Bären verlieren das Derby

Dennis Schlicht (rechts. hinter gegen Limburgs Kanadier Matt Fischer) erzielte das Neuwieder 2:3 und bereitete das 3:3 vor.

Dennis Schlicht (rechts, hier gegen Limburgs Kanadier Matt Fischer) erzielte das Neuwieder 2:3 und bereitete das 3:3 vor.

Es ist nun einmal leichter gesagt als getan, diesen Martin Brabec zu stoppen. 60 Minuten lang ist das kaum hinzubekommen. „Insgesamt haben wir es ganz gut geschafft“, sagte Jens Hergt, Trainer des EHC „Die Bären“ 2016, nach dem Derby auf heimischem Eis gegen die EG Diez-Limburg. Aber „ganz gut“ hat nicht gereicht. Der 23-jährige Tscheche war beim 4:3-Sieg der Rockets an drei Toren beteiligt, zwei erzielte er selbst – auch den entscheidenden. „Wir wollten das letzte Drittel geduldig angehen“, erklärte Hergt die in der Kabine ausgegebene Devise für den Schlussabschnitt. „Aber dann stimmte direkt beim ersten Wechsel ausgerechnet gegen den besten Spieler der Liga die Zuordnung nicht“, beschrieb er die Aktion, die die umkämpfte, bei weitem aber nicht so emotional wie neun Tage zuvor am Diezer Heckenweg geführte Begegnung entschied. Brabec lief alleine auf EHC-Keeper Felix Köllejan zu, tunnelte ihn und bejubelte seinen 27. Saisontreffer (41.). 45 Sekunden war Durchgang Nummer drei in diesem Moment alt. Die Bären hatten genügend Zeit, um noch einmal zurückzukommen. Aber irgendwie wollte der Puck nicht mehr vorbei an Alexander Neurath zwischen den EGDL-Pfosten. Der Ex-Neuwieder war an seinem 33. Geburtstag der Überflieger seines Teams – trotz der theaterreifen Schwalbe Konstantin Firsanovs im Mittelabschnitt. „Alexander Neurath hat einen super Job gemacht“, erkannte auch Jens Hergt an. Sein Team versuchte alles, schoss und drängte mit dem sechsten Feldspieler in den letzten 90 Sekunden, bekam den Ausgleich aber nicht mehr hin. Dieser und damit zumindest ein Punkt wäre hochverdient gewesen für die Gastgeber, die mit Ausnahme des ausgeglichenen ersten Drittels die aktivere Mannschaft waren.
Die Neuwieder erwischten einen guten Start. Da sich Firsanov bereits in den ersten 210 Sekunden vier Strafminuten beim sehr guten Schiedsrichter Benjamin Hoppe erbettelte, spielte sich die Anfangsphase in EHC-Überzahl größtenteils im Limburger Drittel ab. Die Tore fielen aber am anderen Ende der Eisfläche. Andrej Teljukin (7.), Martin Brabec (9.) nach vorausgegangenem Stockschlag gegen Stephan Fröhlich und Marco Herbel (11.) per Distanzschuss stellten die Heimmannschaft zunächst einmal vor eine happige Aufgabe. „Drei Gegentore sind natürlich schwer zu drehen“, merkte Trainer Hergt an. Mit dem Drehen des Ergebnisses klappte es im Gegensatz zum Hinspiel nicht, aber die Bären glichen es immerhin aus. Stephan Fröhlich verkürzte acht Sekunden nach Herbels Treffer zum 1:3, und Sven Schlicht markierte aus dem Getümmel heraus den Anschluss (14.). Wenig später jubelte sein Zwillingsbruder Sven, allerdings erkannte Schiedsrichter Hoppe den vermeintlichen Ausgleich wegen eines zu hohen Stocks nicht an. Auch hier lag der DEL-Unparteiische aus der Wetterau richtig.
Das Mitteldrittel gehörte deutlich den Deichstädtern, die es verpassten, aus ihrer Überlegenheit mehr zu machen als den Ausgleich. Sven Schlicht ging in der 39. Minute dorthin, wo’s wehtut und kämpfte den Puck im Slot halb im Fallen in die Maschen. Limburg wirkte angezählt, die Kräfte schwanden, fast alle Laufduelle gingen an die Hergt-Truppe. Und dann gönnte sich auch noch Firsanov nach seiner Schwalbe mit einer Disziplinarstrafe bedacht eine zehnminütige Auszeit. Vieles sprach nun für den EHC, aber die EGDL hatte Brabec und dessen Alleingang in der 41. Minute. Dieser Konter blieb eine von an den Fingern einer Hand abzählbarer Chancen im Schlussdrittel der an diesem Abend vor dem Tor eiskalten Gäste. „Wir haben gekämpft bis zum Umfallen. Das war kämpferisch eine super Leistung meiner Mannschaft“, kommentierte EGDL-Trainer Anton Weißgerber. Das mit dem „kämpfen bis zum Umfallen“ sah auch Jens Hergt bei seinen Bären, doch diesmal reichte es nicht, um das Eis als Gewinner zu verlassen.

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Köbele, Felföldy, Reiner, Leuschner, Asbach, S. Schlicht.
Diez-Limburg: Neurath (Schäfer) – Teljukin, Wichterich, Neubert, Krämer, Stroeks, Morys – Krieger, Niestroj, Homola, Fischer, Kley, Firsanov, Brabec, Mainzer, Herbel.
Schiedsrichter: Benjamin Hoppe.
Zuschauer: 861.
Strafminuten: Neuwied: 10 – Diez-Limburg: 12 + Disziplinarstrafe gegen Firsanov.
Tore: 0:1 Andrej Teljukin (Brabec, Kley) 7′, 0:2 Martin Brabec (Teljukin) 9′, 0:3 Marco Herbel (Fischer, Krieger) 11′, 1:3 Stephan Fröhlich 11′, 2:3 Dennis Schlicht (S. Schlicht, Leuschner) 14′, 3:3 Sven Schlicht (Sting, D. Schlicht) 39′, 3:4 Martin Brabec 41′.