Bären leben wieder von der Euphorie

Andreas Wichterich (links) ist einer der Bären-Spieler, die vor der Saison von der EG Diez-Limburg zum EHC zurückkehrten.

Montagmorgen in der Welt der sozialen Netzwerke. Spieler, Verantwortliche und Zuschauer des EHC „Die Bären“ 2016 haben einmal, die meisten von ihnen zufrieden, drüber geschlafen, als sie immer noch euphorisiert von diesem Eishockeyabend im Icehouse schwärmen. „Eishockey macht in Neuwied wieder Spaß. Das macht Lust auf mehr“, bekommt EHC-Manager und Interimstrainer Carsten Billigmann gedankt. Andere Fans schreiben zurecht von einem „absoluten Topspiel auf Augenhöhe“, „Adrenalin auf dem Eis und auf den Rängen“, dem „Gefühle Bärenfamilie“ und Verteidiger Christian Neumann ging die Unterstützung von den Rängen „runter wie Öl – Gänsehaut inklusive“. Die Euphorie ist in die Deichstadt zurückgekehrt, und das obwohl die Bären gegen Tabellenführer Herford mit 4:7 unterlagen. „Aber das Ergebnis“, sprach Billigmann aus, was alle empfanden, „fühlte sich nicht im Geringsten wie eine Niederlage an. Herford war die einzige Mannschaft, gegen die wir bis Sonntag in dieser Saison noch den Beweis schuldig waren, dass wir dagegenhalten können. Auch das haben wir jetzt unter Beweis gestellt. Die Jungs haben den Abend genossen, weil die Fans die Bärenhöhle beben ließen und wollen auch am Sonntagabend wieder diesen Hexenkessel erleben.“
Dann ist ab 19 Uhr die EG Diez-Limburg im Icehouse zu Gast. Viermal gab es das Derby in dieser Saison 2017/18 schon. Zweimal im Pokal, zweimal in der Meisterschaft. Mit der einen oder anderen Kampfansage von beiden Seiten und mitunter markigen Worten. Und diesmal? „Wir könnten jetzt natürlich die alten Kamellen von Brisanz und einem starken Gegner auspacken, aber das wollen wir überhaupt nicht“, verbannt Billigmann gewisse klassische Vokabularien aus dem EHC-Wortschatz. Warum? „Weil wir schon einige Male gesehen haben, dass wir erfolgreich sind, wenn wir uns ganz auf unser Spiel konzentrieren und das auf dem Eis durchbringen. Das war zum Beispiel vor kurzem im Heimspiel gegen Hamm so, als wir mit 6:0 gewonnen haben, und auch gegen Dinslaken und Herford am vergangenen Wochenende machten wir deutlich, wozu wir in der Lage sind, wenn wir ganz eng zusammenrücken und jeder für jeden kämpft. Wir können stolz sein auf das, was wir hier haben.“
Billigmann und sein Interimstrainerkollege Andreas Halfmann haben ihrem Team eine Spielweise verordnet, die ankommt. Pressing, den Gegner früh unter Druck setzen und jeden Zweikampf körperbetont zu Ende führen. „So haben wir Herford vor große Aufgaben gestellt, und wenn wir das wieder abrufen“, ist sich Billigmann sicher, „ist auch gegen die EGDL etwas möglich“.
Die hat in dieser Saison im Icehouse noch nicht gewonnen. Im Rheinland-Pfalz-Pokal trennten sich beide Teams remis, in der Liga gaben die Bären den Ton an, die dafür am Heckenweg zweimal unterlagen. Dort musste vor einer Woche auch Meister Hamm klein beigeben und verlor mit 2:7, bei dem die Deichstädter das erste Dezemberwochenende am Freitagabend ab 20 Uhr eröffnen. „Bislang lief es gegen Hamm in dieser Saison sehr gut“, beruft sich Billigmann auf den 5:2-Erfolg am ersten Spieltag und das 6:0 in eigener Halle. „Aber wir sollten nicht erwarten, dass wir den Meister wieder zu null abschießen. Das wird ein weiteres ganz hartes Stück Arbeit.“
Ein Neuwieder Arbeiter muss dann zusehen: René Sting kassierte für seinen Fight mit Herfords Fabian Staudt eine Spieldauerdisziplinarstrafe und ist beim Gastspiel an der Lippe gesperrt. Dafür steht Verteidiger Dennis Schlicht wieder zur Verfügung.