Lange Unterzahl wird zum Verhängnis

Sven Schlicht (am Puck) zählte nicht nur zur Neuwieder Reihe, die den EGDL-Paradesturm um Matt Fischer (im Hintergrund) bei gleichem Kräfteverhältnis kalt stellte, sondern auch zu den EHC-Torschützen bei der knappen 4:5-Niederlage in Diez.

Gefühlswelt und Fan-Dank in einem Satz: „Nach einer Niederlage in die Kurve zu gehen und Gänsehaut zu haben – schafft nur ihr.“ Christian Neumann, Verteidiger des EHC „Die Bären“ 2016, machte kurz nach Mitternacht via Facebook klar, in welcher Stimmung er den Derby-Freitag hinter sich ließ. Knapp anderhalb Stunden vorher standen die Neuwieder Eishockeyspieler mit dem Ertönen der Schlusssirene in der Eissporthalle am Diezer Heckenweg zwar als Verlierer des Nachbarschaftsduells bei der EG Diez-Limburg fest, aber die zahlreich mitgereisten EHC-Anhänger bewiesen mit stehenden Ovationen das richtige Gespür für die Leistung der Bären. Mit 4:5 zogen sie beim Tabellenführer der Regionalliga West den Kürzeren, doch die Art und Weise, wie sich die Deichstädter bei den Rockets präsentiert hatten, macht Lust auf mehr. „Wir haben super gespielt“, brauchte Neuwieds Trainer Daniel Benske nur vier Worte, um die Leistung seines Teams zu bewerten, das ohne den gesperrten Torjäger Martin Brabec und Robin Schütz auskommen musste. Auf der anderen Seite fehlten Arno Lörsch Marijus Maier, Julian Grund, Ville Kärkäs, Steve Themm und Dennis Stroeks – trotzdem gab es bei den Rockets keine freie Zeile auf dem Spielberichtsbogen. Mit den beiden Nachverpflichtungen von unter der Woche sowie Bad Nauheimer Förderlizenz-Unterstützung standen 22 Mann zur Verfügung.
Die Bären knüpften nahtlos an die hochengagierten Leistungen der zurückliegenden Wochen an, fuhren jeden Check zu Ende, liefen den Gegner früh an und stellten die Diezer und Limburger damit vor einige Probleme. Folglich gingen die Gäste im ersten Drittel verdient mit 2:0 in Führung. Deion Müller setzte den ersten ernsthaften Schuss auf Constantin Schönfelder auf Anhieb unter die Latte (4.), und Michael Jamieson erhöhte per Bauerntrick auf 0:2 (13.). Perfekter Start des EHC, der zudem die geballte Offensivpower der Raketen mit Joey Davies, Matt Fischer und Konstantin Firsanov so gut aus dem Spiel nahm, wie es eben ging und es kaum eine andere Mannschaft in dieser Saison bislang geschafft hatte. Wann immer möglich, versuchte Benske Tobias Etzel, Sven Schlicht und Deion Müller gegen die erste EGDL-Reihe aufs Eis zu schicken und traf damit eine prima Entscheidung. Die Tore zum Ausgleich gingen nicht von ungefähr auf die Konten anderer Spieler. Emanuel Grund, genauso wie Nikolai Varianov erst am Donnerstag nach Diez gewechselt, verkürzte in der 16. und André Bruch egalisierte nach einem starken Solo entlang der Bande in der 30. Minute zum 2:2. Neuwied ließ das nicht lange auf sich sitzen. Nur anderthalb Minuten später holte Dennis Schlicht die Führung zurück.
Die schließlich spielentscheidende Situation ereignete sich nach 36:08 Minuten auf der linken Seite des Diezer Verteidigungsdrittel: EHC-Angreifer Moritz Schug trifft Kevin Schophuis, dabei landet der Ex-Lauterbacher in der Bande, wird später mit Halskrause und auf der Trage vom Eis geschoben, während Schiedsrichter Sascha Westrich den Gästespieler mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe zum Duschen schickt. Der Unparteiische sprach wegen eines Fouls mit Verletzungsfolge die große Strafe aus, die später für Diskussionsstoff sorgte, weil Schophuis im letzten Drittel wieder voller Tatendrang mitmischte. Westrich vermerkte den Umstand in einem Zusatzbericht. Nur das konnte der Referee aus Poppenweiler zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, sodass die EGDL eine fünfminütige Überzahlsituation erhielt und in dieser Phase die Partie für sich vorentschied. „Wir haben da leider die Ordnung verloren“, haderte Benske. Konstantin Firsanov glich in der 40. Minute zum 3:3 aus, und die Bären sollten noch nicht einmal mit dem Remis zum zweiten Mal in die Kabine gehen, weil zwei Sekunden vor der Pause Philipp Maier das Ergebnis drehte. Noch immer mit einem Mann mehr auf dem Eis, erhöhte Matt Fischer auf 5:3 (41.).
„Aber wir haben großes Herz gezeigt“, kommentierte der EHC-Coach die starke Endphase seines Teams, das den Unterzahl-Schock nicht an sich heranließ und bei gleicher Mannschaftsstärke wieder den besseren Eindruck hinterließ. Deion Müller hatte in der 50. Minute den Anschlusstreffer auf der Kelle. Der fiel, als Stephan Fröhlich in Überzahl einnetzte (57.). „Wir hätten das Ding heute auch genauso gut gewinnen können. Auch wenn wir klasse gespielt haben, ärgert mich diese Niederlage“, sagte Benske. Worte, die er im Kabinengang sprach, nachdem es seitens mehrerer EGDL-Verantwortlicher gehießen hatte, ein offizielles Trainergespräch würde an diesem Abend nicht stattfinden und bevor die Gastgeber später die offizielle Darstellung wählten, Benske habe an der Pressekonferenz nicht teilgenommen. „Ich hätte durchaus etwas zu sagen gehabt“, wunderte sich der 36-Jährige im Nachhinein. Diese offensichtlich dann doch abgehaltene Pressekonferenz hätte beinahe erst später auf der Tagesordnung gestanden: Andreas Wichterichs Strahl von der blauen Linie verpasste nämlich nur ganz knapp das Ziel – es wäre das 5:5 gewesen und hätte möglicherweise die Verlängerung in einem Spiel bedeutet, das alle Erwartungen erfüllte, und hinten heraus auch Inhalte bot, die mit den Fäusten geklärt wurden: Dennis Schlicht und Pierre Wex kannten bei ihrem beherzten Fight keine Hemmungen, Tobias Etzel und Philipp Maier hatten ebenfalls eine Meinungsverschiedenheit, und der wiedergenesene Schophuis wollte es mit Marco Herbel aufnehmen.
„Das war ein Vorgeschmack auf die Play-offs“, zeigte sich Neuwieds Manager Carsten Billigmann angetan von der intensiven Spielweise seiner Mannschaft. „Man hat heute deutlich gemerkt, dass die Diezer weich sind, wenn man konsequent auf den Mann geht. Wir werden diese Gangart beibehalten, und ich bin überzeugt davon, dass wir so noch unsere Erfolge haben werden.“

Diez-Limburg: Schönfelder (Haseloff) – Löwing, Schophuis, Ansink, Krämer, E. Grund – Niestroj, Davies, Bruch, Fischer, Firsanov, Wex, Flemming, P. Maier, Mainzer, Böhm, Kail, Martaller, Varianov, Langer, Rost.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Pering, Hellmann, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Sascha Westrich.
Zuschauer: 1089.
Strafminuten: 12 + Disziplinarstrafe gegen Firsanov : 21 + Disziplinarstrafe gegen D. Schlicht + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Schug.
Tore: 0:1 Deion Müller (S. Schlicht) 4′, 0:2 Michael Jamieson 13′, 1:2 Emanuel Grund (Böhm, Flemming) 16′, 2:2 André Bruch (Langer) 30′, 2:3 Dennis Schlicht (Etzel, Jamieson) 31′, 3:3 Konstantin Firsanov (Davies, Fischer) 40′, 4:3 Philipp Maier (Davies, Fischer) 40′, 5:3 Matt Fischer (Ansink) 41′, 5:4 Stephan Fröhlich (Jamieson) 57′.

Siegrekord für die Bären im Derby?

Bitter für die Bären: Torjäger Martin Brabec (15 Punkte in den letzten 5 Spielen) muss gegen die EGDL zuschauen. Er erhielt gegen Hamm eine umstrittene Spieldauerdisziplinarstrafe.

Dem EHC „Die Bären“ 2016 winkt in der Eishockey-Regionalliga West ein neuer Rekord: Fünf glatte Siege am Stück nach 60 Minuten bedeuten bereits einen Bestwert, aber damit gibt sich der Tabellendritte aus Neuwied noch nicht zufrieden. Am Freitagabend will man beim Derby am Diezer Heckenweg gegen Spitzenreiter EG Diez-Limburg (Bully: 20.30 Uhr) zum ersten Mal seit der Neugründung des Vereins ein sechstes gewonnenes Regionalligaspiel am Stück feiern. „Die Play-off-Form kommt allmählich. Gegen Hamm haben wir von beiden Seiten Sachen gesehen, die mitunter schon Oberliga-Niveau haben“, stellt Trainer Daniel Benske erfreut fest. „Trotzdem müssen wir die Kirche im Dorf lassen. Es wird auch Niederlagen geben. Aber natürlich geben wir 120 Prozent, um negative Ergebnisse so lange wie möglich vor uns herzuschieben.“ Vor allem an diesem viertletzten Hauptrundenwochenende, denn bei den Rockets (Benske: „Eine super Mannschaft mit einem brutal guten und ausgeglichenen Kader“) und zwei Tage später im Heimspiel im Icehouse gegen Benskes Ex-Verein Neusser EV (Bully: 19 Uhr) stehen Spiele ins Haus, die bei allen Beteiligten das Kribbeln über das Normale hinaus steigen lassen. Es ist ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren, das die Bären momentan erfolgreich macht:

Schnelle Umsetzung: Vier Trainingseinheiten hatten die Bären unter ihrem neuen Coach absolviert, da waren sie schon bereit für die beiden Spitzenteams aus Herford und Hamm, die sie verdient besiegten. „Ich bin begeistert und beeindruckt, wie schnell die Mannschaft meine Vorstellungen aufgenommen hat. Wir haben uns kontinuierlich immer weiter gesteigert“, sagt Daniel Benske, der in den ersten Tagen seines Neuwied-Engagements viele Einzelgespräche mit den Spielern führte und ihnen vermittelte, welche Erwartungen er an sie stellt. Seine Schützlinge lauschten, verinnerlichten und setzen erfolgreich um.
Mehr Schüsse: „Schießen, einfach schießen“, fordern Eishockey-Fans häufig – Neuwieds Trainer vertritt die gleiche Philosophie. „Wir haben aus vielleicht 20 Abschlüssen pro Spiel inzwischen um die 30 gemacht“, rechnet Benske vor. Mehr Schüsse, ergeben automatisch mehr Chancen, und das spiegelt sich final auch in der Trefferanzahl wider. Gegen Dinslaken ließen die Bären noch einige große Gelegenheiten aus, gegen Herford stand schon eine beeindruckende „10“ auf der Anzeigetafel. Auch im Powerplay macht sich der Zug zum Tor bemerkbar. In den fünf Begegnungen gegen Soest, Lauterbach, Dinslaken, Herford und Hamm erreichte der EHC in Überzahl eine Erfolgsquote von sagenhaften 50 Prozent (10 Tore aus 20 Situationen).
Höhere Intensität: Die Bären wirken heiß auf jeden Zweikampf, auf jeden Check. Und kein Weg auf dem Eis scheint ihnen zu weit. „Die Jungs führen die Zweikämpfe konsequent zu Ende und übergeben nichts, was nicht unerledigt ist. Auch den Laufaufwand haben wir um 20 bis 30 Prozent erhöht“, erklärt Benske einen Teil seiner Eishockey-Philosophie. Die Kampfkraft ist für Neuwied die Basis. Wenn man über dieses Element gut in die Partie findet, kommt auch die spielerische Klasse. Die Partien in Dinslaken und Herford bewiesen das, als der EHC im Schlussdrittel offensiv ein Feuerwerk abbrannte.
Gesucht und gefunden: Carsten Billigmann stellte in seiner Zeit als Interimstrainer die beiden Imports Martin Brabec und Michael Jamieson in eine Angriffsreihe. Sie harmonierten von Anfang an gut, inzwischen verstehen sich der Tscheche und US-Boy beinahe blind. „Sie warten nicht auf ihre Chancen, sie erarbeiten sie auch heraus und leisten zudem auch mehr Defensivarbeit“, sieht Benske bei den beiden das komplette Paket. Bei den fünf Siegen scorten Brabec und Jamieson am laufenden Band: Brabec kam auf 15 (fünf Tore, zehn Assists), Jamieson auf elf Punkte (acht Tore, drei Assists). Zusätzlicher Bonus für den EHC: Mit Moritz Schug, Deion Müller und Stephan Fröhlich gibt es eine zweite Reihe mit eingebauter Torgefahr. Kapitän Fröhlich erzielte in den besagten Begegnungen sieben Treffer, unter anderem vier gegen Herford. Enttäuscht sind die Bären, dass Brabec im Spitzenspiel gegen seinen letztjährigen Klub passen und seinen Lauf für einen Regionalliga-Abend unterbrechen muss. Er erhielt gegen Hamm eine umstrittene Spieldauerdisziplinarstrafe und ist gegen die EGDL gesperrt.
Das Kollektiv: Von der ersten bis zur vierten Reihe erfüllen alle Spieler die ihnen zugeordneten Aufgaben. Benske: „Wir arbeiten und laufen im Kollektiv. Alle verschreiben sich der Abwehrarbeit, aber genauso setzen alle auch Akzente nach vorne.“ Die beiden Nachverpflichtungen von Carsten Hohmann (Lauterbach) und Daniel Pering (Neuss), der am Freitag debütieren und am Sonntag gegen seinen ehemaligen Verein sein erstes Heimspiel für den EHC bestreiten wird, tragen zu noch mehr Kadertiefe bei. Sie geben der Mannschaft zusätzliche Alternativen. Hohmann erzielte mit dem 1:0 gegen Hamm vor einer Woche den Dosenöffner, der kampfstarke Verteidiger Pering („Ich bin nicht der Spieler, der viele Punkte sammelt“) soll mit seiner Erfahrung und Unnachgiebigkeit eine weitere Säule in der Abwehr werden.

Bären brennen ein Feuerwerk ab

Schuss, Tor – Schuss, Tor – Schuss, Tor – Schuss, Tor: Stephan Fröhlich traf in Herford viermal.

Sie hatten es immer gesagt: Eine Eishockey-Saison wird ab Dezember, Januar richtig heiß. Dann geht es an die großen Fleischtöpfe. Dann muss die Verfassung passen. Und wenn man die ersten drei Partien des EHC „Die Bären“ 2016 seit dem Jahreswechsel betrachtet, kann man ohne Wenn und Aber feststellen, dass die Neuwieder Eishockeyspieler mit ihrem Trainer-Team beim Leistungsaufbau offenbar vieles richtig gemacht haben. Seine vier letzten Spiele gegen die Ice Dragons aus Herford hatte der verloren. Mitunter richtig schmerzhaft im ersten Aufeinandertreffen der Runde zum Beispiel (2:9) oder eben beim bitteren Viertelfinal-Aus im Frühjahr. Für das alles revanchierten sich die Deichstädter am Freitagabend mit einer Gala. Sie deklassierten den Tabellenzweiten mit 10:4. Der musste zwar unter der Woche den Abgang seines kanadischen 40-Tore-Mannes Ross-John Reed verkraften, aber damit hatte dieses eindeutige Ergebnis noch nicht einmal ansatzweise etwas zu tun. Denn Qualität haben die Drachen auch weiterhin reichlich in ihrem Kader. Nur war die der Bären diesmal noch eine Klasse höher. „Das war eine super geile Leistung. Wir haben 60 Minuten lang läuferisch, kämpferisch und spielerisch die Partie bestimmt. Dieses Ergebnis ist kein Zufall“, freute sich Trainer Daniel Benske über den dritten Sieg in seinem dritten Spiel hinter der Neuwieder Bande. Kaum zu bändigen kurz vor der nordrhein-westfälisch/niedersächsischen Grenze und dem gegnerischen Kasten: Stephan Fröhlich mit vier Toren und Martin Brabec (zwei Tore, vier Assists).
Zwei Drittel lang sahen 540 Zuschauer in der Eissporthalle „Im kleinen Felde“ eine zumindest vom Ergebnis her offene Begegnung. „Obwohl wir auch da schon das Ding dominiert haben“, merkte EHC-Manager Carsten Billigmann an. Aber da waren eben ein paar Situationen, in denen der HEV den Slot dicht besiedelte, Felix Köllejan die Sicht nahm und zum Erfolg kam. „Wirklich herausspielen konnte sich Herford nicht viel“, so Billigmann weiter. Das frühe 0:1 durch Michael Jamieson sowie drei Powerplay-Tore im ersten Abschnitt – ein Neuwieder von Stephan Fröhlich (13.) sowie zwei Herforder von Ulib Berezovskij (4.) und Florian Kiel (10.) – führten zu einem Gleichstand zur ersten Pause. Auch im zweiten Durchgang setzte der EHC den ersten Akzent. Moritz Schug markierte das 2:3 (24.) und eröffnete eine Phase, in der die Tore wie reife Früchte fielen. 30 Sekunden später glich Sven Johannhardt aus, wieder nur 20 Sekunden später holte Martin Brabec die Führung zurück. Erneut Brabec (25.) und der punktebeste Verteidiger der Regionalliga West, Aaron Reckers (27.), machten 181 verrückte Sekunden mit fünf Toren rund.
Im Schlussabschnitt drückte sich die klare Dominanz der Benske-Truppe dann auch auf der Anzeigetafel aus. Die Bären hatten Herford müde gelaufen und gekämpft, jetzt machten sie kurzen Prozess mit den Dragons. Billigmann: „Am Ende lief einfach alles perfekt. Dieser Sieg bringt zwar wie jeder andere drei Punkte, aber die Leistung war eine große Ansage.“ Nach Tobias Etzels 4:6 (45.) wurde EHC-Kapitän Fröhlich endgültig zum Drachentöter. „Happy“ schnürte binnen acht Minuten einen lupenreinen Hattrick inklusive Bauerntrick und Alleingang für die Gäste, die nun selbst in Unterzahl nicht mehr zu bändigen waren. Fröhlichs 4:9 und Frederic Hellmanns Schlusspunkt zum 4:10 fielen trotz numerischer Unterlegenheit.
Lediglich einen Schönheitsfehler hatte der erste zweitstellige Neuwieder Saisonsieg: Sven Schlicht handelte sich in der Endphase eine Spieldauerdisziplinarstrafe ein und ist für das Heimspiel am Sonntag ab 19 Uhr gegen Meister Hamm gesperrt. Dann erwartet der EHC wieder eine volle Hütte. Die Mannschaft hat es sich derzeit absolut verdient.

Herford: Figge (Rusche) – Schmunk, Reckers, Brinkmann, Kiel, Derksen – Nasebandt, Johannhardt, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Korpar, Staudt, Chmelkov, Lindt, Hutt.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Dieser, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Marc-André Naust.
Zuschauer: 540.
Strafminuten: 12 + Disziplinarstrafe gegen Bohle : 23 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Sven Schlicht.
Tore: 0:1 Michael Jamieson (Brabec) 2‘, 1:1 Ulib Oleksandrovic Berezovskij (Hutt, Schmunk) 4‘, 2:1 Florian Kiel (Brinkmann, Bohle) 10‘, 2:2 Stephan Fröhlich (Brabec) 13‘, 2:3 Moritz Schug 24‘, 3:3 Sven Johannhardt (Berezovskij, Hutt) 24‘, 3:4 Martin Brabec (Neumann, Jamieson) 24‘, 3:5 Martin Brabec 25‘, 4:5 Aaron Reckers (Linnenbrügger) 27‘, 4:6 Tobias Etzel (Brabec) 45‘, 4:7 Stephan Fröhlich (S. Schlicht) 48‘, 4:8 Stephan Fröhlich (Wichterich, Müller) 51‘, 4:9 Stephan Fröhlich 56‘, 4:10 Frederic Hellmann (Brabec, Neumann) 60‘.

Bären haben zwei Spitzenspiele vor Augen

Die Abwehr im Blickpunkt: Trainer Daniel Benske legte im Training den Fokus auf die Arbeit vor dem eigenen Tor. Hier bilden im Lauterbach-Spiel Robin Schütz und Frederic Hellmann die doppelte Absicherung.

Die ersten beiden Regionalligapartien des Jahres 2018 hätten für den EHC „Die Bären“ 2016 kaum besser laufen können. Gegen Lauterbach und Dinslaken hatten die Neuwieder Eishockeyspieler auf sechs Punkte gehofft, und genau diese Ausbeute schrieben sie auch ihrem Konto gut. „In Lauterbach war es ein Arbeitssieg gegen eine Luchse-Mannschaft, die eine ihrer bislang besten Saisonleistungen gezeigt hat, und in Dinslaken konnten wir zwei Tage später noch einmal eine Schippe drauflegen. Das war eine sehr, sehr starke Leistung unseres Teams“, lässt der neue Trainer Daniel Benske seine ersten beiden Partien auf der EHC-Bank Revue passieren. „Gegen Mannschaften aus dem unteren Bereich der Tabelle hast du immer noch mehr Druck auf den Schultern. Das geht in dieser Saison jedem Team in der Regionalliga West so. Ich denke, dass wir gegen die Spitzenmannschaften noch einmal fünf, sechs Prozent mehr herauskitzeln können“, glaubt Benske. Den Beweis können die Bären am Wochenende zweimal antreten: Am Freitag sind sie ab 20.30 Uhr beim Tabellenzweiten Herforder EV zu Gast, bevor am Sonntag ab 19 Uhr nach dann drei Auswärtspartien in Folge Meister Lippe-Hockey Hamm im Neuwieder Ice House gastiert. Durch die drei Siege in Serie hat sich der EHC den dritten Platz zurückerkämpft. Den wollen die Bären mit Blick auf die näherrückenden Play-offs verteidigen, um im Viertelfinale einem der „Großen“ aus dem Weg zu gehen.
Wie sich Neuwied im Vogelsbergkreis und am Niederrhein präsentierte, macht Mut. „Wir befinden uns im Aufwind“, hat der neue Coach beobachtet. „Auch das waren zwei Gegner, gegen die sich die Ligaspitze strecken muss. Ich glaube wir sind gerüstet für Herford und Hamm.“
Um ihre offensive Qualität müssen sich die Neuwieder keine Gedanken machen, umso wichtiger war es, in Dinslaken mit nur zwei Gegentoren auch vor dem eigenen Tor Fortschritte gezeigt zu haben. „Unsere Torhüter Felix Köllejan und Lukas Schaffrath zählen zu den besten der Liga. Bislang haben wir uns mit der Anzahl der Gegentore aber oft unter Wert verkauft“, betont Benske, der besonderen Wert auf eine sichere Abwehr legt – kein Wunder, stand er zu seiner aktiven Zeit selbst auch zwischen den Pfosten. „Das ist die Basis für unser Spiel.“
Abwehrarbeit, die schon im Angriff beginnt. Unermüdlich checkten Martin Brabec und Co. in Lauterbach vor, setzten den Gegner schon im Spielaufbau unter Druck. Das war aggressives Eishockey, mit dem man Fehler des Gegners provoziert. Genauso gehen die Bären auch nun die nächsten beiden Aufgaben an. „Wenn unsere Grundlagen mit Leidenschaft, Herz und harter Arbeit stimmen, müssen wir auch vor Herford und Hamm keine Angst haben. Wir haben unter der Woche hart gearbeitet, uns noch einmal intensiv mit dem Verteidigen beschäftigt“, berichtet der EHC-Coach vor den Vergleichen mit den „Ice Dragons“, die Neuwied im Viertelfinale der Vorsaison ausschalteten und in 120 Ligaminuten 2017/18 schon 16 Tore gegen die Bären erzielten, sowie dem amtierenden Meister. Herford, ist neben Ratingen die einzige Mannschaft, gegen die Neuwied in dieser Saison noch nicht gewonnen hat. Wie das Kräfteverhältnis ohne den besten Regionalliga-Torjäger Ross-John Reed aussieht, der den HEV unter der Woche verlassen hat, wird man sehen. Besser sieht die Bilanz gegen die Eisbären von der Lippe aus (zwei Siege, eine Niederlage), die sich kürzlich mit dem Ex-Oberligaspieler Sebastian Pigache verstärkten.

Geduldige Bären beißen spät zu

Der inoffizielle Titel des EHC-Wochenend-Torschützenkönigs geht an Michael Jamieson, der in Lauterbach am Freitag zwei- und am Sonntag in Dinslaken dreimal traf.

„Die bekommen nicht viele Gegentore. Deshalb wird es besonders wichtig sein, auch nicht viel zuzulassen. Und Geduld, wir brauchen Geduld“, hatte sich Daniel Benske das Rezept für das Auswärtsspiel seiner Bären bei den Dinslakener Kobras schon früh zurechtgelegt. Nach der Schlusssirene kam der Eindruck auf, der neue Neuwieder Trainer hätte die Begegnung im Vorfeld irgendwo in der Glaskugel schon einmal gesehen. Denn beim 4:2-Auswärtssieg war vieles genauso, wie prognostiziert. Dinslaken, eine Mannschaft, die von den letzten neun Begegnungen nur zwei (in Neuwied und gegen Herford) verloren hatte, zu besiegen – alleine schon dafür, verdiente sich der EHC viel Respekt. Noch mehr dafür, bis in die Endphase hinein mit 1:2 hinten liegend, nicht den Kopf verloren zu haben. Vielleicht waren es auch die Erinnerungen an vergangene Spiele gegen die Giftschlangen, in denen die Bären bereits ihre Comeback-Qualitäten offenbart hatten. Im Oktober 2016 drehten sie im Icehouse einen 0:3-Rückstand nach 40 Minuten in einen 4:3-Sieg, vor zweieinhalb Monaten machten sie in Dinslaken aus einem 1:3-Handicap noch zwei Punkte durch einen 5:4-Erfolg nach Penaltyschießen.
Und diesmal: Neuwied gelang in 52 Minuten zunächst nur ein Tor gegen den Ex-EHCler Marvin Haedelt zwischen den Pfosten. Michael Jamieson glich in der 38. Minute den frühen Rückstand durch Kevin Wilson (4.) aus. Weil eingangs des Schlussabschnitts Sven Linda eine doppelte Überzahlsituation ausnutzte (43.), hoffte Dinslaken nicht zu unrecht auf eine Fortsetzung seiner bemerkenswerten Serie. Und dann in einer Phase, als der Liveticker die zu Hause gespannt wartenden Fans auf die Folter zu spannen begann und partout seinen Status nicht aktualisierten wollte, trat bei den Gästen der Ketchupflaschen-Effekt ein. Zunächst kam nicht viel, aber dann alles auf einmal. Innerhalb von 287 Sekunden trafen zweimal Dinslaken-Spezialist Jamieson (sechs Saisontore gegen diesen Gegner in drei Partien, 53., 58.) und dazwischen Martin Brabec (56.). 4:2 nach 1:2 – die Moral der Deichstädter ist beeindruckend.
Viel Arbeit war notwendig, um dem ERV Einhalt zu gebieten, aber der große Aufwand und eine geschlossene Mannschaftsleistung brachten den zweiten Sieg des Wochenendes nach dem 7:5 in Lauterbach am Freitag ein. „Die Mannschaft hat eine sehr, sehr gute Leistung gegen ein Dinslakener Team gezeigt, das der erwartet starke Gegner war und gezeigt hat, warum die starken Herforder hier nur knapp gewonnen haben“, äußerte sich Benske hochzufrieden zum Auftritt seiner Truppe. Ob er in der Endphase, als sein Team auch acht Minuten vor Ultimo noch hinten lag, ins Zweifeln kam? „Nein, weil wir schon vorher die ganze Zeit mehr Spielanteile hatten. Und als dann unsere Überzahlsituation kam, wusste ich, dass wir das Ruder noch herumreißen.“
Der EHC fand am Niederrhein eine ausgewogene Linie aus Offensive und Defensive. Wichtig gegen den konterstarken Tabellensechsten. Benske: „Dinslaken kommt in einem Spiel normalerweise zu zehn Kontergelegenheiten. Wir haben heute vielleicht drei zugelassen. Das war ein sehr konzentrierter Auftritt und ein noch eine Schippe mehr als Freitag in Lauterbach.“

Dinslaken: Haedelt (Zerbe) – Linda, Hüsken, Hofschen, Linse, Tsvetkov – Heffler, Menzel, Dreyer, Wilson, Haßelberg, Tanke, Plichta, Goldmann, Brinkmann, Essery.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, Dieser, D. Schlicht, Wichterich, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Daniel Todam.
Zuschauer: 220.
Strafminuten: 16 + Disziplinarstrafe gegen Linda : 22 + Disziplinarstrafe gegen Etzel
Tore: 1:0 Kevin Wilson (Dreyer) 4′, 1:1 Michael Jamieson (Brabec, D. Schlicht) 38′, 2:1 Sven Linda (Wilson, Menzel) 43′, 2:2 Michael Jamieson (Brabec) 53′, 2:3 Martin Brabec (Fröhlich) 56′, 2:4 Michael Jamieson (D. Schlicht) 58′.

Arbeitssieg in Lauterbach

Starkes Debüt: Neuwieds Neuzugang Carsten Hohmann spielte gegen seinen Ex-Klub und bereitete das Tor zum 4:6 vor.

Carsten Billigmann bläst die Backen auf und atmet tief durch, Daniel Benske kriecht ein gelöstes Lächeln aufs Gesicht – den Neuwieder Verantwortlichen und Spielern ist die Erleichterung anzusehen, als Michael Jamieson von der rechten Seite auf das verwaiste Lauterbacher Tor zusteuert und den Puck mit einem Flachschuss in die Maschen setzt. 17 Sekunden vor dem Ende des Regionalligaspiels zwischen den Lauterbacher Luchsen und dem EHC „Die Bären“ 2016 erzielt der US-Amerikaner per Empty-Net-Goal das Tor zum 5:7, es ist die Entscheidung an einem Abend des offenen Schlagabtauschs, der dem EHC beim Einstand von Trainer Benske auf Anhieb einen Dreier einbringt. „Am Anfang ist es am wichtigsten, dass wir überhaupt die Punkte holen, und das haben wir heute geschafft“, sagte der neue Bären-Coach nach dem Arbeitssieg im Oberhessischen. „Die Mannschaft hatte eine Vorgabe. Dass im ersten Spiel nicht alles 100-prozentig funktionieren kann, ist klar. Aber für den Anfang war das absolut in Ordnung. Vor allen mit der kämpferischen Leistung bin ich zufrieden.“ Auch wenn Spieler und Trainer unter der Woche erst zweimal gemeinsam auf dem Eis standen („Es waren zwei gute Einheiten“), war Benskes Handschrift mitunter schon gut zu erkennen. Die Bären spielten aggressiv, checkten früh vor, attackierten die Einheimischen schon im Spielaufbau und provozierten so einige Scheibengewinne. Auf den Leib geschneidert zu sein scheint diese Aufgabe Martin Brabec, dem kein Weg zu weit war und einen Lauterbacher nach dem nächsten unter Druck setzte.
Im ersten Abschnitt geizten beide Teams nicht mit offensivem Erfolg, aber eben auch nicht mit defensiven Fehlern. Drei Tore hüben wie drei drüben ließen die Zuschauer auf ihre Kosten kommen. Deion Müller, nach seinem im Hinspiel gegen Lauterbach vor rund vier Wochen erlittenen Cut mit Vollvisier unterwegs, behielt auch mit Gitter in der vierten Minute den Durchblick und erzielte das 0:1, das Daniel Schindler (4.) und ECL-Neuzugang Robert Sokol (11.) mit zwei Abprallern drehten. Dann das erste Überzahlspiel der Bären, und in dieser Disziplin fielen sie im ersten Spiel des Jahres besonders positiv auf. Martin Brabecs Schuss aus der zweiten Reihe (13.) war der erste von drei Powerplaytoren. Aber wie schon nach Müllers 0:1 konnte man den Rückenwind nicht lange genießen. Benjamin Schulz nutzte einen Fehlpass im Spielaufbau zum 3:2 (14.). Dass die Bären nicht mit einem Rückstand in die Kabine gingen, lag an Philipp Dieser. Der 18-jährige Verteidiger zog ab, ein Lauterbacher fälschte ab – es war in dieser Situation das Quäntchen Glück, das sich die Neuwieder verdienten und dem Verteidiger sein erstes Regionalliga-Tor bescherte.
Bei gleichem Kräfteverhältnis war Neuwied am Drücker, nur blieben die Fünf-gegen-fünf-Phasen im zweiten Drittel selten. 14 Strafminuten kassierten die Gäste zwischen der 20. und 40. Minute, und trotzdem machten sie aus dem Remis nach dem ersten Abschnitt eine 6:4-Führung. Michael Jamieson (21.), Willi Hamann (33.) und Sven Schlicht (34.) überlisteten Luchse-Torwart Sebastian Grunewald. Auf der Gegenseite hatte Lauterbachs Deutsch-Tscheche Jan Hammerbauer zwischenzeitlich zum 4:4 egalisiert (30.). Nach der ersten und zweiten Reihe verewigte sich beim Doppelschlag zum 4:5 und 4:6 innerhalb von 69 Sekunden auch Formation Nummer drei auf dem Spielberichtsbogen. „Die haben bereits richtig gut funktioniert“, freute sich Manager Carsten Billigmann. Warum er das besonders betonte? Neben Willi Hamann und Sven Schlicht stürmte mit Carsten Hohmann eine kurzfristige Nachverpflichtung der Neuwieder. Der 20-jährige Angreifer hatte erst unter der Woche in Lauterbach eine Freigabe erwirkt und bestritt sein erstes Spiel für die Deichstädter direkt gegen seinen Ex-Klub. „Carsten hat heute bereits gezeigt, dass er eine Verstärkung ist, die unserem Kader noch mehr Tiefe verleiht“, so Billigmann über den gebürtigen Kölner, der Schlichts 4:6 vorbereitete.
Die Benske-Truppe schien mit diesem Zwischenstand das Heft in der Hand zu haben und es nur noch bis zur letzten Seite weiterblättern zu müssen, zumal sie eingangs des Schlussabschnitts eine fast zweiminütige doppelte Unterzahl überstanden. Dann stellte Lauterbach jedoch auf zwei Reihen um und erhöhte den Druck. Bei Patric Kaliszewskis Schuss an den Innenpfosten hatten die Bären Glück und bei dicken Gelegenheiten von Benjamin Schulz sowie Jan Hammerbauer ihren Torhüter Lukas Schaffrath als Retter in der Not. Der stand in der 57. Minute ein weiteres Mal im Mittelpunkt, als Robert Sokol gehakt wurde, von Schiedsrichter Ralf Kubiak einen Penalty zugesprochen bekam, sich bei diesem jedoch verzockte und selbst überspielte. In der spannenden Endphase hielten die Gäste ihre Sinne zusammen und die Konzentration hoch. Stephan Fröhlich blockte einen Schuss von der blauen Linie, die Scheibe gelangte auf die rechte Seite zu Michael Jamieson, und der setzte zum Solo an, das mit dem erfolgreichen Abschluss Carsten Billigmann durchatmen und Daniel Benske strahlen ließ.
Ganz anders das Bild auf der Bank nebenan: Dort saß Lauterbachs Schweizer Coach Thomas von Euw in sich gekauert wie ein Häufchen Elend. Seine Mannschaft hatte eine ihrer besten Saisonleistungen gezeigt, bekam dafür aber keinen Lohn.

Lauterbach: Grunewald (Stenger) – Jüngst, Apel, Zizka, Grund, Berk – Kaliszewski, Knieling, Weitzer, Schulz, Sokol, Schindler, Pietschmann, Lichnovsky, Hammerbauer.
Neuwied: Schaffrath (Köllejan) – Hellmann, Schütz, Neubert, Dieser, D. Schlicht, Wichterich – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Ralf Kubiak.
Zuschauer: 330.
Strafminuten: 14:22 + Disziplinarstrafe gegen Schug.
Tore: 0:1 Deion Müller (Schug) 4‘, 1:1 Daniel Schindler (Apel, Grund) 4‘, 2:1 Robert Sokol (Zizka) 11‘, 2:2 Martin Brabec (Fröhlich) 13‘, 3:2 Benjamin Schulz (Schindler) 14‘, 3:3 Philipp Dieser 16‘, 3:4 Michael Jamieson (Fröhlich, Brabec) 21‘, 4:4 Jan Hammerbauer 30‘, 4:5 Willi Hamann (Etzel, Müller) 33‘, 4:6 Sven Schlicht (Hohmann, Hamann) 34‘, 5:6 Knut Apel (Sokol, Jüngst) 43‘, 5:7 Michael Jamieson 60‘.

Carsten Hohmann wird ein Bär

Hier noch für Lauterbach am Puck, ab sofort für den EHC: Carsten Hohmann (rechts) gibt dem Bären-Kader noch mehr Tiefe.

Nur auf die Karte einer torgefährlichen ersten Reihen wollen die Neuwieder Bären nicht setzen, der EHC baut auch in der zweiten Saisonhälfte auf einen breit aufgestellten Kader und hat deshalb kurz nach dem Jahreswechsel noch eine Nachverpflichtung mit Weitblick getätigt: Carsten Hohmann, bislang bei Regionalliga-Konkurrent EC Lauterbach auf dem Eis, wechselt mit sofortiger Wirkung das gelbe Trikot der Luchse gegen den Bären-Dress ein. Der Angreifer will in seiner Geburtsstadt Köln ein Studium beginnen, und da passt Neuwied als neue sportliche Heimat bestens in den Plan. „Wir sind froh, dass die Verpflichtung so schnell geklappt hat. Wir haben nun eine weitere Option, er verbessert unseren Kader in der Breite weiter. Wir wollen einen Weg mit jungen Spielern gehen, denen die Zukunft gehört. Carsten entspricht genau dieser Philosophie. Er ist ein Spieler mit Perspektive“, sagt Trainer Daniel Benske.
Hohmann spielte zunächst als Schüler für die Kölner Haie und durchlief anschließend DNL-Stationen in Regensburg sowie Schwenningen. Bei den Lauterbacher Luchsen startete er im Herbst in seine erste Seniorensaison und hat sich dort auf Regionalliga-Level direkt gut präsentiert. In 20 Saisonpartien war der Linksschütze bislang an 24 Toren (9 Treffer, 15 Assists) beteiligt.

Bären haben zweimal Respekt, aber keine Angst

Vor knapp einem Monat setzten sich die Neuwieder Bären um Martin Brabec (am Puck) mit 5:4 gegen die Lauterbacher Luchse durch. Das dritte Aufeinandertreffen beider Teams am Freitag im Vogelsbergkreis wird die Premiere für den neuen EHC-Coach Daniel Benske und Lauterbachs zweites Spiel nach der Trennung von Topscorer Marko Sakic (im Hintergrund).

Eine Mannschaftsbesprechung am Dienstag, eine anschließende Trainingseinheit, eine weitere am Donnerstag – so sieht der erste Wochenfahrplan des EHC „Die Bären“ 2016 unter dem neuen Trainer Daniel Benske im Vorfeld des Auswärtsdoppelpacks am bevorstehenden Wochenende in der Eishockey-Regionalliga West mit den beiden Partien bei den Lauterbacher Luchsen (Freitag, 20 Uhr) und den Dinslakener Kobras (Sonntag, 19 Uhr) aus.
Zum ersten und einzigen Mal in dieser Saison hatten die Mannschaften über Weihnachten und Jahreswechsel die Möglichkeit, sich eine etwas längere Auszeit zu nehmen. Umso zufriedener sind die EHC-Macher, dass sich der Wunsch, Benske zu verpflichten so schnell zur Realtität entwickelte und nach der Interimslösung Carsten Billigmann/Andreas Halfmann rechtzeitig zum Jahreswechsel nun ein Cut gemacht werden konnte. Billigmann kann sich jetzt wieder ganz auf seine eigentlichen Manager-Tätigkeiten konzentrieren, Halfmann ist auf den Geschmack des Co-Trainers gekommen und wird dem neuen Coach assistieren.
Zu den Neuwieder Absichten für die beiden Aufgaben auf fremdem Eis: Die Bären wollen am Sonntagabend mindestens punktgleich sein mit den derzeit drittplatzierten Ratinger Ice Aliens, die am Freitag in Hamm zu Gast sind und am Sonntag frei haben. Ein Vorhaben, das sie mit zwei Siegen selbst in die Tat umsetzen können. „Unser Ziel sind ganz klar sechs Punkte“, macht Benske deutlich, „aber es bedarf dafür großer Aufmerksamkeit. Wir haben keine Angst, aber den entsprechenden Respekt vor Lauterbach und Dinslaken.“ Aus gutem Grund. Die Luchse aus dem Vogelsbergkreis sind zwar mit sieben Punkten Rückstand auf Benskes Ex-Klub Neuss Tabellenletzter und drohen die Play-offs der Top-Acht zu verpassen, haben aber nicht zuletzt bei der knappen 4:5-Niederlage in Neuwied vor einem Monat gezeigt, dass die Mannschaft nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Noch mehr gilt das für Dinslaken. Die Kobras gewannen sieben ihrer neun zurückliegenden Partien. Lediglich in Neuwied (2:5) und zuletzt in Herford (5:8) ging das Team von Krystian Sikorski leer aus. Der EHC-Trainer hat sich deren Partie beim Tabellenzweiten angesehen und attestierte den Gästen anschließend eine Top-Leistung.
Eine Besprechung mit dem Team und zwei Eiseinheiten unter der Woche – das ist nicht viel Zeit, aber bot immerhin die Möglichkeit, sich näher kennenzulernen. Das Rad neu erfinden will Benske bei den Bären ohnehin nicht. „Weil ich eine fitte und intakte Mannschaft übernommen habe. Hier muss man keine neue Welt anfangen und herumjonglieren. Ich habe den Spielern meine taktischen Vorstellungen erklärt, dass ich aggressives, torhungriges Eishockey sehen will, aber es nicht immer ein 8:7 sein muss. Wir müssen auch in der Lage sein, kämpferisch ein 4:2 souverän nach Hause fahren zu können. Ich möchte vor allem Kontinuität in die Leistungen reinbekommen. Ein Sieg in Lauterbach am Freitag bringt uns nämlich nichts, wenn wir zwei Tage später in Dinslaken verlieren.“
In Neuwied hat sich „zwischen den Jahren“ auf der Trainerbank etwas verändert, bei den Lauterbachern im Angriff. Die Hessen trennten sich von ihrem kroatischen Top-Scorer Marko Sakic und besetzten die Importstelle mit Robert Sokol aus der nordamerikanischen College-Liga NCAA III neu. Auch in Dinslaken sind es die Kontingentspieler, die großen Anteil am guten Lauf haben: Michal Plichta und Mark Alexander Essery sammelten in den fünf jüngsten Partien 24 Scorerpunkte.

Daniel Benske überlässt nichts dem Zufall

EHC-Manager Carsten Billigmann (links) hat mit Daniel Benske den Trainer für den EHC „Die Bären“ 2016 gewonnen, der ganz oben auf seiner Wunschliste stand.

Es ist der Abend des Heimspiels gegen die Soester EG. Daniel Benske geht hinter dem Neuwieder Icehouse mit einem grauen Kapuzenpullover in der Hand entlang. Ein Pullover, den er Minuten später übergezogen hat. Zunächst eigentlich nur zu Zwecken eines ersten Pressefotos. Aber dann entledigt sich der 36-Jährige seiner neuen Kleidung an diesem Abend überhaupt nicht mehr. Benske fühlt sich wohl in diesem Outfit, mit dem er Farbe bekennt: Der Bärenkopf des Eishockey-Regionalligisten EHC „Die Bären“ 2016 auf der Brustseite macht deutlich, dass sich hier jemand auf seine künftige Aufgabe freut. Rund vier Stunden später hat der neue Trainer der Neuwieder dann seinen ersten öffentlichen Auftritt, und der Eindruck, dass er Feuer und Flamme ist, bestätigt sich. Im Vip-Raum gibt Manager Carsten Billigmann, zuletzt mit Andreas Halfmann interimsweise hinter der Bande im Einsatz, den Trainer-Staffelstab weiter an seinen Wunschkandidaten, der bis vor kurzem den Neusser EV betreute.
Bei Daniel Benske gibt es nur ganz oder gar nicht. Mit Akribie hat er sich auf seinen neuen Job vorbereitet, zwei Tage vor dem besagten Soest-Heimspiel redete er bis gegen Mitternacht mit den EHC-Verantwortlichen über das, was er ab dem 1. Januar erwartet und umgekehrt auf ihn zukommt. „Wir haben uns für ihn entschieden, weil seine Mentalität zu uns passt. Daniel ist ein Arbeiter“, charakterisiert Billigmann den Neuen.
Mannschaften dieses Daniel Benske sind unnachgiebig, weil er eine große Portion Hartnäckigkeit vorlebt und diese auch seinen Teams eintrichtert. „Natürlich spielt die individuelle Klasse eines Spielers im Eishockey eine Rolle, aber auf Namen lege ich keinen Wert. Auf Einsatz und Engagement kommt es an. Ich erwarte von mir, dass ich 120 Prozent gebe und eine gewissenhafte Vorbereitung leiste. Genau das verlange ich auch von meinen Spielern. Wenn ich sehe, dass jemand nur 80 oder 90 Prozent abruft, flippe ich aus. Solche Spieler haben ein erhebliches Problem mit mir. Natürlich kann man ein Spiel verlieren, aber dann darf man sich nicht den Vorwurf machen, nicht alles gegeben zu haben. Hier geht es nicht um Namen, nicht um Benske oder einzelne Spieler, sondern über allem steht der Verein“, sagt der Inhaber eines Malerfachbetriebs. Der frühere Torhüter, der im Jugendbereich für den Neusser EC, die Krefeld Pinguine und die Düsseldorfer EG sowie später für die Ratinger Ice Aliens spielte, dann bereits im Alter von 25 Jahren die aktive Laufbahn beendete, um als Schiedsrichter tätig zu werden und im Jahr 2011 hinter die Bande auf die Trainerbank wechselte, überlässt nichts dem Zufall. Ein Arbeiter weiß schließlich, dass der Erfolg nicht vom Himmel fällt, sondern das Ergebnis von Herzblut und Schweiß ist. „Ich will mit meiner Mannschaft nicht irgendwie eine Top-Platzierung erreichen, sondern mir diese mit Leistung verdienen.“ Dazu passt die Philosophie, auch auf dem Eis selbst die Initiative zu ergreifen. „Wir wollen das Spiel kontrollieren, und dafür brauchen wir zwei Systeme: eine gezielt auf Angriff und eine mit der Konzentration auf Defensive. Dass das nicht von heute auf morgen geschehen kann, ist klar. Deshalb verfolgen wir einen Zweijahresplan. Ich komme nicht für etwas Kurzfristiges nach Neuwied.“
Während seiner Zeit in Neuss, wo Benske als Co.-Trainer von Andrej Fuchs amtierte und nach dessen Ausscheiden die Mannschaft zuletzt eigenverantwortlich führte, hatte er in Neuwied nie viel zu bestellen. Der NEV musste sich dem EHC stets beugen. „Jetzt will ich mit unseren Fans und dem Umfeld im Rücken natürlich so viele Spiele wie möglich gewinnen“, sagt der C-Schein-Inhaber, der am 5. Januar in Lauterbach seinen Einstand gibt, dann zwei weitere Auswärtsspiele in Dinslaken sowie Herford vor Augen hat und am Sonntag, 14. Januar, gegen Meister Hamm erstmals im Icehouse den Platz auf der Bank der Heimmannschaft einnimmt. Auf der Seite, der Daniel Benske bislang immer gratulieren musste.

Bären beenden 2017 mit 6:4-Heimsieg

Ein Schuss, ein Tor – der Fröhlich: Bären-Kapitän Stephan Fröhlich (links) war an fünf der sechs EHC-Treffer beteiligt. Hier feiert er mit Martin Brabec und Moritz Schug sein „Billardtor“ zum 5:4.

Überzahlsituation für die Bären im Heimspiel gegen die Soester EG, etwas mehr als 28 Minuten sind gespielt. Dieser Schuss, den Stephan Fröhlich aus „Quarterback-Position“ abgibt, ist ein Sinnbild für den Abend des Neuwieder Kapitäns. Der Puck springt vom Pfosten an die Schulter von Marvin Nickel und über diesen Umweg in die Tormaschen. Was Fröhlich im letzten Spiel des Jahres für den EHC „Die Bären“ 2016 gegen die Bördeindianer anpackt, gelingt. Der Torjäger erzielt drei Treffer (1:0, 5:4, 6:4) selbst, bereitet zwei weitere vor und ist somit an fünf von sechs EHC-Toren beim 6:4-Heimsieg beteiligt. Für den ersten braucht „Happy“ vor 611 Zuschauern nur 22 Sekunden. Schon zum fünften Mal in dieser Saison gehen die Neuwieder in der ersten Spielminute in Führung – genauso war’s schon vor zwei Monaten beim letzten Soester Gastspiel in der Bärenhöhle. Und wie Mitte Oktober erweist sich der Tabellensiebte, wenn auch nur mit zwölf Feldspielern auf dem Eis, einmal mehr als lästige Klette.
Dreimal zog die Mannschaft von Hans-Dieter Brüggemann nach und glich zum 1:1, 2:2 und 4:4 aus. Der Slowake Martin Juricek (10., 17.), Igor Furda (24.) und Ernst Reschetnikow (27.) ließen die Gäste auf ihren ersten Saisonsieg über die Bären hoffen. Die zahlreichen Überzahlsituationen in den ersten 25 Minuten spielten den Bördeindianern in die Karten, drei Tore entstanden im Powerplay, eines bei angezeigter Strafe gegen Neuwied. Sicherlich nicht jede Hinausstellung gegen die Bären war gerechtfertigt. Vor dem Soester 3:4-Anschluss und dem 4:4-Ausgleich verstanden Bären-Fans und -Spieler nicht, warum Schiedsrichter Marcus Hahn bei einem Beinstellen von Nickel an Sven Asbach die Täterrolle vertauschte und kurz später Martin Brabec für einen vermeintlichen Stockschlag gegen Nickel (wenn überhaupt, hätte Michael Jamieson auf die Strafbank gemusst) für zwei Minuten „entsorgte“.
In voller Mannschaftsstärke bestimmten die Gastgeber hingegen das Geschehen, gingen jedoch zu großzügig mit ihren Tormöglichkeiten um. Dass so viele Gelegenheiten entstanden, war das Resultat aus großem Einsatz und bissigem Nachsetzen in der Soester Zone. „Aber im Auslassen von Chancen sind wir Champions League“, monierte EHC-Manager Carsten Billigmann nach seinem letzten Einsatz als Interimstrainer, bevor er den Staffelstab an den neuen Coach Daniel Benske übergab, der sein künftiges Team in der Halle beobachtete und am 1. Januar die sportlichen Zügel in die Hand nehmen wird. Nicht alle hatten das Fortune des Stephan Fröhlich beim Abschluss, aber immerhin netzten in einer unterhaltsamen Begegnung neben dem Kapitän noch Moritz Schug (20.) zum 3:2 und Sven Schlicht (22.) zum 4:2 ein.
Weil die Strafe gegen Martin Brabec in der 25. Minute die letzte gegen den EHC war, büßten die Gäste in der zweiten Spielhälfte den schlagkräftigen Powerplay-Joker ein. Die Bären steckten die beiden Rückschläge zum 4:3 und 4:4 nach einem kurzen Kopfschütteln weg und holten sich durch Fröhlichs eingangs beschriebenes Billardtor die Führung zurück, die er sieben Sekunden vor der Pause auf 6:4 ausbaute. Aber: Zuvor musste Felix Köllejan zweimal seine Reaktionsstärke in die Waagschale werfen. Gegen Juricek (37.) und Filip Sedivy (39.) vereitelte der Neuwieder Schlussmann die bei gleicher Stärke besten Soester Möglichkeiten.
„Im dritten Drittel haben wir uns auf die Defensive konzentriert“, erklärte Billigmann, dass seine Bären fortan nicht mehr das letzte Risiko eingingen und die Führung solide nach hause bringen wollten. „Das haben souverän und diszipliniert geschafft, auch wenn wir das Ergebnis noch weiter in die Höhe hätten schrauben müssen.“

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Neubert, D. Schlicht, Dieser, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Brabec, B. Asbach, Herbel, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Soest: Nickel (Fleischer) – Ross, Mörschler, Klinge – Behrens, Juricek, Tambosi, Reschetnikow, Alda, Furda, Sedivy, Peschke, Cicigin.
Schiedsrichter: Marcus Hahn.
Zuschauer: 611.
Strafminuten: 12 : 10.
Tore: 1:0 Stephan Fröhlich (S. Schlicht) 1′, 1:1 Martin Juricek (Peschke) 10′, 2:1 Michael Jamieson (Etzel) 16′, 2:2 Martin Juricek (Furda, Alda) 17′, 3:2 Moritz Schug (Fröhlich) 20′, 4:2 Sven Schlicht (Fröhlich, Schug) 22′, 4:3 Igor Furda 24′, 4:4 Ernst Reschetnikow (Furda) 27′, 5:4 Stephan Fröhlich (Brabec, Jamieson) 29′, 6:4 Stephan Fröhlich (Schug, Brabec) 40′.