Bären können die Tür weit aufstoßen

Vor dem Tor müssen die Bären wieder mehr Kaltschnäuzigkeit an den Tag legen als im Spiel gegen Bad Nauheim. Hier scheitert Rylee Orr an Kiian Aaltonen.

Vor dem Tor müssen die Bären wieder mehr Kaltschnäuzigkeit an den Tag legen als im Spiel gegen Bad Nauheim. Hier scheitert Rylee Orr an Kiian Aaltonen.

Selbstläufer gibt es in dieser Saison in der Eishockey-Regionalliga West nicht. Auch nicht gegen den Tabellenletzten. Der EHC „Die Bären“ 2016 hat am Sonntag die 1b-Vertretung des EC Bad Nauheim zwar mit 4:0 besiegt und ist einer Hauptrunden-Abschlussplatzierung unter den Top-Sechs einen weiteren Schritt näher gekommen, aber zufrieden war der Neuwieder Trainer Jens Hergt nicht. „Nun müssen wir den Schalter wieder umlegen.“ Nach 39 Sekunden mit 1:0 vorne gegen das Schlusslicht – das schien eine mentale Bremse zu sein. „Ich habe 100 Prozent Einsatzwillen vermisst“, bemängelte Hergt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Währenddessen saßen seine Spieler noch in der Kabine und waren mit sich selbst auch nicht im Reinen. Eigentlich ein gutes Zeichen, hatten sie doch erkannt, gegen die Roten Teufel das Spiel zwar beherrscht, jedoch nicht konsequent genug bestritten zu haben. „Wir haben intern noch einmal deutlich darüber gesprochen und uns verdeutlicht, worum es momentan geht“, sagt Hergt. In diesen letzten Wochen des Jahres darf man sich keinen Ausrutscher leisten, um nicht Gefahr zu laufen, die sichere Endrundenteilnahme aufs Spiel zu setzen. Dass am bevorstehenden Wochenende wieder eine Schippe draufgelegt werden muss, haben Trainer und Mannschaft gleichermaßen erkannt, denn am Freitagabend spielen die Bären ab 20 Uhr bei Tabellenführer Ratinger Ice Aliens, bevor am Sonntag ab 19 Uhr die Ice Dragons des Herforder EV nach Neuwied kommen. Mit zwei Siegen würden sie die Tür zur Meisterrunde ganz weit aufstoßen.
„Wir werden Gas geben, um in Ratingen drei Punkte zu holen“, kündigt der Trainer an. „Wenn wir die Chancen besser nutzen, ist das machbar.“ Viele davon werden die Deichstädter gegen die beste Defensive der Liga (44 Gegentore in 18 Spielen) nicht bekommen. Das hat schon das Hinspiel in Neuwied gezeigt, das die Bären mit 2:1 nach Penaltyschießen für sich entschieden. Eine Partie, die den Rheinland-Pfälzern verdeutlichte, auch dem amtierenden Meister der 1. Liga West gewachsen zu sein. „Und in Ratingen haben auch schon andere Mannschaften gewonnen“, ist Hergt vor der Partie nicht bange. So entführten unlängst Dinslaken und Neuss die Punkte aus der Eissporthalle am Sandbach. Folglich sprach Aliens-Trainer Alexander Jacobs vor einer Woche von einer „kleinen Krise“, die ihm aber egal sei, solange man ab Ende Januar gut spiele, wenn es in den Play-offs ernst wird. Mit den Siegen über Grefrath (5:3) und Hamm (6:5 nach Penaltyschießen) hat sich der Durchhänger inzwischen fast schon wieder erledigt. Gegen Neuwied könnten mit Tim und Tobias Brazda zwei Ratinger Neuzugänge erstmals zum Einsatz kommen. Die 21-jährigen, vielseitig einsetzbaren Zwillinge kamen unter der Wochen von Oberligist Essen. Auch in Neuwied gibt es eine personelle Veränderung. Der EHC und Deutsch-Kanadier Morgan Reiner gehen ab sofort getrennte Wege. „Wir haben uns nach einem gemeinsamen Gespräch einvernehmlich getrennt, weil wir uns leistungsmäßig mehr versprochen hatten. Für seine weitere sportliche Zukunft wünschen wir Morgan alles Gute“, sagt Teammanager Carsten Billigmann, der unterdessen Ausschau hält, was der Markt derzeit noch hergibt: „Eventuelle Spielerverpflichtungen machen aber natürlich nur Sinn, wenn die finanziellen Rahmenbedingungen stimmen.“
Am Sonntag präsentieren sich die Bären letztmals in diesem Jahr im Icehouse. Auch wenn Herfords Trainer Jeff Job die Meisterrunde wegen des Acht-Punkte-Rückstands auf Position sechs bereits abschreibt, rechnen die Gastgeber mit einem heißen Tanz. Herford gab sich gegen andere Teams aus der unteren Tabellenhälfte jüngst keine Blöße und verlangte den Meisterrundenanwärtern alles ab, was gegen Ratingen, Neuss und Lauterbach nur zu knappen Niederlagen führte.