Bären brennen ein Feuerwerk ab

Schuss, Tor – Schuss, Tor – Schuss, Tor – Schuss, Tor: Stephan Fröhlich traf in Herford viermal.

Sie hatten es immer gesagt: Eine Eishockey-Saison wird ab Dezember, Januar richtig heiß. Dann geht es an die großen Fleischtöpfe. Dann muss die Verfassung passen. Und wenn man die ersten drei Partien des EHC „Die Bären“ 2016 seit dem Jahreswechsel betrachtet, kann man ohne Wenn und Aber feststellen, dass die Neuwieder Eishockeyspieler mit ihrem Trainer-Team beim Leistungsaufbau offenbar vieles richtig gemacht haben. Seine vier letzten Spiele gegen die Ice Dragons aus Herford hatte der verloren. Mitunter richtig schmerzhaft im ersten Aufeinandertreffen der Runde zum Beispiel (2:9) oder eben beim bitteren Viertelfinal-Aus im Frühjahr. Für das alles revanchierten sich die Deichstädter am Freitagabend mit einer Gala. Sie deklassierten den Tabellenzweiten mit 10:4. Der musste zwar unter der Woche den Abgang seines kanadischen 40-Tore-Mannes Ross-John Reed verkraften, aber damit hatte dieses eindeutige Ergebnis noch nicht einmal ansatzweise etwas zu tun. Denn Qualität haben die Drachen auch weiterhin reichlich in ihrem Kader. Nur war die der Bären diesmal noch eine Klasse höher. „Das war eine super geile Leistung. Wir haben 60 Minuten lang läuferisch, kämpferisch und spielerisch die Partie bestimmt. Dieses Ergebnis ist kein Zufall“, freute sich Trainer Daniel Benske über den dritten Sieg in seinem dritten Spiel hinter der Neuwieder Bande. Kaum zu bändigen kurz vor der nordrhein-westfälisch/niedersächsischen Grenze und dem gegnerischen Kasten: Stephan Fröhlich mit vier Toren und Martin Brabec (zwei Tore, vier Assists).
Zwei Drittel lang sahen 540 Zuschauer in der Eissporthalle „Im kleinen Felde“ eine zumindest vom Ergebnis her offene Begegnung. „Obwohl wir auch da schon das Ding dominiert haben“, merkte EHC-Manager Carsten Billigmann an. Aber da waren eben ein paar Situationen, in denen der HEV den Slot dicht besiedelte, Felix Köllejan die Sicht nahm und zum Erfolg kam. „Wirklich herausspielen konnte sich Herford nicht viel“, so Billigmann weiter. Das frühe 0:1 durch Michael Jamieson sowie drei Powerplay-Tore im ersten Abschnitt – ein Neuwieder von Stephan Fröhlich (13.) sowie zwei Herforder von Ulib Berezovskij (4.) und Florian Kiel (10.) – führten zu einem Gleichstand zur ersten Pause. Auch im zweiten Durchgang setzte der EHC den ersten Akzent. Moritz Schug markierte das 2:3 (24.) und eröffnete eine Phase, in der die Tore wie reife Früchte fielen. 30 Sekunden später glich Sven Johannhardt aus, wieder nur 20 Sekunden später holte Martin Brabec die Führung zurück. Erneut Brabec (25.) und der punktebeste Verteidiger der Regionalliga West, Aaron Reckers (27.), machten 181 verrückte Sekunden mit fünf Toren rund.
Im Schlussabschnitt drückte sich die klare Dominanz der Benske-Truppe dann auch auf der Anzeigetafel aus. Die Bären hatten Herford müde gelaufen und gekämpft, jetzt machten sie kurzen Prozess mit den Dragons. Billigmann: „Am Ende lief einfach alles perfekt. Dieser Sieg bringt zwar wie jeder andere drei Punkte, aber die Leistung war eine große Ansage.“ Nach Tobias Etzels 4:6 (45.) wurde EHC-Kapitän Fröhlich endgültig zum Drachentöter. „Happy“ schnürte binnen acht Minuten einen lupenreinen Hattrick inklusive Bauerntrick und Alleingang für die Gäste, die nun selbst in Unterzahl nicht mehr zu bändigen waren. Fröhlichs 4:9 und Frederic Hellmanns Schlusspunkt zum 4:10 fielen trotz numerischer Unterlegenheit.
Lediglich einen Schönheitsfehler hatte der erste zweitstellige Neuwieder Saisonsieg: Sven Schlicht handelte sich in der Endphase eine Spieldauerdisziplinarstrafe ein und ist für das Heimspiel am Sonntag ab 19 Uhr gegen Meister Hamm gesperrt. Dann erwartet der EHC wieder eine volle Hütte. Die Mannschaft hat es sich derzeit absolut verdient.

Herford: Figge (Rusche) – Schmunk, Reckers, Brinkmann, Kiel, Derksen – Nasebandt, Johannhardt, Linnenbrügger, Bohle, Berezovskij, Korpar, Staudt, Chmelkov, Lindt, Hutt.
Neuwied: Köllejan (Schaffrath) – Hellmann, Dieser, D. Schlicht, Wichterich, Morys, Neumann – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Kley, Jamieson, Müller, Hohmann, Brabec, S. Schlicht, Etzel, Hamann, Schug.
Schiedsrichter: Marc-André Naust.
Zuschauer: 540.
Strafminuten: 12 + Disziplinarstrafe gegen Bohle : 23 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Sven Schlicht.
Tore: 0:1 Michael Jamieson (Brabec) 2‘, 1:1 Ulib Oleksandrovic Berezovskij (Hutt, Schmunk) 4‘, 2:1 Florian Kiel (Brinkmann, Bohle) 10‘, 2:2 Stephan Fröhlich (Brabec) 13‘, 2:3 Moritz Schug 24‘, 3:3 Sven Johannhardt (Berezovskij, Hutt) 24‘, 3:4 Martin Brabec (Neumann, Jamieson) 24‘, 3:5 Martin Brabec 25‘, 4:5 Aaron Reckers (Linnenbrügger) 27‘, 4:6 Tobias Etzel (Brabec) 45‘, 4:7 Stephan Fröhlich (S. Schlicht) 48‘, 4:8 Stephan Fröhlich (Wichterich, Müller) 51‘, 4:9 Stephan Fröhlich 56‘, 4:10 Frederic Hellmann (Brabec, Neumann) 60‘.