Bären kontern den Meister aus

Stephan Fröhlich erzielte im Mitteldrittel die Tore zum 3:1 und 5:1 für die Bären. Hier kommt der EHC-Kapitän vor Hamms tschechischem Neuzugang Martin Benes an den Puck.

Ende September ist im Eishockey noch nicht die Jahreszeit, in der die Bäume in den Himmel wachsen. Die Saison ist noch jung – in der Regionalliga West waren es am Freitagabend die ersten 60 Minuten -, aber was der EHC „Die Bären“ 2016 in Hamm aufs Eis brachte, hinterließ schon einmal Eindruck. Mit 5:2 schlugen die Neuwieder den amtierenden Meister und setzten eine erste Duftmarke. „Wir haben auch noch unsere Baustellen, aber im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit der Leistung und froh, dass wir die ersten drei Punkte geholt haben“, sagte EHC-Trainer Jens Hergt nach der Schlusssirene.
Nichts sehen, nichts hören, nichts fühlen – zunächst war es nur der dichte Nebel, der es einem im Maxipark schwer machte, den Überblick zu behalten. Die weiteren Sinne der Hammer Fans legten die Bären mit zunehmender Spielzeit ebenfalls mehr und mehr lahm. Als Moritz Schug in der 37. Minute zum 4:1 für die Bären traf, machten sich im Eisbären-Lager die große Stille, Enttäuschung und Emotionsfrost breit. „Lange nicht mehr so ein schlechtes Spiel gesehen“, schimpfte einer der Fans, als die Niederlage beschlossene Sache war. „Powerplay? Gibt heute doch eh nichts“, waren sich die Fans hinter dem Neuwieder Tor einig, als Hamm zu Beginn des Schlussabschnitts in Überzahl auf dem Eis stand. Aber man spielt bekanntermaßen auch immer nur so stark, wie es der Gegner zulässt. Und die Deichstädter ließen im ersten Saisonspiel nicht viel zu. Bereits nach fünf Minuten entfachten sie mit zwei starken Wechseln Druck auf das Tor von Sebastian May, sodass die Führung durch Sven Schlicht ins Bild passte (7.). Die Bären konnten dieses Gefühl zunächst jedoch nur 56 Sekunden lang auskosten, ehe Robin Loecke von hinter dem Tor Felix Köllejan auf dem falschen Fuß erwischte und ausglich. Nun standen sich zwei Mannschaften gegenüber, die mit offenem Visier agierten, was zu einigen guten Einschlussgelegenheiten auf beiden Seiten führte. „Optisch hatten wir mehr, aber Neuwied die besseren Gelegenheiten“, stellte Hamms Coach Ralf Hoja fest. Die Chancen resultierten aus Zuordnungsschwierigkeiten in der Abwehr des Meisters, der in der elften Minute Michael Jamieson zu viel Platz ließ. Dass der US-Import der Deichstädter das bestraft, hatte er bereits in den Vorbereitungspartien angedeutet. Auch in seinem ersten Pflichtspiel für den EHC trug er sich nach Sven Schlichts Querpass in die Torschützenliste ein (11.).
„Entscheidend waren die Konter. Uns fehlten in diesen Situationen Tempo und Zuordnung“, analysierte Hoja. May vereitelte zunächst noch Alleingänge von Jamieson (25.) und Willi Hamann (27.), musste zwischen der 34. und 39. Minute dann aber, alleine gelassen von seinen Vorderleuten, dreimal die Scheibe aus seinem Netz holen. Nun machte sich bemerkbar, dass der EHC das Tore schießen in dieser Saison offenbar besser verteilen kann als zuletzt. Hatte im ersten Abschnitt die Jamieson-Müller-Schlicht-Formation für Zählbares gesorgt, nahm nun die Reihe mit Martin Brabec, Stephan Fröhlich und Moritz Schug die Produktion auf und entschied die Begegnung bereits zum zweiten Kabinengang. Fröhlichs Doppelpack (34., 39.) und Schugs Direktabnahme (37.) schraubten das Ergebnis auf 5:1 in die Höhe.
Die Gäste vom Rhein, bei denen der erkrankte Verteidiger Robin Schütz und Marco Herbel, der im Abschlusstraining am Donnerstag einen Puck ins Gesicht bekommen hatte und großflächig an der Lippe genäht werden musste, fehlten, brillierten in dieser Phase nicht nur im Angriff, sie kannten auch stets den Rückwärtsgang. Zum Beispiel, als man zu zweit Hamms Topscorer Kevin Thau im drohenden Konter die Scheibe von der Kelle spitzelte. Auf die Abwehr konnte sich Trainer Hergt verlassen, sodass er für das dritte Drittel die Devise ausgab, die Führung zu verwalten und unnötiges Risiko zu scheuen. Mehr als Ergebniskosmetik durch Marvin Cohut (55.) gelang den Hausherren gegen EHC-Schlussmann Felix Köllejan nicht mehr.
„Wir befinden uns auf einem guten Weg“, nahm Jens Hergt für das bevorstehende Derby gegen die EG Diez-Limburg am Sonntagabend im Icehouse mit. Für seinen Hammer Kollegen Hoja war das Ergebnis nicht besorgniserregend: „Wir hatten eine holprige Vorbereitung, was man auch heute gemerkt hat. Aber wir werden wieder in die Spur finden.“ Eine Spur, in der sich die Neuwieder schon zu befinden scheinen. Aber: Bäume wachsen im September bekanntermaßen ja noch nicht in den Eishockeyhimmel.

Hamm: May (Dräger) – Hoppe, Schäfer, Köchling, Hemeier, Kuchnia, Spacek – Demuth, Ehlert, Trapp, Cohut, Benes, Weißleder, Kuntu-Blankson, Kraft, Thau, Loecke.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Neumann – Fröhlich, Sting, Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Brabec, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Eugen Berger.
Zuschauer: 467.
Strafminuten: 6:10.
Tore: 0:1 Sven Schlicht 7‘, 1:1 Robin Loecke (Trapp, Spacek) 7‘, 1:2 Michael Jamieson (S. Schlicht) 11‘, 1:3 Stephan Fröhlich (Brabec, Hellmann) 34‘, 1:4 Moritz Schug (Fröhlich, Brabec) 37‘, 1:5 Stephan Fröhlich (Schug, Brabec) 39‘, 2:5 Marvin Cohut (Benes) 55‘.