Bären und Dragons betreiben beste Werbung

An intensiven Zweikämpfen mangelte es am Sonntag nicht. Hier nehmen die Bären Alexander Bill (links) und Christian Neumann (rechts) Herfords Sven Johannhardt in die Zange.

An intensiven Zweikämpfen mangelte es am Sonntag nicht. Hier nehmen die Bären Alexander Bill (links) und Christian Neumann (rechts) Herfords Sven Johannhardt in die Zange.

Geschichte wiederholt sich manchmal innerhalb kurzer Zeit: Zum zweiten Mal binnen knapp 48 Stunden ging eine Partie in der Eishockey-Regionalliga West für den EHC „Die Bären“ 2016 ins Penaltyschießen, zum zweiten Mal setzten sich die Neuwieder durch, zum zweiten Mal erwies sich Sven Schlicht als nervenstarker Schütze. Das „game winning goal“ beim 3:2-Heimsieg über den Herforder EV ging aber auf das Konto von Rylee Orr. „Wenn mir vor dem Wochenende jemand vier Punkte angeboten hätte, hätte ich die sofort genommen. Deshalb bin ich zufrieden mit der Ausbeute“, zog EHC-Trainer Jens Hergt Bilanz.

Warum stehen diese Ice Dragons aus Herford eigentlich nur auf Position neun mit allenfalls noch theoretischen Chancen auf eine Top-Sechs-Platzierung nach der Hauptrunde? So wie sich die Ostwestfalen am Sonntagabend vor 621 Zuschauern präsentierten, könnten sie deutlich weiter vorne mitspielen. Physisch stark, aggressiv im Forechecking und jederzeit mit Zug zum Tor begegnete die Mannschaft von Trainer Jeff Job den Bären absolut auf Augenhöhe. Es entwickelte sich eine der unterhaltsamsten Partien der bisherigen Saison im Icehouse. „Das Spiel befand sich auf sehr gutem Regionalliga-Niveau“, stellten die Übungsleiter einstimmig fest. Dass beide Seiten schließlich etwas für ihr Punktekonto tun konnten, ging demnach in Ordnung.

Der EHC, gegenüber dem Auswärtssieg in Ratingen am Freitag wieder mit Robin Schütz und Willi Hamman auf dem Eis, dafür ohne den gesperrten Felix Köbele, kam im ersten Drittel nicht richtig in die Zweikämpfe. „Das war auch dem hohen Energieaufwand vom Freitag geschuldet“, erklärte Jens Hergt. Trotzdem gingen die Gastgeber mit einer 1:0-Führung in die erste Pause, weil Michael Trimboli in Überzahl die Vorarbeit von Stephan Fröhlich und Rylee Orr nutzte (11.). Durchaus etwas glücklich, denn Herford schnupperte bei guten Gelegenheiten am Ausgleich. Felix Köllejan im Neuwieder Tor wehrte sich vehement gegen einen Gegentreffer und konnte sich bei einem Alleingang von Nils Bohle zudem auf das Glück des Tüchtigen verlassen, als der Pfosten rettete. Nach 24 Minuten musste der 20-Jährige den Puck dann doch passieren lassen. Leon Nasebandts Flachschuss schlug im Tor ein. Immer mehr Entlastung für die EHC-Paradereihe bringen Philipp Felföldy, Marc Blumenhofen und René Sting inzwischen aufs Eis, die das 2:1 einleiteten. Felföldy und Sting legten auf, Blumenhofen, der kurz zuvor bereits die Latte getroffen hatte, brachte die Kombination zu Ende (29.). Die gutklassige Begegnung entwickelte sich in dieser Phase zu einem spektakulären Schlagabtausch mit Tormöglichkeiten für die Bären in Person von Robin Schütz (30.), der an der herauszuckenden Fanghand Lars Morawitz‘ scheiterte, sowie Willi Hamann und Rylee Orr, die eine Zwei-gegen-eins-Situation vergaben. „Es war schon etwas kurios, dass wir die Partie besser in den Griff bekamen, das Mitteldrittel aber mit 1:2 verloren haben“, schilderte Hergt. Sven Johannhardt fälschte einen Schlagschuss Philipp Brinkmanns‘ zum erneuten Remis ab (33.).

Im Schlussabschnitt konzentrierten sich die Gastgeber primär auf die Defensive. „Wir wollten lieber einen Punkt mitnehmen als zu viel zu riskieren“, erklärte der EHC-Coach die taktische Herangehensweise. „Allerdings passierten auch Sachen zum Haare raufen“, litt Hergt auf der Bank mit, wenn die Scheibe im eigenen Drittel nicht sauber genug aus dem Gefahrenbereich befördert wurde. Das Nachsetzen der Ice Dragons zeigte Wirkung, bei Felix Köllejan war allerdings spätestens Endstation.

Auch im Penaltyschießen stand der Keeper seinen Mann. Gegen Donatas Vitte riss Köllejan bereits auf dem Eis liegend fast im Stile eines Dominik Hasek die rechte Schiene noch nach oben, auch Jan-Niklas Linnenbrügger ging leer aus. „Und wir haben eben auch ein paar Jungs, die Penaltys schießen können“, kommentierte Hergt die Tore von Rylee Orr und Sven Schlicht, die bereits vor dem dritten Herforder Schützen den fünften Neuwieder Sieg im fünften Shootout dieser Saison und damit die Punkte Nummer 36 und 37 absicherten. So könnte der EHC bereits am 26. Dezember bei der nächsten schweren Auswärtsaufgabe im Hamm mit einem Sieg und ein wenig Schützenhilfe die direkte Play-off-Qualifikation absichern. In die Play-offs wollen auch die Herforder. Allerdings muss sich der HEV dafür aller Voraussicht nach in der Relegationsrunde auf Rang eins oder zwei behaupten. Zuzutrauen ist das den Ice Dragons allemal, wenn sie weiterhin so spielen wie in den vergangenen Wochen und am Sonntagabend in Neuwied.

Neuwied: Köllejan (Güßbacher) – Schütz, Trimboli, D. Schlicht, Halfmann, Neumann, Kopetzky – Fröhlich, Sting, Orr, Blumenhofen, Felföldy, Leuschner, S. Schlicht, Bill, Hamann.
Herford: Morawitz (Rusche) – Bohle, Brinkmann, Kiel, Schmunk, Derksen, Rempel – Lindt, Nasebandt, Johannhardt, MacQueen, Linnenbrügger, Staudt, Vitte.
Schiedsrichter: Daniel Melcher.
Zuschauer: 621.
Strafminuten: Neuwied: 8 – Herford: 12.
Tore: 1:0 Michael Trimboli (Fröhlich, Orr) 11‘, 1:1 Leon Nasebandt (Bohle) 24‘, 2:1 Marc Blumenhofen (Felföldy, Sting) 29‘, 2:2 Sven Johannhardt (Brinkmann, Bohle) 33‘. Penaltyschießen: 3:2 Rylee Orr.