Bären ziehen deutlich den Kürzeren

Rylee Orr erzielte in Hamm zwei der vier Neuwieder Treffer.

Rylee Orr erzielte in Hamm zwei der vier Neuwieder Treffer.

Viele Gegentore kassiert der EHC „Die Bären“ 2016 in dieser Saison normalerweise nicht. Ja, da war dieses 8:10-Spektakel gegen den Neusser EV Anfang November, aber ansonsten müssen sich Felix Köllejan und Michael Güßbacher, die Torhüter des Eishockey-Regionalligisten, nicht über mangelnde Unterstützung ihrer Vorderleute ärgern. In Hamm erlebten beide am Montagabend somit ein eher ungewohntes Gefühl. Bei der 4:9-Niederlage gegen die Eisbären mussten die Neuwieder viel einstecken. Und um das Stichwort „Ärger“ aufzugreifen: Güßbacher und Köllejan, die sich die Spielzeit im Verhältnis 1:2 aufteilten, hatten nicht unbedingt einen Hals auf die EHC-Abwehr, viel mehr war der Mann mit dem gestreiften Trikot und den roten Markierungen an den Ärmeln derjenige, der in Reihen der Gäste für Kopfschütteln sorgte. Die Bezeichnung „grenzwertig“ war noch die diplomatischste, die Neuwieds Trainer Jens Hergt wählte, um die Darbietung von Hauptschiedsrichter Marc-André Naust zu bezeichnen. „Wir haben zwar verloren, aber auch gesehen, dass diese starke Hammer Mannschaft mit einer normalen Schiedsrichterleistung schlagbar ist“, so Hergt.
Schon die Anfangsphase stand sinnbildlich für das, was im Laufe des Abends vor 603 Zuschauern passieren sollte. Bei gleichem Kräfteverhältnis begegneten sich beide Teams auf Augenhöhe, Neuwied besaß die erste gute Möglichkeit. Und dann? Rylee Orr sowie Christian Neumann kassierten die ersten vier von insgesamt 84 (!) Neuwieder Strafminuten. Mit drei gegen fünf Feldspieler konnten Güßbacher, der diesmal von Anfang an im Tor stand, und Co. den ersten Jubel der Westfalen nicht verhindern. Kevin Thau traf in der fünften Minute und sollte noch deutlich mehr im Köcher haben. Hamms Topscorer erhöhte mit einem Hattrick auf 2:0 (7.) und 3:0 (9.). Rylee Orr brachte die Bären heran (14.), aber der Ex-Neuwieder Michel Maaßen stellte vor dem ersten Kabinengang den alten Abstand wieder her (18.).
Um einen Ruck zu bewirken, wechselte Hergt den Schlussmann, brachte Köllejan für Güßbacher zu Beginn eines Drittels, in dem sich die Deichstädter von Naust endgültig auf die Schippe genommen fühlten. „Keine Strafzeiten mehr kassieren.“ Diese Devise gab Hergt aus, Naust hatte etwas dagegen – erstmals nach 18 Sekunden, als Felix Köbele wofür auch immer (offizielles Vergehen: Behinderung) in die Kühlbox musste. Auch, dass der Unparteiische die Hammer Tore Nummer fünf und sechs anerkannte, konnten die Bären nicht begreifen. Vor Oliver Krafts 5:1 (23.) sei das Gehäuse bereits aus der Verankerung gehoben gewesen, was Köllejan reklamierte, der sich hierfür eine Zehn-Minuten-Strafe einhandelte. Vor Thaus viertem Treffer zum 6:1 (27.) habe Maaßen vor dem Tor und den Augen Nausts mehrfach Stockschläge auf die Arme der Verteidiger ausgeteilt. Jetzt gingen mit den Gästen die Gäule durch. Dennis Schlicht kassierte wegen Reklamierens zwei Zehner und damit automatische eine Spieldauerdisziplinarstrafe. Auch die EHC-Bank bekam eine große Strafe aufgebrummt. „Mit dem 6:1 war die Messe natürlich gelesen“, musste Jens Hergt erkennen, der aber nichts unversucht ließ und zwischenzeitlich auf zwei Reihen umstellte, um den Druck auf die Hausherren zu erhöhen. Die erste Formation verkürzte durch Rylee Orr und Stephan Fröhlich zum 6:2 (36.) und 7:3 (39.). Dazwischen netzte Marvin Cohut auf der Gegenseite ein (38.).
Als im Schlussdrittel dann auch die Gäste mal wieder in Überzahl agieren durften, nahm der EHC-Coach bei einer ausstehenden Fünf-gegen-drei-Situation die Auszeit. Ein Doppelschlag, und die Rheinland-Pfälzer wären wieder im Rennen gewesen. Stattdessen traf Maaßen in Unterzahl (47.) und machte alle Hoffnungen auf einen Auswärtssieg zunichte. Ibrahim Weißleder legte noch das 9:3 nach (52.) ehe Felix Köbele den Schlusspunkt zum 9:4-Endstand setzte (57.).
„Unsere individuellen Fehler und der Schiedsrichter haben uns heute um mögliche Punkte gebracht“, nannte Jens Hergt die in seinen Augen ausschlaggebenden Elemente für die Niederlage.

Hamm: May (Pitzko) – Domula, Pietzko, Schäfer, Köchling, Hemeier, Ortwein, Kuchnia – Demuth, Maaßen, Ehlert, Trapp, Cohut, Weißleder, Kuntu-Blankson, Kraft, Thau, Loecke.
Neuwied: Güßbacher (ab 21. Köllejan) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Leuschner, S. Schlicht, Bill, Hamann.
Schiedsrichter: Marc-André Naust.
Zuschauer: 603.
Strafminuten: Hamm: 20 – Neuwied: 24 + Disziplinarstrafe gegen Köllejan + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Dennis Schlicht + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen die Bank.
Tore: 1:0 Kevin Thau (Domula) 5‘, 2:0 Kevin Thau (Kraft, Demuth) 7‘, 3:0 Kevin Thau (Demuth) 9‘, 3:1 Rylee Orr (Köbele, Fröhlich) 14‘, 4:1 Michel Maaßen (Ortwein, Pietzko) 18‘, 5:1 Oliver Kraft (Thau, Demuth) 23‘, 6:1 Kevin Thau (Maaßen) 27‘, 6:2 Rylee Orr (Fröhlich, Köbele) 36‘, 7:2 Marvin Cohut (Trapp) 38‘, 7:3 Stephan Fröhlich (S. Schlicht, Orr) 39‘, 8:3 Michel Maaßen (Thau, Cohut) 47‘, 9:3 Ibrahim Weißleder (Kraft) 52‘, 9:4 Felix Köbele (Trimboli, Schütz) 57‘.