei gab EHC-Manager Carsten Billigmann seine Zusage für die Saison 2018/19: Niklas Solder kehrt nach einem halben Jahrzehnt zum EHC zurück. Damals war er Förderlizenzspieler.

Es war einmal die Saison 2011/12 in der Eishockey-Regionalliga, da bestritt ein gerade einmal 18 Jahre alter Nachwuchsmann acht Partien für den EHC Neuwied in der Relegation. Mit einer Förderlizenz sammelte der Teeanager, der den Kölner Haien gehörte, bei den Bären weitere Spielpraxis. Ein Mann mit Talent, dem es damals im Icehouse gefallen hat, und jetzt gut ein halbes Jahrzehnt später in die Deichstadt zurückkehrt. Förderlizenz-Zeiten sind für den inzwischen 24-Jährigen längst vorbei, er hat sich in Neuss als gestandener Regionalliga-Spieler behauptet und will das nun beim EHC auf dem Eis beweisen. „Neuwied ist etwas Besonderes in der Liga“, sagt Niklas Solder – nach Kevin Wilson und Alexander Richter Neuzugang Nummer drei der Deichstädter für die Spielzeit 2018/19.
Solders Eishockey-Vita ist interessant, vor allem weil da sechs Einsätze für die deutsche U18-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land auftauchen. „Das war ein großes Erlebnis“, erinnert sich der Angreifer an das Turnier, das im Viertelfinale durch eine 3:4-Niederlage gegen Kanada endete. Zum Team zählten mit Oliver Mebus, Frederik Tiffels und Sebastian Uvira unter anderem drei A-WM-Teilnehmer diesen Jahres, mit Leo Pföderl einer der Olympiahelden von Pyeongchang und ein gewisser Tobias Rieder, der in der NHL inzwischen den Durchbruch geschafft hat. „Irgendwann muss man sich in seiner Karriere dann entscheiden, wie es weitergeht“, blickt Solder heute zurück. Während es andere in DEL schafften, ging der gebürtige Neusser einen anderen Weg, holte sein Fachabitur nach und schloss daran eine Ausbildung an. Seine Augen glänzen, wenn er von den Erinnerungen aus 2011 berichtet. „Ich spreche noch gerne darüber“, sagt er. Und vielleicht spricht er irgendwann ja auch einmal gerne über die Saison 2018/19 bei den Neuwieder Bären. „Ich will mit der Mannschaft eine Runde weiter kommen als sie es zuletzt geschafft hat“, kündigt der Neuzugang an. Den Erfolgshunger bringt er auf jeden Fall schon einmal mit.

Die Oberliga ruft: Lukas Schaffrath verlässt den EHC

Leon Frensel nach Heilbronn, Michael Güßbacher nach Kaufbeuren – der EHC „Die Bären“ 2016 hat im zurückliegenden Jahr schon zweimal erfahren, wie es ist, einen Torhüter – um genau zu sein die eigentliche Nummer zwei – an höherklassige Vereine zu verlieren. Jetzt reiht sich bereits der dritte Keeper in diese Reihe ein: Lukas Schaffrath, der im Sommer 2017 von den Dinslakener Kobras zum Neuwieder Eishockey-Regionalligisten wechselte, hat ein Angebot eines Oberligisten erhalten und will diese Gelegenheit unbedingt wahrnehmen. „Wenn ein Spieler die Chance hat, sich höher zu beweisen, dann ist es das Normalste der Welt, dass er sich verabschiedet. Wir wünschen Lukas alles Gute bei seinem neuen Verein“, sagt EHC-Manager Carsten Billigmann, der auch anmerkt: „Torhüter gibt es nun einmal nicht so viele wie Verteidiger oder Stürmer. Deshalb ist dieser Bereich auf dem Spielermarkt eher dünn. Aber wir haben gute Kontakte und werden für die neue Saison einen guten Ersatz bekommen.“

Wilson: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Kevin Wilson jubelt: In der Saison 2017/18 erzielte er für Dinslaken sechs Treffer gegen die Bären, ab der Spielzeit 2018/19 geht er nun für den EHC auf Torejagd.

Kevin Wilson hat für Aufsehen gesorgt. In der Regionalliga West, aber auch unter den Fans des EHC „Die Bären“ 2016. Nach diversen Partien der Neuwieder Kufencracks gegen die Kobras aus Dinslaken äußerten sich EHC-Anhänger in den sozialen Medien begeistert über den Kapitän der Giftschlangen. Da wurde geschwärmt von einem Spieler, der die gegnerische Abwehr alleine austanze und obendrein ein guten Torriecher mitbringt. Sieben Mal hat Wilson in der Saison 2017/18 gegen die Bären gespielt, unter anderem in der Viertelfinalserie, und mit insgesamt sechs Toren sowie drei Assists war er einer der Gründe dafür, warum Trainer Daniel Benske regelmäßig von einem „unangenehmen Gegner“ sprach, wenn sein Team gegen die Kobras aufs Eis musste. Wesentlich angenehmer ist dem EHC-Coach die Nachricht, den 31-Jährigen in der kommenden Saison im eigenen Kader zu haben. „Kevin hat in den zurückliegenden Jahren gezeigt, dass er ein super Regionalliga-Torjäger ist, der sich aber noch weiterentwickeln kann – auch mit 31 Jahren. Das will er in Neuwied tun“, sagt Benske über die zweite Neuverpflichtung der Deichstädter nach Verteidiger Alexander Richter vom Neusser EV. „Es war für mich schon in der Vergangenheit immer etwas Besonderes in Neuwied zu spielen – auch als Gegner. Jetzt freue ich, Teil dieses Teams zu werden“, sagt der EHC-Neuzugang.
Der Stürmer gewann in der Saison 2015/16 mit den Ratinger Ice Aliens die Regionalliga-Meisterschaft und hat in 87 Viertliga-Partien ordentliche 106 Scorerpunkte verbucht. „Mit Kevin haben wir schnell qualitativ guten Ersatz für Moritz Schug gefunden, der nach Herne in die Oberliga wechselt. Wir sind froh, dass Kevin sich für uns entschieden hat, obwohl er ein anderes attraktives Angebot aus der Regionalliga vorliegen hatte“, freut sich EHC-Manager Carsten Billigmann.
Wilson hat sich bei den Bären einiges vorgenommen. „Mit 31 Jahren bin ich nicht mehr der Jüngste. Wenn ich die Chance jetzt nicht noch einmal ergreife, bei einem ambitionierten Regionalligisten zu spielen, wann dann?“, fragt der Familienvater im besten Eishockey-Alter. „Ich werde alles geben, um meine hohen Ziele mit der Mannschaft zu erreichen.“ Kevin Wilson, der sich selbst als Spieler bezeichnet, den auf dem Eis wenig aus der Ruhe bringt, hat dafür mit der individuellen Saisonvorbereitung mit im Fitnessstudio mit Joggingeinheiten schon begonnen.

Spaßvogel mit starkem Aufbaupass

Zweikämpfe gegen Deion Müller wird es für Alexander Richter künftig nur noch im Training geben. Der 22-jährige Verteidiger (hier noch im Trikot des Neusser EV) ist der erste Neuzugang des EHC „Die Bären“ 2016.

Die Fahrgemeinschaft aus Neuss in Richtung Neuwied bekommt ab der Eishockey-Saison 2018/19 Zuwachs. Gemeinsam mit Trainer Daniel Benske und Verteidiger Daniel Pering wird dann ein weiterer Abwehrspieler in den Wagen steigen, und der versichert schon jetzt: „Gute Laune ist auf der Fahrt definitiv garantiert.“ Derjenige, der das sagt, heißt Alexander Richter, ist 22 Jahre alt und schnürt die Schlittschuhe künftig für den EHC „Die Bären“ 2016 in der Regionalliga West – ein Typ Spaßvogel, für den auf dem Eis jedoch Schluss mit lustig ist. „Ein absoluter Wunschspieler von mir“, sagt Coach Benske, der ihn und seine Spielweise in Neuss in den vergangenen Jahren kennen- und schätzen gelernt hat. Alexander Richter ist kein Spieler, der für das große Offensivfeuerwerk verantwortlich ist, aber immer durch Standhaftigkeit auffällt, sich jederzeit in den Dienst der Mannschaft stellt. „Ein wenig wie Daniel Pering“, sagt Benske – und das nicht nur, weil auch er genau wie im Frühjahr sein Abwehrkollege vom NEV an den Deich wechselt. „Er hat seine Stärke in der Defensivarbeit, aber wenn er einen seiner maßgenauen Aufbaupässe spielt, dann kann es für jeden Gegner unangenehm werden.“ Und genau diese Qualität soll auch dem Neuwieder Spiel zugutekommen: „Ich will den Spielaufbau unterstützen“, sagt der Neu-Bär über sich selbst.
Richter verbrachte seine Nachwuchszeit mit Ausnahme eines kurzen Abstechers nach Iserlohn in Reihen der Düsseldorfer EG, kam unter anderem 63 Mal in der DNL zum Einsatz und wechselte vor vier Jahren zu seiner ersten Seniorensaison nach Neuss. „Auch wenn Alexander noch sehr jung ist, kennt er die Regionalliga bereits aus dem Effeff“, sagt Benske über den Rechtsschützen und ergänzt: „Ich habe ihm schon immer zugetraut, eine Klasse höher als in der Regionalliga spielen zu können, aber mit dem Beginn seines Studiums hat er andere Prioritäten gesetzt.“ So bleibt der Abwehrmann auch weiterhin der vierthöchsten Spielklasse treu. Nur das Trikot wechselt er – das weiß-schwarze Neusser gegen das blau-weiße Neuwieder. „Mit Neuss haben wir in der letzten Saison die Play-offs leider verpasst. Mit Neuwied will ich so weit wie möglich kommen. Diese Ambitionen und der Faktor, dass mich mit Daniel ein Trainer erwartet, mit dem ich mich sehr gut verstehe, waren zwei Gründe, warum ich mich für einen Wechsel nach Neuwied entschieden habe“, erzählt derjenige, der nicht nur auf der Fahrt nach Neuwied, sondern auch in der Kabine und mit Leistungen auf dem Eis für gute Stimmung beim EHC sorgen will.

Der Torjäger bleibt an Bord

Wenn ein Spieler neu in einer Liga ankommt, hat er den Vorteil, dass ihn die Gegner noch nicht kennen. Es dauert umso länger, bis sich die anderen Mannschaften auf ihn eingestellt haben, wenn er eine besondere Qualität mitbringt. Inzwischen wissen die Regionalligisten ganz genau Bescheid über die Qualitäten des Martin Brabec. Und somit ist es eine Herkulesaufgabe, die Leistung aus dem Premierenjahr in der zweiten Saison zu bestätigen. Brabec hat diese im Trikot des EHC „Die Bären“ 2016 bravourös gemeistert. 34 Punktspiele, 30 Tore, 42 Assists – der Tscheche, der im Sommer von der EG Diez-Limburg ins Icehouse wechselte, war gleichauf mit Michael Jamieson der Neuwieder Topscorer 2017/18. Da sagen sich Management und Trainer: „Solch ein Spieler muss bleiben.“ Und Brabec wird bleiben. Der EHC und der Torjäger mit der Rückennummer 64 haben den Vertrag bereits für eine weitere Spielzeit verlängert. „Martin hat in der abgelaufenen Runde gezeigt, dass er längst nicht nur eine reine Scoringmaschine ist, sondern auch ein Kämpfer und Arbeiter, der jeden noch so weiten Weg auf dem Eis geht und keine Scheibe verloren gibt“, schwärmt Bären-Manager Carsten Billigmann. Die erste Kontingentspielerstelle der Neuwieder für die Saison 2018/19 ist somit besetzt.

Bären feiern Saisonabschluss mit knapp 400 Fans

Für das Endspiel reichte es sportlich in dieser insgesamt erfolgreichen Eishockey-Saison nicht ganz, aber der EHC „Die Bären“ 2016 hat sich dafür sein ganz eigenes Finale gemacht: Der guten, alten Tradition folgend, lud der Verein am Samstag in die Getränkerie zur Abschlussfeier ein. Ausgelassen, mit bester Stimmung und bis in die tiefe Nacht hinein ließen Mannschaft, Vorstand und das Team hinter dem Team gemeinsam mit knapp 400 EHC-Fans, das sind mehr als andere Vereine in der Liga zu ihren Heimspielen Zuschauer begrüßen können, die Spielzeit 2017/18 ausklingen. Musik von Fabian Illigens, Thilo Distelkamp und DJ Pascal sorgten für den guten Ton des Abends, bei der Trikotversteigerung sicherten sich die Bären-Anhänger ihre persönlichen Andenken und auf der Bühne gab es die Auszeichnungen für die drei von den Fans gewählten EHC-Spieler der Saison: Christian Neumann gewann das Online-Voting mit 187 Stimmen vor Moritz Schug (153) und Tobias Etzel (139). Und die erste Neuvorstellung für die Spielzeit 2018/19 durfte auch nicht fehlen: Alexander Richter war der Überraschungsgast des Abends. Der Verteidiger kommt vom Neusser EV und wird die Bären-Abwehr verstärken.

EHC scheidet nach großem Kampf aus

Die Eiszeit 2017/18 ist für den EHC „Die Bären“ seit 22:44 Uhr am Freitagabend Geschichte. Die Neuwieder verloren das dritte Halbfinale der Play-offs in der Eishockey-Regionalliga West mit 4:5 beim Herforder EV und die Serie gegen die Ice Dragons mit 0:3. Wieder Herford, wieder Eissporthalle „Im Kleinen Felde“: Dort, wo die Bären schon im vergangenen Jahr eine Runde früher ausgeschieden waren, mussten sie auch diesmal klein beigeben. Dass sich die Mannschaft von der 2:7-Pleite am Sonntag in eigener Halle sehr gut erholt zeigte und 60 Minuten lang alles gab, um die Serie noch einmal ins Icehouse zurückzuholen, war nach der Schlusssirene ein schwacher Trost. Nein, diese Ice Dragons sind wahrlich kein Lieblingsgegner der Deichstädter. Auch das fünfte Play-off-Duell seit der EHC-Neugründung ging an die Mannschaft von Trainer Jeff Job, die im Endspiel nun auf die Ratinger Ice Aliens oder die EG Diez-Limburg trifft. „Wir haben heute eine gute Leistung gezeigt. Leider wurde die nicht belohnt“, sagte Neuwieds Trainer Daniel Benske.
Die Bären fanden gut in die Begegnung, lagen nach dem ersten Drittel allerdings trotzdem mit 0:2 hinten, weil Maurice Pascal Becker (13.) und Killian Hutt (16.) trafen. Ein Herforder Doppelschlag, der die Gäste nicht schockte. Frederic Hellmann schaffte kurz nach Wiederbeginn den Anschluss (23.) und eröffnete eine vogelwilde Minute mit vier Toren innerhalb von 54 Sekunden. Zum Vergleich: Der DEL-Rekord der vier am kürzesten aufeinanderfolgenden Tore liegt bei 58 Sekunden – Herford und Neuwied können es noch schneller als vor ziemlich genau neun Jahren die Augsburger Panther und die Frankfurt Lions. „Wir haben durch zwei individuelle Fehler abreißen lassen“, kommentierte Benske. Fehler, die eine Regionalliga-Spitzenmannschaft wie der HEV bestraft. Vor allem wenn die Reihe mit den Nordamerika-Importen Killian Hutt und Benjamin Skinner auf dem Eis steht. Hutt und Aric Schinke, nach Becker die zweite Herforder Nachverpflichtung aus dem Hautprunden-Endspurt die erfolgreich war, sorgten für lange Gesichter auf der Neuwieder Bank. Die Zeit brach an, Zeichen zu setzen. Trainer Benske wechselte den Torhüter, brachte Lukas Schaffrath für Felix Köllejan und veränderte die Angriffsformationen. Moritz Schug stürmte nun gemeinsam mit Stephan Fröhlich und Michael Jamieson, Deion Müller sowie Martin Brabec flankierten Dennis Schlicht und Sven Schlicht griff an der Seite von Tobias Etzel und Willi Hamann an. Die angeworfene Mischmaschine wirkte. Die Benske-Truppe fand wieder deutlich besser ins Spiel, zeigte eine großartige Moral und schaffte den Ausgleich. Kapitän Stephan Fröhlich, Andreas Wichterich und Martin Brabec mischten die Karten vor dem Schlussabschnitt wieder komplett neu. „Und auch da hatten wir Vorteile“, sah Benske sein Team dem fünften Treffer eigentlich näher. Er fiel allerdings gegenüber nach einer umstrittenen Entscheidung der Hauptschiedsrichter Eugen Berger und Lars Müller. Sie sprachen in der 49. Minute eine Strafe wegen eines vermeintlichen Wechselfehlers gegen die Bären aus. Anderthalb Minuten später überwand Jan-Niklas Linnenbrügger Torsteher Schaffrath in Überzahl zum 5:4. „Ausgerechnet ein Ex-Bär“, sagen sich die Neuwieder. Linnenbrügger absolvierte in der Saison 2012/13 19 Partien für die Rheinland-Pfälzer. Neuwied lief danach die Zeit davon. Martin Brabec musste eine weitere Strafzeit absitzen, Tobias Etzel kassierte für eine Reiberei mit Kris Gehring eine doppelte kleine Strafen, während der Herforder Verteidiger mit zwei Minuten davon kam – so mussten sich die Bären ums Verteidigen des eigenen Tores kümmern, anstatt auf den Ausgleich zu drängen. Erst dreieinhalb Minuten vor der Schlusssirene konnten sie sich wieder in die Offensive trauen, taten dies mit einem sechsten Angreifer, aber die letzten beiden Versuche des Abends und schließlich auch der Saison 2017/18 waren sichere Beute von Herfords Keeper Kieren Vogel.

Herford: Vogel (Stenger) – Schinke, Gehring, Reckers, Brinkmann, Kiel, Rempel – Johannhardt, Skinner, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Staudt, Becker, Lindt, Hutt.
Neuwied: Köllejan (ab 24. Schaffrath) – Pering, Hellmann, Schütz, D. Schlicht, Wichterich, Morys – Fröhlich, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Eugen Berger/Lars Müller.
Zuschauer: 889.
Strafminuten: 6:14.
Tore: 1:0 Maurice Pascal Becker (Berezovskij, Rempel) 13′, 2:0 Killian Hutt (Berezovskij) 16′, 2:1 Frederic Hellmann 23′, 3:1 Killian Hutt (Bohle) 24′, 4:1 Aric Schinke (Hutt, Gering) 24′, 4:2 Stephan Fröhlich (Wichterich, Jamieson) 23′, 4:3 Andreas Wichterich (Brabec) 35′, 4:4 Martin Brabec (D. Schlicht) 44′, 5:4 Jan-Niklas Linnenbrügger (Kiel, Johannhardt) 51′.

Noch keine Lust auf Sommerpause

Dennis Schlicht (am Puck) und der EHC kämpfen in Herford gegen das Halbfinal-Aus. Die Neuwieder Bären wollen die Serie auf jeden Fall noch einmal ins Icehouse holen.

Der Tag danach war bereits der erste Tag der Vorbereitung. Aus gutem Grund. Daniel Benske hatte wegen der deutlichen 2:7-Niederlage des EHC „Die Bären“ 2016 im zweiten Play-off-Halbfinale der Eishockey-Regionalliga West gegen den Herforder EV schließlich vieles aufzuarbeiten. „Wir haben alles, wirklich alles analysiert, was am Sonntag passiert ist“, berichtet der Neuwieder Trainer. Hatten die Bären zwei Tage zuvor beim 3:5 in Herford den Ice Dragons noch eine packende und umkämpfte Begegnung auf Augenhöhe geboten, konnten sie im Icehouse nicht viel bestellen. Dabei hatte der Übungsleiter aus Neuss alles getan, damit seine Spieler fokussiert in diese wichtige Begegnung gehen können: Sieben Stunden vor Spielbeginn kam die Mannschaft zusammen, es gab eine Videoanalyse, ein gemeinsames Anschwitz-Programm – im EHC-Lager konnte sich niemand den Vorwurf machen, nicht alles Mögliche versucht zu haben. „Und dann kam leider doch eine schwache Leistung heraus. Wir konnten in dieser Partie unser Konzept überhaupt nicht durchbringen“, hadert Benske. Vier frühe Gegentore im ersten Drittel wirkten sich negativ auf das Selbstvertrauen der Neuwieder aus, die nur in ganz wenigen Phasen zu ihrem Spiel fanden. Herford war in allen Bereichen die überlege Mannschaft. „Deshalb stehen wir jetzt schon mit dem Rücken zur Wand“, beschreibt Benske die Situation. Mit 0:2 liegt der EHC in der Serie hinten – dem HEV reicht noch ein weiterer Sieg für den Finaleinzug gegen die Ratinger Ice Aliens oder die EG Diez-Limburg (Serienstand: 1:1). „Wir haben uns unter der Woche so vorbereitet“, versichert der Trainer, „dass wir in Herford eine Chance haben, die Serie noch einmal nach Neuwied zurückzuholen.“ Mit einer 2:7-Niederlage wollen sich die Bären schließlich nicht von den eigenen Fans in die Sommerpause verabschieden.
Ab 20.30 Uhr kämpft der Hauptrundendritte beim -zweiten am Freitagabend gegen den 0:3-Sweep und für ein weiteres Heimspiel am Sonntag ab 19 Uhr im Icehouse. „Wir haben in dieser Saison schon einige Male bewiesen, dass wir die Mentalität besitzen, eine entsprechende Reaktion zu zeigen, wenn es darauf ankommt. Auch wenn die Ernüchterung am Sonntag bei der Mannschaft, mir, dem ganzen Vorstand und den Fans groß war, glauben wir weiterhin daran, dass wir noch einmal zurückkommen können“, traut Benske seinen Spielern zu, dass sie auf dem Eis die passende Antwort geben. Die Bären müssen zusammenrücken, der Trainer nimmt insbesondere die Führungsspieler in die Pflicht. „Die Herforder Leistungsträger haben geliefert“, verweist er unter anderem auf die drei Tore des kanadischen Angreifers Benjamin Skinner. „Jetzt müssen unsere nachziehen und ebenfalls Verantwortung übernehmen.“ Das EHC-Powerplay ließ zu wünschen übrig, in der Defensivarbeit unterliefen Fehler, die Herford bestrafte, und auch die Zahl der überflüssigen Hinausstellungen war zu hoch. Das machte in der Summe die höchste Saison-Heimniederlage aus und ist gleichzeitig aber auch Anreiz, es in Herford besser zu machen.

Individuelle Fehler kosten den möglichen Sieg

Michael Jamieson gegen Kieren Vogel: Neuwieds US-Amerikaner erzielte den Anschluss zum 3:4, aber dieser Treffer kam zu spät.

Es gibt Niederlagen, nach denen sind Trainer enttäuscht, weil ihre Mannschaft chancenlos war. Und dann gibt es solche mit Enttäuschung, weil eigentlich mehr möglich gewesen wäre. Das erste Halbfinale des EHC „Die Bären“ 2016 beim Herforder EV am Freitagabend gehörte in die zweite Sparte. Mit 3:5 mussten sich die Neuwieder im Duell zwischen dem Hauptrundenzweiten (Herford) und -dritten (Neuwied) vor 875 Zuschauern geschlagen geben, weil sie sich ein paar individuelle Fehler zu viel leisteten. Und die kosten. Vor allem in den Play-offs. Dann, wenn es auf Kleinigkeiten ankommen. Dann, wenn sich die Gegner nicht viel schenken. Dann, wenn sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe begegnen. Das taten die Ice Dragons und die Bären. „Insgesamt hatten wir einen Tick mehr vom Spiel“, waren sich EHC-Trainer Daniel Benske und -Manager Carsten Billigmann einig. Nur die Sache mit den Kleinigkeiten sprach in der Neuauflage des letztjährigen Viertelfinales gegen die Gäste, die immer mal wieder von ihrer einfachen, disziplinierten Linie abrückten, die das Team in den vergangenen Wochen stark gemacht hatte. „Wir sagten uns in der zweiten Pause noch, dass wir diszipliniert spielen müssen, weil das nächste Tore entscheidend sein kann. Und dann unterlaufen uns zwei bittere, individuelle Fehler“, beschrieb Benske die vorentscheidenden Situationen. Die ereigneten sich innerhalb von exakt 60 Sekunden. Nils Bohle (45.) traf zum 3:2, Ulib Berezovskij (46.) erhöhte gegen seinen ehemaligen Kölner DNL-Mannschaftskollegen Felix Köllejan auf 4:2. Das konnten die Neuwieder nicht mehr aufholen. Zweimal waren sie zuvor zurückgekommen. Dennis Schlicht glich Sven Johannhardts 1:0 aus, Moritz Schug antwortete auf Benjamin Skinners 2:1. Aber im Schlussakkord ging den Bären die Zeit aus. Michael Jamieson weckte noch einmal die Hoffnung auf ein weiteres Comeback (54.), das jedoch ausblieb.
2:49 Minuten Restzeit standen noch auf der Anzeigetafel, als die Unparteiischen wegen Hakens eine Strafe gegen HEV-Verteidiger Aaron Reckers aussprachen. Jetzt der Ausgleich, und der EHC hätte wieder alle Chancen. „Aber unser Powerplay war heute leider nicht so effektiv wie im Viertelfinale“, musste Benske erkennen. So brachte auch dieses letzte von fünf EHC-Überzahlspielen keinen Erfolg. Auch der sechste Feldspieler, der für Köllejan aufs Eis kam, wurde kein Faktor mehr. Stattdessen machte Berezovskij mit einem Schuss ins leere Gehäuse den Sack zu für diesen Freitagabend.
„Wir wollten auswärts gewinnen und sind deshalb jetzt enttäuscht, gehen aber trotzdem am Sonntag mit breiter Brust aufs Eis und wollen die Serie ausgleichen. Wir waren bei gleicher Mannschaftsstärke die etwas bessere Mannschaft. Das gibt uns Zuversicht für Spiel Nummer zwei“, ist der Trainer guter Dinge, dass es im Icehouse mit dem Heimvorteil und den frenetischen Fans im Rücken mit dem 1:1 klappt.

Herford: Vogel (Stenger) – Schinke, Gehring, Reckers, Brinkmann, Kiel, Derksen, Rempel – Nasebandt, Johannhardt, Skinner, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Staudt, Becker, Lindt, Hutt.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Pering, Hellmann, D. Schlicht, Wichterich, Neumann – Fröhlich, S. Asbach, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Marc-André Naust/Eugen Schmidt.
Zuschauer: 875.
Strafminuten: 10:14 + Disziplinarstrafe gegen Brabec.
Tore: 1:0 Sven Johannardt (Brinkmann, Nasebandt) 7′, 1:1 Dennis Schlicht (Schug, S. Schlicht) 23′, 2:1 Benjamin Skinner (Hutt, Reckers) 27′, 2:2 Moritz Schug (Fröhlich) 38′, 3:2 Nils Bohle (Schinke, Hutt) 45′, 4:2 Ulib Berezovskij (Reckers) 46′, 4:3 Michael Jamieson (S. Schlicht) 54′, 5:3 Ulib Berezovskij (Schinke, Hutt) 59′.

Benske: Die Euphorie ist greifbar