Blitzstarter mit Aussetzern

Moritz Schug bereitete das bislang schnellste Tor der Saison (nach 15 Sekunden) durch Frederic Hellmann vor und erzielte nach 19 Sekunden im Schlussdrittel das 4:1 für die Bären.

Die Niederlage in Ratingen vergessen gemacht, den dritten Sieg im dritten Heimspiel gefeiert, Tabellenplatz zwei zurückerkämpft – der EHC „Die Bären“ 2016 hat gegen die Soester EG den nächsten Erfolg in der Eishockey-Regionalliga West gefeiert. Mit 7:4 setzten sich die Neuwieder gegen die Bördeindianer durch, aber wirklich zufrieden war Trainer Jens Hergt mit dem Gesehenen nicht.
Ein Rückpass aus der linken Bandenecke von Moritz Schug zu Frederic Hellmann, ein gar nicht so harter Schuss des Neuzugangs aus Zweibrücken in die kurze Ecke, und schon lagen die Bären mit 1:0 in Führung. Gerade einmal 15 Sekunden waren zu diesem Zeitpunkt am Freitagabend im Icehouse gespielt. Noch keine andere Partie in dieser Regionalliga-West-Saison hatte ein so frühes Tor gesehen wie dieses Duell zwischen Neuwied und Soest. Ein idealer Einstand, der an diesem Abend kein Zufall sein sollte. Die Bären erwiesen sich gleich dreimal als Frühstarter, erzielten insgesamt vier von sieben Toren in den ersten Minuten nach Drittelbeginn. „Wir sollten die ersten beiden Minuten jedes Drittels streichen. Dann wäre es eng geworden“, sagte Soests Trainer Hans-Dieter Brüggemann. Auch EHC-Coach Hergt erkannte das Faible seiner Mannschaft für den Blitzstart, stellte aber ebenfalls nicht ganz ernst gemeint eine andere Schlussfolgerung als sein Kollege an: „Wir sollten in jedem Drittel nur die ersten beiden Minuten spielen. Ich habe vor Spielbeginn und in jeder Pause gesagt, dass wir die richtige Einstellung brauchen, den Gegner nicht ins Laufen kommen lassen dürfen. Dann sind wir auch dreimal gut reingekommen, haben nach den Toren aber rausgenommen.“ Nein, Hergt war trotz des Sieges nicht zufrieden mit dem Wie. „Die Einstellung des Großteils der Mannschaft hat mir heute nicht gefallen.“
Das erste Drittel war in der Summe das souveränste der Gastgeber, die nach Hellmanns Treffer durch Martin Brabec auf 2:0 erhöhten (14.). Soest besaß durchaus auch Möglichkeiten, aber Felix Köllejan zwischen den Pfosten stand gegen Ernst Reschetnikow (6.) und Marc Polter (14.) seinen Mann. Das 3:0 durch Michael Jamieson (22.) vermittelte zunächst den Eindruck, die Indianer seien erlegt. Die Realität sah jedoch anders aus. Der EHC zog die Handbremse an und stärkte durch Nachlässigkeiten die Gäste. Das erste und einzige Neuwieder Unterzahlspiel in einer fairen, von Schiedsrichter Marcus Hahn jederzeit unauffällig und souverän geleiteten Partie mit jeweils nur zwei Strafminuten auf beiden Seiten, führte prompt zum Soester Erfolg. Niels Hilgenberg lud von der blauen Linie durch und traf (29.).
Drittes Drittel, zum dritten Mal starteten die Bären von null auf hundert durch. Diesmal brauchte Moritz Schug nach dem Bully nur 19 Sekunden, um eine großartige Kombination über Frederic Hellmann und Stephan Fröhlich einzutippen (41.). Nur 63 Sekunden setzte Willi Hamann einen Soester Verteidiger im Spielaufbau unter Druck, übernahm die Scheibe und markierte das 5:1. Und wieder das gleiche Bild: Die Hergt-Truppe ließ nach, verlor in der defensiven Zone die Genauigkeit und bekam die Quittung ausgestellt. Igor Furda (46.) und Kevin Peschke (50.) brachten Soest wieder ins Rennen. Es blieb aber bei allen Auszeiten, die der EHC einstreute, auffällig, dass ein höheres Tempo und mehr Zug zum Tor prompt zum Erfolg führten. Stephan Fröhlich (57.) und erneut Willi Hamann (58.) erhöhten die Führung wieder, ehe Maurice Pascal Becker den Schlusspunkt des Abends setzte (60.). „Wir haben zu viele Chancen zugelassen“, kritisierte Hergt vor allem das zweite und dritte Drittel und forderte für das Auswärtsspiel am Sonntag in Dinslaken „eine Reaktion. Sonst bekommen wir auch dort Probleme.“
Hans-Dieter Brüggemann meinte, dass sich sein Team, in dem unter anderem der slowakische Torjäger Martin Juricek fehlte, gut aus der Affäre gezogen habe: „Wir haben gezeigt, dass wir auch als kleine Mannschaft gegen die Großen Theater machen können. Jetzt arbeiten wir weiter daran, einer der Spitzenmannschaften auch einmal ein Bein zu stellen.“

Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Dieser, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, B. Asbach, Herbel, Etzel, Hamann, Schug.
Soest: Fleischer (Nickel) – Ross, Klinge, Schutzeigel, Themm, Mörschel, Hilgenberg – Becker, Sedivy, Tambosi, Reschetnikow, Polter, Furda, Peschke.
Schiedsrichter: Marcus Hahn.
Zuschauer: 544.
Strafminuten: 2:2.
Tore: 1:0 Frederic Hellmann (Schug) 1‘, 2:0 Martin Brabec (Hellmann) 14‘, 3:0 Michael Jamieson (D. Schlicht) 23‘, 3:1 Niels Hilgenberg (Reschetnikow) 29‘, 4:1 Moritz Schug (Fröhlich, Hellmann) 41‘, 5:1 Willi Hamann 42‘, 5:2 Igor Furda (Becker) 46‘, 5:3 Kevin Peschke (Themm, Schutzeigel) 50‘, 6:3 Stephan Fröhlich (Jamieson, S. Asbach) 57‘, 7:3 Willi Hamann (Etzel) 58‘, 7:4 Maurice Pascal Becker (Reschetnikow) 60‘.