Bombers retten den Sonntag nach Hornets-Absage

Einen Eishockey-Abend mit der Extra-Portion Spaß zum Saisonausklang erwartet Robin Schütz und die anderen Bären am Sonntag gegen die Deichstadtbombers

Eigentlich hätte sich am kommenden Sonntag ab 19 Uhr zwischen dem EHC „Die Bären“ 2016 und dem EHC Zweibrücken II die Eishockey-Rheinland-Pfalz-Meisterschaft entscheiden sollen – eigentlich. Seit Montagnachmittag steht fest, dass der Pokal in die Deichstadt geht, weil die „Hornets“ die Partie kurzerhand absagten. Die offizielle Begründung: Zweibrücken bekäme keine spielfähige Mannschaft zusammen. Aber ohne Abschlussspiel eine Saison beenden? Das kommt nicht in Frage. Die „Deichstadtbombers“, die Neuwieder Hobbymannschaft, springen kurzfristig ein und werden ab 19 Uhr das zweite „Benefizspiel“, dessen Einnahmen dem Neuwieder Nachwuchs zugutekommen, retten. „Wir sind den Bombers sehr dankbar und freuen uns auf einen tollen Eishockeyabend mit viel Spaß sowie der einen oder anderen Überraschung“, kündigt Carsten Billigmann zum Beispiel ein paar Spieler an, die sonst nicht auf dem Eis zu sehen sind­. Nach Zweibrückens Rückzieher fragte der EHC-Teammanager bei „seinem“ Hallensprecher Fabian Illigens an, der zum Team der Bombers zählt, ob dessen Team einspringen möchte. Illigens ließ die Drähte glühen, fragte seine Mannschaftskollegen und gab kurze Zeit später Antwort: „Klar, machen wir.“
Ein entscheidendes Spiel um den Meistertitel abzusagen, steht sinnbildlich für das traurige Bild, das der rheinland-pfälzische Ligaspielbetrieb derzeit abgibt. „Auf der Tagung vor der Saison, als unser neuer Verein noch nicht gegründet war, meinte man ursprünglich, dass es voraussichtlich keine Rheinland-Pfalz-Liga geben wird. Weil diese Information nicht bis nach Neuwied vordrang, haben wir für die Rheinland-Pfalz-Liga gemeldet – so wie es in den vergangenen Jahren immer Pflicht war, wen­n wir mit der ersten Mannschaft in einem anderen Landesverband gespielt haben. Und dann hieß es seitens des Verbandes plötzlich: ,wenn die Neuwieder wieder dabei sind, wird es auch eine Rheinland-Pfalz-Liga geben'“, erklärt Billigmann die kuriosen Hintergründe. Entstanden war eine „Dreier-Liga“ mit Neuwied sowie den Reserven aus Bitburg und Zweibrücken, deren sportlicher Wert sich auf Hobby-Eishockey-Niveau befindet. Das wurde am Sonntag auch hinter den Kulissen des Bitburg-Spiels deutlich: Die Eifelaner drohten während der Partie mehrfach, das Spiel abzubrechen, weil Neuwied „zu hart“ spiele und darauf aus sei den Gegner vorführen zu wollen. Billigmann: „Wenn unsere Mannschaft es darauf angelegt hätte, hätten wir nach dem ersten Drittel schon 20 Tore erzielt.“
Als letzte Saison-Erinnerung wird  den Fans aber ein anderer Eishockeyabend bleiben: ein harmonischer mit der Partie gegen die „Deichstadtbombers“. „Für uns wird der Sonntag nach einer tollen Saison das Sahnehäubchen auf der Torte. Wir sind sehr dankbar dafür, dass wir die tolle Nachwuchsarbeit des EHC unterstützen können. Dieses Spiel sollte sich keiner entgehen lassen“, können Fabian Illigens und seine Kollegen schon jetzt das Eröffnungsbully kaum abwarten.

21:2 – Fans sehen erwarteten Torrausch

Belagerungszustand vor dem Bitburger Tor: U19-Spieler Philipp Dieser war einer der zwölf EHC-Torschützen.

Die Bären hatten Tore versprochen, die Bären ließen Tore folgen: Mit 21:2 fertigten die Neuwieder Eishockeyspieler im Rheinland-Pfalz-Liga-Spiel erwartungsgemäß deutlich die zweite Mannschaft des EV Bitburg ab und sind somit noch ein Sieg von der Landesmeisterschaft entfernt.
Edmonton, Oktober 2014: Leon Draisaitl zeigt stolz den Puck in die Kamera, mit dem er sein erstes NHL-Tor erzielt hat. Florida, Oktober 2016: Jaromir Jagr präsentiert das Spielgerät, das an seinen 750. Treffer in der nordamerikanischen Profiliga erinnert. Neuwied, März 2017: Thilo Distelkamp postet am Abend auf Facebook ein Foto der schwarzen Hartgummischeibe, die bei ihm einen besonderen Platz finden wird. „1st game“ – „erstes Spiel“ steht in schwarzer Schrift auf dem weißen Tapeband, das um den Puck geklebt ist. Normalerweise steht Distelkamp vor den Heimspielen des EHC auf dem Eis, um seine Vereinshymne zu singen. Gegen Bitburg feierte er seine Premiere mit Schlittschuhen, Ausrüstung und Schläger. Es war die große Überraschung des Abends in einem Spiel mit dem klaren Verlauf, an dem niemand Zweifel hatte. 348 Zuschauer sahen im Neuwieder Icehouse 23 Tore, bejubelten jeden einzelnen ihres Teams, das mit den Eifelanern noch gnädig umging. 5:2 nach 20, 11:2 nach 40 und 21:2 nach 60 Minuten – die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
Aus dem Neuwieder Wunsch, dass Bitburg einige Hessenligaspieler mitbringt, wurde nur mit Abstrichen etwas. Fünf Akteure, die in dieser Saison zumindest ab und an einmal beim hessischen Vizemeister mitwirkten, waren in Neuwied dabei. Joel Pauls zum Beispiel, der im ersten Drittel beide Gästetore zum 3:1 und 4:2 erzielte. Damit sollte es aber auch mit Gegentoren genügen. Die Mannschaft von Trainer Jens Hergt verteilte an dessen 43. Geburtstag ihre Tore auf die Schultern von zwölf Spielern (Robin Schütz, Dennis Schlicht, Marc Blumenhofen jeweils 3, Felix Köbele, Sven Schlicht und Stephan Fröhlich jeweils 2, Dennis Schlicht, Philipp Dieser, Benjamin Steiner, Björn Asbach, Nick Derksen, Tobias Etzel jeweils 1). Auf den Treffer eines Spielers warteten die Fans aber vergebens: Thilo Distelkamp. Der beschrieb seine erste Eishockey-Erfahrung so: „Ich fühle mich, als ob ich den Jakobsweg in 15 Minuten gerannt bin.“
Ihr letztes Saisonspiel bestreiten die Bären am kommenden Sonntag ab 19 Uhr. Dann gastiert der EHC Zweibrücken II zur entscheidenden Partie um die Rheinland-Pfalz-Meisterschaft im Icehouse.

Neuwied: Güßbacher (ab 30. Köllejan) – Dieser, Schütz, Derksen, D. Schlicht, Halfmann, Elzner, Neumann – Fröhlich, Distelkamp, Blumenhofen, Steiner, Köbele, Felföldy, Asbach, S. Schlicht, Etzel.
Bitburg: Petri (ab 30. Dufner) – Broderick, McBride, Sigl, Jerome Pauls – Joel Pauls, Panzilius, Hill, Ruchie, Höffler, Weber.
Schiedsrichter: Peter Morgenstern/Ralf Weber.
Zuschauer: 348.
Strafminuten: Neuwied: 14 – Bitburg: 20.
Tore: 1:0 Robin Schütz 3′, 2:0 Philipp Felföldy (Etzel, D. Schlicht) 4′, 3:0 Dennis Schlicht (S. Schlicht, Etzel) 14′, 3:1 Joel Pauls (Sigl) 15′, 4:1 Felix Köbele (Fröhlich, Güßbacher) 16′, 4:2 Joel Pauls (Panzilius, Hill) 16′, 5:2 Marc Blumenhofen (Schütz, Elzner) 17′, 6:2 Robin Schütz (Etzel) 20′, 7:2 Philipp Dieser (Blumenhofen) 24′, 8:2 Marc Blumenhofen (Schütz, Steiner) 29′, 9:2 Benjamin Steiner (Fröhlich, Asbach) 31′, 10:2 Philipp Felföldy (Neumann, Blumenhofen) 23′, 11:2 Björn Asbach 21′, 12:2 Nick Derksen (D. Schlicht) 42′, 13:2 Sven Schlicht (Etzel, Felföldy) 48′, 14:2 Robin Schütz (Blumenhofen, Dieser) 49′, 15:2 Tobias Etzel (S. Schlicht) 42′, 16:2 Philipp Felföldy (Etzel, S. Schlicht) 52′, 17:2 Marc Blumenhofen (Elzner, Dieser) 54′, 18:2 Stephan Fröhlich (Köbele, Halfmann) 55′, 19:2 Sven Schlicht (Etzel, Felföldy) 55′, 20:2 Felix Köbele (Fröhlich, Asbach) 58′, 21:2 Stephan Fröhlich (Asbach, Köbele) 58′.

Bären haben Lust auf Tore

17 Tore bejubelten die Bären im Hinspiel in Bitburg – ob das Ergebnis am Sonntag im Icehouse ähnlich deutlich wird? Die Zusagen des Großteils aus der Neuwieder Regionalliga-Mannschaft lässt es vermuten, andererseits wollen die Eifelaner auch Spieler aus ihrem Hessenliga-Team mitbringen.

Sonntag, Mittagessenszeit, eine Woche vor dem Rheinland-Pfalz-Liga-Heimspiel des EHC „Die Bären“ 2016 gegen den EV Bitburg II: Jens Hergt, der Trainer der Neuwieder Eishockeyspieler, will für eine grobe Vorplanung schon einmal wissen, welche Spieler aus der ersten Mannschaft am 19. März ab 19 Uhr im Icehouse die Schlittschuhe schnüren und die Ausrüstung anziehen werden. Kaum hat er die Frage in der Whatsapp-Gruppe der Bären gestellt, kommen die ersten Antworten. Gut 90 Minuten später hat Hergt rund ein Dutzend Zusagen. Zum Hintergrund: In den bisherigen beiden Auswärtsspielen der vier Partien umfassenden Runde bildeten die Spieler aus der Neuwieder Regionalliga-Mannschaft gegenüber den U19-Akteuren den weitaus kleineren Anteil. Diesmal wird das Gesicht des Teams wieder dem deutlich näherkommen, das einem aus der Punktrunde 2016/17 bekannt ist.
Viel Eishockey ist in dieser Saison nicht mehr zu spielen, 120 Minuten stehen noch aus. Am Sonntag 60 gegen Bitburg, eine Woche später noch einmal eine Stunde gegen den EHC Zweibrücken II. Und dann soll der Meisterschaftspokal an die Bären erreicht werden. Es gibt keine ernsthaften Zweifel an der Umsetzung dieses Ziels. „Wir haben die beiden Auswärtspartien bereits klar gewonnen, und am Sonntag wollen wir mit einem deutlich stärkeren Aufgebot den Fans einige Tore zu bejubeln geben“, kündigt Trainer Hergt an. Mit 7:3 setzte sich ein Miniaufgebot des EHC in Zweibrücken durch, in Bitburg stand es beim Ertönen der Schlusssirene 17:1. „Aber wir rechnen damit, dass Bitburg auch Personal aus der ersten Mannschaft mitbringt, die Platz zwei in der Hessenliga belegt“, erklärt Hergt.
Für die letzten beiden Saisonheimspiele hat der Neuwieder Vorstand Aktionen ins Leben gerufen, um den Fans „danke“ zu sagen für die Unterstützung. Gegen Bitburg und Zweibrücken werden die Eintrittspreise für Erwachsene auf fünf Euro reduziert, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre zahlen nichts. Die Eintrittseinnahmen der beiden Abende kommen zu 100 Prozent dem EHC-Nachwuchs zugute. Außerdem gibt es bei Verlosungen in den Drittelpausen Trikots zu gewinnen und die Spieler werden im Bistrobereich Autogrammwünsche erfüllen.

Bären sagen „Danke“: Aktionen-Vielfalt bei zwei Heimspielen

Der Vorstand des EHC „Die Bären“ hat die vergangenen Tage genutzt, um tief in der Ideenkiste zu kramen. Das Ergebnis sind einige Aktionen, mit denen man sich bei den letzten beiden Saisonspielen in der Rheinland-Pfalz-Liga am 19. und 26. März (jeweils 19 Uhr) gegen den EV Bitburg II und den EHC Zweibrücken II bei den Fans für die Unterstützung in den zurückliegenden Monaten bedanken möchte.
Volle Halle für den Nachwuchs: Gegen Bitburg und Zweibrücken werden die Eintrittspreise für Erwachsene auf fünf Euro reduziert, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre zahlen nichts. Die Eintrittseinnahmen der beiden Abende kommen zu 100 Prozent dem EHC-Nachwuchs zugute.
Trikot gefälligst? Mit etwas Glück und einem Los kann man das Icehouse mit einem EHC-Trikot verlassen. Mehrere davon werden in den Drittelpausen verlost und unters Volk gebracht.
Sammlung vervollständigen: Weil in der Rheinland-Pfalz-Liga einige Spieler aus dem U19-Team zum Einsatz kommen, stehen viele Spieler der ersten Mannschaft für Autogrammwünsche zur Verfügung. Wer also seine Unterschriftensammlung noch nicht komplett hat, kann sie am Bistro vervollständigen lassen.

17:1-Kantersieg in der Eifel

Zweiter Schritt auf dem Weg zur Rheinland-Pfalz-Meisterschaft: Der EHC „Die Bären“ 2016 hat auch bei der zweiten Mannschaft des EV Bitburg eine dominante Leistung aufs Eis gebracht und in der Eifel einen 17:1-Kantersieg gefeiert. Neun unterschiedliche Torschützen wurden auf dem Spielbericht vermerkt: Philipp Felföldy, Sven Asbach, Philipp Dieser (alle 3), Björn Asbach, Kevin Kopetzky (beide 2), Jens Hergt, Benjamin Steiner, Sidney Lehnert und Nick Derksen (alle 1). Die Neuwieder bestimmten die Partie mit einer Zusammensetzung aus Spielern der ersten Mannschaft, des Jugendteams sowie Trainer Jens Hergt nach Belieben und befinden sich vor den beiden noch ausstehenden Heimspielen gegen Bitburg II (19. März, 19 Uhr) und Zweibrücken II (26. März, 19 Uhr) auf dem besten Weg, die Saison mit einem Titel zu beenden.

Neuwied: Güßbacher (ab 21. Somnitz) – Dieser, Lehnert, Derksen – S. Asbach, Steiner, Felföldy, Hergt, B. Asbach, Kopetzky, Stein, Sauer.

Bären gehen auf Titeljagd

Michael Güßbacher wird in der Eifel das Neuwieder Tor hüten.

Michael Güßbacher wird in der Eifel das Neuwieder Tor hüten.

Den nordrhein-westfälischen Teil Westdeutschlands haben die Eishockeycracks den EHC „Die Bären“ 2016 in den vergangenen Monaten ausgiebig erkundet, jetzt widmen sich die Neuwieder den Gegnern aus dem eigenen Bundesland. Nach dem Ausscheiden im Regionalliga-Viertelfinale gegen den Herforder EV, der im ersten Halbfinalspiel gegen die Ice Aliens aus Ratingen seinen Siegeszug fortsetzte, absolviert das Team von Jens Hergt nun noch drei Partien in der Rheinland-Pfalz-Liga gegen den EV Bitburg und die Reserve des Südwest-Regionalligisten EHC Zweibrücken. „Wir wollen die Meisterschaft gewinnen“, formuliert der Trainer eine eindeutige Erwartungshaltung. Den Anfang haben die Bären bereits in Zweibrücken gemacht, wo sie trotz eines Minikaders von nur neun Feldspielern mit 7:3 gewannen, bevor es am Samstagvormittag zur ungewohnten Eishockeyzeit ab 11 Uhr in Bitburg um die nächsten Punkte geht. Der EHC wird mit einer Mischung aus Spielern der ersten Mannschaft und der U19 antreten. Ihre beiden Heimspiele bestreiten die Bären am 19. März gegen Bitburg und am 2.  April gegen Zweibrücken II jeweils ab 19 Uhr.

Pflichttermin: Abschlussfeier am 4. März

Die Sommerpause rückt näher, aber die EHC-Fans müssen noch lange nicht auf ihre Bären verzichten. Noch stehen für die Neuwieder Eishockeyspieler drei Partien in der Rheinland-Pfalz-Liga (4. März in Bitburg, 19. März Heimspiel gegen Bitburg, 2. April Heimspiel gegen Zweibrücken II) aus, und am Abend des 4. März kommt ein weiterer Pflichttermin für alle Anhänger hinzu. Ab 19.30 Uhr feiern Mannschaft und Fans in der Getränkerie Neuwied den großen gemeinsamen Saisonabschluss bereits vor den noch ausstehenden Heimpartien, weil sich die Nordamerika-Importe Mike Trimboli und Rylee Orr bereits in die Staaten aufmachen und bei der Feier nicht fehlen dürfen. Noch einmal fachsimpeln über die Spielzeit 2016/17, noch einmal mit seinen Eishockeyfreunden treffen, die Gelegenheit nutzen mit den Spielern und Verantwortlichen ins Gespräch kommen. Neben reichlich Essen und Trinken wird es auch eine Tombola, Trikotversteigerung sowie Musik von DJ Pascal und Thilo Distelkamp geben.

Viertelfinal-Fluch verfolgt die Bären

In vielen Aktionen waren die Herforder Spieler einen Schritt schneller als die Bären. Hier kommt Fabian Staudt vor Stephan Fröhlich und Felix Köbele an den Puck.

In vielen Aktionen waren die Herforder Spieler einen Schritt schneller als die Bären. Hier kommt Fabian Staudt vor Stephan Fröhlich und Felix Köbele an den Puck.

Hauptrunde: Platz zwei in der Abschlusstabelle nach 22 Partien. Meisterrunde: Ebenfalls Zweiter nach zehn Begegnungen. Und dann leistet sich der EHC „Die Bären“ 2016 zwei schwache Abende in den Play-offs, die eine insgesamt doch so überzeugende Spielzeit weitestgehend in den Schatten stellen und viel früher als geplant beenden. Das ist die Krux an diesen Ausscheidungsrunden im Eishockey, die ihre eigenen Gesetzte haben. Um 22.21 Uhr endete die Regionalliga-Saison 2016/17, weil die Mannschaft wie schon am Freitagabend bei der 3:7-Niederlage im Icehouse erneut mit der aggressiven Spielweise des Herforder EV nicht zurechtkam. Die Ostwestfalen entschieden ihr Heimspiel hochverdient mit 5:2 für sich und wollen jetzt im Halbfinale auch den Ratinger „Ice Aliens“ das Fürchten lehren. Das Zeug dazu haben die „Ice Dragons“ allemal. Es ist kaum nachvollziehbar, dass es eine Mannschaft, die den Gegner über 60 Minuten hinweg so unter Druck setzen kann und ihre Torchancen derart konsequent nutzt wie am Freitag- und Sonntagabend gegen Neuwied gesehen, in der Hauptrunde noch nicht einmal unter die Top-Sechs schaffte. Aber jetzt scheint das Team von Jeff Job genau zur richtigen Zeit ihre Topform zu erreichen. „Das ist eine kompakte, ausgeglichen besetzte Mannschaft. Wir hatten in der ganzen Saison gegen Teams Probleme, die so aggressiv draufgehen“, sah EHC-Trainer Jens Hergt seine im vergangenen knappen halben Jahr gewonnenen Eindrücke bestätigt. „Wir sind schockiert nach diesen beiden Spielen und bitter enttäuscht, hatten wir uns doch auf weitere Play-off-Begegnungen gefreut. Schließlich hat die Mannschaft seit dem Herbst hart dafür gearbeitet“, sagte EHC-Manager Carsten Billigmann.

Während der HEV bissig und entschlossen wirkte, sah das EHC-Spiel bei weitem nicht mehr so frisch aus wie über weite Phasen der Runde. Leistungsträger wie Stephan Fröhlich oder Felix Köbele stoßen ob der großen Verantwortung, die auf ihnen lastet, auch einmal an ihre Grenzen. „Irgendwann wird der Kopf müde, und das wirkt sich auf das Spiel aus“, analysierte Hergt. Die Bären wollten ihre zweite Play-off-Partie geduldig angehen und konzentrierten sich zunächst auf die Defensive. Mit Ausnahme des Gegentreffers in der 17. Minute durch Nils Bohle gelang das auch nicht schlecht. Dafür glückte nach vorne nicht viel. Selbst in den Überzahlsituationen waren die Gäste nicht in der Lage, sich im Herforder Drittel festzusetzen und Schlussmann Lars Morawitz auf die Probe zu stellen. Es dauerte bis zur 32. Minute, dass der EHC einmal richtig gefährlich zum Abschluss kam. Tobias Etzel zog von der rechten Seite zum Tor, scheiterte allerdings am Herforder Schlussmann. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Einheimischen bereits mit 3:0 vorne. Fabian Staudt (24.) und Aric Schinke (29.) hatten getroffen, Lukas Derksen legte sogar noch das 4:0 nach (36.). „Wir sind im zweiten Drittel dreimal ausgekontert worden. Das darf auswärts nicht passieren“, ärgerte sich der Trainer über die Nachlässigkeiten in der Rückwärtsbewegung.

Fünf Tore hatte Herford am Freitag im Schlussdrittel erzielt – es fehlte der Glaube daran, dass Neuwied in dieser Partie ähnliches schaffen kann. Solch ein Comeback hätte einfach nicht zum Spielverlauf gepasst. Der EHC gab sich im Schlussabschnitt zwar nicht auf, gewann diesen mit 2:1 (Sven Schlicht traf zweimal für die Bären in den Minuten 57 und 59, zuvor hatte Nils Bohle in der 45. Minute das 5:0 erzielt), aber am Ausscheiden im Viertelfinale, über das eine Neuwieder Mannschaft seit dem Jahr 1998 in den Play-offs nicht mehr hinauskam, änderte das nichts mehr.

Sommerpause ist für die Bären allerdings noch nicht. In der Rheinland-Pfalz-Liga stehen im März noch drei Partien gegen Bitburg und Zweibrücken an. Dann will sich die Mannschaft genauso wie bei der Saisonabschlussfeier noch gebührend von den Fans verabschieden. Carsten Billigmann ist zuversichtlich, bis dahin auch die eine oder andere positive Personalnachricht verkünden zu können: „Ich bin sehr guter Dinge, dass uns wichtige Leistungsträger erhalten bleiben. Wir haben positive Signale der Spieler erhalten. Spruchreif ist momentan jedoch noch nichts. So früh auszuscheiden, hat uns nämlich überrascht.“

Herford: Morawitz (Rusche) – Schinke, Schürstedt, Gehring, Brinkmann, Derksen, Rempel – Lindt, Nasebandt, Johannhardt, MacQueen, Linnenbrügger, Bohle, Staudt, Schmunk, Hutt.
Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Wex, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, S. Schlicht, Etzel, Hamann.
Schiedsrichter: Andreas Kissing.
Zuschauer: 890.
Strafminuten: Herford: 17 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Schmunk – Neuwied: 18.
Tore: 1:0 Nils Bohle (Hutt, Brinkmann) 17‘, 2:0 Fabian Staudt (Johannhardt, Nasebandt) 24‘, 3:0 Aric Schinke (Hutt, Brinkmann) 30‘, 4:0 Lukas Derksen (Gehring, Bohle) 36‘, 5:0 Nils Bohle (Lindt, Nasebandt) 45‘, 5:1 Sven Schlicht 57‘, 5:2 Sven Schlicht (Köbele, Hamann) 59‘.

Bären brechen im Schlussdrittel auseinander

Christian Neumann und die Neuwieder wollen nicht, dass die Partie gegen Herford am Freitag das letzte Heimspiel der Saison war. Am Sonntag bewahrt die Bären nur ein Auswärtssieg vor dem Saisonende.

Christian Neumann und die Neuwieder wollen nicht, dass die Partie gegen Herford am Freitag das letzte Heimspiel der Saison war. Am Sonntag bewahrt die Bären nur ein Auswärtssieg vor dem Saisonende.

Noch ein Dank für die tolle Unterstützung an die Fans, und dann auf direktem Weg in die Kabine: Die Spieler des EHC „Die Bären“ 2016 wollten am Freitagabend nur noch runter vom heimischen Eis, als die Schlusssirene das erste Play-off-Viertelfinale in der Eishockey-Regionalliga West gegen den Herforder EV beendet hatte. Mit 3:7 verloren die Neuwieder und stehen am Sonntagabend ab 19.45 Uhr in Ostwestfalen unter Druck. Sie müssen die Ice Dragons bezwingen, um nicht schon jetzt die Sommerpause zu eröffnen. „Herford hat heute Play-off-Eishockey gezeigt, wir hingegen spielten zu kompliziert und umständlich“, analysierte der enttäuschte EHC-Trainer Jens Hergt.
Herford ging durch ein frühes Tor von Zack MacQueen in Führung (3.), was die Gastgeber aber noch gut wegsteckten. Philipp Felföldys Pass vors Tor vollstreckte Marc Blumenhofen (8.), nur 51 Sekunden verwertete Stephan Fröhlich die Vorlage von Rylee Orr und Felix Köbele zum 2:1, und als Orr kurz vor der ersten Pause den dritten Treffer der Deichstädter nachlegte, herrschte noch prima Stimmung im Lager der Bären. Die beherrschten das zweite Drittel über weite Phasen, schnürten die Herforder immer wieder in deren Verteidigungsdrittel ein, machten aus ihrer deutlichen Überlegenheit aber zu wenig. „Wir hatten den Gegner im Griff und verpassten es, das 4:1 nachzulegen“, haderte Hergt. Stattdessen verkürzten die Gäste. In Unterzahl brachten sie die Scheibe tief in die Bandenrundung, Killian Hutt legte zurück auf MacQueen, der das Kräfteverhältnis des Mitteldrittels auf den Kopf stellte (38.).
Was danach folgte, sorgte für Neuwieder Fassungslosigkeit. Wie schon am letzten Meisterrundenwochenende gegen die EG Diez-Limburg kassierte der EHC in den letzten 20 Minuten fünf Gegentreffer. „Es ist unbegreiflich, warum wir derart auseinandergefallen sind“, rätselte der Trainer später. Nils Bohle (43.), zweimal Killian Hutt (46., 55.), Fabian Staudt (48.) und Jan-Niklas Linnenbrügger (58.) nahmen die Bären auseinander. Die Gastgeber waren komplett von der Rolle, konnten sich gegen fleißige, jeden noch zu weiten Weg gehende Ice Dragons so gut wie überhaupt nicht geordnet ins Angriffsdrittel vorspielen. „Wir waren läuferisch dominant und haben unsere Chancen konsequent genutzt“, kommentierte HEV-Coach Jeff Job das Schlussdrittel und machte bei der Pressekonferenz deutlich, dass er auf eine weitere Fahrt nach Neuwied am Dienstag gerne verzichten würde. „Wir sind zu Hause verdammt stark“, warnte er die Neuwieder schon einmal vor. Jens Hergt ist indes davon überzeugt, dass sich seine Jungs zusammenraufen und alles tun werden, um ein entscheidendes drittes Viertelfinale herbeizuführen. „Am Sonntag müssen wir gewinnen – egal wie.“

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Orr, Wex, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, S. Schlicht, Etzel, Hamann.
Herford: Morawitz (Rusche) – Schinke, Bohle, Brinkmann, Kiel, Schmunk, Derksen, Rempel – Schürstedt, Lindt, Nasebandt, Johannhardt, MacQueen, Linnenbrügger, Gehring, Staudt, Hutt.
Schiedsrichter: Marcus Trottmann.
Zuschauer: 907.
Strafminuten: Neuwied: 10 – Herford: 8.
Tore: 0:1 Zack MacQueen (Brinkmann, Hutt) 3‘, 1:1, 2:1, 3:1, 3:2 Zack MacQueen (Hutt, Brinkmann) 38‘, 3:3 Nils Bohle (MacQueen, Rempel) 43‘, 3:4 Killian Hutt (MacQueen, Bohle) 46‘, 3:5 Fabian Staudt (Johannhardt, Schinke) 48‘, 3:6 Killian Hutt (MacQueen, Bohle) 55‘, 3:7 Jan-Niklas Linnenbrügger (MacQueen, Hutt).

EHC ist heiß auf Herford

Stephan Fröhlich (links) ist nach abgessener Sperre am Freitag genauso wie Dennis Schlicht und Felix Köbele wieder spielberechtigt.

Stephan Fröhlich (links) ist nach abgesessener Sperre am Freitag genauso wie Dennis Schlicht und Felix Köbele wieder spielberechtigt.

Alles auf null. 32 Saisonspiele in der Eishockey-Regionalliga West sind ab Freitagabend Schall und Rauch. Dann beginnt mit dem Play-off-Viertelfinale im Modus „best of three“ eine neue Zeitrechnung – die entscheidende der Saison. Beim EHC „Die Bären“ 2016 sind alle Beteiligten hochzufrieden mit dem, was die Mannschaft bislang erreicht hat. „Sowohl die Haupt- als auch die Meisterrunde auf Platz zwei abschließen, ist mehr als wir nach dem turbulenten Sommer 2016 für möglich gehalten hätten“, wirft Trainer Jens Hergt den Blick in den Rückspiegel. Ein letztes Mal, denn ab jetzt zählt nur noch, was vor den Neuwiedern liegt. Im Viertelfinale ist das der Herforder EV, der in der Relegationsrunde den ersten Platz belegte und von zehn Partien nur eine nach 60 Minuten verlor. „Der Gegner hat in den vergangenen Wochen gezeigt, dass er richtig gut drauf ist. Aber für uns gilt das Gleiche. Wir haben uns nach der Niederlage gegen Diez-Limburg den Mund abgewischt und diese abgehakt. Alle sind voll fokussiert auf die nächste Aufgabe“, hat EHC-Trainer Hergt unter der Woche im Training gespürt.
In einer kurzen Serie, in der zwei Siege den Halbfinaleinzug bedeuten, könnte der Heimvorteil eine Rolle spielen. Den genießen die Bären am Freitagabend ab 20.30 Uhr und in einem möglichen dritten Aufeinandertreffen am Dienstag zur gleichen Uhrzeit, falls es nach der Partie in Herford am Sonntag ab 19.45 Uhr nach Siegen remis steht. Auf ein „Endspiel“ haben die Bären aber keine Lust. Hergt: „Wir möchten in zwei Partien für Klarheit sorgen und unseren Fans auch noch ein anschließendes Halbfinale bieten.“ Apropos Fans: Neuwied und Herford sind die Publikumsmagnete der Regionalliga West. Mit über 700 Zuschauern im Schnitt pro Heimspiel halten sie die Spitzenwerte.
In der Hauptrunde gewannen die Deichstädter zweimal knapp mit 5:4 und 3:2 gegen die von Jeff Job trainierten Ice Dragons. „Wir haben zwei enge Spiele erlebt“, erwartet Hergt, der wieder auf die gegen die EGDL gesperrten Leistungsträger Felix Köbele, Stephan Fröhlich und Dennis Schlicht zurückgreifen kann, aber ohne den aus gleichen Gründen ausfallenden René Sting auskommen muss, diesmal nichts Anderes. Mindestens zwei-, maximal dreimal.

Die Play-off-Fakten:
– Viertelfinale: Die Mannschaft, die zuerst zwei Spiele für sich entscheidet, zieht in die Vorschlussrunde ein. Der EHC spielt am Freitag ab 20.30 Uhr im Icehouse, am Sonntag ab 19.45 Uhr in Herford und in einer möglicherweise entscheidenden dritten Partie am Dienstag, 20.30 Uhr, daheim.
– Halbfinale: Das Halbfinale wird genauso wie das Endspiel im Modus „best of five“ (drei Siege) ausgetragen. Die Termine: 26. Februar, 3. März, 5. März sowie bei Bedarf 10. März und 12. März. Sollten sich die Bären gegen Herford durchsetzen, würden sie auf die Ratinger Ice Aliens oder die EG Diez-Limburg treffen.
– Remis: Enden Spiele der Play-off-Runde nach der regulären Spielzeit unentschieden, erfolgt eine Verlängerung von fünf Minuten mit vier Feldspielern auf beiden Seiten. Wer das erste Tor erzielt, gewinnt. Fällt in der Verlängerung kein Tor, erfolgt ein Penaltyschießen.
– Schiedsrichter: Das erste Viertelfinalspiel in Neuwied leitet am Freitagabend Hauptschiedsrichter Marcus Trottmann, in Herford pfeift am Sonntag Andreas Kissing